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Captain Concho – Band 79

Band-79-Conchos-Duell-mit-dem SatanBill Murphy
Captain Concho – Der Rebell aus Texas
Band 79
Conchos Duell mit dem Satan

Western, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,70 €, Neuauflage, Titelbild von Ertugrul Edirne / Becker-Illustrators
Kurzinhalt:
Der furchtbare Bürgerkrieg ist endlich vorüber, aber die Flammen des alten Hasses sind noch längst nicht erloschen. An vielen Orten brechen erneut erbitterte Feindschaften aus. Schuld daran sind in den meisten Fällen gierige, unersättliche Dollargeier, die ein geschlagenes Land mit brutaler Gewalt ausbeuten wollen. Doch es gibt noch Männer, die dort den Kampf aufnehmen, wo die Schwachen und Verzweifelten gedemütigt werden. Einer dieser unbeugsamen Kämpfer ist der ehemalige Südstaaten‑Captain Sam Concho, der einem der mächtigsten Teufel furchtlos die Stirn bietet …

Leseprobe:

Der große Krieg war vorbei. Doch die Narben und Wunden, die er Land und Menschen geschlagen hatte, schwärten noch.

Sam Concho, der ehemalige konfö­derierte Offizier, glitt vom Pferd und schritt auf das brennende Ranchhaus zu. Er hatte die Rauchwolken schon von Weitem gesehen. Wie ein Kartenhaus war das Gebäude zusammengekracht, und der Wind trieb den Rauch und die Hitzewellen nach allen Seiten.

Eine Gestalt hockte da wie ein be­tender Derwisch, umgeben von dichten Rauchschleiern.

Er schritt an den Kadavern von zwei Rindern und einem Pferd vorbei. Of­fensichtlich, dass die Tiere erschossen worden waren.

»Hallo!«, sagte Concho, als er von hinten an die Gestalt herantrat. »Kom­men Sie! Hier können Sie doch nicht bleiben.«

Er neigte sich vor, und während er die Gestalt auf die Füße zog, sah er, dass es sich um eine junge Frau handelte. Sie war hübsch. Das war trotz der Tränen und des Schmutzes zu erkennen.

»Wie ist das passiert?«, fragte er, während er sie aus dem Rauch führte.

Sie weinte stumm und verzweifelt vor sich hin. Ihr schlanker Körper wurde von Krämpfen geschüttelt.

Er ließ sich neben seinem Braunen zu Boden sinken, schnallte die Decke vom Packen und hängte sie ihr über die Schultern. Dabei fiel ihm auf, dass sich andere Gebäude in der Nähe be­fanden. Wieso waren die Leute nicht helfen gekommen? Die Entfernung be­trug kaum zwei Meilen. Er war über eine Stunde geritten, seit er die ersten Rauchwolken erspäht hatte.

»Ist da jemand drin?«, fragte er und wies mit einer Kopfbewegung zum brennenden Haus.

Sie schüttelte den Kopf und strich sich dabei das strähnige schwarze Haar aus der Stirn.

»Wer hat die Tiere erschossen?« Da hob sie den Kopf und sah ihn an. »Wer sind Sie?«

»Sam Concho ist mein Name.«

Sie musterte seine verblichene graue Uniform, von der er Biesen und Rang­abzeichen abgetrennt hatte.

»Sie sind nicht von hier?«, fragte sie. Er schüttelte den Kopf.

Sie weinte wieder.

Er fasste ihr unters Kinn und zwang sie mit sanfter Gewalt, ihn anzusehen, nahm das Taschentuch und säuberte ihr behutsam das schmutzige Gesicht. »Was ist hier geschehen?«

»Sehen Sie es nicht?«

»Das Haus brennt, die Tiere sind tot! Aber das erklärt nichts!«, hielt er ihr vor.

»Es ist auch nichts zu erklären!«, schluchzte sie.

»Wo sind die anderen, die hier ge­wohnt haben? Warum sind keine Nach­barn zu Hilfe gekommen? Stehen die Häuser dort hinten leer?«

»So kann nur einer fragen, der nicht aus dieser Gegend ist«, erwiderte sie.

»Hier ist nichts mehr zu machen«, sagte er. »Kommen Sie! Sagen Sie mir, wohin ich Sie bringen kann.«

»Das hier ist mein Zuhause gewesen!« Er starrte auf die Flammen.

