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Einsendeschluss 31.05.2021

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John Tanner – Das Leben eines Jägers 22

John Tanner
Das Leben eines Jägers
oder
John Tanners Denkwürdigkeiten über seinen 30-jährigen Aufenthalt unter den Indianern Nordamerikas
Erstmals erschienen 1830 in New York, übersetzt von Dr. Karl Andree

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Etwa drei Monate nachher schickten die Cree Tabak an die Chippewa, um sie dadurch zu veranlassen, sich, gleich ihnen selbst, den Mandan anzuschließen, um einige Bwoir-nug , die am Missouri wohnten, anzugreifen. Damals ließ mir Ba-gis-kun-nung sagen, er gäbe mir den Rat, mich ja von diesem Zug fernzuhalten. Er hätte es auf mein Leben abgesehen, und ich wäre verloren, wenn ich in seine Nähe käme. Ich achtete aber nicht darauf.

In sechs Tagen begab ich mich zum Schildkrötenberg, wo sich die Cree in großer Anzahl versammelten. Als ich hier einen Monat lang gewartet hatte, kam Wa-ge-to-te mit etwa sechzig Mann angezogen. Wir, im Ganzen acht Männer, schlossen uns ihm an, und gaben alle Lebensmittel, deren wir nur irgend entbehren konnten, ihm und seinen Leuten, denn sie hatten seit einiger Zeit gar nichts genossen. Bald aber kam auch die Not an uns selbst. Nachdem wir einige Tage vorwärts gezogen waren, wurden zwanzig bis dreißig junge Krieger aufgeboten, die auf Bisons Jagd machen sollten. Wa-ge-to-te bestand darauf, ich sollte mit ihnen gehen. Ich schlug es aber ab.

Er wiederholte indessen seine Bitte, nahm mir endlich mein Gepäck von den Schultern und sprach: »Jetzt, mein Vetter, kannst du gehen, ich will dein Gepäck tragen, bis du wieder kommst.«

Ich entfernte mich zwar nicht weit, hatte aber das Glück, ein Elentier zu erlegen, über welches die Indianer gleich ausgehungerten Wölfen herfielen, sodass nach wenigen Augenblicken kein Bissen mehr davon übrig war. Und doch hatte kaum die Hälfte der Anwesenden, die alle dem Hungertod nahe waren, etwas davon bekommen.

Die zwanzig Jäger kamen heim, ohne das Geringste geschossen zu haben. Die meisten meiner Gefährten wurden so matt und schwach, dass viele nicht weitergehen konnten und zurückbleiben mussten. Viele Tage lang hatten wir weiter nichts zu essen, als Wurzeln der Me-tush-koo-she-min-Pflanze, welche man genießen kann. Die Engländer nennen dieselbe Grass berry, die Franzosen pomme-blanche.

Ich selbst war sehr hinfällig. Da weckte mich einstmals mitten in der Nacht, während alle schliefen, ein alter Mann, der mit meiner Frau verwandt war, auf, und steckte mir etwas Pemmikan zu, den er bisher sorgfältig zu verbergen gewusst hatte. Diese Nahrung kam gerade zur rechten Zeit. Sie stärkte mich wieder etwas, und ich vermochte den Schildkrötenberg zu erklimmen, was von uns nur etwa die Hälfte aller Männer konnten. Von denen, welche ihrer Mattigkeit und Schwäche wegen zurückbleiben mussten, kamen nachher einige wieder zu uns. Andere kehrten nach Hause zurück, und von mehreren hat man seitdem gar nichts wieder gehört.

Die Assiniboine und Cree, welche wir auf dem Sammelplatz zu finden gedachten, hatten denselben schon seit einiger Zeit verlassen. Wir folgten daher ihren Spuren und trafen einige Tage später mit ihnen zusammen, als sie eben von ihrem Feldzug zurückkehrten. Sie erzählten, dass sie eben im Dorf der Mandan angekommen wären, als die Sioux heranzogen, um dasselbe anzugreifen.

