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Bau und Einrichtung von Burgen im Mittelalter – Teil III

2. Die Hauptburg

b.) Bergfried

Das für die innere Verteidigung der Hauptburg wichtigste und oft auch das älteste Gebäude war der große Turm. Er ragte über alle anderen Gebäude hervor, war kräftig, nach allen Seiten hin verteidigungsfähig und muss als der eigentliche Kern der ganzen Burganlage betrachtet werden. Der Besitz der ganzen Burg beruhte auf dem Besitze dieses Turmes. Wir sehen das besonders dort, wo der Turm den ersten Eingang, den östlichen und west­lichen Vorhof, den Zugang in die Hauptburg, den Burghof und den Zutritt in das Herrenhaus beherrscht. Ein Turm wurde für unumgänglich notwendig erachtet und fehlte in keiner Burg. Man nannte ihn bald Bergfried, bald Tom, hoher Tora, dicker Turm.

Der Name Bergfried wird auf das Mannigfaltigste der deutschen, lateinischen und französischen Sprache angepasst, und zwar: Berevrit, Bergfrit, Barchvred, Bervrit, Berefreit; Berfredus, Belfredus, Belfragium; Berfroi, Baffraiz.

Deutsche Herleitung des Namens

Die deutsche Herleitung des Namens ist verschieden und wurde darüber schon viel gestritten. Die einen sagen: Bergfried hieß ursprünglich und auch später noch im weiteren Sinne jede Einfriedung und Befestigung eines Berges und somit auch einer auf dem Berg gelegenen Burg. Später sei diese Benennung im engeren Sinne auf den Turm der Burg als dem Hauptkern der Befestigung über­gegangen. Andere behaupten: Die Bezeichnung Bergfried dürfte sich am richtigsten vom Burgfrieden herschreiben. Unter Burgfrieden verstand man nämlich den Bezirk oder Befang um die Burg herum, welcher als unzertrennlich von ihr und so angesehen wurde, als ob er in der Burg selbst gelegen wäre. Ferner begriff man darunter die Polizeiordnungen und Vorschriften, welche zur Erhaltung der Ruhe und Sicherheit in der Burg und deren Umkreis aufgestellt wurden. Die Störung der öffentlichen Ruhe in diesem Umkreis wurde sehr strenge geahndet. Hier durfte kein Flüchtling verhaftet und kein Schwert gezogen werden. Da nun der Umkreis, so weit der Turm gesehen werden konnte, zum Burgfrieden gerechnet wurde, und inner­halb desselben der Friede geborgen war, so mochte es geschehen, dass der Turm davon die Bezeichnung Bergfried erhielt. Sollte aber dieser Name nicht etwa davon herzuleiten sein, dass der Berg­fried das Hauptwerk des zur Bergung der Sicherheit und des Friedens aufgeführten Baues war, die Burg unter seinem kräftigen Schutz, gleichsam unter seinem Schatten, in Sicherheit ruhte, und ihre Verteidiger in äußerster Feindesnot sich zu diesem Turm flüchten und dort bergen konnten? Die Annahme, dass der Haupt­turm den Namen Bergfried deshalb führt, weil er die Sicherheit birgt, wird auch durch den Umstand nicht wenig unterstützt, dass man im Mittelalter das Wort Friede oft für das Wort Sicherheit setzte und gebrauchte. Danach bedeutet Bergfried so viel wie Sicherheits­schutz, und das war auch dieser Turm tatsächlich.

Der Zweck des Berg­friedes

Der Zweck des Bergfriedes war ein dreifacher: Er diente als letzter Zufluchtsort, als Hochwarte und als Deckung oder Schild für den dahinterliegenden Burgraum.

Als letzte Zufluchtstätte

Wenn die Zahl der Verteidiger einer Burg so zusammen­geschmolzen war, dass sie mit der Länge der angreifbaren Umfassung nicht mehr im Verhältnis stand, oder wenn ein großer Teil der Burg verloren ging, flüchteten sich die letzten Verteidiger mit dem Rest ihrer Habe in den Bergfried. Von hier aus versuchten sie nun in unbewachten Augenblicken oder von außen, durch die Untertanen der Burgherrschaft und die herbeigeeilten Freunde unter­stützt, die Wiedereroberung des verlorenen Teiles der Burg. Oder sie suchten durch Unterhandlungen billige Bedingungen der Übergabe zu erhalten, und im äußersten Fall ihr Lehen so teuer wie möglich zu verkaufen. Darum stellte man auch den Bergfried oft allein, um nicht, wenn die Burg genommen und er allein noch verteidigt wäre, durch Anzündung zu naher Gebäude herausgeräuchert und zur Übergabe gezwungen zu werden. Der Bergfried in einer größeren Burg wurde also gewöhnlich nur im Augenblick der äußersten Gefahr vom Burgherrn bewohnt.