»Nein! Es ist niemand umgekommen«, sagte sie. »Ich habe hier allein gelebt. Seit dem Tod meines Vaters vor einem Vierteljahr. Haben Sie schon etwas von Hardwicke gehört? Leon Hardwicke?«

Sam Concho schüttelte den Kopf.

»Seine Leute sind hier gewesen«, fuhr, sie fort. »Jeder aus dieser Ge­gend weiß, was so etwas bedeutet. Deshalb sind auch die Nachbarn nicht gekommen.«

»Was? Das ist mutwillig gemacht worden?«, fragte er betroffen.

»Ich hätte es verhindern können.« Sie stand auf und schritt aus. »Ich hätte nur an Hardwicke zu verkaufen brauchen. Zu seinem Preis, versteht sich.«

»Wo wollen Sie hin?«

»Ich weiß nicht!«, erwiderte sie und ging weiter.

Er schaute ihr nach. Sie war nicht sehr groß und so unendlich zart von Statur.

»Warten Sie!« Er bückte sich nach der Decke, die sie hatte ins Gras fallen lassen, warf sie über den Sattel, nahm den Braunen am Zügel und ging ihr nach.

»Ich reite nach Durango«, sagte er, als er sie eingeholt hatte. »Dort gibt es einen Sheriff. Kommen Sie mit!«

»Hardwickes Sheriff!«

»Na, das wollen wir mal sehen! Wie heißen Sie?«

»Lucy Anderson.«

Er ergriff sie am Arm und blieb stehen. »Sie werden doch nicht einfach davonlaufen, weil Ihnen Hardwickes Leute das Haus niedergebrannt und das Vieh erschossen haben?. Sie werden diese Schurken verklagen.«

»Beim lieben Gott?«

»Kommen Sie!«, sagte er entschlos­sen, warf die Decke auf den Packen, packte Lucy Anderson und hob sie kurzerhand in den Sattel. »Wir reiten nach Durango. Dort besuchen wir den Sheriff.«

Er legte die Decke zusammen, schnallte sie fest und schwang sich hinter die junge Frau.

»Der Sheriff wird nicht da sein«, sagte sie, als er den Vierbeiner ange­hen ließ und zur Straße lenkte. »Auf den werden wir zwei oder drei Tage warten müssen. Vermutlich wird er sich so lange nicht blicken lassen, wie ich in der Stadt bin. Außerdem kann ich nicht einen Tag bleiben. Alles ist verbrannt. Ich müsste auf der Straße schlafen.«

»Ich habe genug Geld! Ich bringe Sie im Hotel unter.«

»Halten Sie an! Es ist verrückt! Sie haben keine Ahnung, was Sie da tun und wohin Sie reiten, Mister …«

»Sam! Sam Concho!«

»Halten Sie an!«, sagte sie bittend. »Es wird weder mir Segen bringen noch Ihnen. Im Gegenteil!«

»Auf Segen bin ich auch gar nicht aus. Sie haben mich neugierig gemacht, Lucy. Da will ich doch verdammt sein, wenn es hier nicht Recht und Ordnung gibt.«

»Recht und Ordnung gibt es. Doch es ist Hardwickes Recht, und Ordnung, wie er sie versteht.«

Concho lachte. »Die Zeiten sind doch vorbei!«

»Nicht in Durango, Sam! Nicht, seit es Hardwicke in diese Gegend ver­schlagen hat.«

Concho trieb den Braunen auf die Straße und ließ ihn traben. Die ersten Häuser von Durango waren schon zu sehen.

Die Leute blieben stehen, als sie durch die Mainstreet ritten. Es war eben ungewöhnlich, dass ein Mann und eine Frau auf einem Pferd angeritten kamen, wie Concho meinte. Er scherte sich nicht um die Leute. Auch Lucy sah geradeaus.

Vor dem Hotel lenkte Concho das Pferd an den Straßenrand, stieg ab und half Lucy herunter. Sie sah sich ängstlich um. Er nahm sie an die Hand und führte sie ins Hotel.

Der Portier stand hinter der Re­zeption – ein hagerer Mann von etwa dreißig Jahren.

Lucy wollte in der Halle stehen bleiben. Doch Captain Concho zog sie weiter.

»Hallo!«, sagte er. »Zwei Zimmer, bitte!«

Der Portier musterte ihn von oben bis unten. »Bedauere!«

»Was?«

»Es gibt zwei Gründe, die dagegen sprechen«, sagte der Portier mit einer Häme in der Stimme, die nicht zu über­bieten war.