Der Mandanhäuptling hatte ihnen gesagt: »Meine Freunde, diese Sioux sind hierher gekommen, um mein Feuer auszulöschen. Sie wissen nicht, dass Ihr da seid. Sie sind nicht auf einem Zug gegen Euch begriffen. Weshalb soll also Euer Blut in diesem Kampf fließen? Bleibt also in meinem Dorf. Ihr werdet sehen, dass wir Männer sind und keine Unterstützung brauchen, wenn wir vor unseren Türen streiten.«

Das Dorf der Mandan war mit zugespitzten Pfählen umzäunt. Die Sioux kämpften einen ganzen Tag lang in der Nähe. Es wurde Waffenstillstand geschlossen, und der Häuptling der Mandan sprach, ohne aus der Umzäunung hervorzutreten, zu den Sioux: »Verlasst das Dorf oder ihr werdet erleben, dass unsere Freunde, die Chippewa über euch herfallen. Sie haben sich den ganzen Tag über ausgeruht und sind kampflustig und frisch.«

Die Sioux antworteten: »Das ist von eurer Seite Großprahlerei. Damit wollt ihr eure Schwäche bemänteln. Ihr habt keine Chippewa bei euch. Hättet ihr deren aber auch Hunderte, so würden wir uns doch vor ihnen nicht fürchten. Die Chippewa sind Weiber, und wäre euer ganzes Dorf von ihnen voll, so wäre das für uns eine Veranlassung mehr, schnell in dasselbe einzudringen.«

Die Cree und Assiniboine ärgerten sich über diese Schmähungen und griffen die Sioux an, welche in der größten Unordnung davonflohen.

Die Chippewa hatten zwar keinen Anteil am Kampf genommen, erhielten aber doch mehrere Schädelhäute (Skalpe), welche an diesem Tag erbeutet wurden. Eine davon fiel unserem Häuptling Wa-ge-to-te zu, obwohl er mehrere Tagesreisen weit vom Kampfplatz entfernt war. Er nahm sie mit nach Hause. Als wir auf dem Rückweg uns dem Schildkrötenberg näherten, hatten wir alle erschrecklich vom Hunger zu leiden, und einige von uns konnten wirklich nicht mehr von der Stelle kommen. Deshalb mussten wir liegen bleiben, und unserer vier, die wir noch einigermaßen bei Kräften waren, gingen auf die Jagd, nämlich ein alter Mann, namens Gitsch-e-weesh (die Hütte des großen Bibers), zwei junge Krieger und ich.

Der Alte war sehr aufgeregt und fest überzeugt, dass er etwas schießen würde. »Als ich noch jung war«, sprach er zu uns, »hatte ich einmal drei Tage lang nichts gegessen. Da kam der große Geist zu mir und sagte: ›Ich habe deinen Schrei gehört. Ich will nicht, dass du fernerhin schreist und dich so sehr beklagst. Wenn du jemals dem Hungertod nahe bist, dann rufe nach mir. Ich will dich erhören und dir etwas geben.‹ Ich habe ihn seitdem noch nie an sein Versprechen erinnert. Diese Nacht aber habe ich unablässig gebetet und gesungen, und bin daher überzeugt, dass der große Gott in seiner Güte mir sein Wort halten wird.«

Wir machten uns demnach in aller Frühe auf den Weg und verteilten uns auf der Jagd. Ich streifte den ganzen Tag umher, ohne ein Stück Wild zu sehen, war aber freilich auch so schwach, dass ich nur eine kleine Strecke zurücklegte. Erst spät kam ich wieder, die beiden jungen Krieger waren vor mir heimgekommen. Alle fand ich in Verzweiflung. Aber der alte Gitsch-e-weesh war noch nicht da und langte erst spät mit einer schweren Tracht Fleisch beladen an. Ich musste dasselbe in gleiche Teile zerlegen und jedem Einzelnen reichen, was ihm zukam. Am anderen Morgen begaben wir uns zu dem Platz, wo er ein Moosetier erlegt hatte. Was noch übrig war, wurde bald verzehrt.

