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Captain Concho – Band 30

Bill Murphy
Captain Concho – Der Rebell aus Texas
Band 30
Die Schlacht um Ford Yuma

Western, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,70 €, Neuauflage, Titelbild von Ertrugrul Edirne / Becker-Illustrators

Kurzinhalt:
Über tausend Yankees greifen Fort Yuma an! Captain Concho weiß, dass er mit der Entmachtung General Pattersons das Schicksal der Männer im Fort in seine Hände genommen hat. Eine falsche Entscheidung und sie alle sind dem Tod geweiht. Zum Glück hat Forscreek, dieses Naturtalent in Sachen »Feuerwerk«, gut vorgesorgt und fleißig seine speziellen Handgranaten gebastelt. Sie werden reichlich gebraucht in diesem höllischen Inferno von Fort Yuma …

Leseprobe:

In Viererreihen waren die tausend Unions-Kavalleristen vor Fort Yuma zum Angriff aufgezogen. Es handelte sich um drei Bataillone, deren Fahnen vor der Front in der leichten Brise wehten.

Ein imposanter und beeindruckender Anblick war das von den Türmen und den Palisadengängen aus. Gewiss auch furchterregend, denn die Verteidiger unter Captain Conchos Kommando waren knapp zweihundertfünfzig Mann.

Den Säbel an der Seite, den Hut in die Stirn gezogen und die Hände auf dem Rücken verschränkt, schritt Sam Concho durch das Tor auf den feindlichen Colonel zu, der den Commander von Fort Yuma um eine Unterredung gebeten hatte.

Der Colonel wedelte nach uraltem ritterlichen Gehabe mit dem Säbel und legte ihn schneidig an die Schulter. Was er von der ganzen Sache hielt, verriet allein die Tatsache, dass er im Sattel blieb und Captain Concho damit zwang, zu ihm aufzusehen.

Concho blieb stehen und erwies ihm eine Ehrenbezeigung, nicht schneidig aber doch korrekt.

Der Colonel lächelte, der Captain ebenfalls. Sie kannten sich von der Gerichtsverhandlung bei San Bernardino her, in der Captain Concho mit zweien seiner Männer zum Tode verurteilt worden war.1

Er hieß Martinelli. Die italienische Abstammung war ihm auch anzusehen.

»Sie sind der Commander von Fort Yuma?«, fragte er. »Unseren Informationen nach ist doch General Patterson der Kommandierende.«

»Gewesen!«, erwiderte Concho, der General Patterson erst vor einer Stunde abgesetzt hatte und einsperren ließ, samt seiner Stabsoffiziere.

»Ich fordere Sie auf, Captain Concho, mir Fort Yuma zu übergeben, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Ich biete der Besatzung ehrenvolle Gefangenschaft an.«

Concho lächelte schlaff.

»Sie verfügen über zwei Schwadronen und eine Abteilung Artilleristen, deren Geschütze bei diesem Kampf wertlos wären.« Martinelli wies auf seine Männer. »Neun Schwadronen! Das ist doch eine ungleiche Partie, Captain.

»Da schätze ich meine Position anders ein, Colonel!«

Colonel Martinelli musterte ihn konsterniert. »Sie wollen mein großzügiges Angebot zurückweisen?«

»Was hiermit geschehen ist!«, versetzte Captain Concho.

Colonel Martinelli senkte die Lider. »Sie wollen Ihren Kopf retten. Deswegen sind Sie bereit, das Leben Ihrer Männer aufs Spiel zu setzen. Das wird Ihnen nicht gelingen. Es sei denn, Sie fallen. Befindet sich Fraker im Fort? Denken Sie in Dankbarkeit auch an seinen Kopf?«

Will Fraker, Captain der Unions-Armee, hatte Captain Concho und seine Männer auf dem Transport zur Hinrichtung aus dem Gefängniswagen befreit und war mit ihnen nach Süden geflohen, hatte sich aber einen Tagesritt vom Fort entfernt von Concho und seinen Männern getrennt. Vermutlich befand er sich mit Linda Patterson, der Tochter des Generals, mitten in Mexiko.

»Nein!«, erwiderte Captain Concho. »Fraker befindet sich nicht in Fort Yuma.«

Colonel Martinelli senkte mit einer eleganten Bewegung den Säbel.

»Wir werden sehen!«, schnarrte er. »Ich bin bereit, Ihnen Bedenkzeit einzuräumen.«

Concho legte kurz die Hand an den Hut. »Fort Yuma wird kämpfen!«, sagte er, machte kehrt und schritt in das Fort zurück.