»Sie ist Lucy Anderson – das ist der eine Grund!«, fuhr der Kerl nach einer kurzen Pause fort.

»Und der zweite?«, fragte Concho ruhig.

»Der betrifft Sie! Sie sind ein ver­dammter Rebell gewesen. Und Rebellen wollen wir hier nicht haben.«

Er wollte noch mehr sagen, doch da befand er sich mit dem Gesicht auf dem Anmeldebuch. Blitzschnell hatte Concho zugegriffen, fasste ihn im Nacken und donnerte ihm die Nase auf das Buch, dass ihm die Tränen richtiggehend aus den Augen spritzten.

»Existieren diese Gründe noch im­mer?«, fragte Concho und drückte fes­ter zu.

Lucy war sprachlos vor Schreck.

Aus geweiteten Augen sah sie ihm ins Gesicht.

Der Portier murmelte unverständ­liche Worte.

Concho ließ ihn los.

Der Portier hielt sich die Nase und griff nach hinten. »Sechs und sieben«, sagte er, legte ihnen die Schlüssel hin und schob Concho das Anmelde­buch zu.

Sam Concho, Texas, mit Lucy An­derson – trug er ein.

»Lassen Sie das Pferd versorgen«, sagte er und nahm Lucy wieder an die Hand. »Den Sattelpacken auf mein Zimmer. Wir machen uns etwas frisch. Dann möchten wir essen.«

Ohne sich weiter um den Portier zu kümmern, ging er mit Lucy zur Treppe und stieg mit ihr die Stufen hinauf.

Lucy konnte noch immer den Mund nicht schließen.

Concho griente. »Na! Hat das ge­donnert? Solche Gründe nennt uns der Kerl nicht noch mal.«

»Mein Gott!«, stöhnte sie verzweifelt. »Sam, Sie wissen nicht, was Sie tun.«

»Das wird sich zeigen!«, erklärte er ausweichend.

Er schloss ihr das Zimmer auf. »In zehn Minuten? Oder besser, Sie klopfen an die Wand, sobald Sie fertig sind.«

»Sam, ich …«

»Wir bleiben hier wohnen, bis Ihre Sache geregelt ist«, unterbrach er sie.

»Aber ich … besitze nicht einen Cent!«

Er schob sie sanft über die Schwelle. »Machen Sie sich mal ums Geld keine Sorgen. Dieser Hardwicke wird Sie entschädigen müssen. Dann haben Sie wieder Geld.«

Sie wollte noch etwas sagen, doch er zog die Tür hinter ihr zu und ging weiter, schloss sein Zimmer auf und trat ein. Drei Minuten später klopfte es an der Tür. Erging hin. Es war der Clerk mit seinem Sattelpacken. Er bedankte sich, drückte ihm einen Dollar in die Hand, trug den Packen zum Tisch und holte sich ein frisches Hemd heraus.

In der Ecke neben dem Fenster stand der Waschständer. Er zog den Feldrock aus und warf ihn auf das Bett.

Er trug kein Koppel mehr und auch keine Revolvertasche. Der ehemalige Dienstrevolver steckte im Holster eines Coltgurtes. Den schnallte er ab und zog das Hemd aus. Kalt und klar war das Wasser. Er rasierte sich auch. Er war gerade fertig und streifte den ver­blichenen Feldrock über, als es zaghaft an die Wand klopfte.

»Ja! Ich bin fertig!«, rief er, setzte den Hut auf und schritt zur Tür.

Sie traten gleichzeitig aus dem Zim­mer. Er sah sie das erste Mal lächeln. Sie gefiel ihm. Meergrüne Augen hatte sie. Wenn sie lächelte, bildeten sich Grübchen auf ihren Wangen.

»Sehr hungrig?«, fragte er, als er sie wieder bei der Hand nahm. »Eigentlich nicht!«

»Fein! Gehen wir erst zum Sheriff.« »Bitte nicht!«, flehte sie mit ernstem Gesicht.

»Na, Sie machen mir Spaß, Lucy! Nein! Wir gehen hin. Wer dieser Sheriff auch ist, mit der Sache muss er sich einfach befassen.«

Der Portier stand steif wie ein Stock mit roter Nase hinter dem Pult;

»Wir sind in ein paar Minuten wieder hier!«, rief ihm Concho im Vorbei­gehen zu.

Quelle:

  • Bill Murphy: Captain Concho. Der Rebell aus Texas. Band 79. Bastei Verlag. Köln. 2015