Als Warte

Außer der Zuflucht gewährten hohe Bergfriede durch den weiten Blick über die Umgegend, den Nutzen, alles, was vorteilhaft oder schädlich werden konnte, schon in der Ferne sehen und sich darauf vorbereiten zu können, nämlich Freunde und Feinde oder vorüber­ziehende Kaufleute, denen man Geleit gab und Zoll abnahm. Der auf dieser Warte angestellte Wächter hatte auch die Pflicht, die Burgbewohner und die anderen Leute, welche sich draußen im Feld oder Wald befanden, durch Hornsignale vor Überfall zu warnen.

Das Türmerhorn war in der ersten Zeit nur ein Tierhorn. In der Glanzepoche des Rittertums aber eine Art Trompete von Metall, die auch bei Aufzügen hoher Herren und allen Festlichkeiten fleißig geblasen wurde und sehr lang war.

Im 13. Jahrhundert wurden auf manchen Bergfrieden beson­dere Aufbauten errichtet, welche zur Aufnahme von Sturmglocken dienten. Auch machten es die Bergfriede möglich, mit befreundeten Nachbarburgen Signale zu wechseln. Dies war eine weitere Ursache, dass man diesen Turm, wenn keine anderen Rücksichten dagegen waren, auch auf den höchsten Punkt der Burg stellte.

Die gewöhnlichsten Zeichen bestanden darin, dass man bei Tage aus Glutpfannen Rauch aufsteigen, bei Nacht eine Fackel brennen ließ. Sollte das Herannahen von Freunden angedeutet werden, so brannte die Fackel stehend. Kamen Feinde, so wurde die brennende Fackel hin und herbewegt; denn Krieg ist Bewegung. Es wurden auch Balken ausgehängt, die man bald aufrichtete, bald niederließ, und auf diese Weise anzeigte, was geschieht. Alles das geschah auf der Zinne des Bergfriedes oder auf dem oberen, den Turm um­gebenden Gang. Außerdem hing man bisweilen ein großes rotes Tuch aus oder bediente sich der Brieftauben. Die angegebenen Signale waren schon bei den Römern üblich und wurden später, wie so vieles, in der Befestigung, Belagerung und Verteidigung beibehalten.

Hatte der Berggipfel eine lang gestreckte Form, welche die Beobachtung seiner Abhänge von einer Warte aus nicht möglich machte, so waren statt einem zwei Türme vorhanden, die zur Bequem­lichkeit und Vereinfachung des Wachdienstes durch einen hohen Mauergang verbunden waren. Mehrere Bergfriede in einer und der­selben Burg wurden, jedoch sehr selten, auch deshalb errichtet, weil sie entweder mehrere gleichzeitige Besitzer hatte, die zuweilen mit Misstrauen und Eifersucht gegeneinander erfüllt waren, oder weil man die Burg widerstandskräftiger und zur Aufnahme einer größeren Besatzung fähiger machen wollte.

Die Bestimmung als Warte für die Ferne hatten die Bergfriede besonders bei Burgen, die in der Ebene lagen, weniger bei Bergburgen auf freier Höhe, weil diese schon durch ihre erhöhte Lage eine ausgedehnte Fernsicht erlaubten.

Als Deckung für die Burg

Endlich deckte der Bergfried durch seine Masse den hinter ihm liegenden Burgraum gegen Pfeile, Speere und Wurfsteine. Diese Deckung wurde notwendig, wenn eine hinter der Burg höher gelegene Gebirgslehne die Einsicht in den inneren Burgraum gewährte. Die erste und wichtigste Aufgabe des Angreifers mittelalterlicher Befestigungen war, Höhe zu gewinnen. Die geringe Geschwindigkeit, welche man vor Anwendung des Pulvers den Geschossen geben konnte, die dem Horizontalschuss nur kurze Weiten mitteilte und die Kraft des Wurfes nach der Höhe bald ermatten ließ, verlangte hohe Aufstellungspunkte für die Pfeil- und Bogenschützen und Wurf­maschinen der Belagerer, um ihren Geschossen durch größere Fall­höhe mehr Geschwindigkeit und mehr durchschlagende Kraft zu verleihen. In der ersten Zeit des Mittelalters, wo die Schussweite sehr gering war, konnten die Burgerbauer die überragende Anhöhe leichter noch außer Acht lassen. Als aber seit dem 12. Jahrhunderte die Armbrust und das größere Wurfzeug eine immer höhere Ver­vollkommnung erhielten, wurde die Notwendigkeit um so dringender, die Burg gegen die hinter ihr liegende höhere Berglehne zu schützen. Dies war die Ursache, dass in späterer Zeit der Bergfried auf der mehr oder minder schmalen, von der Berglehne überhöhten Angriff­sseite entweder gleich hinter der Ringmauer sich befand oder in dieselbe als verstärkter Mauerturm eingebaut wurde, oder etwas vor dieselbe vortrat.

