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Captain Concho – Band 6

Bill Murphy
Captain Concho – Der Rebell aus Texas
Band 6
Und wenn tausend Yankees kommen

Western, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,70 €, Neuauflage vom 08.01.2013, Titelbild von Ertrugrul Edirne / Becker-Illustrators

Extras: keine

Kurzinhalt:

Mit vierzehn Kisten voller Gold ziehen sie nach Süden: Captain Concho und seine zusammengeschrumpfte Schwadron, und mit ihnen reitet Lucille, die ehemalige Braut des Nordstaaten-Colonels Greensboro. Die Lage scheint hoffnungslos. Unerbittlich werden sie von den Yankees gejagt. Aber Captain Concho und seine verwegenen Reiter geben den Kampf nicht auf.

Leseprobe:

Die vier Reiter, die auf dem windigen karstigen Höhenrücken die Pferde anhielten, gehörten zu Colonel Greensboros Schwadron, und für Captain Concho bestand kein Zweifel, dass er und seine Männer von den vier Yankees entdeckt worden waren.

Der lange Lieutenant, der neben Concho im Gestrüpp kniete und die Anhöhe mit dem Feldstecher beobachtete, fluchte leise, setzte das Glas ab und sah den Vorgesetzten an.

»Wenn wir die Kerle dort oben nicht schnappen, Sam, haben wir die gesamte Schwadron in einer Stunde auf dem Hals.« Und dann sind wir verraten und verkauft! Das sagte er allerdings nicht, das dachte er nur.

Doch darüber war sich Captain Concho längst im Klaren, und er war entschlossen, entsprechend zu handeln. Sofort!

Er klopfte dem Lieutenant auf die Schulter. »Halte hier die Stellung. Ich kümmere mich selbst darum.«

Er wandte sich ab und kroch aus dem Gebüsch, richtete sich auf und rannte zu seinen vier Männern hinunter, die sich prompt erhoben und ihm gespannt entgegen blickten.

»Auf die Pferde!«, befahl Captain Concho.

Die Männer stürzten förmlich zu den Tieren, banden sie los und stiegen auf.

Ausgepumpt erreichte Concho seinen Braunen und warf sich wie ein angreifender Grizzly auf dessen Rücken. »Yankees!«, rief er, während er den Braunen vorwärtspeitschte und den Säbel aus der Scheide riss.

Hufschlag trommelte zwischen den Felsen. Von einem Augenblick zum anderen befanden sich die fünf Pferde im Galopp. Seite an Seite hetzten die Männer nach Westen, um vorn im Buschland Colonel Greensboros Leuten den Rückweg abzuschneiden.

Nach einer halben Meile bekamen sie den Höhen nicken ins Blickfeld. Nicht einmal Staub kräuselte mehr dort oben, sodass nicht zu erkennen war, ob die Yankees weitergeritten waren oder kehrtgemacht hatten.

Captain Concho schlug dem Braunen die Sporen in die 1 anken. Das Tier streckte sich, stieß ein heftiges, Schnauben aus und gewann sofort zwei Pferdelängen Raum.

Seine vier Männer schlugen auf die Pferde ein, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Es war zu spät! Sie bekamen die Yankees nicht einmal mehr zu Gesicht. Ein grauer Staubschleier bewegte sich vor ihnen über dem Buschland rasch westwärts. Captain Concho stellte sich in die Bügel und erkannte, dass die Yankees zu den Felsen flohen und direkt auf den Eingang der schmalen Schlucht zuritten.

Er ließ sich in den Sattel fallen, gab dem Braunen die Sporen und schlug ihm den Säbel auf die Kruppe. Mit einem Satz befand er sich wieder im gestreckten Galopp, und Captain Concho lenkte ihn in einen Wildwechsel hinein, der das Buschland wie eine Schneise zerschnitt. Die Männer fädelten sich hinter ihm ein und jagten mit ihm weiter, obwohl sie nicht die geringste Chance mehr besaßen, die Yankees noch einzuholen.

Das wusste auch Sam Concho. Sein Instinkt, sein kämpferischer Impuls, trieb ihn weiter.

Der Staubschleier entfernte sich zwischen den Felsen und senkte sich die Schlucht hinab.

Minuten später nahmen Captain Concho und seine Männer dort die Pferde auf. Tief unter ihnen galoppierten die vier Yankees die Schlucht hinab, die sich wie ein Flaschenhals dort unten weitete.

Captain Concho drohte das Blut in den Adern zu stocken!

