Ausschreibung

Einsendeschluss 31.05.2021

Dark Empire

Story-Tipps

Starke Gefühle

Download-Tipps

Die Sternkammer Band 1

Archive
Folgt uns auch auf

Bau und Einrichtung von Burgen im Mittelalter – Teil II

2. Die Hauptburg

a.) Umfassung

Aus dem Zwinger gelangte man zu der eigentlichen Burg, dem Kernwerk des ganzen Baus und dem festesten Punkt der ganzen Anlage. Auf die Verteidigungsanstalten der Hauptburg wurde jegliche Vorsicht und Mühe angewendet. Der vor ihr befindliche Graben war womöglich noch tiefer als die anderen, und hinter ihm erhob sich die Burgmauer.

Burgmauer

Die Burgmauer war oft beträchtlich hoch und außerordentlich dick, um den Belagerungswerkzeugen besseren Widerstand entgegensetzen zu können, und richtete sich, so wie auch die Zingel in der Vorburg, nach der Gestalt des Berges oder nach den herumstehenden Felsen. Sie bildete gerade Linien oder krümmte sich zu einem Bogen, wie es dem Terrain angemessen war. Auf Bergkuppen waren sie in der Abdachung des Berges kreisförmig errichtet, sonst folgten sie gewöhnlich dem Rand der senkrecht abfallenden Felswände so genau, dass unmittelbar von ihrem äußeren Fuß der steile Abhang niederstieg, der Feind an ihr keinen festen Fuß fassen konnte und das Aufstellen seines Belagerungszeuges, das Untergraben der Mauer, das Anlegen von Leitern, die Annäherung von Rolltürmen, das Führen des Sturmbockes unausführbar gemacht wurde. An besonders steilen und unzugänglichen Stellen war die Mauer eher eine Schutzwehr gegen das Hinabfallen als ein Verteidigungsmittel.

Gebäude auf und zwischen der Ringmauer

Die Burgmauer und auch die Zingel bildeten jedoch keineswegs immer eine ununterbrochene für sich stehende Umfassung, sondern oft vermischten sie sich teilweise mit Wohn- und Dienstgebäuden, die man auf die Ringmauer setzte oder an jenen Stellen errichtete, welche durch die felsigen Abhänge am meisten geschützt waren. In der Vorburg bestanden diese Gebäude, wenn sie auf die Mauer gesetzt wurden, gewöhnlich nur aus Holz oder Fachwerk von rohester Form, um schnell in Brand gesteckt zu werden, wenn der Feind in seiner Belagerung so weit vorgeschritten war, dass das Vorwerk geräumt werden musste.

Dort wo die Burgmauer durch die auf sie gestützten höheren Gebäude in ihrer oberen Länge und in ihrer Kommunikation unterbrochen war, wurde die Verbindung zwischen ihren Teilen dadurch wiederhergestellt und vollkommen gesichert, dass man im Inneren in der Dicke der Burgmauer und zwar in ihrer ganzen niederen Länge einen schmalen überwölbten Gang anbrachte.

Hauptburgen ohne eigentliche Ringmauern

Es war ein uralter Brauch, dass man für die verschiedenen Wohn- und Dienstzwecke besondere Gebäude errichtete, anstatt deren mehrere unter einem Dach zu vereinigen. Wir begegnen dieser Einrichtung bei größeren burglichen Anlagen bis in das 14. Jahrhundert. Von da an stehen die Gebäude der Hauptburg nicht immer allein, sondern reihen sich unmittelbar aneinander, so zum Beispiel in der Hauptburg von Ober-Wallsee, deren Bau im Jahre 1364 begonnen hatte. Übrigens fand schon früher hier und da, wo der Raum beschränkt gewesen war, die Vereinigung der Gebäude statt. Bei einem solchen Bau, wo lauter Gebäude den Burghof umschlossen und keine besonderen Ringmauern vorkamen, wurde auf der Höhe gleich der Ringmauer mit fortifikatorischen Anordnungen versehen.