Burgfriedmauer

Bei Burgen, die eine Berglehne von größerem Umfang, also breites überhängendes Angriffsfeld vor sich hatten, finden wir diesem ein Befestigungswerk entgegengesetzt, das mit dem Bergfried alle Eigenschaften, nur nicht die Form des Einzelturmes gemein hatte. Es bestand entweder in einer breiten, dicken und hohen, nach allen Seiten verteidigungsfähigen Schild- oder Schutzmauer, Bergfriedmauer oder in zwei durch eine solche Mauer verbundenen Türmen. Dieses Fortifikationswerk ist als ein verbreiteter Bergfried zu betrachten. Es war unten massiv und unzugänglich; in der Mittelhöhe gewöhnlich mit gewölbten Kammern und Grängen versehen; oben mit einem nach beiden Seiten gezinnten Wehrgang, einer Doppelwehr, gekrönt, und konnte nur durch einen schwierig zu erreichenden, leicht zu verteidigenden, gewöhnlich im Inneren der Burg an der Hofseite hochgelegenen Eingang betreten werden.

Form der Bergfriede

Die Bergfriede waren entweder rund, was die häufigere Form in der ältesten Zeit ist, oder viereckig. Es kamen aber auch drei-, vier- und mehreckige Bergfriede vor, die dann mit ihrer Spitze gegen den Angreifer gerich­tet waren und ihm nur schräge Flächen dar­boten, an denen seine Zerstörungsmittel ab­prallten. Man fand, dass die schräge oder runde Fläche dem Breschgeschoss besser Widerstand leiste, und setzte daher runde Türme gern an Punkte, die von vielen Seiten beschossen werden konnten, während man die geraden Flächen vier- und mehr­seitiger Türme den feindlichen Geschossen, wie gesagt, gern in spitzen Winkel aussetzte, was natürlich nur dann möglich war, wenn der Angreifer bloß ein schmales Feld für seine Aufstellung hatte. In manchen Burgen kommen auch Berg­friede vor, an welchen man nach der Burgseite hin das Rechteck, nach der Angriffseite aber die Rundung findet.

Dicke

Die Dicke der Bergfriede, sowohl der Durchmesser der runden als auch die Seitenlänge der quadratischen, bald etwas mehr, bald etwas weniger als 30 Fuß, geht nie bis 20 Fuß hinab und erreichte in der Regel nie 40 Fuß.

Mauerstärke

Die Mauerstärke betrug gewöhnlich 5 bis 7 Fuß. Diese Mauerdicken sind gewöhnlich im Erdgeschoss am stärksten und nehmen mit jedem höheren Stockwerk, wenn keine Treppen und Gänge in ihr ausgesparrt sind, um einige Zoll ab.

Höhe

Was die Höhe anbelangt, so wurde ein besonderer Wert darauf gelegt, dass der Bergfried höher war als die Türme der Mauer­umfassung. Es kommen Bergfriede bis 90 Fuß hoch vor. Oft beträgt die Höhe ungefähr das Vierfache der größeren Breite des Turmes. Wie der Angreifer, so suchte der Verteidiger mittelalter­licher Befestigungen Höhe zu gewinnen, dadurch machte er die eigene Trutzwaffe, Sperre, Pfeile und Wurfsteine im selben Maße wirksam, wie er die feindliche Schusswaffe unzureichend machte. Der einfache Steinwurf aus freier Hand von der Höhe herab gewann an Wucht und der Steinblock von hoher Zinne hinabgewälzt, war nur so imstande, die Schilde der Angreifer zu durchdringen und die Schirmdächer ihrer Belagerungsmaschinen zu zertrümmern. Das war eine weitere Ursache, warum man in Burgen, welche auf isolierten Berg­gipfeln standen oder nicht überhöht waren, die Bergfriede am liebsten auf der höchsten Stelle der Burg, zuweilen auf einem beim Steinbrechen für den Bau eigens aufgesparrten Felskopf, der das Untergraben der Fundamente unmöglich machte, baute.

Eingang

Der Eingang in den Bergfried hatte gewöhnlich in der frühesten Zeit einen horizontalen Türsturz, später einen Bund- oder Spitzbogen und zuletzt auch einen Stichbogen, war nicht selten mit Haustein bekleidet und lag immer der Angriffsseite abgewendet 15 bis 30 Fuß über dem Erdboden, selten höher. Auch nahm man bei der Stellung der Eingänge Rücksicht auf das Klima, legte also den Eingang, namentlich bei isolierten und in der Mitte der Burg stehenden Türmen, gegen die gemäßigten Windseiten.

Wenn der Turm allein stand, gelangte man zu der kleinen Eingangstür mit Leitern, für welche dann auf Tragsteinen unter der Tür ein Podest vorbereitet war, oder auf abzuwerfenden Treppen. Wo die Tragsteine fehlen, findet man häufig an ihrer Stelle die Spuren einer Holzkonstruktion, Balkenlöcher, Strebeansätze und kleine lagerartig ausgearbeitete Tragsteine zur Aufnahme einer Firstpfette für ein Pultdach, das wohl eine in friedlichen Zeiten zum Bergfried ständig führende hölzerne Treppe deckte.

