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Captain Concho – Band 75

Band-75-Conchos-bitterste-StundeBill Murphy
Captain Concho – Der Rebell aus Texas
Band 75
Conchos bitterste Stunde

Western, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,70 €, Neuauflage, Titelbild von Ertugrul Edirne / Becker-Illustrators
Kurzinhalt:
Captain Concho hatte längst erkannt, dass er seinen Verfolgern nicht mehr entkommen konnte. Im Krachen eines Gewehrschusses brach sein Pferd zusammen. Und vier mexikanische Bandoleros jagten mit donnernden Colts auf ihn zu, um ihn endgültig zu erledigen. Aber Sam Concho gab sich immer noch nicht geschlagen. Er kämpfte mit dem Mut der Verzweiflung. Und es gelang ihm, noch einmal davonzukommen. Doch sein Glück hielt nicht lange an. Auf einmal saß ihm eine Meute im Nacken, gegen die er nicht mehr die geringste Chance hatte …

Leseprobe:

Captain Concho gab Fersengeld. Es war ja nicht seine Aufgabe, sich in dem von den Yankees beherrschten New Mexico mit mexikanischen Bando­leros herumzuschlagen, die über die Grenze gekommen waren.

Das Oberkommando in Richmond hatte ihn nach New Mexico geschickt. Es war ein Geheimauftrag. Captain Concho sollte ein Indianer-Regiment aufstellen. Er war der einzige Mann, der dazu in der Lage war.

Einen ersten großen Erfolg hatte er schon gehabt. Er war dem Indianer­mädchen Pocahonda begegnet, und mit ihrer Hilfe war es ihm gelungen, die Navajos vertraglich an die Kon­föderation zu binden.

Die Yankees hatten von seiner Mis­sion Wind bekommen. Und Monticello, der Befehlshaber der Yankeetruppen in New Mexico, hatte ihn vom ersten Tage an mit äußerster Erbitterung gejagt.

Trotzdem war es Captain Concho gelungen, mit vierhundert Navajo­-Kriegern Fort Cibola zu nehmen und dem Erdboden gleichzumachen.

Monticello hatte unverzüglich die Verfolgung aufgenommen. Die Ro­ten interessierten den Colonel nicht. Nur einen wollte er fassen: Captain Concho!

Wenn er den hatte, würden ihm die Rebellen nicht mehr die geringsten Schwierigkeiten machen.

 

***

 

Colonel Monticello stieg vom Pferd, übergab die Zügel einem bereitstehen­den Corporal und schritt zum Wald­rand zurück. Die Schwadron baute das Camp auf. Wachen waren bereits aufgezogen. Befehle und Kommandos hauten durch das Waldstück.

Lieutenant Rauhberger war Monti­cello vorausgeeilt. Er kniete am Wald­rand hinter einer mächtigen Buche und hielt ihm den Feldstecher bereit.

»Es sind Rote!«, sagte der Lieute­nant. »Navajos! Mann kann es jetzt deutlich sehen.«

Colonel Monticello lehnte sich gegen den Stamm der Buche und stellte das Okular scharf.

Dicht bewachsen war die Anhöhe im Süden. Trotzdem waren die Reiter zu erkennen, die da zwischen den Büschen hielten und zum Waldrand spähten. Es waren drei Navajos. Das konnte er deutlich erkennen.

»Ja! Es sind Navajos! Drei!«

»Fünf«, sagte Lieutenant Rauhber­ger. »Die beiden anderen findest du zwei Daumenbreiten rechts davon.«

Colonel Monticello suchte die Höhe ab und entdeckte auch die beiden anderen.

»Die sind uns den ganzen Tag über gefolgt«, sagte er, trat zurück und gab dem Lieutenant den Feldstecher, wieder.

»Die sind schon die ganzen Tage hinter uns her!«, stieß Rauhberger gereizt hervor.

Colonel Monticello lächelte schlaff. »Captain Concho?«

»Wer denn sonst! Dieser Bruder hat die Navajos gekauft!«, ereiferte sich Rauhberger. »Das sagte ich dir. Und lass uns aufpassen, dass der Kerl uns nicht kurz vor Fort Apache noch durch die Lappen geht.«

»Die wollen sichergehen, dass wir uns ins Fort zurückziehen«, meinte der Colonel, den Blick auf die Anhöhe gerichtet.

