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Felsenherz der Trapper – Teil 19.3

Felsenherz der Trapper
Selbst Erlebtes aus den Indianergebieten erzählt von Kapitän William Käbler
Erstveröffentlichung im Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1922
Band 19
Das Geheimnis des Zuni
Drittes Kapitel

Parker und Smith

Die Flüchtlinge hatten inzwischen eingesehen, dass sie auf diese Weise den Apachen nicht entgehen würden. Als sie daher ein paar einzelne, aus der Prärie jäh aufsteigende Felsen erreicht hatten, machten sie halt, führten ihre Tiere zwischen die Steinblöcke und erkletterten einen der Felsen, von dessen Spitze sie die Rothäute bequem beschießen konnten.

Die vorsichtig gewordenen Apachen näherten sich den Felsblöcken jedoch nicht einmal auf Schussweite, schlossen die Verfolgten in weitem Kreis ein, stellten Wachen aus und gedachten die Fallensteller durch eine Belagerung auszuhungern. Ihr Anführer, der Unterhäuptling Tralua, der Schleichende Fuchs, hatte bereits sein Jagdzelt aufrichten lassen, als eine der Wachen durch laute Rufe die Aufmerksamkeit auf zwei andere Reiter lenkte, die von Westen her herantrabten.

Traluas scharfe Augen hatten sofort die beiden Todfeinde der Apachen, den Trapper Felsenherz und den Schwarzen Panther, in diesen Reitern erkannt.

Im Umsehen saß der ganze Apachentrupp wieder zu Pferde. Der Unterhäuptling ließ nur zwanzig Krieger zur Beobachtung der Umzingelten zurück. Mit der Hauptmacht nahm er die Verfolgung der beiden Westmänner auf, die nach Nordost abgebogen waren.

Felsenherz und Chokariga ritten absichtlich so, als ob auch ihre Pferde bereits erschöpft wären. So gelang es ihnen, die fünfzig Apachen immer weiter in die Prärie hineinzulocken. Erst nach einer Stunde, als sie in einen schmalen Wald einlenkten, der sich am Rande einer steinigen Bergkette hinzog, gaben sie ihren Tieren die Zügel frei, befanden sich bald inmitten der kahlen, felsigen Anhöhen, banden ihren Pferden die Hufschuhe abermals unter und schwenkten nach Süden ab.

Die Apachen hatten sie jetzt aus dem Gesicht verloren. Und wieder eine halbe Stunde drauf bemerkten die eingeschlossenen Fallensteller, dass Hilfe nahte. Der blonde Trapper und der Comanchenhäuptling hatten die Verfolger abschüttelt und sprengten nun von Südost auf die Steinblöcke zu.

Die zum Teil mit schlechten Steinschlossflinten, sonst nur mit Bogen und Pfeilen bewaffneten zwanzig Apachen sahen sich so vier Doppelbüchsen gegenüber und ließen es gar nicht zum Kampf kommen, sondern flüchteten eilends nach Westen.

»Hallo, Boys, habt Dank für Eure Hilfe!«, begrüßte einer der Fallensteller, ein stiernackiger, rotbärtiger Mann, die beiden Westmänner.

»Nichts zu danken«, meinte Felsenherz kurz. »Nehmt Eure Pferde und dann weiter! Die anderen Apachen dürften sich sehr bald wieder einfinden.«

Zu einer Unterhaltung war jetzt keine Zeit.

Die vier Reiter trabten nach Süden davon, und erst nach gut anderthalb Stunden, als sie ihre Pferde in einem Bach entlangführten, um jede Spur zu verwischen, fragte Felsenherz die Fallensteller, woher sie kämen.

Diese hatten längst gemerkt, mit wem sie es zu tun hatten.

