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Felsenherz der Trapper – Teil 32.5

Felsenherz der Trapper
Selbst Erlebtes aus den Indianergebieten erzählt von Kapitän William Käbler
Erstveröffentlichung im Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1922
Band 32
Die Belagerung von Fort Wallace
Fünftes Kapitel

Felsenherz rettet das Fort

Der Bär schlüpfte nun um den Baum herum und begann rund um das Feuer einen jener Beschwörungstänze, mit denen die Priester der Indianer die Gunst Manitus für ein bevorstehendes Unternehmen zu erlangen suchen. Dass er dabei die Flammen der lohenden Reisigbündel zum Teil niedertrat, schien ein Zufall zu sein.

Chokariga machte seine Sache so geschickt, dass die Menge der Rothäute nicht den geringsten Verdacht schöpfte. Ebenso geschickt ließ er nun sein gefülltes Pulverhorn in die Flammen gleiten, sodass es hinter Felsenherz, der durch den Baum vor den Folgen der Explosion geschützt sein wurde, sehr bald mit großer Kraft in die Luft gehen musste.

Sastawura dauerte der Beschwörungstanz zu lange.

»Der Medizinmann mag Manitu auf andere Weise bitten, dass er uns das Fort erobern lässt«, rief er dem angeblichen Utah zu. »Felsenherz soll sterben, bevor noch die Morgendämmerung anbricht. Die Krieger werden jetzt …«

In diesem Augenblick entzündete sich das Pulver des Horns und mit furchtbarem Krach flogen die Brände auseinander. Die umstehenden Rothäute wurden in wirrem Haufen übereinandergeschleudert, während die anderen angstvoll zurückwichen.

Felsenherz wartete das Signal seines roten Bruders, der beim Hinabrutschen am Stamm seine Fesseln durchtrennt hatte, nicht ab.

Ein langer Satz – und er befand sich mitten zwischen den Feinden, bahnte sich mit den Fäusten eine Gasse und war in wenigen Sekunden im Wald verschwunden.

Sastawura hatte sich zuerst wieder vom Schreck erholt, jagte hinter dem Flüchtling her und rief seinen Kriegern zu: »Der Medizinmann ist ein Verräter! Nehmt ihn gefangen!«

Das wahnwitzige Wutgebrüll der Roten erfüllte die Lichtung. Doch der Bär war längst hinter die nächsten Bäume geschlüpft und konnte nicht nicht eingeholt werden.

Felsenherz stürmte schleunig dem Fort zu., jedoch der riesige Sastawura war ihm dicht auf den Fersen. Der Oberhäuptling der Sioux gehörte zu den schnellfüßigen Leuten seines Stammes. Näher – immer näher kam er dem Trapper, der sich vorhin beim Sturz von der Eiche das eine Bein etwas verletzt hatte und daher nicht imstande war, seine volle Beweglichkeit zu entfalten.

Felsenherz blieb plötzlich stehen, bückte sich und hob einen Stein von Kindskopfgröße auf, wich rasch zur Seite, ließ das Schlachtbeil an sich vorüberwirbeln und traf den blindlings Heranjagenden mit dem Steingeschoss, das er mit voller Wucht dem Oberhäuptling gegen das rechte Knie schleuderte, sodass dieser kraftlos umknickte.

Im Nu war der Trapper neben ihm, schmetterte ihm die Felsenfaust gegen die Schläfe und floh, den Bewusstlosen über der Schulter weiter dem Fort zu, kam an den umgestürzten Balkenschutzwänden vorüber, sah sich von einer Abteilung der Besatzung freudig empfangen, die der Kommandant für alle Fälle ins Gebiet vor dem Fort geschickt hatte und traf hier auch mit Chokariga zusammen, dem er nun den gefangenen Oberhäuptling überließ.

Er selbst wandte sich an den Offizier, der die Abteilung befehligte, und entwickelte ihm kurz seinen Plan, wie man die Belagerer mit ihren eigenen Waffen schlagen könnte.