»Ich nehme morgen früh ein paar Männer, und mit denen schaffe ich uns die Kerle vom Hals«, sagte Rauh­berger.

»Mach einen Gefangenen!«, sagte Monticello. »Diesen Burschen schi­cken wir zu Häuptling Ter-Hun-Ee und kündigen ihm eine Strafexpedi­tion an, wenn er Captain Concho und der Konföderation nicht unverzüglich den Lauf pass gibt. Damit dieser Kerl merkt, dass dies keine leeren Drohun­gen sind, werden wir im Norden drei Bataillone zusammenziehen. Concho und seine roten Freunde werden die Hölle erleben.«

Mark Monticello war ein großer und kräftiger Mann von vierzig Jahren. In der US-Kavallerie war er einer der er­fahrensten Indianerkämpfer. Er hatte vor dem Krieg so gut wie an allen Feld­zügen und Strafexpeditionen gegen die Navajos teilgenommen. Wenn er sie nicht selbst geführt hatte, so war er dabei gewesen. Bis dieser verdammte Bürgerkrieg ausgebrochen war.

Er hatte die ersten großen Schlach­ten im Osten in vorderster Front er­lebt. Aber diese Art Krieg zu führen, hatte ihn rasch angewidert. Da gingen Weiße mit Kanonen und Gewehren aufeinander los und blieben auch noch in dichten Reihen voreinander stehen bis zum blutigen Ende.

Heilfroh war er gewesen, als er in den Westen an die Grenze zurückver­setzt worden war.

Mit der linken Hand hatte er hier in New Mexico die roten Stämme ruhig gehalten.

Bis die Konföderation auf die Idee verfallen war, Captain Concho hierher zu beordern, um die Roten gegen die Nordstaaten-Armee aufzuwiegeln.

Die Wachen meldeten eine Pat­rouille! Erkennungsschüsse krachten.

Colonel Monticello und Lieutenant Rauhberger schritten rasch zum Bi­wak. Der Sergeant Major kam ihnen entgegen.

»Eine Patrouille aus Fort Apache, Sir!«, meldete er.

»Ich komme ja schon!«

Der Sergeant Major hastete vor ihnen her. »Lieutenant Salzer führt die Patrouille, Sir! In Fort Apache ist man in Sorge um uns.«

»Wir können doch nicht fliegen!«, raunzte Rauhberger.

Die Patrouille stand mit den Pfer­den angetreten. Monticello nahm die Meldung des altgedienten Lieutenants entgegen und befahl ihm, die Männer wegtreten zu lassen. Erst danach ließ er sich berichten. Umringt von den Offizieren hörte er Salzer zu.

»Nicht die Roten bereiten uns Sor­gen!«, berichtete der alte Kämpe.

»Von allen Forts der Südkette sind Meldungen eingegangen, dass me­xikanische Banden über die Grenze gekommen sind und den gesamten Süden von New Mexico verunsichern. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um versprengte Haufen von Benito Juarez. Vor diesen Banditen ist keine Postkutsche mehr sicher. Mit Vorliebe überfallen sie abseits gelegene Far­men und Gehöfte. Eine Patrouille von Camp Lowell ist denen nur zehn Mei­len vom Camp entfernt in die Hände gefallen. Vier Tage später sind die erschlagenen Männer einer ganzen Schwadron gefunden worden. Aber das ist noch nicht alles. Eine starke Einheit kaiserlicher Truppen, die Ar­tillerie mitführt, ist vor acht Tagen bei Fort Buchanan über die Grenze gekommen, um Jagd auf diese Banden zu machen. Und diese Einheit versorgt sich ebenfalls aus dem Land, und das in der gleichen rüden Art und Weise wie die Banden von Juarez.«

Die Blicke der Offiziere ruhten voll Spannung auf dem Colonel, dessen Miene sich verschlossen hatte.

