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Paraforce Band 38

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Der Mythos Tempelritter – Teil 3.6

Einst waren sie im Hochmittelalter die mächtigste Organisation auf Gottes Erden. Sie waren führend im Bankwesen, sie besaßen die größte Flotte des Abendlandes. Zeugen ihrer schier übermächtigen Größe und ihres Reichtums findet man noch heute: Der Newport Tower in Newport, Rhode Island, der als Leuchtturm der Templer gilt; Santa Mariá de Eunate in Spanien, welche die Templer nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem erbauten; Temple Church in London, die den Templern als englisches Hauptquartier diente; die Klagemauer sowie der Tempelberg in Jerusalem, wobei aufgrund der derzeitigen religiösen und politischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina es dort unmöglich erscheint, umfangreiche Ausgrabungen durchführen zu können. Die Liste der noch existierenden zeitgenössischen Sachzeugen und Bauwerke ist groß und würde den hiesigen Rahmen sprengen.
Wer waren die Templer? Wie waren sie organisiert? Wer waren ihre Führer? Gingen die geheimnisvollen Templer am Freitag, den 13. Oktober 1307 tatsächlich unter? Oder gibt es heute noch Nachfahren der Templer? Fragen über Fragen.
In einer losen Folge möchte ich versuchen, den Mythos der Tempelritter ein wenig zu beleuchten.


Die Großmeister des Tempelordens


Phillipp von Naplus 1169 – 1171

Phillipp war in Naplus, dem alten Sichem in Samarien, geboren, also von pullanischem Geschlecht. Sein Vater hieß Guy von Milly und stammte aus der Picardie, seine Mutter war Stephanie von Flandern. Wir haben ihn schon 1148 auf der Reichsversammlung zu Akkon, wo man Damaskus anzugreifen beschloss, gesehen, denn er gehörte zu den reichsten und angesehensten syrischen Baronen, da er durch seine Vermählung mit der Tochter des Herrn von Payens, ehemaliger Mundschenk des Königs Fulco, die Schlösser Krak und Montroyal jenseits des Jordan an sich gebracht hatte und so in der südlichen Spitze des heiligen Landes nach dem steinigen Arabien zu wohnte. Er wurde nach dem Tod seiner Gemahlin Tempelritter und nach Bertrands Tod unter dem Einfluss seines königlichen Gebieters, Amalrich, vom Konvent zum Großmeister gewählt. Der König war ihm sehr zugetan und der Konvent vertraute seiner tiefen Kenntnis der syrischen Zustände und der Tagespolitik. Schon früher hatte er seine Tochter Stephanie an des Königs Stallmeister Honfroy den Jüngeren und nach dessen Tod an Milo von Plancy, Seneschall des Reichs, verheiratet, welcher zu jener Zeit Philipps ansehnliche Besitzungen innehatte.

Trotz der traurigen Lage seines Reiches verlor König Amalrich Ägypten nicht aus den Augen. Als Schirkuh mit einem zahlreichen Heer dorthin zog, begab sich Amalrich mit der ganzen Miliz nach Pelusium. Mit Schaver vereinigt, zog er am Nil hinauf. Schirkuh lagerte mit mächtigen Scharen bei Gizeh, der berühmten Stadt der Pyramiden. Ein harter Kampf stand bevor. Da bot Schaver dem König Amalrich vierhunderttausend Goldstücke, wenn dieser Ägypten vor Vertreibung des Schirkuh nicht verlassen wollte. Der König beschwor den Vertrag. Da ihm aber der Schwur des Wesirs in solch wichtiger Sache nicht genügte, sandte er Hugo von Cäsarea und den Drapier Fulcherius nach Kahirah, um dort den Eid des Kalifen zu empfangen.

