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John Sinclair Classics Band 10

Jason Dark (Helmut Rellergerd)
John Sinclair Classics
Band 10
Die Bräute des Vampirs

Grusel, Heftroman, Bastei, Köln, 16.01.2018, 66 Seiten, 1,80 Euro, Titelbild: Ballestar
Dieser Roman erschien erstmals am 15.10.1974 als Gespenster-Krimi Band 57.

Kurzinhalt:
Ein Geräusch lässt Miriam herumfahren. In der Tür steht ein hochgewachsener Mann. Seine Augen versprühen ein seltsames Feuer.

»Wer sind Sie?«, fragt Miriam mit bebender Stimme.

»Der König der Vampire«, entgegnet der Mann. »Und ich werde dich zu meiner Braut machen. Du sollst mit mir über das Reich der Untoten regieren«

Der Mann kommt auf Miriam zu. Ein wohliger Schauer rieselt ihr über den Rücken. Dann sinkt sie in die Knie. Er beugt sich hinunter, biegt ihren Kopf zurück und öffnet den Mund. Zwei nadelspitze Eckzähne werden sichtbar, und ganz langsam nähern sie sich der Halsschlagader des Mädchens …

Leseprobe

Die Nacht war drückend schwül. Ge­waltige Wolkenberge türmten sich am Himmel und verdeckten die Sterne. Ein Gewitter lag in der Luft.

Der alte Lieferwagen rumpelte mit abgeblendeten Scheinwerfern über den Feldweg. Der Mann hinter dem Steuer fuhr sicher. Er kannte die Stre­cke wie im Schlaf.

Eine Wegkreuzung tauchte auf. Sekunden später erfassten die Schein­werfer einen Mann, der mitten auf der Kreuzung stand und mit beiden Armen winkte.

Der Fahrer stoppte und klinkte die Tür auf. Er beugte den Oberkörper aus dem Wagen.

»Haben Sie die Kiste?«, fragte der andere nervös.

»Ja. Sie steht hinten auf der Lade­fläche.« Der Fahrer sprang aus dem Führerhaus. »Was ist mit dem Geld? Ich …«

Er brach mitten im Satz ab. Der andere hatte plötzlich ein Messer in der Hand, und ehe sich der Fahrer versah, war ihm die Waffe in die Brust gedrungen …

Der tödlich Verletzte sackte zu Boden. Aus weit aufgerissenen Augen starrte er auf seinen Mörder, der vor ihm stand und diabolisch grinste.

Im selben Augenblick zuckte ein Blitz über den Himmel, dem Sekun­denbruchteile später der grollende Donner folgte.

Aber das hörte der Fahrer bereits nicht mehr. Tod und in seltsam ver­krümmter Haltung lag er auf dem Boden.

»Narr!«, zischte sein Mörder ver­ächtlich.

Er entwickelte nun eine fieberhafte Tätigkeit. Ehe der nächste Blitz auf­zuckte, hatte er schon das Messer an sich genommen, an der Kleidung des Toten abgewischt und die Leiche in ein nahes Gebüsch gezogen. Dann lief er zum Heck des Lieferwagens und löste die Plane. Mit einem Schwung warf er sie nach oben. Der Mörder stützte sich auf den Rand der Ladeklappe und schwang sich in den Wagen.

Jetzt fielen die ersten Tropfen. Hohl klatschten sie auf die Plane.

Der Mann griff in die Hosentasche und holte eine Schachtel Zündhölzer hervor. Mit flatternden Fingern riss er ein Streichholz an.

Er hielt den Arm ausgestreckt und ging zwei Schritte vor.

Da stand die Kiste: Sie war aus Holz und besaß an den Seiten zwei Tragegriffe.

Der Mörder fluchte, weil das Streichholz plötzlich verlosch. Er riss ein neues an und untersuchte in seinem Schein die Kiste genauer.

Der Deckel war mit Nägeln befes­tigt und gesichert worden. Der Mann überlegte, ob er ihn aufbrechen sollte, entschied sich aber dann anders.

Wieder verlöschte das Streichholz.

Der Mörder sah durch die hochge­worfene Plane nach draußen. Schwe­felgelb war der Himmel. Ununterbro­chen zuckten die Blitze auf die Erde. Grollende Donner hallten über das Land. Der Regen goss wie Bindfäden vom Himmel.

