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Romantruhe-Western Band 22

Robert C. Ryland
Romantruhe-Western Band 22
Ein Galgen für McLintock

Western, Paperback, Romantruhe, Kerpen-Türnich, Januar 2018, 70 Seiten, 4,95 Euro, Titelbild: Romantruhe-Archiv
www.romantruhe.de

Kurzinhalt:
Sein Name ist Colin McLintock. Gejagt und geächtet für einen Mord an dem Rancher Big Abe Washburn. Steckbriefe mit McLintocks Namen bringen Kopfgeldjäger und Abenteurer auf seine Fährte – und das Gesetz will ihn richten für den angeblichen feigen Mord. Niemand fragt nach den Beweggründen für McLintocks Schuld. Denn Washburn hat McLintocks Eltern aufhängen lassen und sich anschließend deren Land angeeignet. Dave Washburn, der Sohn des Ranchers, verfolgt seitdem McLintock mit seinem Hass und hat eine Prämie auf dessen Kopf ausgesetzt. Bis jetzt ist ihm McLintock entkommen – aber irgendwann wird man seine Fährte wiederfinden.

Leseprobe:

1

 

Colin McLintock zügelte seinen Hengst. Er blickte sich um. Noch e­ben hatte er das Gefühl, dass ihm jemand folgte. Aber er musste sich getäuscht haben.

In einer knappen halben Meile Entfernung konnte er die ersten Häu­ser der Stadt Sonora erkennen. Hinter ihm lag nichts als Wüste und unbewohnbares Land – deshalb freute er sich schon auf den Saloon, wo er ein kühles Bier zu sich nehmen wollte.

Er ritt weiter. Eine leichte Brise ließ seinen langen schwarzen Mantel flattern. McLintock zog den Kragen hoch. Langsam wurde es windi­ger, und als er die ersten Häuser der Stadt passierte, wirbelte der kräf­tige Wind immer mehr Staub auf.

Seltsam! Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Sonora war nor­malerweise eine belebte Stadt, und selbst bei schlechtem Wetter wären zumindest einige ‘Menschen draußen zu sehen gewesen. Jetzt aber war alles still wie in einer Geisterstadt.

McLintock verspürte ein seltsames Gefühl, als er vor dem Hotel sein Pferd zügelte und aus dem Sattel stieg. Da – ein Haus weiter bewegte sich ein Vorhang. McLintock konnte das genau erkennen, aber er be­schloss, sich nichts anmerken zu lassen.

Reite besser weiter!, riet ihm seine Vernunft, als er die Tür zum Hotel öffnete. Doch irgendetwas hielt ihn davon ab, zurück zu seinem Pferd zu gehen und die Stadt so schnell wie möglich wieder zu verlas­sen.

Er betrat einen größeren Raum, der die Empfangshalle des Hotels darstellte. Spinnweben hingen an den Decken, und die Möbel rings­herum waren ziemlich verstaubt. Langsam sah er sich um und ging weiter. Schließlich entdeckte er eine alte Kladde auf einem Tisch, die wohl das Gästebuch des Hotels darstellte. Es war zwar mit Fett- und Schmutzflecken übersät, aber die Schrift konnte man noch einigerma­ßen entziffern. McLintock machte sich mit lauter Stimme bemerkbar. Einige Augenblicke vergingen, bis ein kleiner Mexikaner aus dem an­grenzenden Raum herbei geeilt kam.

»Guten Tag, Señor. Was wünschen Sie?« Er zeigte grinsend seine lü­ckenhaften Zähne.

»Ich will ein Zimmer, mein Freund«, erwiderte McLintock. »Und zwar schnell!«

»Si si«, beeilte sich der Mexikaner zu sagen. »Das können Sie natür­lich haben.«

Er verneigte sich unterwürfig und suchte nach einem Schlüssel. Schließlich fand er ihn und schob ihn McLintock über die Theke zu. »Hier, Schor. Wollen Sie länger in Sonora bleiben?«

»Weiß ich noch nicht.«

McLintock war müde und ausgelaugt und hatte keine Lust, sich aus­fragen zu lassen. Er nahm den Schlüssel an sich und ging die Treppe hinauf. Die Stufen knarrten unter seinen Schritten. Der Mexikaner hat­te ihm gesagt, er würde das Zimmer im ersten Stock finden. Der Schlüssel hatte die Nummer 25.