»Nicht wahr, Master, Ihr seid doch der berühmte Trapper Felsenherz«, erwiderte der etwas bucklige Gefährte des Stiernackigen. »Und die Rothaut ist der Comanchenhäuptling Schwarzer Panther. Es stimmt doch? Nun also – in so vornehmer Gesellschaft sind wir beide noch nie gewesen. Wir sind bescheidene Pelzjäger, heißen …« Er überlegte etwas. »… heißen Parker und Smith und kommen vom Rio Verde her, wo wir zumeist unsere Tellereisen und Schlagfallen aufstellen. Wir hatten noch ein mit Fellen beladenes Packpferd bei uns. Leider liefen wir den Apachen gerade in die Arme, mussten das Packpferd im Stich lassen und sind jetzt heilfroh, mit dem Leben davongekommen zu sein.«

Felsenherz ahnte, dass dieser Mensch log.

Auch der Comanche warf dem blonden Trapper heimlich einen besonderen Blick zu und sagte dann: »Die beiden Blassgesichter müssen, obwohl sie ein Packpferd mit sich führten, sehr scharf geritten sein. Ihre Tiere waren so müde, als hätten sie bereits eine lange Hetzjagd hinter sich gehabt.«

Da entgegnete der Rotbart zögernd: »Der Häuptling hat ganz recht. Wir wollten schnellstens südwärts nach El Paso, der mexikanischen Grenzstadt. Es fehlt uns an Pulver und Blei.«

Der Komanche schwieg dazu.

Felsenherz bereits fest überzeugt, jenen Jeffries und Jonny vor sich zu haben, tat ebenfalls ganz harmlos.

Am Nachmittag erreichte man den Rio Pecos etwa einen Tagesritt südlich vom Berg der Schlangen.

Hier in den wild zerklüfteten Uferbergen des Rio Pecos suchte der Häuptling einen Lagerplatz in einer dicht bewachsenen Schlucht aus und erklärte dann den Fallenstellern, er würde mit Felsenherz noch in ein größeres Nebental schleichen, um dort Wild für die Nachtmahlzeit zu erlegen.

Sie schritten denn auch mit ihren Büchsen davon, machten aber schon nach einer halben Stunde kehrt, um von der anderen Seite in die Schlucht einzudringen und die beiden Fallensteller zu belauschen, die, wie sie hofften, sich durch irgendeine Äußerung verraten würden.

Sie irrten sich jedoch. Parker und Smith sprachen nur von dem Verlust ihres Packpferdes. Trotzdem zweifelte weder Felsenherz noch der Comanche daran, mit denselben Schurken zusammengetroffen zu sein, die den Zuni auf den Mustang gefesselt hatten, weil er ihnen sein Geheimnis nicht verraten hatte.

Nachdem sie dann, freilich ohne Jagdbeute, zum Lagerplatz zurückgekehrt waren, begann Felsenherz nach einer Weile den beiden Fallenstellern so nebenher zu erzählen, dass er und Chokariga heute in aller Frühe zufällig einen toten Mustang gefunden hätten, neben dem ein bewusstloser Indianer, ein Zuni-Krieger, lag. Der Zuni sei nicht wieder zur Besinnung gekommen, und sie hätten die Leiche in der Prärie begraben.

Selbst diese halb erfundene Geschichte machte auf Parker und Smith nicht den geringsten Eindruck. Sie zeigten dafür nur gerade so viel Interesse, wie jeder Weltmann dafür bekundet hätte.

Jetzt wurde Felsenherz doch unsicher. Als Parker und Smith die erste Wache übernommen hatten und die beiden Eingänge der Schlucht bewachten, flüsterte der Trapper seinem Freunde zu: »Mein roter Bruder kennt stets meine Gedanken. Was hält er von Parker und Smith?«

»Felsenherz glaubt, es mit ehrlichen Blassgesichtern zu tun zu haben«, erwiderte der Häuptling und hob Parkers Pulverhorn hoch. »Das Horn ist fast leer. Vielleicht haben wir uns wirklich getäuscht. Wir wollen trotzdem wachsam sein.«

Dann hüllten sie sich in ihre Decken und schliefen auch sehr bald ein, da sie mehrere recht anstrengende Tage hinter sich hatten.

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