Unweit von dieser Stelle entdeckte Wa-me-gon-a-biew eine Menge von Gegenständen, welche eine Gruppe Assiniboine hier als Medizinopfer zurückgelassen hatte. Was man in dieser Absicht zurücklässt, wird Metai Sas-sah-ge-witsch-e-gun oder Puk-ketsch-e-gun-nun genannt, und der erste beste Stamm, welcher mit denen, die solch ein Opfer gebracht haben, befreundet ist, darf sich dasselbe aneignen. Aber die Opfer, welche in der Absicht dargeboten wurden, um sich den Erfolg eines Feldzuges zu sichern, dürfen nicht von der Stelle, wo sie niedergelegt sind, fortgenommen werden. Diese nennt man Sas-sah-ge-witsch-e-gun. Wa-me-gon-a-biew, der einen Baum erklettert hatte, um den Indianern recht schnell seinen Fund anzeigen zu können, nahm sich beim Herabsteigen so viel Zeit, dass alle Decken, Stücken Tuch, kurz alle wertvollen Gegenstände bereits ihren Besitzer gefunden hatten, als er seinen Fuß auf die Erde setzte. Er ließ sich seinen Ärger nicht anmerken. Man konnte ihm aber denselben gar wohl ansehen, und er setzte sich entfernt von den anderen auf einen Baumstrumpf. Als er dort mit dem Fuß etwas trockenes Laub zur Seite schob, sah er einen kupfernen Kessel, der umgestülpt war, und eine Menge Opfergaben von großem Wert enthielt. Dieses Mal aber rief er niemand herbei, sondern nahm alles für sich, und dieser neue Fund war weit besser als der vorige. Die Decken, Kleider und Schmucksachen waren an den Bäumen aufgehängt, und zwar in weit größerer Menge, als sonst der Brauch erheischt. Die Assiniboine hatten dieses Opfer dargebracht, als sie ihren Zug gegen die Sioux unternahmen.

Von dieser Stelle ab, bis zu dem Platz, an welchem meine Familie auf mich wartete, erlegte ich auch nicht ein einziges Stück Wild, und der Hunger war Herr in meiner Hütte. Am anderen Morgen aber hatte ich gutes Glück, schoss ein Elentier und hatte auch nachher Lebensmittel im Überfluss. Während dieses Aufenthaltes am Fluss des großen Waldes hörten wir allerlei von einem berühmten Mann erzählen, der ein Shawnee, und vom großen Geist, der ihm seinen Willen kundgetan hatte, mit einer Offenbarung beehrt worden war. Als ich einst, weit von meiner Hütte entfernt, auf der Prärie jagte, sah ich einen unbekannten Menschen auf mich zukommen. Anfangs fürchtete ich, er möchte wohl Feindseliges beabsichtigen, sah aber bald, als er nähertrat, an seiner Kleidung, dass ich es mit einem Chippewa zu tun hatte. In seiner ganzen Haltung und seinem Wesen überhaupt lag etwas Auffallendes und Fremdartiges. Er verlangte, ich sollte mit ihm nach Hause zurückkehren, sagte aber nicht weshalb, sah mich mit keinem Blick an und wollte sich auch in keinerlei Gespräch einlassen. Ich hielt ihn für wahnsinnig, geleitete ihn indessen doch zu meiner Hütte. Als wir geraucht hatten, blieb er lange Zeit ganz still sitzen und sagte mir dann endlich, dass er im Auftrag des großen Propheten der Shawnee zu mir gekommen sei.

Er sprach: »Fortan darf nie mehr das Feuer in deiner Hütte verlöschen. Im Sommer und Winter, bei Tag und bei Nacht, beim Sturm und wenn das Wetter ruhig ist, wirst du dich daran erinnern, dass das Leben in deinem Körper und das Feuer auf deinem Herd ein und dieselbe Sache sind, und sich aus ein und derselben Zeit herschreiben. Lässt du dein Feuer erlöschen, so wird auch unverzüglich dein Leben verlöschen. Du sollst keinen Hund mehr füttern. Du sollst keinen Mann mehr schlagen, auch kein Weib mehr oder ein Kind oder einen Hund. Der Prophet wird selbst kommen und dir die Hände drücken. Ich bin ihm vorausgegangen, um dir zu verkünden, wie es der Wille des großen Geistes ist, dass er uns Mitteilungen mache, und um dir zu sagen, dass dein Leben davon abhängt, ob und wie du ihm zu aller Zeit Gehorsam leistest. Fortan dürfen wir uns nicht mehr berauschen, nicht stehlen, nicht lügen, auch nicht gegen unsere Feinde ziehen. Solange wir ohne Rückhalt und Einschränkung diesen Geboten des großen Geistes gehorsam sind, so lange werden uns auch die Sioux, wenn sie in unser Land kommen, nicht sehen können. Wir werden Schutz haben und glücklich sein.«

Ich hörte aufmerksam alles an, was er mir zu sagen hatte, und entgegnete ihm, ich sei durchaus nicht des Glaubens, dass wir alle sterben müssten, wenn unser Feuer verlösche. Dass man in manchen Fällen gar nicht umhin könne, die Kinder einmal zu züchtigen, und dass ich endlich, da die Hunde uns auf der Jagd so nützliche Dienste leisteten, unmöglich mich überzeugen könne, dass es dem großen Geist angenehm sein würde, wenn wir dieselben ganz und gar abschafften. Er aber fuhr fort mit seinen Reden bis tief in die Nacht und schlief darauf in meiner Hütte.

