Lese-Tipp

Starke Gefühle

Download-Tipps

Nick Carter – Band 4

Archive
Folgt uns auch auf

Die Trapper in Arkansas – Band 2.2

Die-Trapper-in-Arkansas-Band-2Gustave Aimard (Olivier Gloux)
Die Trapper in Arkansas Band 2
Erster Teil – Treuherz

Kapitel 11 – Der Handel

Die Indianer und Waldläufer haben zwei Sprachen, deren sie sich abwechselnd, je nach den Umständen bedienen.

Die Sprache der Worte und die Zeichensprache.

Die Zeichensprache hat so gut wie die gesprochene unendliche Verschiedenheiten in Amerika, denn, es hat sozusagen ein jeder seine eigene. Es ist eine seltsame Zusammenstellung geheimnisvoller Bewegungen, eine Art Freimaurersprache, deren Zeichen willkürlich abgeändert werden und nur wenigen Eingeweihten verständlich sind.

Schwätzer und sein Gefährte unterhielten sich durch Zeichen.

Diese sonderbare Unterhaltung dauerte beinahe eine Stunde. Sie schien die Beteiligten so lebhaft zu interessieren, dass sie trotz der großen Vorsicht, die sie angewendet hatten, um nicht überrascht zu werden, doch nicht bemerkten, wie ein Paar glühende Augen aus dem Dickicht hervorleuchteten und mit seltsamer Beharrlichkeit auf ihnen ruhten.

»Kurz«, sagte Schwätzer, der es wagte, einige Worte zu sprechen, »ich erwarte Eure Befehle.«

»Ihr werdet nicht lange darauf zu warten haben«, antwortete der andere.

»Ich verlasse mich auf dich, Kennedy, ich habe mein Versprechen erfüllt.«

»Schon gut, schon gut, es bedarf nicht so vieler Worte, um sich zu verstehen«, sagte Kennedy achselzuckend, »indessen hättest du sie an einen weniger festen Ort bringen können. Es wird nicht leicht sein, sie zu überfallen.«

»Das ist Eure Sache«, sagte Schwätzer mit einem boshaften Lächeln.

Sein Gefährte betrachtete ihn eine Weile aufmerksam.

»Hm!«, sagte er, »hüte dich, Compadre, es ist beinahe immer unklug, wenn man mit Männern wie wir ein falsches Spiel spielt.«

»Ich treibe kein falsches Spiel, aber wir kennen uns ja lange genug, nicht wahr, Kennedy?«

»Weiter!«

»Weiter? Nun, ich wünsche nicht, dass es mir dieses Mal wieder so geht, wie mir es schon ergangen ist, das ist alles!«

»Willst du zurücktreten oder möchtest du uns verraten?«

»Ich trete nicht zurück und habe keineswegs die Absicht, Euch zu verraten, aber …«

»Aber?«, wiederholte der andere.

»Ich will Euch dieses Mal erst dann ausliefern, was ich versprochen habe, wenn meine Bedingungen unbedingt angenommen worden sind. Sonst will ich nicht …«

»Nun, das ist wenigstens aufrichtig.«

»In Geschäften muss man ehrlich sein«, bemerkte Schwätzer kopfnickend.

»Das ist richtig, nun gut! So wiederhole mir deine Bedingungen. Ich werde dann sahen, ob wir sie annehmen können.«

»Wozu? Du bist nicht der Hauptanführer, nicht wahr?«

»Das ist wahr, indessen …«

»Du kannst nichts dabei tun, es ist daher überflüssig. Ja, wenn Waktehno, – der, welcher tötet -da wäre, so würde dies etwas anderes sein. Mit dem würde ich mich gewiss bald verständigen.«

»So rede, denn er hört dich«, sagte eine starke, volle Stimme.

Es entstand eine Bewegung im Gebüsch, und der Mann, der bisher ein unsichtbarer Zeuge der Unterhaltung der beiden Männer gewesen war, fand wahrscheinlich, dass der Augenblick gekommen sei, daran teilzunehmen, denn er sprang mit einem Satz aus dem Gebüsch, das ihn verborgen hatte, heraus und stellte sich zwischen die beiden.

»Ei! Ei! Ihr belauscht uns, Captain Waktehno«, sagte Schwätzer mit gewohntem Gleichmut.

»Ist Euch das unlieb?«, fragte der neu Angekommene mit spöttischem Lächeln.

