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Role Play Convention 2014

Role Play Convention 2014
Ein Bericht zum Samstag, den 10. Mai 2014

Daenerys hat kein Interesse an einer ADAC-Mitgliedschaft. Das undefinierbare haarige Etwas auch nicht, seinem ablehnenden Grunzen nach zu urteilen. Der Kerl mit der Riesenwumme wird vorsichtshalber gar nicht erst gefragt.

Diese Szenen sind recht bezeichnend für die diesjährige Role Play Convention, die am Wochenende des 10. und 11. Mai 2014 erneut auf dem Kölner Messegelände stattfand.  Wieder einmal waren mehrere Zentausend Phantastik-Fans unterschiedlicher Szene-Richtungen gekommen, um die Geek Culture in all ihren Facetten zu feiern. Was sie erwartete, war ein multimediales Festival, das seinen Besuchern für einen vergleichsweise geringen Eintrittspreis sehr viel Content und Atmosphäre bot, allerdings auch nicht selten zu einer gigantischen Werbeveranstaltung  auszuufern drohte. Was natürlich auch irgendwie zu erwarten war. Die ADAC-Präsenz hat im Vergleich zu den Vorjahren zweifellos zugenommen, aber die RPC hat zumindest seit ich sie 2009 das erste Mal besucht habe, nie einen Hehl daraus gemacht, eine sehr kommerziell orientierte Veranstaltung zu sein.  Besonders familiär ist sie verglichen mit einigen anderen deutschen Cons auch nicht – aber das strebt eine Messe, die auf ihrer Website damit wirbt, das »weltgrößte Fantasy-Event« zu sein, wohl auch nicht an.

Es sind andere Qualitäten, mit denen die RPC überzeugt. Erstens ist sie ein unvergleichliches Fest für die Sinne. Liverollenspieler und Cosplayer tragen aufwendige Gewandungen und Kostüme zur Schau, Moderatoren versuchen sich ebenso wie Autoren und Workshopleiter Gehör zu verschaffen, Bands spielen im Außenbereich, Gerüche nach Flammkuchen und Falafel strömen durch die Hallen, vor allem im Gamesbereich dominiert eine stimmungsvoll-düstere Atmosphäre. Okay, mitunter ist das alles nicht mehr ganz so angenehm, und dass man Lese-Cafés nicht direkt neben musizierenden Liverollenspielern platzieren sollte, werden die Veranstalter wohl nie verstehen. Dennoch macht diese Sinnesbetonung einen besonderen Reiz der RPC aus.

Zweitens ist die RPC ein Event der Events. An allen Ecken und Enden kann man Rollenspiele ausprobieren, Schaukämpfen und Tänzen beiwohnen, Workshops zur Weltengestaltung oder zum Nähen besuchen oder Konzerten und Lesungen lauschen. In diesem Jahr gab es sogar ein Lasergame, das allein schon beim Zuschauen Spaß gemacht hat. Wo sonst bekommt man Barbaren und Ritter in voller Rüstung zu sehen, die sich über aufblasbare Panzer hinweg bekämpfen?! Sich auf der RPC zu langweilen, ist jedenfalls schwer. Irgendwo gibt es immer etwas zu gucken oder auszuprobieren.

Vorausgesetzt, man ist am Phantastik-Genre auf vielfache Weise interessiert. Denn drittens ist die Role Play Convention längst zu einem Crossmedia-Event geworden, das Szenegrenzen aufsprengt. Eine Rollenspiel-Messe ist die RPC eigentlich nur noch dem Namen nach. Sicher, es gibt große Bereiche, in denen man munter dem TableTop oder Pen&Paper frönen kann. Auch für LARPer gibt es eine Menge Workshops und Stände, und Videogamer können die neuesten RPGs teilweise schon vorab testen. Aber stärker als andere Subszenen werden die Rollenspieler eigentlich nicht mehr angesprochen. Beispielsweise fiel dieses Jahr besonders auf, dass die RPC sich endgültig auch als Treffpunkt für Cosplayer etabliert hat; dafür sprachen auch mehrere entsprechend fokussierte Händler, ein eigener Künstlerbereich für Mangaka und mehrere Anime-Vorführungen. Zudem wurde (wie jedes Jahr) auch die Literaturszene mit einem Lese-Café und vereinzelten Verlags- oder Autorenständen angesprochen, Film- und Serienfans dürften sich über den Stargast James Cosmo (u.a. Game of Thrones, Wintersonnenwende, Der König von Narnia) gefreut haben und für Comicfans gab es die etwas schwach ausgefallene Comic Area. Im Außenbereich kamen Mittelalterfans auf ihre Kosten.

