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Romantruhe-Western Band 24

Larry Lash
Romantruhe-Western Band 24
Trommelnde Hufe – Teil 2

Western, Paperback, Romantruhe, Kerpen-Türnich, März 2018, 68 Seiten, 4,95 Euro, Titelbild: Firuz Askin
www.romantruhe.de

Kurzinhalt:
Sein Name ist Ward Turner. Er ist ein Mann der kanadischen Wildnis und liebt das Leben in der Einsamkeit. Am Tag, als er der Halbindianerin Gina Curry begegnet, ändert sich alles. Denn Gina muss vor fünf gewissenlosen Mördern flüchten, die ihren Vater getötet haben. Jetzt verfolgen sie das Mädchen, um ihr das Geheimnis über das Gold zu entlocken, von dem ihr Vater wusste. Turner greift ein und rettet Gina, – aber dann muss auch er mit ihr flüchten. Ihr Weg führt immer tiefer in die winterliche Wildnis, in der sich schließlich das Schicksal aller Beteiligten entscheidet.

Leseprobe:

1

In dieser Nacht war kaum an Schlaf zu denken. Die beiden Männer besprachen die Wachfolge. Die Nähe der fünf Banditen brachte eine unsichtbare Drohung mit sich. Der alte Jäger riet, sich aus dem Be­reich des Feuerscheins zurückzuziehen.

Wenig später lagen die Männer hinter dem Wall der kleinen Anhöhe, von dem aus man alles, was auf die Hütte zukam, früh genug ausma­chen konnte.

»In diesem Winter wollen zehn rote Jäger tief in das Land der Eski­mos vorstoßen«, berichtete der alte Jäger. »Als ich jung war, war ich einmal dort. Unser Stamm war überfallen worden. Viele der Unseren wurden getötet. Ich selbst kam in die Gefangenschaft der Tran- und Seehundesser. Eine Squaw hat dort mehrere Männer und oft wird ih­ren Meergöttern eine Jungfrau geopfert. Ich habe nie wieder etwas Ähnliches erlebt.«

Der Alte brach ab, hörte auf, von seinen Erlebnissen zu erzählen. Er war in seine Erinnerungen an das ferne Land versunken, dort, wo die Eskimos hausten, jene Tranesser, die sich so von den eigenen Rasse­angehörigen unterschieden, von den Tieren dort, die auf dem Wasser und dem Lande lebten, die von einer dicken Speckschicht umgeben waren. Er berichtete nicht, wie er aus der Gefangenschaft gekommen war, nichts von der Kette der Leiden und Entbehrungen, die er hatte durchstehen müssen. Das alles war längst vorbei. Der Kampf um das Dasein musste Sommer für Sommer und Winter für Winter gekämpft werden.

Es war erstaunlich, wie die Nordlandindianer dieses raue und harte Leben ertrugen. Selbst im stärksten Winter brauchten sie nicht mehr für ihr Nachtlager als ihre Rentierbekleidung, zwei Paar wollene So­cken, Pelzmütze und Mokassins. Noch erstaunlicher war ihre Zähig­keit, Ausdauer und Fähigkeit im Ertragen und Hinnehmen. Diese Leu­te waren bei allem von einem Gleichmut, als würden sie das Leben und alles verachten. Ja, man konnte es sich wünschen, eine Zeit lang mit ihnen zu leben.

»Wir werden uns euch anschließen«, sagte Ward aus seinen Gedan­ken heraus zu dem alten Jäger.

»Das wird gut sein, denn ihr beide müsst neue Kräfte sammeln. Die Krankheit des weißen Mannes lässt nur wenige überleben.«

Es wurde nicht mehr gesprochen. Der Alte übernahm die erste Wa­che. Von jetzt an würde man das Camp ständig bewachen. Ward kroch in seinen Schlafsack und schlief bald ein. Als er wieder erwach­te, war es heller Morgen. Der alte Jäger hatte ihn nicht geweckt, er hatte ihn schlafen und ausruhen lassen und hatte die zweite Wache mit übernommen. Mit dem ersten Morgengrauen hatte er die Hunde ver­sorgt, und das Frühstück kochte schon über der Feuerung. Jetzt war er dabei, die Felle von Elch und Bär zwischen jungen Baumstämmen zum Trocknen aufzuspannen. Die letzten Reste von Fett hatte er be­reits sorgsam aus den Decken geschält.