Zinnen als Verteidigungsmittel

Die Hauptburgmauer war in ihrer Höhe der ganzen freien Länge nach mit einem Wehrgang versehen, zu welchem man von einem Gebäude aus oder mittelst Treppen von Holz oder einen Stufengang in der Dicke der Mauer gelangte. Auf der dem Feinde zugekehrten Seite war die Mauer mit einer Reihe von Zinnen gedeckt, d. h. mit einer Brüstungsmauer, die in kurzen Zwischenräumen durchbrochen war, die Verteidiger der Mauer beschirmte und zugleich die notwendigen Schießscharten darbot. Die deckenden Wände hießen Wintberge. Die Öffnungen oder breiten Scharten zwischen den Wintbergen nannte man Fenster. Diese Fenster waren 2½ Fuß (schulterbreit) bis 3¾ Fuß (zweimannbreit) breit, und zwar in der älteren Zeit breiter, später enger. Die Sohle der Zinnenscharten war nur 27 bis 36 Zoll über dem Wehrgang gelegen. Diese Brüstungshöhe scheint gering, sie durfte jedoch nicht höher sein, um dem Verteidiger zu gestatten, sich recht weit in der Zinnenscharte vorzulegen, den Mauerfuß zu sehen, mit dem breiten Armbrustbogen schießen und mit Steinen werfen zu können. Die Wintberge waren immer so breit und hoch, dass der Schütze ungesehen seinen Bogen oder die Armbrust spannen und den Pfeil oder Bolzen auflegen konnte, also vollkommen gedeckt war. Wie kindisch sind dagegen die kleinen Zinnen, welche an so vielen in jetziger Zeit restaurierten oder neu gebauten Burgen angebracht wurden. Die Zinnenscharten mussten auch deshalb breiter und niedriger sein, um Wurfmaterial, zum Beispiel einen Korb voll Steine, in dieselben heben und stellen zu können. Manchmal stellten sich die Verteidiger in die Zinnenscharten, wenn der Feind die Mauer erstieg und es zum Handgemenge kam.

Die Zinnen, sowohl Wintberge als auch die Sohle der Scharten, waren anfänglich nicht abgewässert, sondern waagerecht gedeckt. Zur gotischen Bauzeit, seit dem Ende des 13. Jahrhunderts, wurden sie mehr oder weniger entweder pultförmig oder sattelförmig nach außen und innen abgedacht. Im 15. Jahrhundert führte man die schmäleren und längeren Wintberge mit tieferen Zinnenscharten ein. Die in eine Kehle schwalbenschwanzartig abgewässerten Wintberge kommen vorherrschend nur in Italien vor, die abgetreppten gehören in das 15. Jahrhundert und die fantastisch geschnörkelten der Renaissancezeit an. Die Zinnenscharten waren bei Ringmauern in früherer Zeit oben offen. Erst später bekamen sie, jedoch selten,

deren Stelle nach außen durch die zur Landseite gekehrte Wand der Gebäude vertreten. Diese waren dann unten massiv und nur von Schießscharten durchbrochen. Erst in den hohen Etagen bekam sie Fenster und wurde einen gemauerten Sturz. Im 15. Jahrhundert begann man sie bis auf eine Schießscharte ganz zuzubauen.

Schießscharten

Die Wintberge waren in der ersten Zeit ganz massiv. Seit dem 13. Jahrhundert wurden sie gewöhnlich, eine um die andere, mit einer Schießscharte für die Armbrust durchbrochen. Die Schießlöcher, in der ersten Zeit eng, länglich, viereckig, innen weit, mit waagrechter Decke und später sehr stark gesenkter Sohle, wurden im 15. Jahrhundert kürzer und nahmen im 16. und 17. Jahrhundert alle möglichen Schlüssellochformen an.

