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Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – 13. Blatt

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Eulenspiegel wird wieder Arzt bei einem Kind in Peine.

s ist ein großes Vorurteil, welches leider viele Menschen und besonders die Landbewohner hegen, dass sie lieber von einem Quacksalber untaugliche Mittel für vieles Geld kaufen, als einen erfahrenen Arzt fragen und dessen Rat befolgen und dadurch den Kranken oft an den Rand des Grabes bringen.

So ging es auch zu Eulenspiegels Zeiten.

Kurz nach voriger Geschichte kam Eulenspiegel nach Peine im Stift Hildesheim. Hier ging er in ein Wirtshaus, worin er schon bekannt war, und die Wirtsleute hatten gerade ein krankes Kind. Eulenspiegel fragte, was dem Kind fehle.

Die Wirtin antwortete ihm ganz kurz: »Es kann nicht zu Stuhle gehen.«

»O«, sagte er, dem ist leicht zu helfen.«

»Gut«, sagte die Frau, »so helft ihm, ich will euch dafür geben, was ihr haben wollt.«

Eulenspiegel sprach: »Das ist eine kleine Mühe, dafür nehme ich nichts. Wartet nur noch ein wenig, es soll dem Kind bald geholfen werden.«

Nun hatte die Frau einen Weg auszugehen, um etwas zu holen und ließ das kranke Kind allein bei ihm in der Stube. Währenddessen hofierte Eulenspiegel einen derben Haufen in die Stube, stellte den Kinderstuhl darüber und setzte das Kind geschwind darauf. Bald kam die Frau wieder nach Hause und fragte Eulenspiegel, wer das Kind auf den Stuhl gesetzt hätte.

Er antwortete: »Das habe ich getan. Ihr sagtet, das Kind könne nicht zu Stuhle gehen. Nun habe ich es darauf gesetzt.«

Da sah die Frau, was unter dem Stühlchen lag und sagte: »Seht hier, das hat dem Kinde gefehlt. Habt Dank, dass ihr ihm geholfen habt.«

»O«, sagte Eulenspiegel, »dergleichen kann ich viel machen mit geringer Mühe.«
Die Frau bat ihn, er möchte ihr die Kunst doch auch lehren, sie wolle ihn gern dafür bezahlen.

Eulenspiegel sagte: »Jetzt bin ich reisefertig. Wenn ich einmal wiederkomme, doch ich will Euch noch etwas hierlassen.«

Er ging auf den Hof, machte …, wickelte es zu, gab es ihr, und reiste ab. Er war für seine Wunderkur der Wirtin die Zeche schuldig geblieben. Bald nachher wollte sie von der Medizin Gebrauch machen. Siehe, da war es … und die leichtgläubige Frau betrogen.

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