McLintock blickte sich oben auf dem Gang um. Schließlich entdeck­te er die betreffende Zimmertür, steckte den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn um. Das Zimmer, das er betrat, lag im Halbdunkel, denn die Vorhänge waren zugezogen. McLintock zog sie beiseite und blickte sich um. Klein, aber sauber – und nur das interessierte ihn. Er legte die Satteltaschen aufs Bett, griff nach der Petroleumlampe auf der Anrich­te und entzündete den Docht. Spärliches Licht erhellte das Zimmer.

Auf einmal hörte er ein Geräusch schräg hinter sich. McLintock drehte sich unwillkürlich um, bemerkte den Schatten aber viel zu spät. Etwas prallte gegen seinen Kopf und ließ ihn wanken. Er ging in die Knie und fiel hart auf den Holzfußboden. Dann wusste er nichts mehr.

 

2

 

McLintock erwachte stöhnend. Er tastete noch mit geschlossenen Au­gen nach seinem schmerzenden Kopf. Da hatte jemand ganz schön zugeschlagen. Schließlich öffnete er die Augen und blickte sich um. Er registrierte, dass er sich in einem kleinen halbdunklen Raum be­fand. Von irgendwoher sah er einen schwachen Lichtschimmer. Jetzt begriff er, wo er sich befand – in einer Gefängniszelle!

Stimmen drangen an sein Ohr. Jetzt öffnete sich eine Tür und drei Männer kamen herein.

»Gott sei Dank, McLintock!«, stieß einer der Männer erleichtert her- vor. »Freut uns sehr, dass du wieder wach bist. Wir dachten schon, dass unser Freund Clay hier zu hart zugeschlagen hat.«

Er nickte dem Angesprochenen grinsend zu.

Jetzt konnte McLintock schon wieder klar denken. Er registrierte das Abzeichen auf dem Hemd des Mannes.

»Du staunst du, was?«, fuhr der Sternträger fort. »Übrigens – mein Name ist Lucas Webb, und diese zwei .Jungs hier sind meine Deputies Clay Cain und Dennis Simpson.«

McLintock richtete sich mühsam von der Zellenpritsche auf.

»Wer Sie und diese beiden Hühnerdiebe sind, ist mir vollkommen egal, Mister. Ich will nur wissen, was das alles zu bedeuten hat. Wol­len Sie irgendetwas von mir?«

In diesem Augenblick begriff Deputy Cain erst, dass McLintock ihn und den zweiten Gehilfen einen Hühnerdieb genannt hatte. Wütend trat er in die Zelle und wollte McLintock einen Schlag verpassen. A­ber Webb hielt ihn davon ab.

»Nenne mich noch einmal einen Hühnerdieb, du Hundesohn!«, schnaufte der Deputy, der nicht zu den Intelligentesten seiner Zunft gehörte. »Wenn du jetzt nicht klein beigibst, dann mache ich dich fer­tig. Das schwöre ich dir!«

»Sheriff, halten Sie mir diesen Idioten vom Hals«, richtete McLin­tock das Wort an Webb. »Vielleicht habe ich vorhin den Kürzeren ge­zogen – aber das bedeutet nicht, dass ich mir alles gefallen lassen muss.«

Lucas Webb musterte McLintock spöttisch von Kopf bis Fuß.

»Du bist der geborene Optimist, McLintock«, meinte er achselzu­ckend. »Jetzt sag bloß nicht, dass du immer noch keine Ahnung hast, warum du hier bist?«

Als McLintock dies mit einer eindeutigen Geste verneinte, zog Webb ein zusammengefaltetes Papier aus der Tasche und warf es McLintock zu. McLintock fing es auf und ahnte, was jetzt kommen würde. Er fal­tete das Papier auseinander, und ein Steckbrief kam zum Vorschein.

Die alte Geschichte also, dachte McLintock. Sie verfolgt mich immer noch – aber ich bin ja selbst daran schuld

Seine Gedanken schweiften kurz ab. Vor fünf Jahren hatten seine Eltern noch eine kleine Ranch besessen. Aber sie lebten ]in der großen Ranch von Abe Washburn, den man auch Big Abe Washburn nannte. Und eben der hatte sich das Land auf gewaltsame Weise an­eignen wollen, das McLintocks Eltern gehörte. Irgendwann hatte er aufgehört, ihnen ein Angebot zu unterbreiten, nachdem sie jedes da von abgelehnt hatten. Land, das man mit eigenen Händen urbar ge­macht hat, verkauft man nicht. Das waren die Worte von McLintocks Vater gewesen – und das hatte er auch ernst gemeint.