Wehrgang, Mordgang

Der Laufgang hinter den Zinnen hieß Wehrgang, Zinnengang, Wallgang, die Wehr und war sehr schmal, 3 bis 4 Fuß, da er sich in der Mauerdicke selbst mit Abschlag der Brustwehr befand. Oft fehlte er ganz, d. h. die Mauer war vom Fuß bis zur Zinne gleich dick, dann ersetzten ihn, seit dem 12. Jahrhundert, sogenannte Mordgänge, hölzerne Gerüste oder Galerien hinter den Zinnen. Sie waren in der Art konstruiert, dass sie teils auf senkrecht gestützten, teils auch auf schief gestellten Tragbalken ruhten.

Schutzdächer

Um die auf der Mauer Kämpfenden gegen die Geschosse der feindlichen Wurfmaschinen und gegen die Pfeile der Bogenschützen zu decken, errichtete man oft seit dem 12. Jahrhundert auf der Plattform der Burgmauer hölzerne Schutzdächer, bedeckte Galerien, die auf Balken über die Zinnen nach außen und innen hinausgekragt, gegen die feindliche Seite hin mit einem aus Bretterverschalung bestehenden dichten Verschluss und mit Schlitzen und Löchern für die Pfeile versehen waren und später in der Bretterdielung ausgesparte Gießlöcher aufzuweisen hatten. Da dieser bedeckte Gang so hoch war, dass man ungehindert aufrecht darin stehen konnte, so war er von bedeutenden Nutzen für die Verteidigungsmannschaft, welche sich unter seinem Schutz ungesehen und ungefährdet an jedem bedrohten Punkt sammeln konnte.

Nach innen gegen die Burg zu war diese hölzerne Galerie offen, um den etwa in den Hof eingedrungenen Feind zu verhindern, dass er, wenn er diese Galerie in seine Gewalt bekäme, sich darin festsetze, und sie als ein gedecktes Werk gegen die Burg selbst gebrauche.

Diese vorgekragten Galerien wurden indessen nur in Kriegszeiten aufgeschlagen. An vielen Burgmauern und Türmen findet man noch die unter der Zinnenreihe angebrachten Rüstlöcher, in denen die tragenden Balken befestiget waren, oder die großen, aus der Mauer hervorragenden Tragsteine, auf welche die Holzwerke aufgelegt wurden. An Türmen fanden sich nicht bloß am oberen Rand, sondern auch manchmal in halber Höhe diese vorgekragten Galerien, wenn es sich um die Verbindung der an den Turm anstoßenden zwei Ringmauerteile handelte, ohne dass die Verbindung durch den Turm selbst ging.

Was die Löcher in der Ringmauer und im Turme betrifft, so hatten dieselben auch eine andere Ursache. Wo sie in mehreren horizontalen, 4 bis 5 Fuß übereinanderliegenden Reihen vorkommen, kann man annehmen, dass in ihnen die horizontalen Balken steckten, welche die für den Bau nötigen Brettergerüste trugen. Sowie man ihrer nicht mehr bedurfte, wurden diese Balken in der äußeren Mauerflucht abgesägt. Das in der Mauer stecken gebliebene Holz vermoderte im Laufe der Zeit und so entstanden diese Löcher, welche hin und wieder durch die ganze Dicke der Mauer reichen. Oft jedoch wurden sie durch eingepflasterte Steine geschlossen.

Fallladen

Ein anderes Schutzmittel für die Verteidiger bestand darin, dass die Zinnenscharten manchmal durch hölzerne Fallladen geblendet wurden, deren Drehachse waagerecht oben liegend, den Laden auf und ab zu klappen erlaubte und so den feindlichen Schuss von vorn auffing, gleichzeitig aber den Schuss oder Wurf des Verteidigers nach unten zuließ. Für diese Fallladen, die oft mit schmalen Schießlöchern versehen waren, findet man neben den oberen Schartenecken Pfannenlager in Kragsteinen oder Eisen angebracht, oder, besonders bei überdeckten Scharten des bequemen Einhängens wegen, eiserne Ringe an einigen Kettengliedern aufgehängt, in welchen die Ladenachsen eingeschleift werden konnten. Oft hatten diese Laden zur Seite dreieckige Wangenstücke, sodass sie immer den Blick nach unten gestatteten, nach vorn und der Seite aber deckten.