»Na, das nenne ich aber starken Tobak!«, sagte Lieutenant Rauhber­ger. »Da weiten die Mexikaner so mir nichts dir nichts ihren Krieg auf unser Territorium aus. Als ob wir nicht schon genug am Halse hätten!«

»Die Meldung von den Kaiserli­chen stammt aus Fort Buchanan?«, wandte sich Monticello an den alten Lieutenant.

»Aye, Sir!«

»Und die Stärke der Kaiserlichen?«, fragte Monticello gereizt.

Lieutenant Salzer schüttelte den Kopf. »Keine Angaben, Sir! Da ist nur von einer starken Einheit und von Artillerie die Rede.«

»Was soll ich denn damit anfan­gen?«, stieß Monticello knirschend hervor. »Diesem Bruder werde ich Luft machen!«

Allen Offizieren war klar, dass er mit »diesem Bruder« den Commander von Fort Buchanan meinte, weil der ihm keine exakte und vollständige Meldung geschickt hatte.

»Aufbruch morgen früh vor Son­nenaufgang!«, wandte sich Monticello an den Lieutenant. »Eilmarsch! – Danke, Salzer! Sie können abtreten.«

Er schritt zu seinem Platz. Rauh­berger folgte ihm.

»Und die Navajos?«, erinnerte, Rauhberger.

»Das werden die Bataillone im Nor­den erledigen. Und zwar ohne Voran­kündigung. Sobald wir in Fort Apache sind, gehen die Befehle dazu raus.«

»Ich meine die, die wir hier am Hals haben«, sagte Rauhberger ein­dringlich. »Die nimm mal nicht auf die leichte Schulter!«

Monticello lächelte gereizt.

»Wir werden so schnell reiten, dass denen die Luft wegbleibt.«

»Und dieser Concho, Mark? Ich werde das Gefühl nicht los, dass er in der Nähe ist.«

Rauhberger war der einzige Offi­zier, der den Colonel duzte. Die beiden Männer waren Freunde.

Rauhberger entstammte der Gilde der Postkutschenräuber. Er hatte einst zu der Sorte von Buschkleppern und Grenzgängern gehört, die mit dem Kopf lieber auf dem Sattel als auf einem Kissen schlief.

Er war Monticello in einem Grenz­fort in Montana begegnet. Bei einem Postkutschenüberfall hatte Rauhberger die Frau von Monticellos Vor­gesetztem erschossen. Ein Aufgebot hatte Rauhberger tagelang gejagt, ihn schließlich geschnappt und ins Fort gebracht, wo er aufgehängt werden sollte.

Monticello bereitete gerade einen Feldzug gegen eine Bande räuberi­scher Shoshonen vor, zu denen Rauh­berger den Weg wusste. Hinzu kam noch, dass Monticello seinen Vorge­setzten nicht ausstehen konnte, und von der Frau, die bei dem Überfall versehentlich umgekommen war, hatte Monticello noch viel weniger gehalten.

Zu Rauhbergers Glück war der Feldzug gegen die Shoshonen ein vol­ler Erfolg geworden. Das hatte ihm Monticello nicht vergessen. Verwandte Naturen waren sie, Männer, die sich auf. Anhieb verstanden hatten. So hatte Monticello Rauhberger kurzer­hand in eine Uniform gesteckt und in seine Truppe aufgenommen. Später war er auch mit ihm in den Krieg ge­zogen. Und eines Tages hatte er ihn zum Lieutenant gemacht.

Vergangenheit hin, Vergangen­heit her: Rauhberger war ein fähiger Mann, treu und verlässlich, dazu noch ein Kämpfer von achtzehn Karat. Monticello verließ sich auf ihn wie auf sich selbst. Umgekehrt war das nicht anders.

Rauhberger war Deutscher. Längst hätte er wie alle anderen Deutschen, die in die Staaten eingewandert wa­ren, seinen Namen amerikanisieren können. Aber sein Name gefiel ihm zu gut. Obwohl kein Amerikaner den Sinn der beiden Worte verstand, aus denen der Name zusammengesetzt war, klang er in Englisch ungewöhn­lich hart. – Rauhberger!

Quelle:

  • BillMurphy: Captain Concho. Der Rebell aus Texas. Bastei Verlag.Köln. 2015