Der Mann auf der Ladefläche schwitzte. Die Sachen klebten ihm am Körper. Aber es war nicht nur die Schwüle, die ihn schwitzen ließ, son­dern die Freude über den Teilerfolg, den er nach langer Arbeit errungen hatte.

In der Kiste war Erde. Erde aus Transsylvanien.

Aus Draculas Heimat!

Der Mörder hatte keine Kosten und Mühen gescheut, an diese Erde heranzukommen. Jahre hatte er gebraucht. Begonnen hatte eigentlich alles mit einem alten Buch, das er zufällig in einem Trödlerladen gekauft hatte. In dem Buch stand unter anderem folgen­der Satz:

Nimm die Erde Draculas, und ver­menge sie mit deinem Blut!

Danach folgten die Namen gewisser Kräuter und Essenzen, die noch zu die­ser Mischung gegeben werden sollten.

Er hatte sich alles besorgt. Und jetzt – nach Jahren – befand sich der Mann auf dem Höhepunkt seines Er­folges.

Denn Dr. Boris Barow wollte es der Menschheit beweisen. Sie regelrecht vernichten.

Barow erwachte wie aus einem Traum. Sein Gesicht hatte sich bei dem Ausflug in die Gedankenwelt verzerrt, so sehr hatte ihn die Vergangenheit mitgenommen.

Mit der Hand strich Dr. Barow über den Kistendeckel. Seine Augen leuch­teten fanatisch, als er flüsterte: »Bald werde ich sein wie Dracula. Ich, Boris Barow, bin der König der Vampire! «

Irgendwann in der Nacht ließ das Gewitter nach. Es hörte auf zu regnen.

Jetzt wurde es Zeit für Boris Barow, zurückzufahren. Er sprang von der Ladefläche.

Bis zu den Knöcheln sackte er im Schlamm ein. Der Regen hatte den Boden völlig aufgeweicht.

Fluchend stiefelte Dr. Barow zum Führerhaus. Die Luft war klar und rein.

Die Tür des Führerhauses stand noch immer offen. Dadurch hatte es in den Wagen hineingeregnet. Die ro­ten Kunststoffsitze waren nass. Der Schlüssel steckte noch.

Dr. Barow schwang sich mit einem Satz hinter das Steuerrad. Der Motor kam beim dritten Anlauf.

Barow kuppelte, legte den Gang ins Getriebe, gab Gas – und der Wagen fuhr. Trotz des aufgewühlten Bodens. Es war, als habe Satan selbst die Hand im Spiel.

Mit mäßiger Geschwindigkeit rum­pelte der Wagen durch die Nacht. Bald erreichte Dr. Barow eine Landstraße. Sie mündete nach wenigen Kilometern in eine Staatsstraße, die eine direkte Verbindung zur Hauptstadt des Lan­des – Budapest – darstellte.

Das Flugticket hatte Dr. Barow schon zwei Tage vorher gelöst.

Er erreichte den Flughafen nach sechs Stunden Fahrt. Die Kiste wurde vom Zoll überprüft und dann für den Versand fertiggemacht.

Dr. Barow fuhr noch kurz in sein Hotel, um den Koffer zu holen. Ihn hielt nichts mehr in Ungarn. Für ihn gab es nur noch ein Ziel: London!

 

 

Das Haus war uralt und lag am Stadt­rand von London. Jahrelang war es nicht bewohnt gewesen, hatte Pennern und Herumtreibern als Notunterkunft gedient.

Bis Dr. Barow auf das Haus auf­merksam geworden war. Er hatte es gekauft und für seine finsteren Zwecke umbauen lassen. Aber auch dies lag schon drei Jahre zurück. Ge­nau die Zeit, die Barow brachte, um all seine Vorbereitungen zu treffen. Im Keller hatte er sich ein modernes Labor eingerichtet, in dem er seinen teuflischen Forschungen nachging. Der verwilderte Garten war durch eine elektrische Alarmanlage gesichert, die unliebsame Gäste fernhielt.

Niemand störte sich an Dr. Barow. Die Bauern, deren Gehöfte in einigen Meilen Umkreis lagen, bekamen den Wissenschaftler kaum zu Gesicht. Sie wussten eigentlich nur, dass er einen schwarzen Mercedes fuhr.

Dr. Barow war dies nur recht. So konnte er ungestört seinen Arbeiten nachgehen, deren Erfolg sich auch bald einstellte.