Eine sehr bedeutende Verstärkung fortifikatorischer Anlagen gewährten die Friesbogen und Maschikulis.

Friesbogen

Man ließ nämlich die Zinnenkrönung um 2 bis 3 Fuß über die vertikale, äußere Flucht ihrer Ringmauer hervortreten, indem man eine Reihe hervorragender Tragsteine durch Rund- später durch Spitzbögen miteinander verband und auf diese die dünnere und gezinnte Brustmauer setzte. Diese Anordnung gewährte den Vorteil eines breiteren Wehrganges und einer leichteren vertikalen Verteidigung der ganzen Mauerfläche und namentlich ihres Fußes, wenn ihn der Angreifer etwa mit Brechwerkzeugen zu schädigen unternahm. Man konnte da, ohne sich weiter aus der Scharte vorzulegen, desto eher senkrecht über den Feind gelangen und auf ihn brennendes Pech, Kalk, heißes Öl, geschmolzenes Blei, siedendes Wasser oder Steine über die Brustwehr hinabschütten. Man stellte bisweilen sogenannte Steinkörbe aus Brettern gezimmert und einem Schubkarren ähnlich, hinter die Scharten, welche auf die am Fuß der Mauer beschäftigten oder auf Leitern emporsteigenden Feinde ausgeleert, diese mit einem Hagel schwerer Steintrümmer überschütteten. Die Friesbögen wurden im 13. Jahrhundert eingeführt. Die Absicht, senkrecht über den Feind zu kommen, scheint auch der Grund zu sein, warum in mittelalterlichen Burgen nie geböschte und selten mit vorspringenden Sockeln versehene Ringmauern angetroffen werden.

Die Friesbogen hatten auch noch den Zweck, die Mauerersteigung zu erschweren oder unmöglich zu machen. Wenn nämlich die Leiter herbeigebracht und anfänglich mit ziemlich flacher Neigung gegen die Mauer gelehnt ist, wird sie mit dem vorderen Ende, das sich an die Mauer stützt oder an derselben reibt und deshalb hier oft mit Walzen und Rädchen versehen ist, immer mehr und mehr gehoben. Findet sich dann irgendein vorstehender Gegenstand, wie zum Beispiel jene Friesbogen an der Mauer, so hat man kaum mehr Mittel, die Leiter, wenn sie auch im Übrigen die rechte Länge hätte, bis zur verlangten Höhe aufzurichten, und man kann selbst von der obersten Sprosse aus die Zinnenscharte nicht erreichen. In gleicher Weise wurden auch wohl andere Glieder, Gesimsstreifen und Wulste, damit sich die Leiter daran stoßen sollte, angebracht; derselbe Zweck lag auch den Buckelsteinen und Bossenquadern zugrunde, welche dem Anlegen und Aufschieben der Leiter eben so viel Schwierigkeiten entgegensetzten. An den Höckern der Buckelsteine konnten auch die feindlichen Steinkugeln zerschellen und unschädlich gemacht werden.

Maschikulis

Weil das zum Herabschütten bestimmte Materiale vom Wehrgang auf die Höhe der Brustwehr, welche die Sohle der Zinnenscharten bildete, heraufgehoben werden musste, lag der Gedanke nahe, sich dieses Heraufheben dadurch zu ersparen, dass man in den Friesbögen zwischen den Tragsteinen Löcher offen ließ. Damit die Löcher größer werden, kragte man die Zinnenkrönung noch weiter aus, zuweilen um mehr als die Dicke der Zinnenmauer. Man braucht dann nur die auf dem Wehrgang befindlichen Kessel und Körbe umzustürzen, um durch diese Öffnungen ihren Inhalt auf den Feind auszugießen. Ferner konnte man durch diese Gießlöcher alles, was am Mauerfuß geschah, beobachten und wehren, ohne sich dabei zu exponieren. Für die gewöhnliche Kommunikation waren die Öffnungen durch Bohlen leicht zu bedecken. Die Einrichtung wurde Maschikulis genannt, und kommt in Frankreich und England früher, in Deutschland aber weit später als die blinden Friesbogen vor, nämlich erst um die Mitte des 14. Jahrhunderts, und wurde hier vorherrschend bei Türmen angebracht. Die Herleitung des Wortes Maschikulis ist gegenwärtig schwer zu finden und noch nicht gelöst.