Wo das Wohngebäude oder die Burgmauer in der nächsten Nähe des Bergfriedes sich befand, führte eine Zug- oder Schiebbrücke hinüber. Die Strebebalken dieser hölzernen Brücke hatten unmittelbar unter dem Eingang ihr in der Mauer ausgehauenes Lager. Der Bergfried befand sich deshalb in der Nähe des Herren- oder Ritter­hauses, um, wenn der Feind durch das Tor oder die Ringmauer in die Hauptburg eingedrungen war, jeden Angriff auf das Haus in Rücken zu nehmen, oder dessen Besatzung als Zuflucht zu dienen, wenn das Herrenhaus durch eine von außen unternommene Erstürmung in feindliche Gewalt fiel. Die Verbindung zwischen dem Turm und dem Haus wurde, wie bereits erwähnt, durch eine hölzerne Brücke vermittelt, nebst dem aber hatte der Turm zuweilen auch noch eine zweite Pforte, welche auf einer Leiter oder beweglichen Treppe hinab in den Hofraum führte. Die gegen das Wohngebäude gerichtete Tür des Turmes wurde gewöhnlich von außen, d. h. von der Brücke aus verschlossen, hatte aber auch auf der anderen Seite der Tür, nach innen zu, rechts und links Löcher zur Auf­nahme einer starken eisernen Stange, in deren Mitte ein eiserner Haken in einem an der häufig ebenfalls eisernen Tür befestigten Ring eingriff und so dieselbe von innen nach dem Verlust des Wohngebäudes verschloss. So geschah es auch, wenn bei später vorgenommenen Neubauten das Haus unmittelbar an den Turm gelehnt wurde, wo man dann in denselben aus dem Dachboden oder aus dem oberen Stockwerk gelangte.

Das Verlies

Im Untergeschoss, welches von der Sohle des Turmes bis zur Etage, in der die Eingangstür war, hinaufreichte, befand sich das Verlies. Es diente als Vorratskammer oder Gefängnis, war gewöhnlich mit einem Kuppelgewölbe geschlossen, immer durch ein enges Einsteigloch von oben zugänglich, und wurde durch hoch angebrachte, außen kleine, immer lange und breite Öffnungen spärlich erhellt. In manchen Verliesen findet man im Fußboden eine kleine Vertiefung, welche zugedeckt werden konnte, und vielleicht für die unnennbaren Bedürfnisse der Gefangenen bestimmt war. In manchen Bergfrieden, welche nicht auf steile Felsen gegründet wer­den konnten, wurde der unterste Teil mit Mörtelguss ausgefüllt, um das Untergraben zu erschweren. Das Verlies musste alsdann höher angelegt werden und so auch der Eingang. Nebst dem Burgverlies im Bergfried gab es oft noch andere kleine, kellerartige Gefängnisse in den verschiedenen Gebäuden der Burg.

Die Gefangenen wurden gefesselt mittelst einer Winde auf einem Reitknebel oder in einem Korb hinabgelassen und empor­gewunden, in der Regel nur Missetäter, Landläufer, Mordbrenner, widerspenstige Leibeigene und das strafbare Gesindel. Manchmal aber auch Kaufleute, welche die Raublust auf der Straße niedergeworfen und nicht nur beraubt hatte, sondern bis zur Erpressung des geforderten bisweilen hohen Lösegeldes quälte und aufbehielt. Daher hieß das Verlies auch Angstloch, und weil in ihm manche zum Tode verurteilten Gefangenen verhun­gerten und verfaulten, bekam der Bergfried davon den Namen Hunger- oder Faulturm.

Gefangene Feinde höheren Ranges genossen in der Regel bessere Behandlung, Freiheit von Fesseln und leidliche aber immer verschlossene Gefängnisse und wurden nur dann streng gehalten, wenn sie wegen einer entehrenden Handlung oder eines Verbrechens eine schärfere Strafe zu erleiden hatten oder der Rache verfallen waren. Letzteres scheint bei Herzog Heinrich von Österreich der Fall gewesen zu sein, der in der Schlacht von Mühldorf 1322 gefangen, vom König Johann von Böhmen zur Burg Bürglitz gebracht und in Ketten gelegt worden war. Die Kriegsgefangenen machten damals einen Teil der Beute aus, und diejenigen, welche ihre Loslassung und gänzliche Freiheit erkaufen konnten, wurden die Schätzungsmäßigen genannt. Die Höhe des Lösegeldes war nach Umständen sehr verschieden und belief sich manchmal auf eine unglaubliche Summe. Der deutsche König Ludwig verlangte für den in der Schlacht bei Mühldorf gefangenen Marschall von Österreich, Dietrich von Pilichdorf, 5560 Pfund Heller, und Rüdiger der Jüngere von Starhemberg, welcher bei der Belagerung von Racker in Gefangenschaft geriet, in welcher er lange schmachten musste, wurde erst dann losgelassen, nachdem er sich verpflichtet hat, 12.000 Dukaten Lösegeld zu zahlen.

In den anarchischen Zeiten des 15. Jahrhunderts wurden in Oberösterreich auch die Landleute, ja Weiber und Kinder zusammengefangen und fortgeschleppt, um ihren Anverwandten ein Lösegeld abzupressen.

