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Sammlung bergmännischer Sagen Teil 23

Das arme Bergmannsleben ist wunderbar reich an Poesie. Seine Sagen und Lieder, seine Sprache, seine Weistümer reichen in die älteste Zeit zurück. Die Lieder, die wohlbekannten Bergreihen, die Sprachüberreste, die Weistümer sind teilweise gesammelt. Die Sagen erscheinen hier zum ersten Mal von kundiger Hand ausgewählt und im ganzen Zauber der bergmännischen Sprache wiedergegeben. Das vermag nur zu bieten, wer ein warmes Herz für Land und Leute mitbringt, wo diese uralten Schätze zu heben sind; wer Verständnis für unser altdeutsches religiöses Leben hat, wer – es sei gerade herausgesagt – selbst poetisch angehaucht ist. Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen, ist eine alte und ewig neue Wahrheit. Hat der Verfasser auch nur aus der Literatur der Bergmannssagen uns bekannte Gebiete begangen, verdient er schon vollauf unseren Dank. Seine Liebe zur Sache lässt uns hoffen, er werde mit Unterstützung Gleichstrebender noch jene Schaetze heben, die nicht an der großen Straße liegen, sondern an weniger befahrenen Wegen und Stegen zu heiligen Zeiten schimmern und zutage gefördert sein wollen.


III. Sagen von den Venedigern

12.

Auf der Garselleneck ist vor undenklichen Zeiten eine Goldquelle aus einem Felsen hervorgequollen. In die Nähe dieses Wassers kamen einmal an einem hohen Feiertag während der Spätmesse drei Mädchen, deren jedes einen kleinen Eimer am Arm trug. Ihr werdet sagen, die haben gewiss Gold schöpfen wollen? Nein, das nicht, zum Goldschöpfen wären die drei noch ein bisschen zu dumm gewesen. Dieses Handwerk hat nur der Venediger verstanden. Das war ein Männchen, das vor Zeiten in unserem Ländchen viele Stege und Wege hatte, und nicht elten kam es auch auf die Garselleneck. Einmal hat es ein Wirt gesehen, wie es eine Kanne unter das Goldwasser bis zum Überlaufen hielt und darauf wie ein Vogel davon flog.

Gerade an demselben Feiertag, als die drei Mädchen zur Goldquelle kamen, war auch der Venediger wieder da und wollte Schätze, wollte Gold holen. Die mädchen suchten ein wenig abseits Erdbeeren, scherzten und lachten, als ob alles in Ordnung gewesen wäre, während sie doch in die Kirchen hätten gehen sollen, wie es sich an Sonn- und Feiertagen für Christen schickt.

Auf einmal kam der Venediger hervor und fuhr die Mädchen an: »Was tut ihr da?«

Diese waren ganz erschrocken, sahen einander verlegen an und sagten: »O, nichts!«

Darauf sprach der Venediger: »So sollt ihr auch nichts anderes werden, als drei Felsen, damit ich mein Goldwasser darunter verstecken kann!«

Und so ist es auch geworden. Die drei Mädchen wurden zu drei aufragenden Felsen, sie stehen noch heute da. Man nennt sie die drei Schwestern. Das Goldwasser wird wohl noch darunter versteckt sein, man findet es aber nicht.

Oft sind sie auch zu den Bauern auf den Hof gekommen und haben hart am Heustock gesotten und gebraten, sodass das Feuer am Heu hinauffuhr, ohne jedoch etwas anzuzünden.