Äußere Flankierung der Burgmauer durch Erker

So unregelmäßig die Umfassung der meisten Burgen war, so finden wir doch seit dem 13. Jahrhunderte fast immer mehr und minder zweckmäßig für eine äußere horizontale Seitenbestreichung vorgesorgt. Oft flankierten sich die Ringmauern durch ihre Biegung. Wo sie aber auf längere Strecken gerade fortliefen, brachte man eine äußere Bestreichung durch aus der vertikalen Mauer hervorragende, gleichsam angeklebte Ausbauten, Erker, zustande, die auf einem, zwei, bisweilen drei Tragsteinen ruhten und einen kleinen viereckigen Kasten bildeten. Erst später erhielten sie auch runde Formen. In ihre Seitenwände wurde eine für die Armbrust geeignete Schießscharte oder zwei schmälere Schlitze für Pfeilbogen angebracht, wodurch dann die ganze zwischen den Erkern liegende Mauer eingesehen, bestrichen und durch wohlgezielte Schüsse die Annäherung der Feinde an die Mauer und die Untergrabung der Fundamente verhindert werden konnte.

Um Letzteres, die vertikale Bestreichung, noch besser bewerkstelligen zu können,

bekamen die Erker oft auch Wurf- oder Gießlöcher. Diese Lugerker, mit denen man nicht sparsam war, und welche man nicht nur in verschiedener Höhe der Mauer, sondern auch auf dem Wallgang, an den Mauerecken und ihres vorzüglichen Standpunktes für die Verteidigung wegen auch über den Toren und an den Türmen

herausrückte, bestanden anfänglich nur aus Holz. In Stein erscheinen sie erst bei den Neubauten zu Ende des 13. und mehr noch während des 14. Jahrhunderts. Sie waren namentlich bei den kleineren Burgen, wo wegen Mangel an Raum die flankierenden Mauertürme nicht angebracht werden konnten, sehr anwendbar. Viele Erker an den verschiedenen Teilen der Burg angebracht, trugen wesentlich zu ihrer malerischen Erscheinung bei. Darum sind sie auch in die bürgerliche Baukunst übergegangen.

Flankierung durch Türme

Wo aber der Boden und die Mittel nicht spärlich zugemessen waren, da verlängerte man im 14. Jahrhundert die hochschwebenden flankierenden Erkertürmchen in vertikaler Sichtung bis herab auf den natürlichen Boden, sodass sie als flankierende, eckige, meist aber runde, nicht immer gleich große Türme, mehr oder weniger aus und über die Ringmauer wenigstens um ein ganzes Stockwerk hervortreten und sie
unterbrachen. Man errichtete aber diese Mauertürme nicht bloß wegen der von ihrer Plattform ausgehenden Seitenbestreichung der zwischen ihnen befindlichen Mauer, sondern auch an den leichter zugänglichen Stellen, um die Widerstandsfähigkeit der Ringmauer zu erhöhen und an den schwachen Punkten der Burg eine ausgiebige Verteidigung möglich zu machen. In das Innere dieser kleineren oder größeren
Mauertürme gelangte man entweder durch eine in ihnen angebrachte Treppe oder, was gewöhnlicher war, durch ihre Pforten, welche sich rechts und links auf den Wehrgang öffneten, und hin und wieder von demselben durch einen mit beweglicher Brücke versehenen Graben getrennt waren. Die nach der Burg zugewendete Seite dieser Türme war nicht selten ohne Hinterwand oder nur leicht geblendet. Man ließ sie in der Kehle offen, teils aus Ersparnis, teils um den etwa eingedrungenen Feind am Festsetzen in dem eroberten Teil durch Pfeilschüsse usw. verhindern zu können. Um das Dach des Turmes führte ein mit Zinnen versehener Gang, der in Kriegszeiten gedeckt oder mit Fallläden ver­sehen war. Das Dach war bei runden Türmen kegelförmig, sonst in eine Spitze oder einen Grat auslaufend. Eingedeckt war es mit Schin­deln, Ziegeln, Schiefer. Diese Türme wurden Wichiuser genannt, und kamen, wie bereits gesagt, erst im 14. und namentlich im 15. Jahrhundert vor, wo auch die Eingänge gut flankiert wurden.