Stockwerke

Die höheren drei bis vier Stockwerke des Bergfriedes, welche sich über dem Eingangsgeschoss erhoben, bildeten entweder Hallen, die wenn groß, auf hölzerne Säulen gestützt waren, oder sie wurden in kleinere, durch hölzerne Balkenwände abgeteilte, untereinander in Verbindung stehende Gemächer zerlegt, und durch starke Bretter­böden oder Balkenlagen mit Estrichboden, selten durch Gewölbe geschieden. Die Stockwerke empfingen in früherer Zeit ein schwaches Licht durch enge Löcher und Schlitze, die meist hoch oben ange­bracht waren. Erst im Laufe des 15. Jahrhunderts wurden Fenster eingeführt.

Die Plattform des Turmes ruhte jedoch gewöhnlich auf einem Gewölbe, und wenn nicht, so war sie sorgfältig mit gebrannten Platten belegt oder mit dickem Estrich überzogen.

Kamine

Kamine kamen in den Bergfrieden nicht immer vor. Man erwärmte sich in diesen Räumen mit brennenden Holzkohlen wie heute noch in Italien. Die etwa vorkommenden Kamine waren in der Dicke der Mauer angebracht.

Kommunikationen

Von einem Stockwerk zum anderen gelangte man mittelst Leitern oder hölzernen Treppen durch eine viereckige, mittelst einer Falltür verschließbare Öffnung oder auf schmalen, längs der Wand angebrachten Steintreppen oder auf steinernen Stufen, welche dann entweder in der Mauerdicke ausgesparrt waren oder als Wendel­stiegen meist vor das Turmäußere vortraten. Diese Wendeltreppen befanden sich dann in anklebenden Türmchen, die vom Fußboden an oder erst vom Eingangsgeschoss ausgekragt waren. Bei spitz­winkeligen Türmen war die Wendelstiege in diesem Winkel von außen unsichtbar aufgeführt.

Gern sind die Treppen so angeordnet, dass der Verteidiger von Stockwerk zu Stockwerk sich zurückziehen und den Angreifer immer im darunterliegenden mit Pfeilen und Steinen überschütten konnte, da hierfür Öffnungen in den Gewölben und Balkendecken gelassen waren. Diese innere Verteidigungsweise ergab sich, wo die Kommunikation auf Leitern geschah, von selbst. Wo aber Treppen in der Mauerdicke oder Wendelstiegen angebracht sind, finden wir diese so angelegt, dass, um von einer unteren zu einer oberen Etage zu gelangen, man immer das Dazwischenliegende von einem Treppen­ausgang zum nächsten Treppeneingang durchschreiten und sich den Geschossen des höheren Verteidigers aussetzen musste; dass also die Treppen nicht kontinuierlich fortliefen und etwa nur seitliche Ausgänge hatten, sondern durch defensible Räume unterbrochen waren.

Verteidigungseinrichtungen

Der Turm erhielt seine ganze Verteidigung nach außen von oben, unten war er nur eine passive oder blinde Masse. Daher waren auch bis zum 15. Jahrhundert selten Fenster in den niederen Stockwerken vorhanden. Oben waren die Verteidiger durch Mauer- und Holzbauten vorteilhaft aufgestellt und geschützt, um sowohl nach der Ferne als auch nach dem Turmfuß ihre Geschosse, Holzscheite oder Steinblöcke senden zu können.

Über diese Verteidigungseinrichtung wurde bereits früher gesprochen, als bei den Ringmauern von den Zinnen, Schießscharten, Bogenfriesen, Maschikulis, Schutzdächern, Fallladen und beim Burg­tor von der Pechnase die Rede war. Diese Einrichtungen wurden auch beim Bergfried in seinem obersten Stockwerk und auf seiner Plattform angewendet. Dabei muss noch bemerkt werden, dass die breiteren Zinnen manchmal durch Querbalken miteinander verbunden waren und somit eine Art Geländer bildeten; oder sie wurden später oben mit einem Stichbogen übermauert, und so die Zinnenscharten in Fenster und die Plattform in ein bedecktes Stock­werk verwandelt.

Ecktürmchen

Bei vier- und vieleckigen Bergfrieden dienten zuweilen schilderhausartige Ecktürmchen zur Beobachtung der Umgegend. Doch waren sie vielleicht weniger aus einem praktischen Bedürfnis noch aus der immer gesteigerten Lust und Kunst des Steinmetzes her­vorgegangen, der sich im 14. und 15. Jahrhundert in kühnen Auskragungen und stilgerechten Gliederungen gefiel, und dem wieder der Maurer auch mit seinen Mitteln nachzuahmen suchte. Manchmal waren Feuerungsanlagen in den Ecktürmen zur Bequemlichkeit der Wächter, aber auch zum Sieden und Schmelzen von Pech, Öl und Blei, um auf die Angreifer gegossen zu werden, angebracht. Bisweilen war auf der Höhe ein kleines, erkerartiges Häuschen errichtet, an welchem ein vorstehender Balken mit Klobenrad zum Aufziehen von verschiedenen Bedarf angebracht war.

