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John Sinclair Classics Band 18

Jason Dark (Helmut Rellergerd)
John Sinclair Classics
Band 18
Horrorfest am Galgenhügel

Grusel, Heftroman, Bastei, Köln, 08.05.2018, 66 Seiten, 1,80 Euro, Titelbild: Ballestar
Dieser Roman erschien erstmals am 27.05.1975 als Gespenster-Krimi Band 89.

Kurzinhalt:
Auf dem tristen Hügel, der wie eine Faust aus der dunklen Erde ragt, steht ein riesiger Baum mit starken, ausladenden Ästen. Jahrhundertealt hat er Generationen überlebt. Seine Geschichte ist mit Blut geschrieben. Der Galgenbaum!

Dreizehn Schlingen schaukeln im Nachtwind an den Ästen. Darunter warten die gnadenlosen Höllenknechte auf ihre Opfer …

Leseprobe

Satan selbst hatte seine Hand im Spiel!

Hell loderten die Flammen der Pechfackeln, streiften hassverzerrte, von Mordgier gezeichnete Gesichter.

Die Nacht des Schreckens war angebrochen. Die Meute wollte ihr Opfer.

Schwül und feucht war die Witterung. Unheil lag in der Luft.

Irgendwo zuckte ein Blitz. Vorbote eines nahenden Gewitters.

Ein vereinzelter Schrei durchbrach die Stille. Er war das Signal für die Meute.

Die Blutnacht konnte beginnen …

Im Dorf wurden sie zusammengetrieben!

Peitschenriemen klatschten auf nackte Oberkörper. Die Schreie der Gepeinigten übertönten selbst das Gebrüll der Menge.

Besonders tat sich ein großer bärtiger Mann hervor. Angestauter Hass auf die Unterdrücker entlud sich immer wieder in den gnadenlosen Schlägen.

Endlich waren sie frei, war die Macht der Tyrannen gebrochen.

Noah Kilrain, Herrscher der Insel, wie er sich immer gern genannt hatte, war dem Tod geweiht. Und mit ihm seine zwölf Folterknechte.

Die Menschen hatten sich aufgelehnt, waren ausgezogen, um dem Terror ein Ende zu bereiten.

Es war ihnen gelungen.

Endlich konnten sie sich rächen. Ein Taumel der Mordlust hatte sie erfasst.

Ein Wagen stand bereit. Er war aus Holz und hatte zu beiden Seiten hohe Gatter. Ein ausgewachsener Mann konnte soeben mit dem Kopf darüber schauen.

Noah Kilrain wurde als Erster auf den Wagen getrieben. Ein letzter Schlag noch riss ihm die Haut auf.

Der Bärtige ließ die Peitsche sinken. In den Augen des Mannes blitzte die Grausamkeit.

»Du wirst keinen Menschen mehr unterdrücken. Niemanden mehr foltern und kein unschuldiges Mädchen mehr vergewaltigen. Das verspreche ich dir, du Lump.«

Die Stimme des Bärtigen schnappte über vor Aufregung und Hass.

Noah Kilrain hockte auf dem Boden. Er hatte den rechten Arm angewinkelt und leckte das Blut von seinem Handrücken.

»Warte es ab«, erwiderte er. »Warte es nur ab!«

Der Bärtige ballte die freie Hand zur Faust.

»Was«, schrie er, »du willst mir drohen? Da, da! So, das wird dir wohl gereicht haben!«

Noah Kilrain wälzte sich auf den Rücken. Sein Gesicht war blutverschmiert. Das Nasenbein war gebrochen und die rechte Augenbraue aufgeplatzt.

Der einst so stattliche Mann bot einen jämmerlichen Anblick. Doch sein Wille war nicht gebrochen.

Nach wie vor funkelte in seinen schwarzen Augen ein unheimliches Feuer. Ein Feuer, das den abergläubischen Menschen im Dorf Angst und Schrecken eingejagt hatte.

Man sprach davon, dass sich Kilrain mit dem Teufel verbündet hätte. Asmodis selbst, der erste Diener des Satans, sollte sein Lehrer gewesen sein.

Der Karren, auf dem die Männer abtransportiert wurden, war hinten offen. Breitbeinig stand der Bärtige davor. Er hieß Horace Kennon und hatte sich als Hexenjäger einen Namen gemacht. Er war zufällig auf die Insel gekommen und hatte von dem grausamen Tyrannen gehört. Durch geschicktes Argumentieren hatte er es verstanden, die Leute auf seine Seite zu bringen. Dabei war für ihn ein erkleckliches Sümmchen herausgesprungen. So viel Geld, dass er einige Zeit sorgenfrei leben konnte.

Kennon wandte den Kopf.

Im Norden, wo das Haus des Tyrannen lag, loderte ein gewaltiges Feuer gegen den dunklen Himmel.