Weitere Bestimmungen der Zinnen

In Betreff der Zinnen muss noch erwähnt werden, dass sie nicht nur zur Verteidigung der Burgmauer dienten, sondern auch noch andere Bestimmungen hatten. Hier versammelten sich die Damen, wenn der Raum im Reithof die Abhaltung eines Turniers gestat­tete. Hier war überhaupt der Ort, wo man zusammenkam, wenn irgendetwas Merkwürdiges zu sehen war, wenn ein vornehmer Fremder kam, ein Ritter abreiste usw. Deshalb wurde auch an den Zinnen allerlei architektonischer Schmuck angebracht, meistens jedoch bei den Backsteinbauten, weniger bei Steinbauten.

An den Zinnen wurden als Trophäen die Köpfe der erschlagenen, die Wappenschilde der überwundenen oder gefallenen Ritter ausgestellt. Ebenso wurden auch die Schilde an die Wand der Wintberge aus­gehängt, um anzuzeigen, dass die Burg zum Widerstand entschlossen sei. Endlich hing man auch Verbrecher an den Zinnen auf. Die Zinne war ein so integrierender Teil der Burgmauer, dass zuweilen für Mauer geradezu Zinne sagte.

Zugang zum Tor der Hauptburg

Zum Tor der Hauptburg gelangte man in der Regel auf einer Zugbrücke, namentlich bei Wasserburgen und sonst großartig angelegten Bauten. Manche Felsburgen hatten aber über ihre trockenen Gräben keine Zugbrücke. In diesem Falle musste man das Pferd auf dem Reithof abgeben und zu Fuß auf schmaler Stiege einerseits in den Graben, andererseits aus ihm heraus zur Einlasstür steigen. Hier und da war die Pforte in die Hauptburg so niedrig, dass man nicht einreiten konnte. Bei anderen Burgen war das Tor nicht auf dem schmäleren Bücken des Bergvorsprunges, worauf die Burg stand, angebracht, sondern an der abschüssigen Längenseite. Dann ritt man aus dem Zwinger einen schmalen, steilen, von parallelen Mauern eingefassten Weg, die Burgstraße, hinauf. Bei Belagerungen gestattete dieser Weg den auf ihm nahenden Angreifern keine Frontentwicklung und konnte von den Mauern und Türmen aus leicht verteidiget und schnell an einzelnen Stellen unwegsam ge­macht werden. Hier musste der Feind sich jeden Zoll vorwärts erkämpfen.

Das Tor oder die Pforte war in der Ringmauer oder in einem Turm, seltener im Gebäude selbst angebracht. Hin und wieder namentlich bei kleineren Burgen befand sich das Tor zwischen zwei auf die Ringmauer gestützten Wohngebäuden, welche zur Verteidigung des Einganges mitwirkten. Zuweilen beherrschten hervorstehende Bollwerke oder kleine runde Türme mit Schießscharten die Pforte. Wenn sie sich in der Ringmauer auf der inneren Seite des Grabens befand, so pflegte sie auf einem mit Futter­mauern gefesteten, vier­eckigen Vorsprung in dem Graben zu stehen, und stellte sich danach als ein vorspringendes turmartiges Torhaus dar.

Dieses Torhaus war mit Zinnen versehen und hatte oft Dach, welches gewöhnlich wie die hervorgekragten Schutzdächer der Burgmauer konstruiert war.