Eigentlich ist das schön und ein Pluspunkt. Es ist toll, dass es eine Messe gibt, die diese sonst doch relativ abgegrenzten Bereiche miteinander zu vereinen sucht. Allerdings bringt das auch zwei Probleme mit sich: Erstens muss diese Vielfalt auch nach außen kommuniziert werden. Viele lassen sich meiner Erfahrung nach schon im Vorhinein vom Namen abschrecken, obwohl die Con wirklich auch viel für Nicht- oder Gelegenheitsrollenspieler zu bieten hat. Nur hat noch nicht jeder übers Rollenspiel hinaus Interessierte das mitbekommen, wodurch Nicht-Rollenspielbereiche ziemlich wenig frequentiert wurden. Vor allem die Künstlermeile mit Künstlern wie Elif Siebenpfeiffer oder Tamara Arts lag ziemlich verwaist da, was allerdings auch an deren ungünstigen Platz in der Ecke liegen dürfte.

Und andersherum haben sich viele Rollenspieler, vor allem LARPer, enttäuscht gezeigt über die Ausdünnung »ihres« Themas.

Womit wir beim zweiten Problem wären: Die RPC hat viel zu bieten, bleibt in ihrer Themenbehandlung aber eben auch oberflächlich und strukturlos. Für Nicht-Rollenspieler mangelt es noch an Sammelpunkten, also Orten, an denen man sich fern von konkreten Veranstaltungen zusammenfinden kann. In diesem Jahr ist das noch einmal extra durch den Wegfall von WerkZeugs aufgefallen. Zwar gab es Alternativen zu deren Warenangebot und natürlich auch ein breit aufgestelltes Lesecafé, aber WerkZeugs bietet eben doch immer einen besonderen Treffpunkt für die Literaturszene, der dieses Jahr – warum auch immer – gefehlt hat.

Einen Ausbau hat dagegen der Mittelaltermarkt erfahren, der dieses Jahr ohnehin sehr überzeugen konnte, auch dank der besser eingebundenen Outdoor-Bühnen. Leider spielte aber das Wetter nicht mit – bis zum Nachmittag goss es fast pausenlos in Strömen. Zumindest die Fressmeile war trotzdem stark frequentiert und Liverollenspieler lassen sich von schlechtem Wetter ja ohnehin nicht abschrecken. Während der Mittelaltermarkt nachmittags an Besuchern gewann, dünnte das Publikum in den beiden Innenhallen zusehends aus; ab sechs Uhr konnte man sogar problemlos die zuvor überbevölkerten Stände zu Games wie Lord of the Fallen, Risen 3 oder Sacred 3 besuchen.

Ein Highlight war wie jedes Jahr der Kostümwettbewerb, einfach deshalb, weil die Kostüme und Gewandungen, die man auf der RPC (natürlich auch außerhalb des Wettbewerbs) zu sehen bekommt, großartig sind. Captain America fährt mit Conan Rolltreppe, Ents grüßen Engel (die Flügelspannweitenbegrenzung der Leipziger Buchmesse gilt auf der RPC offenbar nicht), Menschen verwandeln sich auf Parkplätzen in Orks … verdammt, das ist einfach toll! Thematisch dominiert haben neben den RPC-Klassikern dieses Jahr übrigens Assassin’s Creed-Kostüme  (ist wohl dem Sponsor Ubisoft mitzuverdanken), Endzeit und Comic-Cosplays.

Ebenfalls besonders hervorzuheben sind beispielsweise die Thilo Corzilius-Lesung aus dessen High Fantasy-Standalone Dorn (schade nur, dass die Technik eine Dialoglesung verhindert hat) und das 17 Uhr-Konzert von Impius Mundi. Ein bisschen zu kurz kam mir allerdings der gleichzeitig stattfindende Gratis Comic Tag; dem hätte man ruhig noch mehr Platz einräumen können.

Letztlich kann die Role Play Convention als ein riesiges Spaß-Event für Freunde der Phantastik angesehen werden. Nicht alles überzeugt, und die breite thematische Aufstellung ist Fluch und Segen zugleich. Dennoch konnten das vielfältige Angebot und die einzigartige Atmosphäre insgesamt erneut überzeugen. Es war ein kurzweiliger Ausflug und gewiss nicht mein letzter auf die RPC.

Fotos: Fabian Dombrowski

(ar)

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