Holzbauten auf dem Bergfried

Da man auf den Höhen der Bergfriede und auf den anderen höheren Türmen der unmittelbaren Feuergefahr mehr entzogen war, so wurden häufig daselbst ständige Holzbauten vorgenommen.

Man ließ die Balkenenden drei und mehr Fuß frei über­stellen, setzte darauf ein Holz-­ oder Fachwerkstock und brachte in dessen vortretenden Boden Löcher an, um den Turmfuß übersehen zu können. Die Wände wurden gegen Feuerpfeile wohl auch mit Schiefer, wo er leicht zu haben war, bekleidet. In anderen Fällen sehen wir Galerien, Lauben auf eingemauer­ten Balken und Streben um den Turm herumführen. Die Umgänge an den Türmen kommen erst im 12. Jahrhun­dert vor.

Turmdächer

Die Bedeckung der Türme mit einer Plattform war in Deutsch­land selten. In der Regel hatten sie vielfältig geformte Dächer. Diese waren in früherer Zeit flacher, später steiler und hoch, um das Abgleiten der Feuerpfeile und ähnlicher Wurfpfeile zu ermöglichen. Aus demselben Grund kommen auch steinerne Dachhelme aus Mauerziegeln, Bruch- oder Hau­steinen oder bleigedeckte Dächer vor.

Um das Dach vor Feuer zu schützen und leichter löschen zu können, wurden noch andere Einrichtungen getroffen. Dahin gehörte die Anordnung, dass der Zinnen­gang vor dem Dach lief; dann abgetreppte Giebel, die schon an sich zur Besteigung des Daches geeignet, es zudem noch gestatteten, bei der feindlichen Einschließung der Burg hinter ihnen auf angebrachten Leitern geschützt zu verkehren, sowohl zum Löschen als auch zur Verteidigung. Für letzteren Fall war die Abtreppung zuweilen gezinnt. Lief der Zinnengang unter dem Dach her, so wurde oft durch höher aufsteigende Ecktürmchen für eine äußere Beobachtung des Daches gesorgt.

Wenn der Turm eine flache Bedeckung oder ein Dach hatte, welches nicht auf den Zinnen, sondern weiter zurücklag, so bildete der Zinnenkranz, dessen Öffnung oder Scharten oben gegen den Himmel offen waren, ein Geländer, eine Galerie, rings um das Dach, und wurde in diesem Fall der Ablauf des Regen- und Schneewassers in der Regel vermittelst Steinrinnen, Wasserspeier, die durch die ganze Mauerdicke gingen und weit hervorragten, bewerkstelligt. Waren die Zinnen durch das Schwellenwerk des Daches überdeckt, was in Gegenden, wo ein langer Winter herrschte, des Schnees und Regens wegen nötig war, so konnte das Wasser ungehindert abrinnen. Später kommt es vor, dass der Zinnenkranz in seinen Öffnungen oder Scharten waagerecht oder im Stich, d. h. im flachen Rundbogen übermauert ein bis zwei Fuß unter dem Dachrand einherlief. In diesem Fall waren die Zinnenscharten den eigentlichen Fenstern ähnlich.

Der Reichtum an Formen, welcher sich im Turmaufsatz und Gedäche entwickelte, war so groß, wie der Kunsttrieb damaliger Meister und das Bedürfnis, den unten schweren und blinden Mauer­körper des Turmes in der Höhe vielseitiger und belebter zu machen. Wurde das Dach mit mehreren Erkern versehen, so gewann der Turm an malerischem Effekt. Hatte eine größere Burg mannig­faltig gestaltete Turmaufsätze und Dacherker, so verlieh ihr dies einen kecken, kühnen Charakter, während die verschiedenen steinernen Befestigungsformen ihr ein trotziges Aussehen gaben.

Holzbauten als Eigenheit deutscher Burgen

Aus dem, was bisher über die Schutzdächer der Ringmauer und die Holz- und Dachbauten auf den Türmen gesagt wurde, kann entnommen werden, dass man sich keine mittelalterliche, deutsche Burg ohne ergänzenden Holzbauten vorstellen darf. Man findet davon überall die Spuren durch Balkenlöcher, Kragsteine und Mörtelleisten angedeutet.

Es ist demnach nicht gerechtfertigt, wenn man bei Wieder­herstellung oder Neubau deutscher Burgen im gotischen Stil, der sonst doch die horizontale Fläche gern vermeidet, nur ganz flache, hinter den Zinnen liegende, kaum sichtbare Dächer anbringt. Dadurch legt man bei dem nebeligen, nassen und schneereichen Klima, das in Deutschland mehr oder weniger herrscht, nicht nur den Keim der Zerstörung in das Gemäuer, sondern es wird dem ganzen horizontal abgeschlossenen Bau ein unwahres, maskenhaftes Aussehen gegeben, welches uns durch die vielen nackten Zinnenreihen kalt und fremd anstarrt, mit den in Deutschland heimisch gewesenen und gegen das feuchte und raue Wetter gut verwahrten Burgen und mit Land und Leuten nicht harmoniert.