Ich war am anderen Morgen zuerst wach, bemerkte, dass das feuer ganz erloschen war, und rief ihn nun herbei, damit er sich überzeuge, wie wir trotzdem noch munter und lebendig wären. Er aber war darauf gefasst, den Hohn und Spott, womit ich seine Lehre lächerlich machen wollte, abzuwenden, und entgegnete mir, dass ich ja noch keinen Handschlag und Händedruck vom Propheten erhalten hätte. Sein Besuch, fügte er hinzu, habe keinen anderen Zweck, als mich auf dieses wichtige Ereignis vorzubereiten, und mich im Voraus mit den Verpflichtungen bekannt zu machen, die ich übernähme, sobald die Hand des Propheten in der meinen geruht habe. Ich war allerdings ungläubig, fühlte mich aber doch nicht recht behaglich bei der ganzen Geschichte. Die Indianer nahmen im Allgemeinen die lehre dieses Propheten sehr gläubig und unterwürfig an. Alle waren jedoch, wie man ihnen deutlich ansah, verdrießlich und beklommen. Die meisten schlugen ihre Hunde tot und kamen genau den Geboten nach, welche der unter uns weilende Prophet zu erteilen für zweckmäßig hielt.

Es war bei allen wichtigen Angelegenheiten, die mich betrafen, von jeher meine Gewohnheit, die europäischen Handelsleute in Rat zu nehmen. Denn ich lebte in der festen Überzeugung, dass die Gottheit, wenn sie den Menschen Offenbarungen zu machen hätte, jedenfalls den Weißen dieselben allererst zukommen lassen würde. Die Handelsleute zogen alles ins Lächerliche, sprachen verächtlich und spöttisch davon, dass ein armseliger Shawnee behaupte, von der Gottheit mit einer Offenbarung begnadigt zu sein, und bestärkten mich in meinem Unglauben. Dessen ungeachtet wagte ich aber doch nicht, mich damit bei den Indianern zu rühmen. Aber ich weigerte mich fortwährend, meine Hunde zu töten, erfüllte auch die übrigen Gebote keineswegs pünktlich, ohne jedoch dem Glauben der Indianer schroff entgegen zu treten. Denn ich hatte viele von ihren Begriffen und manches von ihrer Denkweise angenommen und mir völlig zu eigen gemacht, obwohl mir nicht alles gleich sehr stichhaltig und begründet erschien.

Der vom Propheten abgesandte Chippewa verweilte einige Zeit unter den Indianern, welche in meiner Nähe wohnten, und wusste die angesehensten unter ihnen dermaßen für sich einzunehmen, dass die Zeit bestimmt und eine Hütte in Bereitschaft gehalten wurde, um öffentlich und feierlich seine Lehren und Gebote anzuerkennen. Als wir sämtlich in die lange Hütte eingetreten waren, in welcher die Feierlichkeit stattfinden sollte, bemerkten wir, dass ein Gegenstand unter einer Decke verborgen lag, dessen Anblick und Umrisse an die Gestalt eines Menschen erinnerten. Dicht daneben standen zwei junge Männer, welche, wie man uns sagte, sich nie von demselben entfernten, ihm jeden Abend sein Bett zurecht machten, und dicht neben ihm schliefen. Aber solange die Feierlichkeit dauerte, trat ihm niemand nahe, keiner hob die Decke auf, welche über den geheimnisvollen Gegenstand ausgebreitet war. Die einzigen sichtbaren Zeichen dieser wichtigen Sendung waren vier Schnüre verschimmelter Bohnen, deren Farbe sich kaum noch erkennen ließ.