Pechnase

Auch war über der Pforte oder einer Tür eine sogenannte Pechnase angebracht. Diese bestand aus einem erkerartigen, meist aus Steinplatten, sonst aus Mauer zusammen­gesetzten, auf zwei Kragsteinen etwa drei Fuß vorgeschobenen Ausbau vor einem Fenster, um Kopf und Arm darin zu bergen und gegen außen geschützt nach unten sehen, leuchten, schießen, gießen und werfen zu können, wenn der Feind das Tor einstoßen und stürmen wollte. Auch konnte die Pechnase beim Löschen des am Tor angelegten Feuers benutzt werden. Ihr Name kommt daher, dass man durch ihre Öffnung oder Nase heißes Pech herabgießen konnte. Sie wurde auch dazu benutzt, um in gesicherter Stellung mit dem vor dem Tor befindlichen Fremden sprechen zu können, daher sie auch oft schon beim ersten Tor vorkommt. Diese Pechnasen findet man erst im 14. Jahrhundert, im 15. kamen sie in allgemeinen Gebrauch und erhielten sich bis zum Dreißigjährigen Krieg.

Verzierung des Tores

Über der Toröffnung prangten Wappen, Inschrif­ten, Steinbilder und die son­stigen Verzierungen, nament­lich des gotischen Stils. Auch geschah es, dass man sogenannte Riesenknochen (antediluvianische Reste) und ganze Gerippe großer, besonders Seetiere oft am Eingang der Burg als Erinnerung an die Wanderfahrten und Kreuz­züge des Besitzers oder als denkwürdige Ausgrabungen beim Bau der Burg be­festigte. Das Tor sollte nicht nur verteidigen, son­dern auch das Ansehen des Besitzers repräsentieren.

Wenn der Burgbesitzer zum Ritter geschlagen war, so prangte über dem Tor der Helm, was keinem noch so hohen Adeligen erlaubt war, solange er die ritterliche Würde noch nicht erlangt hatte.

Zugbrücke

Wenn vor der ganzen Burgmauer kein Graben war, so höhlte man oft vor dem Tor, um den Zugang zu erschweren, ein Stück Erdreich aus und bediente sich dann so wie bei den Gräben der Zug- oder Schlagbrücke. In der Torhalle befanden sich die Vor­richtungen, welche die dicken Ketten oder Taue, die zum Aufziehen und Niederlassen der Zugbrücke dienten und über hölzerne oder metallene Rollen liefen, in Bewegung setzten. Der Mechanismus der Zugbrücke war mehr auf menschliche Kräfte als auf künstliche Kombination berechnet. Zugbrücken mit Waagebalken kommen selten oder viel später, die auf Kurven gleitenden Gegengewichte nie vor. Die Zugbrücke war aus starkem Holz verfertigt und hatte niedergelassen auf einer hölzernen oder gemauerten Bank ihr Auflager. An den Seiten des Tores befanden sich tiefe Einschnitte, in welche sich die aufgeklappte Zugbrücke legte. Oben rechts und links vom Torbogen waren Scharten, durch welche die Zugketten gingen. Innerhalb des Tores waren, um den Durchgang nicht zu behindern, oben Nischen für das Gestühl mit den Brückenwinden.

War der Graben breit, so überdeckte die Zugbrücke nur einen kleinen Teil, der übrige war mit dem jenseitigen Grabenrand durch eine feste Holzbrücke auf hölzernen oder gemauerten Pfeilern ver­bunden, oder es waren mehrere Zugbrücken angebracht. Ganz gemauerte Brücken findet man erst in neuerer Zeit.

Tortür

Die aufgezogene Zugbrücke verstärkte die Sicherheit der Tortür. Diese war nicht selten zweiflüglig, ging in starken Angeln, bestand aus festen eichenen Bohlen und war gewöhnlich mit Blech überzogen oder mit Eisen beschlagen. An der Innenseite befand sich eine starke Sperrvorrichtung, nämlich nebst dem großen Schloss noch ein Balken, der als Riegel über die ganze Breitseite der Tortür geschoben wurde. Sollte die Tortür geöffnet werden, so wurde der Balkenschubriegel in eine horizontal in der Mauer ange­brachte Öffnung hineingeschoben, die mit vier Brettern ausgekleidet war, damit der Balken leichter rutsche. Beim Verschließen der Tortür wurde er mittelst eines Ringes, der an seinem Ende befestigt war, hervorgezogen und an ein an der gegenüberliegenden Mauerwand befindliches, nicht sehr tiefes Loch hineingeschoben. Um den Sperrbalken leichter hin- und herschieben zu können, hatte er in seiner Mitte eine Vertiefung für die Hand. Die zu diesem Querbalken bestimmten Löcher sieht man oft in den Ruinen, auch noch mit Brettern ausgefüttert.

