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Fort Aldamo – Band 64

Frank Callahan
Fort Aldamo
Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker
Band 64

Treck der verlorenen Seelen

Western, Military, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,80 €, Neuauflage vom 17. 04. 2018, Titelbild von Günter König

Kurzinhalt:
Master Sergeant Finnewacker hat große Schwierigkeiten mit Black Devil, dem Rassehengst, den ihm Großer Bär als »kleines Überraschung« vor einigen Tagen gemacht hatte. Auf einem Patrouillenritt finden Finnewacker und Fitzgerald einen halb verdursteten und angeschossenen Oldtimer in der Wüste. Sie bringen ihn ins Fort. Und dort erfahren sie von dem Verwundeten, dass er zu einem Siedlertreck gehört, der aus Utah kommt und nach Kalifornien will. Der Treck wurde von Banditen überfallen und ausgeraubt.

Master Sergeant Finnewacker setzt alle Hebel in Bewegung, um den Siedlern zu helfen. Das wird nicht einfach, denn die Banditen lauern noch in der Nähe.

Leseprobe

»Wer sich selbst mit Humor nimmt, erspart sich die Klapsmühle!«, knurrte Master Sergeant Finnewacker verbiestert, nachdem er sich auf die Beine gequält hatte.

Sergeant Fitzgerald, der kleinwüchsige und krausköpfige Sergeant und Finnewacker Stellvertreter in Fort Aldamo, verbiss sich nur mit Mühe ein breites Grinsen.

»Lass es gut sein, mein Alter«, meinte er. »Irgendwann schaffst du es schon, diesen schwarzen Teufel zu reiten.«

Der kommissarische Commander von Fort Aldamo und Spieß der Strafkompanie starrte auf das prächtige Pferd, das nur wenige Yards von ihm entfernt stand und ihn aus großen Augen ansah. Jetzt stülpte der Rapphengst die Unterlippe nach vorn. Und es sah ganz so aus, als würde er spöttisch grinsen.

Trotz allem musste Finnewacker zugeben, dass er selten ein solch schönes und rassiges Pferd gesehen hatte. Sein Fell schimmerte wie das Gefieder eines Raben. Und mitten auf der Stirn hatte der Rappen einen faustgroßen weißen Fleck. Prächtige Muskeln spielten unter dem Fell.

»Himmel, Arsch und Zwirn«, polterte Finnewacker. »Es muss mir doch gelingen, dieses Biest zu reiten. Jetzt versuche ich’s schon einige Tage, doch der Gaul wirft mich immer wieder ab. Langsam verliere ich die Geduld. Da hat mir dieser Pfannkuchenfresser von Großer Bär aber ein besonders dickes Kuckucksei ins Nest gelegt. Irgendwann zahle ich ihm das heim!«

»Der Apachenhäuptling hat’s nur gut gemeint, Finnewacker«, gab Fitzgerald zu bedenken. »Immerhin ist Black Devil nur ›kleines Überraschung‹! Sei nur froh, dass er die beiden Squaws wieder mitgenommen hat, die er dir als ›großes Überraschung‹ zum Geschenk machte. Da hättest du noch mehr Ärger als mit diesem rassigen Mustang!«

Master Sergeant Finnewacker winkte ab.

Dann klopfte er sich Staub, Sand und Schmutz aus seiner Uniform. Es staubte mächtig.

»Er scheint den Sattel nicht zu mögen«, vermutete der kleine Krauskopf. »Irgendwann gewöhnt sich Black Devil schon daran. Und wie ich dich kenne, gibst du nicht auf, ehe du den Vierbeiner bezwungen hast!«

»Ein Master Sergeant Finnewacker gibt niemals auf, Kleiner. Das solltest du wissen. Ich will’s für heute gut sein lassen. Morgen ist auch noch ein Tag. Dann aber höre ich nicht früher auf, ehe dieses verrückte Biest klein beigibt!«

Sergeant Fitzgerald verzog skeptisch das Gesicht.

Daran glaubte er nicht!

Gut – sein Vorgesetzter hatte Fortschritte gemacht. Immerhin hielt er sich jetzt schon ungefähr zwanzig Sekunden im Sattel. Vorher war er spätestens nach zehn Sekunden im heißen Wüstensand gelandet.

Finnewacker hatte wohlweislich seine »Zureitversuche« einige Hundert Yards von Fort Aldamo entfernt in die trostlose Einöde verlegt, damit ihn die Strafsoldaten und Chargierten dabei nicht beobachten konnten.

Und doch ahnte Finnewacker, dass hin und wieder Feldstecher auf ihn gerichtet waren. Natürlich ließ sich keiner der Kameraden oder Sträflinge etwas anmerken, wie er in die alte, ehemals spanische Festung zurückkehrte.

Finnewacker packte Black Devil, wie er den Hengst getauft hatte, am Zügel und marschierte in Richtung des Forts davon. Der Schwarze Teufel folgte willig und stieß dann sogar ein trompetenhaftes Wiehern aus.