Dort unten trabte Colonel Greensboros Schwadron in Dreierreihe heran. Er war mit einem Satz aus dem Sattel und riss die Karte aus der Meldetasche, schob den Säbel in die Scheide und sah sich um.

Zurückzuschlagen war die Schwadron nicht, aber, aufzuhalten.

»Pferde an die Seite! Trenton, Sie nicht! Sie bringen dem Lieutenant eine Meldung!«, rief Captain Concho, breitete die Karte aus und wies auf die linke Seite.

»Corporal, Sie beziehen mit Carr dort oben Stellung. Finnewacker, die andere Seite!«

Die Männer führten die Pferde hinter eine Felsnase und rannten dann in den schmalen Einschnitt der Schlucht und erklommen die Felsleisten.

Trenton trabte heran. Er wollte absteigen, doch Captain Concho legte ihm die aufgefaltete Karte aufs Sattelhorn.

»Hier, der Duro Canyon, Trenton! Benson soll mit der Abteilung sofort dorthin aufbrechen. Wir halten die Yankees hier auf, solange wir können. Nehmen Sie die Karte mit! Wenn wir hier wegkommen, finden wir den Canyon ohne Karte, und wenn nicht, brauchen wir sie erst recht nicht mehr. Benson soll nicht auf uns warten! Sobald sich die Pferde erholt haben – weiter! Haben Sie das verstanden, Trenton?«

»Aye, Sir!«

Captain Concho faltete die Karte zusammen und drückte sie ihm in die Hand. Trenton wollte das Pferd vorwärtspeitschen.

»Halt, Mann!«, rief der Captain und hielt ihm die Hand hin. »Ihren Karabiner!«

Trenton zog die Waffe aus dem Bügelschuh.

»Munition, Sie Schneider!«

Der Reiter schnallte das Koppel mit den Munitionstaschen ab. Concho warf sich den breiten Lederriemen über die Schulter, und während er zu den Felsen lief, galoppierte Trenton davon.

Nass geschwitzt und keuchend erklomm Captain Concho die Felswand. Dabei blickte er in die Schlucht. Die Yankees hatten sie gesehen und peitschten die Pferde vorwärts.

Finnewacker hatte sich einen guten Platz gesucht. Eine drei Fuß hohe Felsbarriere bot ihnen Deckung.

Captain Concho ging neben ihm in Stellung, legte den Karabiner auf die Felskante und ließ Trentons Koppel fallen. Vier Taschen waren daran befestigt, und in jeder Tasche befanden sich drei Patronenrahmen mit fünf Schuss.

»Wie viel Munition haben Sie, Finnewacker?«

Grinsend leerte der Kerl seine Taschen. Dieses Gewicht! Das konnte doch kein Koppel und kein Hosenträger halten!

»Mann, konnten Sie damit gehen?«, fragte Captain Concho verblüfft.

»Ich bin Kavallerist, Sir! Ich gehe nicht, ich reite.«

Captain Concho starrte ihn an. Er sah in ein blutjunges Gesicht – aber gezeichnet vom Krieg. Hellblaue Augen hatte der Bursche, und seinem Blick war anzusehen, dass dieser höllische Krieg ihm auch Kerben in die Seele geschlagen hatte.

Sam Concho dachte nach, wie lange er ihn kannte, und er erinnerte sich nicht, dass dieser Mann irgendwann einmal seine grimmige und schlitzohrige Art von Humor verloren hatte.

»Sie Marke!«, sagte Concho, und Finnewacker, der ihn kannte, grinste, als hätte er einen Orden erhalten.

Beide schauten angestrengt in die Schlucht und nahmen die Karabiner an die Schultern.

Colonel Greensboro war ein bedachter und umsichtiger Mann. So hatte ihn Captain Concho jedenfalls kennengelernt. Aber diese Schwadron befehligte er ja nicht mehr. Sie hatte gemeutert und die Offiziere erschossen, weil die Männer das Gold, das die Südstaaten erbeutet hatten, nicht für den Norden zurückerobern wollten, sondern für sich selbst. Der Colonel war jetzt der Anführer dieses Rebellen- und Banditenhaufens. Und da ging es nicht nur und vor allen Dingen nicht immer nach ihm.

Im gestreckten Galopp jagte die Schwadron die Schlucht herauf, um den Flaschenhals zu erstürmen. Captain Concho suchte den Colonel. Er hatte sich zurückfallen lassen und befand sich fast am Ende – ritt aber mit. Was blieb ihm auch anderes übrig? Gewiss sah er das Fiasko voraus.

