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Felsenherz der Trapper – Teil 28.4

Felsenherz der Trapper
Selbst Erlebtes aus den Indianergebieten erzählt von Kapitän William Käbler
Erstveröffentlichung im Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1922
Band 28
Das Geheimnis des Farmers
Viertes Kapitel

Der blonde Trapper nahm die Laterne und begann die aus rauen Brettern bestehenden Fußböden zu untersuchen. Die Blockhütte enthielt nur die Küche und ein Wohn- und Schlafzimmer.

Tom Einaug fragte verwundert: »Worauf habt Ihr’s eigentlich abgesehen, Felsenherz?«

Der berühmte Jäger hob gerade eine im Fußboden der Küche angebrachte Falltür hoch. Sie bildete den Zugang zu einem tiefen Erdloch, das Hoffner als Keller benutzt hatte. Eine kurze Leiter führte hinab.

Tom stieg jetzt neugierig hinter dem schweigsamen Felsenherz die wenigen Sprossen hinunter.

In einer Ecke dieses primitiven Kellers war Brennholz aufgeschichtet. Daneben lagen mehrere Bretterstücke. Als Felsenherz sie jetzt mit dem Fuß beiseiteschob, kam darunter eine unregelmäßig geformte zweite Falltür zum Vorschein.

»Donnerwetter – noch ein Keller?«, brummte Tom erstaunt.

Felsenherz bückte sich und zog die Falltür empor.

Da sahen die beiden denn nun eine breite Felsspalte, die sich wie ein Schacht in die Tiefe zog.

In diesem Schacht hing – eine Strickleiter an einem starken Holzhaken.

»Begreift Ihr nun, Tom?«, fragte der blonde Jäger leise. »Dies hier ist ein Teil von Hoffners Geheimnis! – Ich werde jetzt allein hier hinabklettern. Ich vermute, dass ich in eine riesige Höhle gelangen werde, die sich nach Westen bis zu jener Baumgruppe hinzieht, an der Hoffner erschossen wurde. – Ihr seht, Tom, so ist Hoffners Verschwinden hier aus der Ansiedlung am leichtesten zu erklären.«

»Allerdings! – Und Harry Bleec?«

»Nun – der ist eben irgendwie hinter dieses Geheimnis gekommen, dessen wertvollste Besonderheit in einer Bonanza bestehen dürfte! Dieses Goldlager wird in der Höhle zu suchen sein. Auch Bleec kennt sie. Heute nun wollte der Schurke, der allmählich die Osage gegen die Ansiedler aufgewiegelt hat, den Hauptschlag ausführen, die Niederlassung durch die Rothäute zerstören und alle Bewohner Draakensberges hinmorden lassen. Dann hatte er für seine weiteren Pläne freie Hand, dann konnte er nachher in aller Stille die Bonanza plündern und in zivilisierte Gegenden als reicher Mann zurückkehren. – Als Erster musste Hoffner sterben, damit Bleec die Osage und jetzt auch die Apachen durch die Höhle und den Schacht hier unbemerkt auf die Bergkuppe bringen konnte.

Um die Osage und Apachen ganz auf seine Seite zu bringen, wird er ihnen das Gold der Gambusinos versprochen haben, das sie sich ja auch bereits geholt haben. – So, Tom, nun eilt nach oben und sagt Draaken Bescheid. Er soll hier an der Felsspalte ein paar Männer postieren – für alle Fälle! Es ist ja möglich, dass mir etwas zustößt.«

Die Strickleiter reichte bis zu einer Holzleiter hinab. Hier war der Schacht bereits drei bis vier Meter breit. Sehr bald gelangte Felsenherz denn auch, ganz wie er vermutet hatte, in eine Grotte von einer solchen Ausdehnung, dass er sich hier wohl erst nach langem Suchen zurechtgefunden hätte, wenn er nicht den Spuren Hoffners hätte folgen können.

Hoffner musste hier sehr oft durch die Stille und Einsamkeit gewandert sein, denn er hatte mit der Zeit einen förmlichen Pfad mit seinen Stiefeln glatt getreten. So brauchte der kühne Trapper denn nur diesen Pfad zu benutzen, um nach fast halbstündigem Marsch in eine schmale Nebenhöhle geleitet zu werden, in der ein unterirdischer Bach murmelnd dahin floss.

Gleich darauf sah Felsenherz auch schräg über sich Teile des mächtigen Wurzelstocks eines uralten Baumes und dicht daneben ein enges Loch, das ins Freie, in ein Dornendickicht führte.

Nun konnte er kehrt machen. Nun wusste er alles, was er wissen wollte.

Er hatte die Laterne unten in der Höhle zurückgelassen und lag jetzt lang ausgestreckt in dem Dickicht, schob sich bereits rückwärts wieder dem Felsloch zu, als er plötzlich einen Indianer bemerkte, der lautlos durch das Gestrüpp kroch.

Der Trapper schmiegte sich noch enger in das auch hier üppig wuchernde Gras, zog mit der Linken das Jagdmesser aus der Scheide und hielt sich bereit, die Rothaut geräuschlos unschädlich zu machen.

Da fiel ein Mondstrahl durch die Zweige und zeigte Felsenherz das edle Gesicht seines roten Bruders Chokariga.

Sofort ahmte er das Zirpen der Grille rasch.

Chokariga antwortete in derselben Weise.

Dann tauschten sie hastig ihre Beobachtungen aus. Der Häuptling hatte vorhin gesehen, wie Bleec den Osagehäuptling und Mattari hier in das Gestrüpp geführt hatte und dann die drei belauscht. So hatte er Kenntnis von der Höhle erhalten, mit deren Hilfe Bleec die Ansiedler noch in dieser Nacht überfallen lassen wollte.

Felsenherz und Chokariga waren sich rasch einig, wie man am gründlichsten die schändlichen Absichten Bleecs vereiteln könnte.

Dann kehrte der Trapper durch die Höhle und den Schacht auf die Bergkuppe zurück, während Chokariga abermals die gefährliche Aufgabe übernahm, die Feinde unausgesetzt im Auge zu behalten.

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