Die Gesandten staunten über die Pracht, welche sich ihren Augen im Kasr oder dem Palast des Kalifen von Kahirah zeigte. Schon die große Menge der Wachen vor dem Palast fiel ihnen auf. Am meisten beschäftigte sie der Anblick der Leibwache, deren auffallende Kleidung und Bewaffnung sowie die seltsame Art, mit welcher sie dem nahenden Schaver begrüßten. Die Gesandten wurden von zahlreichen und herrlich gekleideten Trabanten empfangen, welche vor ihnen mit gezogenen Schwertern und vielem Waffengetöse vorausgingen. Sultan Schaver führte sie durch lange dunkle Gänge, an deren Eingängen schwarzhäutige Wachen im schönsten Schmuck standen. Sie gelangten zu einer geräumigen und hellen Zimmerreihe, welche in einer auf Marmorsäulen bestehenden Kolonnade endete, die reich an schönen Kunstgebilden, deren Fußboden mit allerlei Fliesen ausgelegt war, die Decke mit vergoldetem Fachwerk, mit erhabenen Schnitzereien geziert, der Estrich reich geschmückt. Das Ganze strotzte von verschwenderischer Pracht sowie Neuheiten wunderbaren Schmucks, welche die Botschafter gewaltig fesselten. In der Mitte des Hofes sahen sie Aquarien und Springbrunnen mit Marmor ausgelegt und voll mit klarem Wasser. Kostbare Käfige mit den schönsten, seltensten, den Christen ganz unbekannten Vögeln hingen dort. In Begleitung des Obersten der Eunuchen gelangten sie in einen noch pompöseren Hof, der eine Pracht der Gebäude darbot, wie sie diese noch nie gesehen hatten. Dort zeigte sich ihren erstaunten Blicken eine Menge vierfüßiger Tiere, von deren Dasein kaum ihre Fantasie geträumt hatte. Durch lange, wunderbar verzierte Zimmerreihen und dergleichen offene Räume gelangten die Gesandten zu einem prächtigen Bau, wo die vielen reich gekleideten Wachen und Hofdiener sowie die rege Geschäftigkeit der Anwesenden die Nähe des Kalifen vermuten ließ.

Schaver führte sie in einen herrlichen Saal, in dessen Mitte sich ein seidener, mit Perlen und Gold durchwirkter Vorhang ihren Blicken bot, vor welchem der Sultan dreimal sein Haupt zur Erde neigte. Dann legte er sein Schwert ab, weil sich dem allgebietenden Herrscher niemand mit dem Zeichen der Herrschaft und Gewalt nähern durfte. Plötzlich rollte der Vorhang auf und die erstaunten Botschafter erblickten den Kalifen Aladed auf einem goldenen Thron sitzen. Aladed war ein junger Mann von schöner, stattlicher Gestalt, verhüllten Antlitzes, gekleidet in unermessliche Pracht, von wenigen mit verschwenderischen Aufwand geschmückten Favoriten, Hausbeamten und Eunuchen umgeben. Ehrfurchtvoll näherte sich Schaver, küsste die Füße des Herrschers und trug mit kurzen, ehrerbietigen Worten das Begehren der christlichen Gesandtschaft vor, über welches sich unter den Anwesenden ein missbilligendes Gemurmel erhob. Aladed jedoch antwortete freundlich und Hugo von Cäsarea begehrte den Handschlag des Kalifen. Mit einigem Widerstreben reichte ihm diese seine verhüllte Rechte, allein Hugo verlangte sie entblößt. Darüber erstaunten die unwilligen Höflinge noch mehr, da der Ritter erklärte, dass dies nicht Heimliches und Verstecktes sein müsste. Sei die Absicht des Kalifen redlich, so müsse er mit unverhüllter Hand den Schur bekräftigen. Der Kalif fügte sich und leistete den Eid mit denselben Worten und auf die Weise, wie es Hugo begehrte. Aladed versprach die bedingte Summe zu zahlen, wenn König Amalrich nicht eher mit seinem Heer aus Ägypten zurückginge, bis Schirkuh getötet oder aus Ägypten vertrieben sei.

König Amalrich vereinigte sich dementsprechend mit dem ägyptischen Heer und schlug sein Lager am Nil bei Kahirah auf, ihm gegenüber Schirkuh, um den Übergang über dem Fluss zu verwehren. Als der Connetable Honfroy von Toron und der Großmeister der Tempelritter Philipp mit ihren Scharen aus dem Reich Jerusalem angelangt waren, beschloss man in einem Kriegsrat, nachts in aller Stille alle Schiffe sowie das Heer am Fluss hinab bis zum Nildelta, in welchem die Insel Malhalle lag, zu führen und dort überzusetzen, um in den Rücken des Feindes zu gelangen. Die Insel wurde in der darauffolgenden Nacht besetzt, doch hinderte ein gewaltiger Sturm den Übergang. Die Schiffe lagen bereits in dem noch zu überschreitenden Arm. Zwar kam Schirkuh herbei, wehrte aber den Übergang nicht ab, sondern zog nach Oberägypten, wohin das christliche Heer folgte, während Hugo von Ibelin Kahirah besetzt hielt. Amalrich hängte sich dem Feind an die Fersen, bis sich Schirkuh auf den Rat des kühnen Emir Scharffeddin Bargusch hin entschloss, die Schlacht anzunehmen, nicht aber, wie viele rieten, sich mit der Beute nach Arabien zurückzuziehen.