»Lasst sie raufkommen, Männer!«, rief Captain Concho zur anderen Seite hinüber. »Wenn ihr schießt, müsst ihr auch treffen!«

Einer hob die Hand. Es war nicht zu erkennen, ob das Corporal Genter oder Reiter Carr war. Auf jeden Fall hatten sie den Captain verstanden.

Concho visierte den ersten Reiter an. Deutlich sah er das bärtige Gesicht über Kimme und Korn. Er schätzte noch einmal die Entfernung. Dann zog er ab und brüllte: »Feuer!«

Die vier Karabiner dröhnten und krachten. Getroffen ging der bärtige Reiter aus dem Sattel. Aber er war nicht der Einzige. Auch der Corporal, Carr und Finnewacker trafen. Immer wieder! Da saß jeder Schuss.

Männer und Pferde gingen zu Boden. Der Flaschenhals der Schlucht war erfüllt vom Krachen der Waffen, vom Geschrei getroffener Männer und dem dumpfen Wiehern leidender Kreaturen.

Von den Salven der vier Karabiner wurde die angreifende Schwadron wie von einem Keulenhieb getroffen. Die Spitzengruppe zerbarst förmlich, und dahinter warfen sich die Männer aus den Sätteln und rannten zur Felswand, um Deckung zu finden. Die halbe Schwadron keilte die Pferde herum und floh die Schlucht hinab.

Links und rechts hetzten die Reiter an Colonel Greensboro vorüber, der sein Pferd angehalten hatte und dort unten wie ein Fels in der Brandung stand, in der Flut seiner flüchtenden Männer, und er konnte sie nicht aufhalten.

Die Karabiner waren heiß geworden. Finnewackers Haufen von Patronenrahmen war sichtlich kleiner geworden. Leere Hülsen bedeckten den Felsboden.

»Denen haben wir eins auf die Schnauze gegeben!«, stieß Finnewacker knirschend hervor, setzte einen neuen Rahmen auf die Kammer, drückte die Patronen hinein und schleuderte den Rahmen in die Schlucht hinunter. Dann nahm er den Kolben wieder an die Schulter und spähte über den Lauf der Waffe hinweg nach unten. Dabei schob er sich den grauen Feldhut aus der Stirn.

Captain Concho warf einen Blick zur Sonne, denn unten in der Schlucht begannen die Yankees einzeln und zu zweit und zu dritt, die Felsen auf beiden Seiten zu besteigen. Sie kamen rasch voran. Die von Absätzen, Felsleisten und Terrassen durchsetzten Wände waren leicht zu erklimmen. Für gezielte Schüsse befanden sich diese Yankees zu weit entfernt.

Reiterlose Pferde waren durch den Flaschenhals auf die Ebene gejagt und standen nun dort vor Gestrüpp und Straucheichen. Auch vorn, in der Schlucht standen reiterlose Pferde. Gefallene und verwundete Männer lagen am Boden. Zwei Mann, die sich gegenseitig stützten, liefen hinkend mitten in der Schlucht zurück. Auf der rechten Seite wagte sich ein Mann zögernd hervor, der einen verletzten Kameraden bergen wollte.

Captain Concho und seine Männer ließen sie gewähren.

Concho war in Gedanken bei Lieutenant Benson der sich nun schon mit allen Leuten und mit dem Gold, das sie oben im Quellgebiet des Rio Grande von den Nordstaatlern erbeutet hatten, auf dem Weg zum Duro Canyon befinden musste. In diesem weitverzweigten Labyrinth von Gängen und Schluchten, breiten und engen Canyons besaß er bestimmt eine Chance, von der Bildfläche zu verschwinden.

Aber dazu benötigte Benson Zeit!

Bis Anbruch der Dunkelheit würde er deshalb die Schwadron aufhalten müssen. Doch war das möglich?

Greensboros Kavalleristen befanden sich bereits in den Felswänden. Wie lange konnte es dauern, bis diese Kerle über ihm und seinen Männern auftauchten.

Angestrengt spähte er die Felsrampen empor.

»Wir sollten da hinauf, Captain«, meinte Finnewacker. »Sonst putzen die Hurensöhne uns von da oben aus weg.«

Da hatte er schon recht. Doch wenn sie sich dort oben befanden und in der Lage waren, sich gegen die an den Felsen heraufkletternden Angreifer zu behaupten; beherrschten sie den Eingang zur Schlucht nicht mehr. Während sie sich dort oben herum schossen, würde die Schwadron ungehindert die Schlucht verlassen können.

(wb)