»Du hast gut geschlafen, weißer Mann«, sagte er zu Ward, als dieser sich erhoben hatte. »Du brauchst noch viel Schlaf und deine Squaw ebenfalls. Eines Tages werdet ihr aber wieder so gesund sein, wie ihr vor dem Ausbruch der Krankheit gewesen seid.«

»Ich fühle mich jetzt schon stark genug, Freund«, erwiderte Ward dem Alten. »Ich werde arbeiten und schlafen können.«

»Ein Mann, der eine Familie hat, muss immer stark sein«, erwiderte der Alte grinsend. »Es friert stärker, und es schneit. Die Huskys sind ganz aufgeregt. Sie fühlen, dass es bald losgehen wird.«

»Ich werde nachschauen, ob es nicht etwas zum Jagen gibt«, sagte Ward. »Vorerst wird aber gefrühstückt.«

Wards Bart war gewachsen. Er dachte nicht mehr daran, ihn abzu­nehmen und sich zu rasieren. Der Bart würde ein Schutz gegen die Kälte sein.

Gina wurde erst viel später wach. Der Schlaf hatte ihr Erholung ge­bracht, das gute Essen vom Vortag sie neu gestärkt. In wenigen Wo­chen würde man wieder die alte Kraft besitzen, in wenigen Wochen war auch das Ren da. Es wäre schlimm, wenn man dann nicht voll einsatzfähig war.

Es war gut, dass der alte Jäger bei Gina im Camp zurückblieb. Ward konnte so unbesorgter auf die Jagd gehen. Bald würden noch mehr hungrige Mägen zu stopfen sein. Je mehr Fleisch eingebracht wurde, umso unbesorgter konnte man auf das Kommen des Rens harren. Gina war wirklich eine prächtige Frau. Mit keinem Wort versuchte sie Ward von seinem Vorhaben abzubringen. In diesem Land war es selbstverständlich, dass ein Mann sich um die Nahrung kümmerte.

Diesmal ließ Ward die Hunde im Lager zurück. Nur das Notwendigs­te nahm er sich mit, schulterte es auf, dann verließ er das Camp. Es schneite. Die Eiskruste am Seeufer hatte sich schon weit bis zur Mitte des Sees vorgeschoben. Ward versuchte sein Jagdglück an diesem Ta­ge nicht im Norden. Er wandte sich nach Süden. Sein Weg führte am Seeufer entlang. Einzelne Biberburgen, die Ward antraf und schon leer fand, verrieten ihm, dass die Biber sich schon auf Wanderschaft begeben hatten. Mit der Aussicht, einen Biber zu erlegen und eine Bi­berkelle zu bekommen, war es also nichts. Es hieß also weiter durch den Schnee stapfen und aufmerksam die Fährten zu lesen. Er musste dazu achtgeben, ob nicht plötzlich menschliche Raubwölfe auftauch­ten.

Die Tatsache, dass man keine Schüsse zu hören bekam, ließ darauf schließen, dass Goyette und seine Mannschaft weitergezogen waren und ihr Glück in einer anderen Gegend suchten. Diese Beobachtung verleitete Ward aber nicht dazu, leichtsinnig zu handeln. Jetzt war er bereits drei Stunden unterwegs, als er sich entschloss, die Schneerei­fen unterzuschnallen. Er hatte jetzt ein leichteres Vorwärtskommen, da er nicht mehr in den tiefen Schnee einsackte. Bei der ersten Nerz­fährte hielt Ward sich auf, doch dann setzte er seinen Marsch fort. Der Nerz wurde später gejagt.

Es war gut, dass die rote Sippe kam, dass man bald diese Gegend verlassen würde, in der das Wild scheinbar abgewandert war. Bis zum Mittag hatte Ward noch nichts Jagdbares aufgetrieben. Er legte eine kurze Rastpause ein, aß von dem mitgenommenen Proviant und zündete sich seine Pfeife an. Bald zog er seinen einsamen Pfad weiter, an den dicht stehenden Tannen vorbei. Am Abend machte er endlich die frische Spur eines Rens aus.

Er folgte der Spur, bis die Schatten der Nacht seinem Tun Einhalt geboten. Er entschloss sich, ein Nachtlager zu bereiten. Es hatte kei­nen Zweck dem Wild weiter zu folgen. Nur der Himmel mochte wis­sen, wie weit es abgewandert war. Es war besser zu schlafen und die Jagd am anderen Morgen fortzusetzen. Bis zum Mittag des anderen Tages würde er sein Jagdglück versuchen und dann zum Camp zu­rückkehren.

Jetzt hob er ein Schneeloch aus und sammelte ein wenig Holz für ein Feuer. Bei dieser Arbeit hörte er weiter im Süden zwei scharfe Schussdetonationen. Einen Augenblick lang war es ruhig, dann setzte eine ungleichmäßige Schussfolge ein. Nun war es mit der Nachtruhe vorbei. Wo geschossen wurde, befanden sich auch Menschen. Ohne Grund verschwendete niemand die kostbare Munition. Das würde we­der ein weißer noch ein roter Jäger tun. Entscheidend für Ward war aber die Tatsache, dass die Schüsse aus jener Richtung erklangen, aus der die roten Freunde kommen mussten.

Es war seine Pflicht, der Ursache der Schießerei nachzugehen.

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