»Nicht im geringsten.«

»So fahrt fort, mein wacherer Freund, ich bin ganz Ohr.«

»Ja«, sagte der Führer, »es ist vielleicht besser so.«

»Sehr wohl, sprecht, ich höre.«

Der Mann, welchen Schwätzer mit dem furchtbaren indianischen Namen Waktehno bezeichnete, war ein reiner Weißer, höchstens dreißig Jahre alt, hochgewachsen und gut gebaut, von zierlicher Gestalt, der die malerische Kleidung eines Waldläufers mit einer gewissen Lässigkeit trug.

Seine Züge waren edel und scharf ausgeprägt und hatten den ehrlichen, stolzen Ausdruck, den man bei Männern, die an das freie, beschwerliche Leben in der Prärie gewohnt sind, so häufig findet.

Er heftete seine großen, schwarzen, blitzenden Augen auf Schwätzer, ein geheimnisvolles Lächeln spielte um seine Lippen. Während er ihm zuhörte, lehnte er sich lässig auf seine Büchse.

»Wenn ich die Leute, die mich bezahlt haben, um sie zu geleiten und zu führen, in Eure Hände liefere, so will ich wenigstens dafür einen guten Gewinn haben«, sagte der Spitzbube.

»Das ist nicht mehr wie billig!«, bemerkte Kennedy, »und der Captain ist auch bereit, dir diesen Gewinn zu gewähren.«

»Ja«, sagte der andere und nickte bejahend mit dem Kopf.

»Ganz gut«, erwiderte der Führer, »aber wie hoch wird sich der Gewinn belaufen?«

»Was verlangt Ihr?«, fragte der Captain, »erst müssen wir doch Eure Bedingungen kennen, um zu wissen, ob wir sie annehmen können.«

»Ach! Meine Bedingungen sind sehr einfach.«

»So sprecht!«

Der Führer zögerte, oder vielmehr er erwog bei sich, welchen Gewinn oder Verlust ihm die Sache bringen könne, und fuhr nach einer Weile fort: »Diese Mexikaner sind sehr reich?«

»Höchst wahrscheinlich«, sagte der Captain.

»So dächte ich, dass …«

»Sprecht ohne Umschweife, Schwätzer, wir haben keine Zeit, Eure Redensarten mit anzuhören. Wie bei allen Mischlingen ist auch bei Euch die indianische Natur die überwiegende, und Ihr könnt nicht einfach zur Sache kommen.«

»Nun!«, erwiderte der Führer barsch, »ich will fünftausend harte Piaster, oder der Handel gilt nicht.«

»Das lässt sich hören, das nenne ich wenigsten reden. Nun wissen wir doch, woran wir sind? Ihr wollt fünftausend Piaster?«

»Ja.«

»Und gegen diese Summe verpflichtet Ihr Euch, uns den General, seine Nichte und die Leute, die ihn begleiten, auszuliefern?«

»Auf Euer ersten Zeichen.«

»Sehr wohl. Jetzt hört, was ich Euch zu sagen habe.«

»Ich höre.«

»Ihr kennt mich, nicht wahr?«

»Vollkommen.«

»Ihr wisst, dass man sich auf mein Wort verlassen kann?«

»Es ist wie Gold.«

»Gut, wenn Ihr die Verpflichtungen, die Ihr freiwillig mir gegenüber eingeht, ehrlich erfüllt, nämlich wenn Ihr mir, ich sage nicht alle Mexikaner, die Eure Karawane bilden, die recht ehrenwerte Leute sein mögen, mir aber völlig gleichgültig sind, sondern nur das junge Mädchen, welche man, wie ich glaube, Donna Luz nennt, ausliefert, so gebe ich Euch nicht fünftausend Piaster, wie Ihr es verlangt, sondern achttausend. Ihr habt mich verstanden, nicht wahr?«

Die Augen des Führers blitzten vor Verlangen und Habgier. »Ja«, sagte er.

»Gut.«

»Aber es wird schwer sein, sie allein aus dem Lager herauszulocken.«

»Das ist Eure Sache.«

»Ich möchte sie Euch lieber alle zusammen ausliefern.«

»Zum Teufel! Was soll ich mit ihnen anfangen?«

»Hm! Was wird der General sagen?«

»Was ihm beliebt, das geht mich nichts an. Ja oder nein? Geht Ihr den Handel, den ich Euch vorschlage, ein?«

»Ich gehe ihn ein!«

»Ihr schwört, unsere Bedingungen zu erfüllen?«

»Ich schwöre es.«

»Jetzt sagt mir, wie lange der General in seinem neuen Lager zu bleiben gedenkt.«