Das Haus brannte lichterloh. Die Meute hatte es vorher ausgeplündert und dann angesteckt.

Noah Kilrain stemmte sich hoch. Trotz seiner schweren Verletzungen stand er nach einigen Sekunden aufrecht auf dem Karren.

»Hast du noch nicht genug?«, knirschte der Hexenjäger und hob wieder die Peitsche.

Er wollte gerade zuschlagen, da hörte er in seinem Rücken ein infernalisches Gebrüll.

Die Meute kam!

Die aufgebrachte Menge lief zu beiden Seiten des schmalen Weges. Frauen und Kinder hielten Pechfackeln hoch. Die Männer waren mit Stöcken und Peitschen bewaffnet.

Unbarmherzig trieben sie Kilrains zwölf Knechte vor sich her. Das Schreien der Gepeinigten schmerzte in den Ohren.

Doch für Kennon war es Musik!

Er trat zur Seite.

»Los, auf den Wagen mit ihnen!« Johlend wurden die Blutknechte herangetrieben. Nacheinander wurden sie auf den Karren gestoßen.

Jemand riss die Ladeklappe hoch, verriegelte sie.

Der Herr und seine Blutknechte waren gefangen.

Jetzt übernahm Kennon wieder die Initiative. Vor den Karren waren zwei Pferde gespannt.

Der Hexenjäger lief nach vorn.

»Lauft, ihr Zossen!«, brüllte er und ließ die Peitschenschnur auf die Rücken der Pferde klatschen.

Die Tiere setzten sich in Bewegung. Die beiden großen Räder quietschten, als sie anrollten.

Die Meute stieß ein Triumphgeheul aus.

Das Dorf blieb zurück. Über einen schmalen, ausgefahrenen Weg ging es in Richtung Osten, dem Galgenhügel zu.

Dort sollten die dreizehn Männer hängen.

Die aufgeputschte Menge flankierte den Karren. Flüche wurden ausgestoßen und Hasstiraden den Gefangenen ins Gesicht geschleudert.

Und allen voran Horace Kennon, der Hexenjäger!

Immer wieder pfiff die Schnur seiner Peitsche über die Köpfe der Männer.

Die Pferde wurden von dem Schreien der Meute angesteckt. Wild zerrten sie in ihrem Geschirr.

Der Karren rumpelte und hüpfte.

Immer näher kam der Galgenhügel.

Schon viele Menschen hatten dort ihr Leben gelassen. Schuldige und Unschuldige.

Auf dem Hügel, der wie eine Faust aus der tristen Gegend ragte, stand ein riesiger Baum mit starken, ausladenden Ästen.

Es war der Galgenbaum!

Jahrhundertealt hatte er Generationen überlebt. Seine Geschichte war mit Blut geschrieben.

Die Äste trugen keine Blätter. Es war, als hielte sich selbst die Natur von dem Galgenbaum fern.

Oft schwebte ein Nebelschleier über den oberen Ästen. Dann zogen sich die Menschen im Dorf zurück und beteten, denn die Geister der Verstorbenen – so flüsterte man – hätten sich in dem Nebel vereint.

Dreizehn Schlingen hingen an den Ästen!

Für jeden eine!

Wieder zuckte ein Blitz durch die Nacht. Scharf wie ein glitzerndes Schwert fuhr er dem Boden entgegen und erhellte für Bruchteile von Sekunden die makabre Kulisse.

Die dreizehn Schlingen schaukelten im Nachtwind!

Einer der Gefangenen, der dies sah, schrie auf.

»Ich will nicht sterben! Ich will nicht sterben!« Seine Stimme überschlug sich und endete in einem leisen Wimmern.

Eine Frau sprang vor. Drohend schüttelte sie ihre Faust.

»Das wollten die vielen Unschuldigen auch nicht, du Bestie. Aber du wirst dafür hängen. Hängen! Hängen!«

Der Hexenjäger stieß die Frau zurück. Sie fiel auf den Weg. Nur haarscharf rollte das linke Rad des Wagens an ihrem Kopf vorbei.

»Halt!«

Horace Kennon hatte den Befehl gegeben.

Ein Mann fiel den Pferden in die Zügel. Schnaubend blieben die Tiere stehen.

Wütend stürzten die Männer dem Wagen entgegen, wollten die Rückwand aufreißen.

Kennons Peitsche pfiff durch die Luft, fegte die Männer zur Seite.

»Ihr Narren!«, brüllte der Hexenjäger. »Was jetzt kommt, ist meine Aufgabe. Ich werde sie hängen. Jeden Einzelnen. Ha, ha, ha.«

Mit einem Ruck fiel die Klappe. Dumpf prallte sie auf den Boden.

Die Meute wurde still.

Das Horrorfest am Galgenhügel nahm seinen Lauf.

Der Hexenjäger griff unter sein dickes Wams. Mit einer bedächtigen Bewegung zog er eine Rolle Pergamentpapier hervor.