Wir wollen nun noch die Standorte und Bauarten der Berg­friede in den verschiedenen Jahrhunderten des Mittelalters näher angeben, und zwar nach der vom Herrn von Cohausen veröffentlichten, hier oft benutzten, vorzüglichen Abhandlung über die Bergfriede.

Standort und Bauart der Bergfriede in verschiedenen Jahrhunderten

Im 10. und 11. Jahrhundert sind die Bergfriede rund oder eckig, nicht über drei Stockwerke hoch, stehen nicht in Berührung mit der Ringmauer, sondern frei dahinter, mehr oder weniger in der Mitte der Burg. Dies auch dann, wenn die Burg von einer nahen Berglehne überhöht war; denn die Deckung durch Bergfriede war bei der geringen Tragweite der damaligen Wurf­geschosse noch nicht nötig. Der Eingang ist im Rundbogen mit gleich hohen, nicht großen Steinen eingewölbt. Die Kommunikationen waren mittelst hölzernen Treppen oder Leitern von Stockwerk zu Stockwerk erzielt. Diese sind durch Kuppel- und Klostergewölbe ohne Rippen, öfters durch Balkonlager ohne Tragsteine gebildet. Die Lichtöffnungen sind außen eng, aber oft sehr lang, innen breit und oft so, dass man bei dicken Mauern in sie eintreten kann, angeordnet. Bequemlichkeitseinrichtungen, Kamine und Abtritte fehlen. Sind Zinnen erhalten, so sind sie breit, niedrig, nicht ausgekragt, und ohne Schießscharten in den Wintbergen.

Im 12. Jahrhundert unterscheidet sich der Bergfried durch keine der eben genannten Merkmale von den älteren, nur mögen hier und da Treppen, jedoch keine Wendeltreppen, in der Mauerdicke, Abtritte, Kamine und Gewölbe mit wulstförmigen Rippen dazukommen.

Im 13. Jahrhunderte bleibt zwar der Bergfried, wenn er rund ist, der Ringmauer abgerückt; der viereckige tritt häufig in oder etwas vor dieselbe. Türen und Fenster unterscheiden sich, wenn nicht durch die Mauertechnik, welche anfängt, nachlässiger zu werden, und durch Hausteinglieder im Stil der Zeit nicht von denen früherer Zeit. Treppen in der Mauerdicke mehren sich. Wendeltreppen sind noch selten. Die Bekrönung tritt auf Friesbogen hinaus, deren Wölbung im Halbkreis und deren Tragsteine nicht viel höher als breit sind. Die Wintberge sind eine um die andere für die aus den Kreuzzügen mitgebrachten Armbrüste, mit langen Schießspalten versehen, welche gegen Ende des Jahrhunderts, beson­ders wenn sie mit Haustein bekleidet sind, am unteren Austritt einen dreieckigen Schnitt annehmen. Der Bergfried ist, wenn er viereckig, um diese Zeit gern, selten schon früher, über Eck gegen die Angriffsseite gestellt und nimmt gegen Ende des 13. Jahrhunderts noch andere, mit einer Ecke gegen den Angreifer gerichtete Grundrisse an, die bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts im Gebrauch bleiben.

Im 14. Jahrhundert treten alle runden Bergfriede in oder etwas vor die meist ausspringende Angriffsseite, während viereckige seltener werden, wo sie aber sind, gleichfalls bündig in oder etwas vor der Ringmauer vorstehen. In einigen Fällen nehmen die Bequem­lichkeitsbauten ab, nämlich da, wo sich erkennen lässt, dass der Bergfried nicht bewohnt, sondern nur dem Turmwächter im oberen Zimmerstock desselben eine Unterkunft bereitet war. In anderen Fällen aber sehen wir verschiedene bequeme Einrichtungen dazutreten, wie ausgekragte Altarnischen, Kamine usw., deren Gliederung dann leicht über das Alter entscheidet. Die Bekrönung wird nament­lich mit der Mitte des 14. Jahrhundertes immer reicher und kühner, indem Maschikulis und Erker auf immer längeren, weiter hinab­reichenden Konsolen ausgekragt und die Bogen mit Zapfen und Maßwerk verziert werden. Später als in der kirch­lichen Architektur tritt der Spitzbogen auf, sowohl an Friesbogen, als Türen und sonstigen Öffnungen. Fenster, wo sie im Wehrgang und im zunächst darunterliegenden Stockwerk vorkommen, sind meist mit geradem Sturz geschlossen. Die Treppen sind Wendeltreppen.

Im 15. Jahrhundert, wo überhaupt die Rücksichten auf die Bequemlichkeit nach und nach die Überhand über die fortifikatorischen gewannen, werden die Bergfriede der Angriffsseite abgekehrt, immer wohnlicher, vom quadratischen zum länglichen Rechteck mit dünneren Mauern, auch wohl abgerundeten Ecken übergehend, ihre Fenster zahlreicher und größer, mit steinernen Mittel- und Kreuzstöcken und meist waagerechtem Sturz, der häufig mit blindem Spitzbogenfeld verziert ist.