»Zehn Tage.«

»Was schwatzt Ihr denn da, dass es schwer sei, das junge Mädchen herauszulocken, wenn Ihr so viel Zeit vor Euch habt?«

»Ja, ich konnte doch nicht wissen, wann Ihr verlangen würdet, dass sie Euch ausgeliefert werde.«

»Das ist wahr. Nun, ich gebe Euch neun Tage Zeit, das heißt, das junge Mädchen muss mir am Vorabend der Abreise übergeben werden.«

»Ja, auf die Art …«

»So seid Ihr zufrieden?«

»Sehr zufrieden.«

»Es ist abgemacht?«

»Unwiderruflich.«

»Hier, Schwätzer«, sagte der Captain und übergab dem Führer eine kostbare Brillantnadel, die er in seinem Jagdhemd trug, »hier ist mein Draufgeld.«

»Ach!«, sagte der Räuber entzückt und bemächtigte sich eiligst der Nadel.

»Diese Nadel ist ein Geschenk, was ich Euch außer den achttausend Piastern mache, die ich Euch auszahlen werde, wenn ich Donna Luz empfange.«

»Ihr seid edel und großmütig, Captain«, sagte der Führer, »und man fühlt sich glücklich, Euch zu dienen.«

»Bedenkt aber auch«, fuhr der Captain mit rauer Stimme fort und heftete einen Blick so kalt wie eine Stahlklinge auf ihn, »dass man mich den, der tötet nennt, und dass, wenn Ihr mich hintergeht, Ihr in der ganzen Prärie keinen Ort finden würdet, der sicher und verborgen genug wäre, um Euch vor den schrecklichen Folgen meiner Rache zu schützen.«

»Ich weiß es, Captain«, antwortete der Mestize und schauderte unwillkürlich, »aber Ihr könnt beruhig sein, ich werde Euch nicht hintergehen.«

»Ich hoffe es! Nun wollen wir uns trennen, man könnte Eure Abwesenheit bemerken. In neun Tagen bin ich wieder hier.«

»In neun Tagen übergebe ich Euch das junge Mädchen.«

Nach diesen letzten Worten kehrte der Führer zum Lager zurück, welches er erreichte, ohne gesehen worden zu sein.

Sobald sie allein waren, begaben sich die beiden Männer, mit denen Schwätzer jenen seltsamen und schändlichen Handel geschlossen hatte, schweigend in das Gebüsch, hinter denen sie wie Schlangen fortkrochen. Bald erreichten sie das Ufer eines kleinen Baches, der ungesehen und unbekannt im Wald plätscherte. Kennedy pfiff zwei verschiedene Male auf ganz besondere Weise.

Man hörte ein leises Geräusch, und ein Reiter, der zwei Pferde am Zügel führte, erschien wenige Schritte von der Stelle entfernt, wo sie stehen geblieben waren.

»Komm her, Frank«, sagte Kennedy, »du kannst dich ohne Furcht nähern.«

Der Reiter kam sofort heran.

»Was gibt es Neues?«, fragte Kennedy.

»Nichts besonders Wichtiges«, antwortete der Reiter, »ich habe eine indianische Fährte entdeckt.«

»So! So!«, sagte der Captain, »zahlreich?«

»Ziemlich.«

»In welcher Richtung?«

»Sie führt durch die Prärie von Ost nach West.«

»Gut, Frank, und was sind es für Indianer?«

»So wie ich es vermuten kann, sind es Comanchen.«

Der Captain überlegte einen Augenblick.

»Es wird wohl ein Trupp von Jägern sein«, sagte er.

»Höchst wahrscheinlich«, antwortete Frank.

Die beiden Männer schwangen sich in die Sättel.

»Frank und du, Kennedy«, sagte der Captain nach einer Weile, »begebt Euch zu der Büffelfurt und schlagt euer Lager in der Grotte auf, die sich dort befindet. Beobachtet sorgfältig die Bewegungen der Mexikaner. Doch tragt zugleich Sorge, dass man euch nicht entdeckt.«

»Seid unbesorgt, Captain.«

»Ich weiß wohl, dass ihr gewandte und treue Kameraden seid, und verlasse mich ganz auf euch. Überwacht auch Schwätzer, der Mestize flößt mir nur geringes Vertrauen ein.«

»Es soll geschehen«

»Nun, auf Wiedersehen, ihr werdet bald von mir hören.«

Trotz der Dunkelheit entfernten sich die drei Männer im Galopp und begaben sich in verschiedene Richtungen reitend in die Wildnis.