Fallgitter

Im Tor befand sich hier und da noch ein Fallgitter, das aus Holz oder Eisen angefertigt war und an Ketten hing. Es war in der Regel aufgezogen und wurde nur dann, wenn die Zugbrücke in die Gewalt des stürmenden Feindes kam und dieser in das Tor eindrang, herabgelassen, um einige der Feinde zu zermalmen, den anderen den Rückzug abzuschneiden und sie gefangen zu nehmen und die nachrückenden neuerdings aufzuhalten.

Diese Fallgitter kamen nach dem 11. Jahrhundert in Gebrauch, hatten einen ähnlichen Mechanismus wie die Zugbrücken und wurden durch Menschenhände zuweilen mit Zuhilfenahme eines Rades an der Welle bewegt. Ihre Spuren entdeckt man, auch wenn der obere Teil des Torhauses zertrümmert ist, an den für sie gehörigen Falzen in dem Gemäuer.

Kleinere Tore

Bisweilen befand sich neben dem Tor noch ein Pförtchen mit gesonderter Zugbrücke zur Bequemlichkeit der Burgbewohner und aus Rücksicht für die Sicherheit, um nicht stets das große Tor öffnen zu müssen. Entfernt vom Haupttor, oft an ziemlich versteckten Stellen war ein Ausfallpförtchen mitunter in solcher Höhe angebracht, dass es ohne Beihilfe einer Leiter nicht zu benutzen war. Auch die äußerste Zwingermauer war mit solchen Türchen versehen.

Barbakan

Eine andere mittelalterliche Torbefestigung bildete seit dem 13. Jahrhundert der Barbakan. Es war dies ein in verschiedenen Formen vor dem Tor gelegener, kleiner, geschlossener, an manchen Orten von zwei vortretenden Türmen verteidigter, gegen das Tor zu offener Vorhof, in welchem der Feind, wenn sein Eindringen nicht mehr abzuwehren war, noch mit Wurf- und Brandzeug überschüttet werden konnte. Dieses vorgeschobene Verteidigungswerk kommt indessen viel häufiger bei den Städten als bei den Burgen vor, schon wegen des großen Raumes, den es erheischte, und wurde auch jenseits des Grabens als Brückenkopf angewendet.

Burghof

Hatte man das Haupttor passiert, so befand man sich entweder unmittelbar im von der Ringmauer und Gebäuden eingeschlossenen Burghof oder man gelangte zunächst wieder in einen engen Zwinger, welcher zwischen der Burgmauer und ihren Türmen einerseits, und den Gebäuden, welche den Burghof einschlossen, andererseits ein­gezwängt war und wenig mehr Raum hatte als eine Wegbreite. Dieser enge Zwinger umschloss oft das ganze Burggebäude, und von da aus kam man erst durch einen hallenartigen Durchgang in den Burghof.

Der Burghof war nicht immer regelmäßig; gewöhnlich klein und düster, nur selten findet man ihn weit und licht. In diesem Fall war er in der Mitte oder an einem weniger betretenen Ende mit einem Rasenplatz, mit einer Linde oder mit einem anderen Baum geziert, dessen Samen man aus den Kreuzzügen mitgebracht hatte. War der Burghof zu klein, so stand der Baum, wie bereits früher erwähnt wurde, im Zwingelhof oder vor der Burg. Er war mit einer Erd- oder Steinbank umgeben, und unter seinem Schatten unterhielten sich die Burgleute.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.