Die Rothäute, die sich aus dem Wald herausgewagt hatten, wurden durch zwei Kartätschenschüsse zurückgescheucht. Bald fand sich nun auch Captain Steamer hier ein. Er billigte des Trappers Vorschlag, ließ rasch zwei der Kanonen aus dem Fort bringen, die dann nach Norden zu unweit des Waldrands hinter den Balkenwänden, die man zu einem langen Viereck zusammenschob, in Stellung gebracht wurden.

Dreimal versuchten die Rothäute dieses durch Angriffe zu verhindern. Doch gegenüber dem Geschosshagel der Geschütze konnten sie nicht standhalten. Stets flüchteten sie wieder in die Wälder zurück.

Felsenherz blieb mit dreißig Mann in der auf diese Weise angelegten starken Verschanzung zurück und gab von hier aus auf den Waldrand in kurzen Pausen immer wieder Kanonenschüsse ab, sodass die verbündeten Indianer gar nicht dazu kamen, neue Balkenwände zu errichten, die sie jetzt ja nur tief im Waldinnern hätten herstellen und dann durch den Wald hätten vorrollen müssen, was des dichten Baumwuchses wegen unmöglich war.

So brach der Tag an. Zwischen dem Fort und der Verschanzung fand ein ungehinderter Verkehr statt, da die Angreifer sich immer weiter in das Dickicht zurückgezogen hatten. So konnten die übrigen Balkenschutzwände auf einer Stelle zusammengeschleppt und verbrannt werden.

Im Lager der Verbündeten hatte sich jetzt die ursprüngliche Siegeszuversicht in tiefe Niedergeschlagenheit verwandelt. Sastawura, die Seele des ganzen Unternehmens, fehlte, befand sich in den Händen der Blassgesichter. Orabaru der Shoshonihäuptling, wollte nicht noch mehr seiner Krieger opfern, da er am Erfolg eines neuen Angriffs zweifelte.

Auch die Utah zeigten wenig Neigung, sich nochmals dem Kartätschenhagel auszusetzen.

In dieser Stimmung erhielten die beiden Häuptlinge dann von den ausgestellten Wachen die Meldung, dass Felsenherz und Chokariga als Unterhändler am Waldrand die Anführer der Belagerer erwarteten. Orabaru und der Utahhäuptling sowie zwei der ältesten Siouxkrieger begaben sich denn auch dorthin und ließen sich nun durch des berühmten Trappers eindringliche und wohlgesinnte Worte leicht überzeugen, dass alle Versuche, das Fort zu erobern, fehlschlagen mussten.

»Ich bin stets ein Freund der roten Männer gewesen«, sagte Felsenherz in seiner würdigen Art. »Ich weiß, dass sie um ihre Jagdgründe kämpfen, um ihre Freiheit! Ich bedaure, dass sie immer mehr Land einbüßen. Aber hier ist jedes Opfer umsonst gebracht. Fort Wallace ist nicht zu nehmen! Kehrt heim in eure Dörfer und begrabt das Kriegsbeil, lernt zu leben, wie die Farmer leben, lernt durch Arbeit dem Boden Schätze abringen, sucht euch der vordringenden Kultur anzupassen! Ich habe gesprochen. Ich bin Felsenherz, und ich meine es ehrlich mit den roten Kindern Manitus. Sastawura soll frei sein, wenn ihr mit uns Frieden schließt!«

Zwei Stunden später zogen die Verbündeten denn auch wirklich ab. Sastawura war, wie der blonde Trapper es versprach, freigelassen worden. Obwohl er so Felsenherz sein Leben verdankte, denn Captain Steamer hatte ihn erschießen lassen wollen, konnte der Oberhäuptling es Felsenherz doch nicht vergessen, dass hauptsächlich durch dessen Eingreifen der Anschlag auf das Fort missglückt war.

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