Big Abe hatte einen Sohn – Dave. Dieser führte bedingungslos alle Befehle seines Vaters aus. McLintock und Dave waren einmal Freun­de gewesen, obwohl dessen Vater das ganz und gar nicht passte. Big Abe hatte stattdessen gedroht, er würde Gewalt anwenden, wenn die Familie McLintock ihm nicht ihr Land verkaufen würde. Aber Ben McLintock hatte nur gelacht und gesagt, er hätte schon einmal einen räudigen Wolf in die Flucht geschlagen, der über seine Rinder herfal­len wollte.

Big Abc hatte geschäumt vor Wut und war weggeritten. Drei Tage vergingen. Nichts geschah in dieser Zeit. Dann wurde ein großes Fest in der Stadt veranstaltet, und McLintock hatte die Ranch seiner Eltern kurz vor Einbruch der Dämmerung verlassen, weil es ihn dort hinzog. Erst nach Mitternacht machte er sich wieder auf den Rückweg. Was er dann vorfand, war entsetzlich. Während er sich in der Stadt aufgehal­ten hatte, waren Washburns Leute hier gewesen und hatten die Ranch seiner Eltern angezündet. Jetzt standen nur noch die Grundmauern.

McLintock rief nach seinen Eltern, bekam aber keine Antwort. Schließlich entdeckte er sie. Diese verfluchten Schweinehunde hatten seine Eltern an der großen Eiche hinter dein aufgehängt. Er hatte nur noch ein Grab für sie schaufeln können – und danach existierte nur noch ein einziger Gedanke in seinem Kopf: Rache!

Schnell stieg er wieder in den Sattel und ritt zu Washburns Ranch, denn die Spuren, die die Mörder zurückgelassen hatten, führten genau dorthin. Big Abe Washburn ahnte nichts von der drohenden Gefahr. Er saß stattdessen mit seinem Sohn Dave am Tisch und freute sich über das neue Stück Land, das er sich gewaltsam angeeignet hatte.

McLintock ließ jede Vorsicht außer Acht. Er schlich sich unbemerkt an das Hauptgebäude heran, drang lautlos in das Haus ein und stürmte in das Zimmer, in dein Washburn und sein Sohn ihren Triumph feier­ten. Abc Washburn wollte seine Waffe ziehen, als er McLintock be­merkte, aber dieser war schneller. Er schoss Big Abc Washburn nieder und schlug Dave mit dem Coltlauf zusammen. Dann flüchtete er.

Der Sohn des ermordeten Ranchers sorgte dafür, dass McLintocks Bild nur drei Tage später auf einem Steckbrief zu sehen war, der im gesamten Bezirk aushing. McLintock war jetzt ein Outlaw – ein Ge­ächteter, den jeder niederschießen und dafür das ausgesetzte Kopfgeld von 5.000 Dollar kassieren konnte. Dave Washburn hatte geschworen, den Mörder seines Vaters zur Strecke zu bringen – und zwar mit allen, ihm zur Verfügung stehenden Mitteln.

McLintocks Gedanken kehrten jetzt wieder in die Wirklichkeit zu­rück. Er blickte von seiner Pritsche auf.

»Gut – Sie wissen also Bescheid. Und was haben Sie jetzt mit mir vor?«

Webbs Grinsen wurde immer breiter.

»Jungs, der Kerl ist ein ausgesprochener Witzbold!«, lachte er schließlich laut und schaute amüsiert zu seinen beiden Deputies. »Fragt der uns doch tatsächlich, was wir mit ihm vorhaben! Ich fasse es nicht!«

Als seine beiden Gehilfen nun auch in das Gelächter mit einstimm­ten, gab der Sheriff ihnen zu verstehen, sich zurückzuhalten. Er ergriff nun wieder das Wort.

»Natürlich werden wir dich zu Dave Washburn bringen, McLintock«, sagte er das, was der Gefangene in der Zelle bereits ahnte. »Er ist ver­dammt ungeduldig – und es wird Zeit, dass wir das ändern. Du bist mittlerweile 5.000 Dollar wert, Mann!«

McLintock kratzte sich am Kopf. Weil er wusste, dass sich die ima­ginäre Schlinge um seinen Hals immer enger zuzuziehen begann. A­ber was sollte er in dieser augenblicklichen ausweglosen Lage dage­gen unternehmen?

»Ruhe dich noch ein wenig aus, McLintock«, riet ihm Webb. »Wir bringen dich morgen zu Washburn. Er wird hocherfreut sein, dich zu sehen. Ich könnte mir nämlich sehr gut vorstellen, dass er ganz schnell für klare Patente sorgen will.«

Mit diesen Worten gab er seinen Deputies ein Zeichen, ihm zu fol­gen. Die drei Männer verließen den Gefängnistrakt und ließen McLin­tock allein zurück.

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