»Meint Ihr«, sprach Scharffeddin, »dass Nureddin Euch im Besitz Eurer Würden und Güter lassen wird, wenn Ihr, ohne den Kampf gewagt zu haben, zurückkehrt. Wer die Gefahr fürchtet, wohl an, der meide des Sultans Dienst und pflüge entweder als Bauer den Acker oder setzte sich unter die Weiber im Harem.«

Am Engpass von Al-Babein, unweit der prächtigen Ruinen des alten Hermopolis an der Grenze der großen Wüste, auf dem hügeligen Boden wurde die Schlacht geschlagen. Schirkuh, ein ausgezeichneter Krieger, hatte mehrere aus lockerem Sand bestehende Hügel besetzt, gegen welche die unbeholfenen christlichen Ritter nichts vermochten, in der Mitte aber seine schlechtesten Truppen unter Saladin gestellt, weil er ahnte, dass die Christen in sein Zentrum stürmen würden. Wirklich griff Amalrich diese persönlich mit aller Kraft an, weil er dort Schirkuh vermutete. Die Türken wichen dem Andrang aus, hitzig folgte die christliche Ritterschaft, kam zwischen den Sandhügel und wurde dort von Schirkuhs auserlesener Reiterei von beiden Flanken aus angegriffen. Dadurch geriet sie in Verwirrung und ergriff die Flucht. Hugo von Cäsarea, dessen Schar zuerst wich, wurde gefangen genommen. Mit Mühe sammelte der König abends die Flüchtlinge und zog sich langsam auf Kahirah zurück, wo sich das Fußvolk erst nach drei Tagen einfand. Schirkuh marschierte mit seinem Heer westlich am Rand der Libyschen Wüste in Richtung Alexandria und nahm diese reiche Stadt ohne Schwertstreich ein. Als hierauf Amalrich die Straße dorthin besetzte und in der Stadt Hungersnot entstand, schlich sich Schirkuh, den Neffen Saladin als Befehlshaber in Alexandria zurücklassend, nach Oberägypten, um dem König zu folgen. Allein dieser vermochte den Rat eines ägyptischen Emirs, Ben Karesch, zur Wiedereroberung Alexandrias zu überzeugen, vor welchem das vereinigte christlich-ägyptische Heer im Mai 1167 rückte. Auf einem der Nilarme ging eine Flotte so nah wie möglich an der Stadt vor Anker. Zu diesem Zeitpunkt kamen viele Christen aus Syrien herbei, weil reiche Beute zu erwarten war. Doch Saladin wehrte sich standhaft. Daher kam es der christlichen Ritterschaft gelegen, dass Schirkuh durch einige bei Al-Babein in Gefangenschaft geratene Christen Friedensanträge machte, nach welchen Christen und Türken Ägypten räumen sollten. Dies wurde angenommen und Saladin von den Christen sehr ehrenvoll behandelt, sodass er fortan ein Verfechter des Rittertums wurde. Schirkuh erhielt von Schaver 50 000 Goldstücke und die christliche Ritterschaft zog am 20. August mit Gold beladen in Askalon ein.