Runde Bergfriede erhalten häufig in der Turmkrönung eine Erhöhung von geringerem Durchmesser, einen schmäleren Mittelturm, sodass ein mehr oder weniger breiter Umgang zwischen beiden bleibt. Diese Turmform wird der Ähnlichkeit wegen Butterfass genannt.

Die Bekrönung der Bergfriede, deren Reichtum an paneelieren Brüstungen und Wintbergen sowie an Ecktürmchen noch zugenommen und immer zierlicher und dekorativer geworden, ruht anstelle der halbkreisförmigen Friesbogen auf Spitzbogen, oder wo Maschikulis angeordnet sind, meist auf Stichbogen, d. i. flachen Rund­bogen. Die Konsolen sind lang und treten in zwei, meist drei Schichten voreinander vor. Statt der Bogen streckten sich auch gerade Platten von einer Konsole zur anderen, oder die oberen Mauern treten ganz ohne Konsole auf gradlinigen, oft mehrmals wiederholten Leisten vor die untere Mauerfläche vor. Der Eingang wird schon häufiger zu ebener Erde verlegt, dann aber meist auf das Erfindungsreichste durch Pech­nasen und Fallgitter, und nach der Forcierung durch Guss- und Schuss­löcher und Wolfsgruben in den engen, von der Tür aufwärts führenden Treppen und Fluren verteidigt.

Im 16. Jahrhunderte beginnt schon im Anfang desselben der Bergfried ganz wegzubleiben; man baute keine Burgen mehr, sondern Zitadellen und Schlösser. Mit dem Bergfried hörte die ritterliche Selbstständigkeit und mit dem im Beginn dieses Jahrhunderts beendeten gotischen Stil die Ritterburg auf.

Türme außerhalb der Burg

Es kam auch vor, dass man außerhalb der Burg, vorwärts und seitwärts derselben, je nach dem Terrain und möglichst in ihrer Nähe, Türme erbaute, die durch massive oder auf Schwibbogen ruhende Mauergänge mit der Burg in Verbindung gesetzt waren, oder als ganz selbstständige Werke eine leichte Umfassung vor sich hatten und manchmal nur durch Palisaden mit der Burg zusammen­hingen.

Mit dieser fortifikatorischen Anlage verfolgte man mehrere Zwecke. Stand der Turm auf der die Burg überhöhenden Berglehne oder Felsspitze, so sollte er dem Feind die Festsetzung daselbst erschweren. Die oberösterreichische Burg Leonstein zum Beispiel wurde 1390 durch längere Zeit fruchtlos belagert und unterlag erst dann, als eine über sie emporragende Felskuppe von den Angreifern erklettert und besetzt worden war. Ein in der Nähe detachierter Turm brachte ferner den Vorteil, dass seine Besatzung eine oder zwei Seiten und Abhänge der Burg oft besser als von innen aus beobachten konnte, und in den Stand gesetzt war, den Feind, wenn er die Burg angriff, in Flanke oder Rücken zu nehmen. Endlich errichtete man bei einer Burg mehrere auswärtige Türme in der Absicht, um den Feind zu einer bedeutenden Ausdehnung seines Berennungskreises und daher Anwendung zahlreicherer Streitkräfte zu zwingen, was in jener Zeit, wo der Krieg meistens nur fehdeartig mit kleiner Macht geführt wurde, eine sehr schwere Sache war. Dadurch und weil die Besatzungen, der Türme und der Burg sich gegenseitig unterstützen konnten, wurde die Überlegenheit der Verteidigung über den Angriff bedeutend erhöht.

Es gab aber auch auswärtige, mit der Burg in Verbindung gesetzte Türme, die nicht dem Feinde entgegengestellt, sondern dem Angriffsfeld abgewandt waren und in der Niederung standen. Von ihrer tiefen Stellung aus konnten sie die Abhänge ebenfalls über­wachen und, wenn eine Stadt dabei lag, auch den Graben zwischen ihr und der Burg übersehen und die geheime Verbindung mit den Bürgern erleichtern. Endlich bot ein solcher Turm, wenn alles verloren war, dem Rest der Besatzung eine gute, leicht hinter sich abzuschneidende Zufluchtsstätte, die von dem Brand der Burg nicht mit ergriffen wurde. Hier konnte man, von keinem Hauptgraben mehr behindert, den sichersten Moment zur Flucht erspähen, für welchen manchmal durch einen Schacht der geheime Ausgang bereits vorbereitet war.

Nachdem die sämtlichen in einer mittelalterlichen Burg vor­gekommenen fortifikatorischen Anlagen geschildert worden sind, dürfte es entsprechend sein, einiges noch über den Kommandanten, die Besatzung, Belagerung und Verteidigung einer Burg in folgenden Beiträgen beizufügen.

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