Genüsslich rollte er sie auf. Das Knistern des Papiers war Musik in den Ohren der Männer.

Der Hexenjäger leckte sich die Lippen. Bevor er las, blickte er noch einmal in die Runde.

Mehr als hundert Augenpaare starrten ihn an, warteten auf das Startzeichen des Todes.

»David Fletcher!«, rief der Hexenjäger. »Komm raus!«

Ein Stöhnen war die Antwort. Dann taumelte ein Mann vom Karren. Vor Kennon brach er in die Knie.

Der Hexenjäger lachte und winkte zwei Männern. Sie kamen und zogen den Mann hoch.

Kennon streckte den Arm aus. »Dort, die erste Schlinge, die ist für ihn!«

Die Männer schleiften den Verletzten zu der angegebenen Stelle. Dort zogen sie ihn hoch.

Einer griff nach der Schlinge.

»Stopp!«, dröhnte Kennons Stimme. »Das mache ich selbst!«

Mit langen Schritten näherte sich der Hexenjäger seinem Opfer. Er riss den Kopf des Mannes nach hinten. Ein Paar Augen, in denen das nackte Grauen flackerte, starrte ihn an.

Kennon legte dem Mann die Schlinge um den Hals. Dabei mussten die beiden Helfer den Verletzten hochheben.

Eine Kiste wurde gebracht. Das Opfer daraufgestellt.

Kennon scheuchte seine Helfer zur Seite und hob das rechte Bein. Ein Tritt, und die Kiste wurde weggefegt.

Der Verletzte bäumte sich ein letztes Mal auf, zuckte konvulsivisch mit den Beinen.

Dann hing er still. Langsam pendelte sein Körper im Nachtwind.

»Der Nächste!«, schrie Kennon und griff wieder zu seiner Kiste.

Eine Stunde später hingen zwölf Leichen an dem Galgenbaum. Nur noch einer war übrig.

Noah Kilrain!

Aufrecht ging er seinem Schicksal entgegen. Er sollte ganz vorn hängen, den Menschen immer eine grausame Mahnung sein.

Kennon höchstpersönlich stellte Noah Kilrain auf die Kiste.

»Nun?«, fragte er. »Hast du noch etwas zu sagen, Leuteschinder?«

Noah Kilrain blickte in das flackernde Licht der Pechfackeln. Er hatte die Augen zusammengekniffen. Sein Gesicht war von den Schlägen gezeichnet, doch sein Verstand arbeitete hellwach.

»Ja, ich habe euch noch etwas zu sagen. Ihr alle«, Kilrain machte eine weite Handbewegung, »habt euch mit dem Satan eingelassen. Ihr wollt einen Verbündeten des Teufels hängen. Macht es nur, doch meine Rache wird über euch und eure Ahnen kommen!«

Die Männer und Frauen zuckten erschrocken zusammen. Ganz Ängstliche schlugen hastig ein paar Kreuzzeichen.

»Verflucht seid ihr und eure Kinder!«, dröhnte Kilrains Stimme. »Mein Blut wird …«

»Hängt ihn endlich, zum Teufel!«, schrie Horace Kennon. Mit einem wuchtigen Tritt stieß er die Kiste unter Kilrains Füßen weg.

Das Seil straffte sich.

Im gleichen Augenblick spaltete ein greller Blitz die Nacht. Wolken krachten gegeneinander. Ein gewaltiger Donner fegte über das Land.

Die Menschen zogen die Köpfe ein, duckten sich.

Angst stahl sich in ihre Herzen. Ein Fluch war ausgestoßen worden, wie er grässlicher und grausamer nicht sein konnte.

Hastig wandten sie sich um, liefen mit schnellen Schritten dem Dorf entgegen.

Der Teufel war ihnen auf den Fersen …

Personen

  • Noah Kilrain, Herrscher der Insel
  • Horace Kennon, Hexenjäger
  • Kilrains zwölf Blutknechte
  • Dorfbewohner
  • Schankwirt
  • Dorfpfarrer
  • Fred Young, Kaufmann
  • Christine, seine Ehefrau
  • Sir James Powell, Superintendent
  • John Sinclair, Inspektor bei Scotland Yard
  • Mrs. Paddelton, Johns Putzhilfe
  • Bill Conolly, Reporter
  • Hotelportier
  • Mrs. Young, Freds Mutter
  • Burns
  • O‘Donell, Schreiner, Sargtischler, Leichenbestatter

Orte

  • Foynes, irisches Dorf
  • London
  • Cork

Quellen:

  • Jason Dark: John Sinclair Classics. Geisterjäger John Sinclair. Band 18. Bastei Verlag. Köln. 08. 05. 2018
  • Thomas König: Geisterwaldkatalog. Band 1. BoD. Norderstedt. Mai 2000

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