Sultan Schaver war seinen Verbindlichkeiten gegen die Christen treu nachgekommen, aber Neid und Zwietracht löste das Bündnis bald auf. Die Hospitaliter hatten es nicht gleichgültig mit angesehen, welcher Reichtum den Templern durch Nasireddins Auslieferung von Ägypten zukam und wie die Verhinderung zwischen Ägypten und Jerusalem zumeist von den Templern unterhalten und benutzt wurde. War doch einer der Gesandten, welche den letzten einträglichen Vertrag geschlossen hatten, der Drapier des Tempelordens Fulcherius gewesen. Aus Neid gegen die Templer, und weil er wusste, König Amalrich verlange heftig nach Ägyptens Schätzen und wolle gern dieses Land mit dem Reich Jerusalem vereinigen, fasste der Meister der Hospitaliter, Gilbert von Sailly, den Entschluss, das Bündnis mit dem Kalifen zu stören, um dadurch dem Orden der Tempelritter einen Nachteil, sich selbst jedoch einen Vorteil zu bereiten. Amalrich stimmte seinem Ansinnen kurz danach bei, und Gilbert, der schon durch seinen Leichtsinn, seine Freigebigkeit und Prunksucht in Schulden geraten war, borgte so viel auf, dass sein Orden 100 000 Goldgulden schuldete, wodurch er noch mehr veranlasst ward, die Unternehmung auf Ägypten zu betreiben, da der König ihm bereits den Besitz von Pelusium in Aussicht gestellt hatte. Ein Vorwand, das freundschaftliche Verhältnis mit dem Kalifen zu brechen, fand sich leicht: Man streute das Gerücht, Sultan Schaver stehe in Verhandlungen mit Nureddin und suche dessen Beistand, um sich von dem Einfluss der Christen zu befreien. Aber kein Unparteiischer glaubte diesem Vorgeben. In seinem Unternehmen auf Ägypten wollte Amalrich die Unterstützung des griechischen Kaisers Manuel benutzen, welcher aus Wohlwollen gegen ihn von Herzen Anteil an den Angelegenheiten des Reiches Jerusalem nahm. Daher zeigte sich der Kaiser zu dieser Unternehmung um so mehr gern bereit, da er wähnte, die Eroberung mit Amalrich zu teilen, was diesem jedoch nicht in den Sinn kam.

Aus Habgier erwartete daher der König nicht die griechische Hilfe, sondern schon im Herbst 1168 begann er den Krieg gegen Schaver. Aber viele angesehene Barone leisteten keine Heeresfolge, weil ihnen der Krieg ungerecht schien. Die Templer weigerten sich offen, solche Treulosigkeit zu begehen, sie standen mit Ägypten zu gut, um zu brechen und wollten um keinen Preis den Hospitalitern in dieser Beziehung zu Willen sein.

Mit unbändiger Rohheit brach das christliche Heer in Ägypten ein, stürmte am 3. November Pelusium, mordete, brandschatzte, raubte, sodass diese Stadt in Trümmer fiel. Langsam rückten danach die Christen auf Kahirah los. Man wollte Schavers Geldgebot erwarten. Es erfolgte, um den Feind hinzuhalten. Die Sarazenen zündeten das Kahirah gegenüberliegende Misr an, um den beutegierigen Rittern diese Stadt zu entreißen. Hunderttausend Goldstücke bot endlich Schaver, wenn sich die christliche Ritterschaft zurückzöge. Da kam statt des gehofften Sündensoldes die Nachricht, der unermüdliche Schirkuh ziehe mit einem ansehnlichen Heer durch die Wüste heran. Schaver hatte ihn zum Beistand gegen die treulosen Christen herbeigerufen. Der Kalif selbst hatte sich deshalb an Nureddin gewandt, Haare seiner Frauen gesandt, um die Dringlichkeit der Hilfe zu bezeichnen. Nureddin gewährte sie gern, auch ihn gelüstete nach dem Besitz Ägyptens.

Anfangs wollte Amalrich den Kampf mit Schirkuh bestehen. Als er aber von dessen Stärke hörte, kehrte er mittellos, getäuscht und beschämt nach Jerusalem zurück. Dass er durch sein übereiltes Unternehmen die Türken nach Ägypten gezogen hatte, brachte dies unter anderem später dem Reich Jerusalem den Untergang, denn von nun an befand sich jenes Land in den Händen Nureddins und seiner Nachfolger. Schaver wurde umgebracht, an seiner statt Schirkuh vom Kalifen zum Wesir ernannt, dem bald danach der furchtbare Saladin folgte. Dieser große Mann war listig, tapfer, gewandt und aktiv, bei vielen Gelegenheiten höchst edelmütig und ritterlich, bei anderen grausam. Von ungemeiner Energie sowohl im Rat als auch in der Schlacht gleich groß, verband er mit einem einnehmenden Äußeren Scharfsinn, Anstand und Freigebigkeit. Er besiegte die Christen durch Geld und Streiter und brach ihre Macht in Syrien. Keiner verstand so wie er, den Krieg zur rechten Zeit zu beginnen und zu beenden. Er war der mächtigste, siegreichste Feind des Reiches Jerusalem.

Die syrischen Fürsten verkannten es nicht, dass die Übernahme Ägyptens durch Nureddin ihnen höchst gefährlich werden konnte, da sie von diesem Zeitpunkt an von dessen Macht umgeben waren. Selbst das Meer wurde von der ägyptischen Flotte beherrscht. Sie richteten daher in ihrer Besorgnis ihr Augenmerk auf das Abendland. Allein teils herrschten dort selbst blutige Kriege, teils waren die Pullanen in der öffentlichen Meinung des Abendlandes so sehr gesunken, dass man ihnen keine Teilnahme widmete. Die Hilfe des griechischen Kaisers vereitelten die syrischen Christen selbst durch Saumseligkeit, Unschlüssigkeit und Treulosigkeit.