Benson ließ das Tor sofort hinter ihm schließen, und Lieutenant Shark ließ in aller Eile die Geschütze wieder auffahren und vor dem Tor in Stellung gehen. Benson lief hinter Captain Concho auf den Hauptturm.

Colonel Martinelli war an den rechten Flügel seiner in langen Viererreihen aufmarschierten Schwadronen geritten und besprach sich dort mit seinen Offizieren.

Kurz nur, dann warf er das Pferd herum, reckte den schweren Kavalleriesäbel hoch und trabte vor die Front.

»Ist der Kerl verrückt?«, fragte Lieutenant Benson. »Will er die Palisaden attackieren?«

»Das ist sein Problem!«, versetzte Captain Concho. »Ist Shark feuerbereit?«

Benson warf einen Blick in den Hof. Die acht Geschütze standen gestaffelt nebeneinander, die mit Schrapnellgranaten geladenen Rohre auf das Tor gerichtet. Die Kanoniere knieten hinter den Geschützen. Shark riss den Säbel hoch, als er Benson über die Brustwehr erblickte.

»Feuerbereitschaft wird gemeldet!«, rief Benson.

Captain Concho schaute über die Männer seiner Abteilung hinweg, die er auf beide Türme und den Wehrgang über dem Tor postiert hatte.

Über hundert Handgranaten hatte Sergeant Forscreek in Kalifornien bei San Bernardino gebastelt, mit deren Hilfe die Männer Captain Concho, Sergeant Miller und Corporal Finnewacker aus dem Yankee Camp hatten befreien wollen, dann aber nicht benötigt hatten.

Die Männer standen damit bereit.

»Auf – das Tor!«, befahl Captain Concho, als Colonel Martinelli zur Attacke anreiten ließ.

Benson schrie den Befehl zur Torwache hinunter.

Hufgetrappel erfüllte die Luft, als die Viererreihen der Yankees anruckten, und die Nordstaatler brüllten wie Löwen, als sich die schweren hölzernen Torflügel zu bewegen begannen.

Erwarteten sie, dass die Besatzung von Fort Yuma zum Gegenangriff heraus kam? Fast schien es so. Den Säbel wild schwingend, lag Colonel Martinelli wie ein Rennreiter auf seinem. Pferd. Ein mutiger Mann, ein tollkühner Mann, der seinen Leuten vorausgaloppierte.

Die gesamte Mitte der wild anreitenden Formation geriet jedoch ins Stocken, als die Reiter die aufgefahrenen Geschütze im Hof des Forts erblickten.

»Feuer!«, brüllte Lieutenant Shark.

Die acht Geschütze dröhnten, und die Schrapnellgeschosse rissen die blaue Phalanx in der Mitte auseinander. Colonel Martinelli gehörte zu den ersten Männern, die fielen.

Die Flügel der Attacke reitenden Yankee-Kavallerie strebten zur Mitte, um durch das Tor zu gelangen, und eine Gruppe hetzte die Pferde über tote und verwundete Kameraden und verendete Pferde hinweg, um an den Geschützen zu sein, bevor die ein zweites Mal schießen konnten.

»Handgranaten!«, rief Captain Concho.

Die Männer auf den beiden Türmen und dem Wehrgang über dem Tor rissen die Zünder ab, zählten kurz und warfen die mit Steinen und Sprengstoff gefüllten Konservendosen auf die in dichten Pulks heranhetzenden Kavalleristen hinab. Das Krachen der Explosionen erfüllte die Luft. Das Karabinerfeuer war kaum zu vernehmen.

Dann dröhnten wieder die Geschütze.

In Feuer, Rauch und Blut brach der Angriff zusammen. Die Yankees warfen die Pferde herum und suchten ihr Heil in der Flucht. Hier und dort stoppte einer der Reiter, um einen verwundeten Kameraden aufzunehmen.

Captain Concho ließ das Feuer sofort einstellen.

Benson rannte zur anderen Seite. »Stopfen, Shark! Stopfen!«

Shark hob den Säbel, zum Zeichen, dass er verstanden hatte.

»Mein Gott!«, sagte Benson, als er neben Concho an der Brustwehr stand und hinunterblickte. »Was lassen die uns an toten und verwundeten Männern zurück!«

»Feldscher und Sanitäter vor das Tor!«, befahl Captain Concho.

Während Benson den Befehl weitergab, sah der Captain den fliehenden Kavalleristen nach. Sie strebten alle nach Norden, auch diejenigen, die zunächst nach Süden geflohen waren. Weit vom Fort entfernt galoppierten sie den Kameraden nach.

In großen und kleinen Gruppen ritten sie dann nach Westen weiter – zum Colorado River.

(wb)

Show 1 footnote

  1. siehe Captain Concho 29