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Fort Aldamo – Band 20

Band-20-Entscheidung-in-der-toten-StadtFrank Callahan
Fort Aldamo
Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker
Band 20
Entscheidung in der toten Stadt

Western, Military, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,80 €, Neuauflage vom 09.08.2016, Titelbild von Günter König

Kurzinhalt:
Finnewacker ist aus der Hölle der toten Stadt entkommen. Doch der Master Sergeant denkt nicht daran, im sicheren Fort Aldamo zu bleiben. Er ist entschlossen, das Geheimnis der toten Stadt völlig zu lösen und dem »verrückten Professor« und seiner Bande das Handwerk zu legen. So reitet Finnewacker geradewegs in die Hölle der Mohawk Range zurück. Schon bald machen Apachen Jagd auf seinen Skalp. Und dann hat Master Sergeant Finnewacker auch noch den sonderbaren Professor, ein schönes Mädchen und ein paar zweibeinige Wölfe auf dem Hals …

Leseprobe:

»Wird ja allmählich Zeit, dass ihr antanzt, Männer!«, dröhnte Master Sergeant Finnewackers Stimme.

Der Spieß der Strafkompanie und kommissarische Leiter von Fort Al­damo saß hinter seinem Schreibtisch und rauchte eine Zigarre. Sein Kopf war von einer blauen Qualmwolke um­hüllt.

Zufrieden starrte er auf die fünf Sergeanten, die hintereinander die Kommandantur betreten hatten und jetzt die Hacken zusammenschlugen und zackig salutierten.

»Sergeant Gedder meldet sich zur Stelle, Master Sergeant!«

»Sergeant Wollcram meldet sich zur Stelle, Master Sergeant!«

So ging das weiter, bis auch die Ser­geanten Gammer, Wallowa und Kleiber ihre Meldung gemacht hatten.

Finnewacker nickte.

»Steht bequem, Männer. Habe was mit euch zu besprechen.«

Finnewacker legte seine Zigarre in den Aschenbecher und stand auf. Dann lief er einige Schritte auf und ab, ehe er vor den Sergeanten stehen blieb und die Hände auf dem Rücken verschränkte.

Sein giftiger Blick traf den dicken Kleiber, den Küchenbullen – wie er von seinen Kameraden genannt wurde.

Kleiber zuckte zusammen.

Anscheinend hatte Finnewacker dem Dicken noch nicht verziehen, dass er ihm vor einigen Tagen einen total ver­salzenen Pfannkuchen angedreht hatte.

Der Master Sergeant nahm seinen Blick von Sergeant Kleiber, der leise ausatmete. Kleiber glaubte es wenigs­tens leise zu tun – dabei schnaufte er aber wie ein Nilpferd, das zu lange auf dem Grund des Flusses gelegen hat. »Ist was, Dicker …«

Kleiber schüttelte schnell den Kopf und nahm unwillkürlich Haltung an. Dabei dachte er an Finnewackers Dro­hung, dass er beim nächsten Dreißig-­Meilen-Gepäckmarsch das Kommando übernehmen sollte.

»Also gut, Männer. Ihr wisst genau, was in den letzten Tagen geschehen ist. Trotzdem will ich’s noch mal wieder­holen, damit auch jedem klar wird, was ich vorhabe.«

Die Sergeanten nickten.

»Nachdem zwei Patrouillen ver­schwunden waren und auch die zwanzig neuen Sträflinge nicht vom Gepäck­marsch zurückkehrten, ritt ich mit Gammer, Gedder und Wallowa los. Die Soldaten blieben verschollen. Und es dauerte lange, bis ich die Verschwun­denen aufstöbern konnte.«

Finnewacker nahm seine Wanderung in der Kommandantur wieder auf. Der Master Sergeant erinnerte irgendwie an einen eingesperrten Tiger, den es in die Freiheit drängte.

»Ich fand alle Soldaten in einem Tal. Dort mussten sie Löcher buddeln, wie es Sergeant Fitzgerald ausdrückte. Das alles ergab wenig Sinn. Um es kurz zu machen: Wir alle erreichten Fort Aldamo, nachdem wir verschiedene Angriffe der Halunkenbande abwehren konnten.«

Master Sergeant Finnewacker sah seine Sergeanten der Reihe nach an. Kleiber lächelte kläglich und tat alles, um seinen dicken Bauch einzuziehen, was aber gründlich misslang.