Nach einer langen Rede, welche darauf berechnet war, die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf die Hauptpunkte der neuen Offenbarung hinzulenken, und die ihren Zweck auch völlig erreichte, wurden die vier aus Bohnen bestehenden Schnüre, welche angeblich aus dem Fleisch des Propheten selbst verfertigt sein sollten, feierlich zu jedem der Anwesenden hingetragen. Jeder musste nach der Reihe jede einzelne Schnur an einem Ende ergreifen und sie darauf langsam durch die Hand gleiten lassen. Das hieß, einen Händedruck vom Propheten empfangen. Die Handlung selbst wurde als eine Feierlichkeit betrachtet, durch welche sich jeder verpflichtete, den Geboten desselben Gehorsam zu leisten, und seine Sendung als vom höchsten Wesen ausgegangen zu betrachten. Alle Indianer, welche die Bohnen berührten, hatten bereits ihre Hunde getötet. Sie warfen ihre Medizinbeutel weg und zeigten sich willig, alle Gebräuche und Förmlichkeiten zu verrichten, die von ihnen verlangt wurden.

Wir waren seit einiger Zeit in großer Anzahl nahe beisammen. Es hatte viel Aufregung und Schrecken unter uns geherrscht. Und nun fing der Hunger an, sehr fühlbar zu werden. Die Gesichtszüge der Indianer hatten einen ungewöhnlich starken Ausdruck von Melancholie. Die Männer, welche sich bisher am tätigsten gezeigt hatten, wurden nachlässig, und die Tatkraft, selbst der muntersten und herzhaftesten, schien förmlich gelähmt zu sein. Ich ging nach wie vor mit meinen Hunden auf die Jagd, denn ich wollte sie weder selbst töten noch zugeben, dass irgendein anderer sie ums Leben brächte. Sie jagten mir einen Bären auf, den ich erlegte. Als ich heimkam, sprach ich zu den Indianern: »Hat uns der große Geist nicht unsere Hunde deshalb gegeben, damit wir uns mit ihrer Hilfe das verschaffen sollen, was wir nötig brauchen, um unser Leben zu fristen? Wie kann man glauben, dass es jetzt sein Wille sei, wir sollten dieselben töten? Es wird uns gesagt, der Prophet wolle nicht, dass das Feuer in unseren Hütten auslösche. Wenn wir auf Reisen sind oder auf die Jagd ziehen, sollen wir weder Stahl noch Stein bei uns führen, und ein Mann soll dem anderen kein Feuer geben! Kann es dem großen Geist ein Wohlgefallen sein, wenn wir in unseren Jagdlagern uns ohne Feuer behelfen müssen? Kann es ihm angenehmer sein, wenn wir Feuer durch das Aneinanderreiben zweier Stäbe hervorbringen, als durch Stahl und Steine?«

Sie hörten aber nicht auf das, was ich sagte, und der Glaube, dem sie sich ergaben, wirkte zuletzt auch auf mich selbst so stark, dass ich mein Feuerzeug und meinen Medizinbeutel weit wegschleuderte. Ich unterwarf mich in vielfacher Hinsicht ebenfalls den Satzungen der neuen Lehre. Nur meine Hunde wollte ich nicht aufopfern, und darin blieb ich fest. Binnen kurzer Zeit lernte ich Feuer vermittelst zweier trockenen Zedernstäbe, die ich deshalb stets bei mir trug, anzünden. Dass aber Stahl und Stein abgeschafft wurden, kostete manchem Indianer große Entbehrungen und war mit vielfachen Übelständen verknüpft. Die entfernter wohnenden Chippewa, so viele ich deren kannte, unterwarfen sich den Geboten des Shawnee-Propheten nur sehr ungern und sahen seinen Einfluss mit missgünstigen Blicken. Allerdings ließ während der nächsten zwei oder drei Jahre die Trunksucht bedeutend nach. Man dachte nicht mehr so viel wie früher an Fehden und Krieg, und durch das Erscheinen und kräftige Auftreten eines einzigen Mannes hatte die Lage der Dinge ein ganz anderes Ansehen gewonnen. Aber nach und nach verlor der erste Eindruck an Stärke, er blieb nicht nachhaltig. Die Medizinbeutel, Stahl, Stein und Zunder kamen abermals zum Vorschein. Die Hunde wurden wieder zu Gnaden aufgenommen, Frauen und Kinder bekamen wieder eben so gut Schläge wie vorher. Der Shawnee-Prophet fiel in Verachtung, und heutzutage halten ihn die Indianer für einen Narren und Betrüger.