Seit dem Tag, da er die Kiste aus Ungarn geholt hatte, hatte er das Haus nicht mehr verlassen. Sein Lebens­mittelvorrat reichte für Monate, und die Dinge, die er für seine Versuche brauchte, hatte er sich auch längst besorgt.

Dr. Barow experimentierte Tag und Nacht. In seiner Hexenküche wurde die Erde genau untersucht. Die Ergeb­nisse ausgewertet, verglichen und in lange Tabellen eingetragen.

Die Zeit verging.

Und dann hatte es Dr. Barow ge­schafft. In einem Erlenmeyerkolben schwappte die dunkelrote Mixtur.

Eine Mischung aus Erde und seinem Blut!

Mit fanatisch glänzenden Augen blickte sich Dr. Barow in seinem Labor um. Sein Blick streifte die Apparatu­ren, die Messgeräte und Chemikalien, und er wusste, dass er mithilfe der Wissenschaft den Vampirismus wieder zum Leben erwecken würde.

Dr. Barow umfasste den Erlenmey­erkolben mit beiden Händen, so, als hätte er Angst, ihn fallen zu lassen.

Vorsichtig stieg er über die Stein­treppe nach oben. Er ging in seinen Wohnraum, der mit alten Möbeln ausgestattet war, und in dem auch ein großer Wandspiegel hing.

Vor diesem Spiegel blieb Dr. Barow stehen.

Minutenlang betrachtete er sich.

Er sah einen Mann um die Fünf­zig. Groß, hager, mit schwarzen, nach hinten gekämmten Haaren. Die Au­gen wirkten wie dunkle Krater und lagen tief in den Höhlen. Die Wangen­knochen stachen scharf hervor, was auf slawische Abstammung schließen ließ.

»Wie Dracula!«, flüsterte Dr. Barow.

Langsam hob er den Erlenmeyer­kolben und setzte ihn an die Lippen.

Die dunkelrote Flüssigkeit lief in den schmalen Hals des Gefäßes, rann in Dr. Barows Mund …

Der Mann spürte den süßen Ge­schmack seines eigenen Blutes auf der Zunge, vermischt mit den geheimnis­vollen Kräutern, die dem Trank beigemixt worden waren.

Die sirupdicke Flüssigkeit rann in seine Kehle und von dort weiter in den Magen.

Geheimnisvolle Kräfte begannen zu wirken, vermischten sich mit dem Blut in Dr. Barows Adern und ließen Puls- und Herzschlag rasend in die Höhe schießen.

Dr. Barow stöhnte auf. Er fühlte, wie ihm schwindlig wurde. Unartiku­lierte Laute drangen aus seiner Kehle.

Die Hände des Mannes verkrampf­ten sich, ein Schüttelfrost drang durch seinen Körper, das Zimmer tanzte plötzlich vor seinen Augen, und Se­kunden später brach Dr. Barow zu­sammen.

Irgendwann wurde er wach.

In seinem Schädel lastete ein unge­heurer Druck. Dr. Barow fühlte sich schwach und elend, doch mit jeder Se­kunde besserte sich sein Zustand. Das Neue, das Unfassbare in ihm begann die Oberhand zu gewinnen.

Dr. Barow richtete sich auf.

Er befand sich noch immer vor dem Spiegel, und er fühlte plötzlich, dass sich sein Oberkiefer seltsam gespannt und hart anfühlte.

Dr. Barow warf einen Blick in den Spiegel und erschrak bis ins Mark. Er sah sein Ebenbild nicht mehr. Das Unmögliche war geschehen. Dr. Barow war zu einem Vampir geworden!

Personen:

  • Dr. Boris Barow
  • Miriam West, Mitarbeiterin einer Werbeagentur
  • George Baker, Miriams Kollege
  • Barmixer
  • Taxifahrer
  • Nachtportier
  • Polizeibeamte
  • Red, Tom Purdom, zwei ausgebrochene Gangster
  • Sergeant Mallory, Polizeibeamter
  • Sir James Powell, Superintendent
  • John Sinclair, Inspektor bei Scotland Yard
  • Jane Collins, Stripteastänzerin
  • Bill Conolly, Reporter
  • Brenda Porter, eine der Dolly Sisters
  • Yamaro, Killer

Orte:

  • London

Quellen:

  • Jason Dark: John Sinclair Classics. Geisterjäger John Sinclair. Band 10. Bastei Verlag. Köln. 16. 01. 2018
  • Thomas König: Geisterwaldkatalog.Band 1. BoD. Norderstedt. Mai 2000

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