»Die Banditen hauten ab und ließen uns auch in den letzten beiden Tagen in Ruhe«, fuhr Finnewacker fort. »Trotz­dem traue ich der Sache nicht. Ich will dort in dem Tal nachsehen, was läuft. Dieser verrückte Professor und der andere Anführer, der ein Revolverheld sein soll, gehen mir einfach nicht aus dem Schädel. Außerdem habe ich mit diesen Halunken noch eine Rechnung zu begleichen. Sie hatten immerhin fünfunddreißig meiner Leute gekid­nappt.«

Die Sergeanten nickten erneut.

Master Sergeant Finnewacker ver­schwieg wohlweislich, dass ihn noch etwas anderes interessierte. Von diesem Geheimnis wusste nur er.

Es gab dort in der Nähe des Banditen­tals eine geheimnisvolle alte Stadt – die tote Stadt, wie Finnewacker sie nannte – in einem Bergmassiv. Der Master Ser­geant war rein zufällig in diese alte Stadt der Spanier geraten, als er dem Totengräber in letzter Sekunde von der Schippe gesprungen war.

Alles deutete daraufhin, dass dieser »verrückte Professor« diese Stadt suchte und verzweifelt-an vielen Stellen graben ließ, um sie zu finden.

Sein Fehler war es aber gewesen, sich »billige Arbeiter« in Form der Soldaten von Fort Aldamo zu besorgen.

»Alles klar, Männer?«

Sergeant Wollcram, der wohl schnei­digste Sergeant in der alten, ehemals spanischen Festung, schlug die Hacken zusammen, dass es nur so krachte. Und er salutierte so zackig, dass jeder Rekrut vor Neid erblasst wäre.

»Ich melde mich freiwillig, um dich auf dem Ritt zu begleiten, Master Ser­geant«, rief Wollcram und stand wie eine Eins vor Finnewacker, über dessen Lippen die Andeutung eines Lächelns huschte.

Sekundenbruchteile später meldeten sich auch die Sergeanten Wallowa, Ged­der und Gammer zu diesem gefährlichen Unternehmen.

Sergeant Kleiber zögerte.

Es kostete ihn viel Überwindung, sich freiwillig zu melden.

»Das ist gut gemeint, Männer«, sagte Master Sergeant Finnewacker zufrieden lächelnd. »Sergeant Fitzgerald begleitet mich. Das ist längst mit ihm abgespro­chen. Das soll keine Bevorzugung einer meiner Leute sein, doch Fitzgerald hat sich zuerst gemeldet.«

Sergeant Wollcram zog ein zer­knirschtes Gesicht. Gedder, Gammer und Wallowa zuckten mit den Schultern.

Nur der dicke Kleiber atmete auf und schloss vor Erleichterung für einen Herzschlag lang die Augen.

»Sergeant Wollcram!«

»Zu Befehl, Master Sergeant!«

»Du übernimmst während meiner Abwesenheit das Kommando.«

»Aye, aye, Master Sergeant!«

»Abtreten, -Männer. Und dass mir alles klappt«, rief Master Sergeant Fin­newacker seinen Sergeanten hinterher und hob drohend den Zeigefinger.

Kleiber drängte sich an seinen Kame­raden vorbei und war heilfroh, dass ihm sein Master Sergeant nicht irgendein Sonderkommando aufgetragen hatte.

Finnewacker grinste nur.

»Dich kriege ich schon, alter Fett­bolzen. Irgendwann bringe ich dich so auf Vordermann, dass dir der Hintern auf Grundeis geht. Darauf kannst du dich verlassen, Küchenbulle.«

 

***

 

»Hast du auch nichts vergessen, Kleiner?«, fragte Master Sergeant Finnewacker und blickte Sergeant Fitzgerald fragend an.

Der kleine Krauskopf schüttelte den Kopf:

»Was ist mit den Fackeln?«

»Ist alles verstaut, mein Alter. Ich weiß zwar beim besten Willen nicht, wofür wir sie brauchen, doch du wirst dir schon Gedanken gemacht haben. So ist’s doch, Finnewacker – nicht wahr …«

»Genau so ist es, altes Kanonenrohr.« Der Master Sergeant sah sich im Sattel um.

Hinter ihm und Fitzgerald lag die alte, ehemals spanische Festung mit ihren mächtigen Steinmauern, die für die Ewigkeit erbaut schienen.

Schlaff hing die Fahne der Union am Flaggenmast, hoch über dem steinernen Turm. Posten standen dort oben, wie auch auf den Wehrgängen.