»Diese Schindmähre macht sich auch noch lustig über mich«, schimpfte Finnewacker. »Der Zossen will mich versch … äh … veräppeln. Vielleicht sollte ich ihn unserem dicken Küchenbullen schenken. Der macht bestimmt ein erstklassiges Mittagessen aus diesem Teufelsbiest!«

Sergeant Fitzgerald zog ein entsetztes Gesicht. »Mensch, Finnewacker, das ist doch nicht dein Ernst?«

»Natürlich nicht. Black Devil stinkt mir eben mächtig. Ich kriege das aber noch hin. Verlass dich darauf!«

»Vielleicht sollten wir Black Devil mal mit nach Yuma nehmen. Dort gibt’s einige Ranches, wie du weißt. Bestimmt finden wir einen erfahrenen Cowboy, der den Rapphengst zureitet.«

Master Sergeant Finnewacker blieb abrupt stehen.

Das hätte er lieber unterlassen sollen, denn Black Devil stieß ihm halt die Schnauze gegen den Rücken. Der Commander von Fort Aldamo konnte nur mit Mühe sein Gleichgewicht halten.

»Verflixt und zugenäht«, polterte der alte Haudegen. »Jetzt greift mich der Klepper auch noch tätlich an. Hast du Töne?«

»Ist doch keine Absicht gewesen. Warum bist du auch nur so plötzlich stehen geblieben?«

»Ach so, Kleiner. Das mit ’ner Ranch und ’nem Cowboy kommt überhaupt nicht in die Tüte. Wenn ich’s nicht allein schaffe, erhält Großer Bär seine ›kleines Überraschung‹ wieder zurück. Dann will ich aber …«

»Ach du grüne Neune«, unterbrach Fitzgerald seinen Vorgesetzten. »Du willst dann doch hoffentlich nicht die beiden Squaws wieder zurückhaben?«

Finnewacker grinste breit.

»Was denn sonst …?«, tönte er.

 

*

 

»Keine besonderen Vorkommnisse, Master Sergeant!«, meldete Sergeant Gammer, nachdem die beiden Blauröcke das Fort betreten hatten.

»Hast du ’ne Ahnung«, murmelte Finnewacker und strich über seinen verlängerten Rücken, der in der letzten Stunde mehr als einmal unliebsame Bekanntschaft mit dem Wüstenboden gemacht hatte.

Gammers Gesicht blieb todernst.

»Stimmt etwas nicht, Finnewacker?«

»Nein, alles in bester Ordnung. Kannst dich weder verziehen. Danke für die Meldung, mein Guter!«

Gammer salutierte und stiefelte davon.

»Ich schwirre auch ab, oder soll ich den Teufelshengst in den Stall bringen?«, fragte Fitzgerald.

»Ich kümmere mich selbst darum. Was hältst du davon, wenn ich Black Devil mal auf halbe Ration setze? Vielleicht legt sich dann seine Wildheit wenigstens ein wenig. Ich könnt’s ja mal versuchen!«

Der kleine Blaurock schüttelte den Kopf.

»Unsinn, Finnewacker. Das macht Black Devil nur noch wilder. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass du in ein paar Tagen einem halb verhungerten Pferd deinen Willen aufzwingen willst.«

»Kannst recht haben, Kleiner. Okay, bis später. Du bist heute dran, ‘ne Runde auszugeben. Dass du dich nur nicht drückst!«

»Ich bin vor drei Tagen dran gewesen, einen Whisky zu spendieren, mein Alter. Gestern war Wollcram dran. Und wenn mich nicht alles täuscht, bist du heute an der Reihe. Ich gehe schon mal vor in die Kantine.«

Der kleine Krauskopf grinste diebisch, grüßte nachlässig und marschierte davon. Sein Vorgesetzter blickte ihm fassungslos hinterher.

»Zum Henker – da stimmt doch was nicht!«, murmelte Finnewacker dann. »Na, das muss ich später klären.«

Er stiefelte mit Black Devil am Zügel auf den Pferdestall zu. Ein Strafsoldat sauste hervor und schlug die Hacken so fest zusammen, dass es ihn fast von den Beinen riss.

»Infanterist Zieger zum Pferdestallsäuberungskommando eingeteilt, Master Sergeant. Kann ich Ihnen behilflich sein?«

»Aber ja doch, du Hecht. Kümmere dich um den Satansbraten. Beste Behandlung. Kaporus?«

»Zu Befehl, Master Sergeant!«

»In Ordnung. Wie lange noch?«

»Ein Jahr, zwei Monate und acht Tage, Master Sergeant!«

»Wie schön für dich, Infanterist Zieger. Dann bleibst du uns ja noch eine Weile erhalten.«

»Aye, Master Sergeant!«

Der etwas dickliche und trotzdem sehr bullig wirkende Strafsoldat zog ein nicht gerade begeistertes Gesicht. Immerhin hatte er noch eine ziemlich lange Strafe hier in Fort Aldamo abzubrummen. Und dass nur, weil er ausgerechnet einem General eine gescheuert hatte.