Im Oktober 1169 unternahmen Griechen und Franken vereint einen Heereszug nach Ägypten und lagerten sich vor Damiette, aber beide wurden bald uneinig. Der griechische Feldherr Andronieus konnte es nicht ertragen, dass Amalrich den Oberbefehl führte, die Franken murrten, dass der Kaiser nicht den versprochenen Sold zahlte. Auch über die Lebensmittel, die Eroberungen, die Maßregeln und Unternehmungen brach Streik aus. Zuletzt behaupteten die Griechen, König Amalrich sei von Saladin bestochen, so zog man unverrichteter Sache auf das Gerücht, Nureddin sende ein Hilfsheer und drohe mit einem Einfall in das Reich Jerusalem, wieder zurück. Amalrich kam bereits am 21. Dezember in Akkon an, hart getadelt von vielen. Die öffentliche Meinung war so gegen diese misslungene Unternehmung, dass Gilbert von Sailly sein Großmeistertum niederlegen musste. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Lage des Reiches immer trauriger, die christliche Ritterschaft sank tief in der Meinung der Ungläubigen, deren Mut zunahm. Dazu kam, dass der nördliche Teil von Syrien 1170 von einem großen Erdbeben heimgesucht wurde, welches Unglück Saladin kurz danach benutzte und die Burg Darum an der Grenze Ägyptens belagerte. Der Tempelritter Anselm von Paß verteidigte die Feste tapfer. Auf die Nachricht von diesem feindlichen Einfall folgten nur wenige Ritter dem König, welcher mit 250 Rittern und 2000 Fußknechten von Askalon gen Gaza zog, wo sich die Templer aus der dortigen Burg anschlossen. Als man am folgenden Tag von Gaza auszog und nach Darum gelangte, wagte man aus Furcht vor Saladin keinen Kampf. Dieser zerstörte Gaza und kehrte hierauf nach Ägypten zurück, wo der Kalif im Jahr 1171 starb. Nach Nureddins Tod im Mai 1173 wurde Saladin unumschränkter Herr von Damaskus und Ägypten.

Der Großmeister der Templer, Philipp von Naplus, befand sich inzwischen durch die kühleren Verhältnisse zwischen dem König und dem Orden auf einem heißen Posten. Amalrich wollte durch den ihm ergebenen Großmeister auf den Konvent einwirken, welcher sich dieser Einwirkung möglichst entzog und gegen Philipp misstrauisch wurde, sodass nicht dieser, sondern der oft genannte Komtur Walter Fulcherius im Konvent herrschte. Philipp war ein syrischer Eingeborener, früher Angehöriger des Hofes, auch Vasall des Königs. Dadurch war er mit den syrischen Baronen vielfach selbst durch Verwandtschaft verbunden. Er wollte den König nicht entsagen, dem Orden in seiner Opposition nicht folgen. So geriet er als Großmeister in eine sehr prekäre Lage, die ihn endlich dazu brachte, Ende 1170, so wie der Hospitalitermeister Gilbert von Sailly, die Würde des Großmeisters abzulegen und sich wieder in königliche Dienste zu begeben.

Die syrischen Fürsten beschlossen aufgrund der traurigen Verhältnisse im Land und aus Besorgnis vor Saladins Macht, den griechischen Kaiser um Hilfe zu bitten. Zu diesem Zweck begab sich Amalrich am 10. März 1171 nach Konstantinopel, nachdem er Philipp von Naplus auf dem Landweg vorausgesandt hatte, um dem Kaiser seine Ankunft anzukündigen. Philipp lebte noch 1181 und wird als ein tapferer, im Kriegshandwerk wohlgeübter Mann geschildert. Während der Vakanz soll Überlieferungen nach Fulcherius als Großkomtur die Geschäfte des Großmeisters geführt haben. Großmeister wurde er nicht, weil der Einfluss des Königs auf den Orden dies nicht gestattete, da Fulcherius das von ihm geschlossene Bündnis mit Ägypten nicht hatte trennen wollen, hier also und im Folgenden dem König zuwider gewesen war, übrigens auch der französischen Partei angehörte, welche vor der syrischen (königlichen) noch nicht aufkommen konnte.

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