Fort Aldamo lag auf einem flachen Hügel in der weiten Senke zwischen zwei mächtigen Gebirgszügen, die sich von Norden nach Süden erstreckten, umgeben von Wüste.

Der Gluthauch dieses unfruchtba­ren, öden und sandigen Landstriches wehte den beiden Reitern entgegen. Heiß sengte die Sonne vom wolken­losen Himmel.

Die Zufahrtsrampe blieb zurück.

Zur rechten Hand schufteten die Sträflinge, die zum Festungserweiterungskommando eingeteilt waren.

»Vor uns liegen ungefähr vierzig oder auch fünfzig Meilen«, meinte Master Sergeant Finnewacker. »Wird kein Spazierritt, Kleiner. Das brauche ich dir aber nicht erst groß zu sagen. Du kennst ja das Tal, warst dort gefangen wie auch unsere anderen Leute.«

Der kleine Krauskopf nickte mehrmals und rückte sein Käppi zu­recht, damit es sein Gesicht mehr vor den sengenden Sonnenstrahlen schützte.

»Wir müssen verdammt vorsichtig sein«, gab Sergeant Fitzgerald zu be­denken. »Wir haben diese Höllenhunde zwar schon einmal ausgetrickst, doch es ist fraglich, ob es uns noch mal ge­lingen wird. Diese Banditen rechnen damit, dass wir ihnen noch mal auf den.. Pelz rücken. Sie sorgenvor und sichern sich bestimmt ab.«

»Ist mir klar, Kleiner. Hältst du mich für einen Anfänger?«

»Natürlich nicht, Finnewacker. Ich …«

Der Master Sergeant winkte ab.

»Wir reiten bis zu den Ausläufern der Mohawk Range. Dort warten wir ab, bis die Nacht hereingebrochen ist. Anschließend reiten wir zu diesem Tal, in dem dieser komische Professor Lö­cher graben lässt. Ich sehe mir diesen Typ mal näher an.«

Sergeant Fitzgerald grinste.

»Und dann machen wir diesem Ko­miker Feuer unterm Hintern, Finnewacker. Das wird ein Heidenspaß!« Finnewacker griente.

So ganz schien er nicht Fitzgeralds Meinung zu sein.

Die beiden Soldaten ritten weiter. Fort Aldamo blieb hinter ihnen zurück. Bügel an Bügel ritten die beiden Gefährten durch die Wüste. Hier gab es nur Klapperschlangen, Skorpione und anderes giftiges Getier, das den Menschen nicht wohlgesonnen war.

Und außerdem gab es noch Wölfe, vierbeinige und auch zweibeinige. Nicht zu vergessen die Indianer, die sich noch immer als die Herren dieses Landes fühlten und jeden Weißbauch totschlugen oder auf andere Art und Weise vom Leben zum Tod beförderten, der ihnen in die Hände fiel.

Es war nun einmal ein raues, wildes Land, in dem nur der Stärkere über­lebte. Dieses ungeschriebene Naturge­setz war besonders in der Wüste sehr deutlich zu spüren.

Stunden vergingen …

Finnewacker und Fitzgerald unter­hielten sich kaum. Sie hingen nur ihren Gedanken nach, achteten aber auf ihre Umgebung, um nicht zur leichten Beute eines unbekannten Gegners zu werden.

Sergeant Fitzgerald wischte über sein braun gebranntes Gesicht, das von einer zähen Schicht aus Schweiß und Staub überzogen wurde.

Der kleine Krauskopf seufzte.

»Wir könnten ‘ne Pause einlegen, Master Sergeant. Sie würde uns und auch den Pferden guttun. Außerdem muss ich mal hinter einen Busch.«

Der Sergeant nickte.

»Einverstanden, Kleiner. Habe auch nichts gegen eine kurze Rast einzuwen­den. Dann aber müssen wir uns wie­der sputen, um bei Sonnenuntergang – die Berge zu erreichen. Dort drüben wäre eine geeignete Stelle. Hinter den Büschen können wir uns verstecken.«

Er deutete zu einem flachen Hügel hinüber, dessen Fuß mit Salbeibüschen, verkrüppelten Kiefern und zahlreichen Kakteen bewachsen war.

Fitzgerald grinste zufrieden und trieb seinen hochbeinigen Braunen an. Und der altgediente Sergeant hatte es verdammt eilig, sein Geschäft hinter den Büschen zu erledigen.

Quelle:

  • Frank Callahan: Fort Aldamo. Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker. Band 20. Bastei Verlag. Köln. 09.08.2016

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