Da gab es schlimmere Übeltäter unter den Strafsoldaten. Infanterist Zieger besaß die Sympathie des alten Kämpen. Außerdem hatte sich der Sträfling bisher gut geführt. Und das fand Anerkennung unter den sonst so kritischen Augen des Spießes der Strafkompanie.

»Na, dann mal los, alter Pferdeäpfelsammler. Ich überzeuge mich in einer Stunde davon, ob Black Devil auch wirklich gut versorgt ist.«

»Zu Befehl, Master Sergeant!«

Finnewacker marschierte in Richtung Kantine davon. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als am Küchentrakt vorbeizulaufen. Und dann trat auch das schon ein, was dem alten Raubein nicht schmeckte.

Sergeant Kleiber watschelte aus dem Anbau hervor.

Für eine Umkehr oder schnelle Flucht war es zu spät.

Master Sergeant Finnewacker unterdrückte nur mit Mühe eine Verwünschung und blieb stehen.

Der dicke Kleiber, dem alles unterstand, was mit Küche und Verpflegung zu tun hatte, bemühte sich wieder einmal vergeblich, seinen kugelrunden Bauch einzuziehen. Und bei seinem laschen Gruß hätte jeden Rekrutenausbilder zweifellos der Schlag getroffen.

»Was willst du, alte Küchenschabe?«, polterte Finnewacker, um dem Dicken gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen.

»Ausdrücke hast du, Finnewacker!«, beschwerte sich der dicke Küchenbulle. »Das ist ja die Höhe. Wenn du so weitermachst, dann lasse ich mich wirklich von hier versetzen?«

Finnewacker griente.

»Geht das schon wieder los, Sergeant?«

»Ich wollte es nur mal gesagt haben.«

»Verdammt noch mal, warum bist du auch immer gleich beleidigt? Also, was hast du auf dem Herzen?«

»Nichts Besonderes, Finnewacker. Ich wollte mich nur mal erkundigen, ob du mit Black Devil klarkommst?«

Da hatte der wohlgenährte Wonneproppen aber einen besonders wunden Punkt des Commanders von Fort Aldamo erwischt.

Finnewackers Schnurrbart begann sich zu sträuben. Und das war stets ein schlechtes Zeichen, was den Gemütszustand des eisenharten Master Sergeants betraf.

»Warum willst du das wissen?«, knurrte Finnewacker wie ein gereizter Wolf, dem ein anderer Lobo die Beute streitig machen wollte.

»Nur so. Vielleicht kann ich dir ’nen Tipp geben, wie du mit diesem Superpferd klarkommst!«

Finnewacker staunte den dicken Küchensergeant an.

»‘nen Tipp. Mensch, Kleiber, du weißt doch nicht einmal, was vorn und hinten bei einem Pferd ist.«

»Dann eben nicht«, murrte Sergeant Kleiber. »Tut mir sehr leid, dass ich dich belästigt habe.«

Finnewacker seufzte.

»Schon gut. Ich hab’s nicht so gemeint«, entschuldigte sich Finnewacker. »Los, spuck’s schon aus. Ich bin für jeden Tipp dankbar, der mir weiterhelfen kann. Ehrlich, Kleiber!«

Der Küchensergeant sah seinen Vorgesetzten mit schief gelegtem Kopf an und wirkte nach wie vor beleidigt.

»Soll ich vielleicht in die Knie gehen und dich innig bitten, mir deinen Tipp zu verraten?«, fragte der Commander.

»Du solltest mal Black Devil die flache Hand zwischen die Ohren legen, Finnewacker«, schlug Sergeant Kleiber vor. »Das habe ich bei den Apachen gesehen, als ich vor einigen Monaten den Squaws das Pfannkuchenbacken beigebracht habe. Dann wurden ihre Mustangs immer friedlich und lammfromm.«

»Wirklich …?«

»Ehrenwort!«

»Gut, ich w’erde es ausprobieren, Dicker. Danke für den Tipp.«

Der wohlgenährte Küchenbulle grinste zufrieden. Seine dicken Hamsterbacken wackelten wie Pudding.

»Dann bis später, Finnewacker.«

Kleiber wollte davonwatscheln.

»Übrigens, alter Zuckerbäcker. Bist du heute nicht zufällig dran, ’nen Drink auszugeben?«

Kleiber blieb stehen, sah seinen Vorgesetzten erstaunt an und schüttelte dann der Kopf.

»Du bist dran, Finnewacker. Willst dich wohl drücken – was…?«

Der Küchenbulle gab Fersengeld, als Finnewackers Gesichtsausdruck noch düsterer wurde.

»Muss ’ne Verschwörung sein«, brummelte der alte Kämpe. »Die Jungs wollen mich reinlegen. Anders kann’s gar nicht sein. Denen werd’ ich’s aber zeigen. So wahr ich Finnewacker heiße!«

Quelle:

  • Frank Callahan: Fort Aldamo. Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker. Band 64. Bastei Verlag. Köln. 17. 04. 2018

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