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Dark Empire

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Wilder Westen Band 2

Fünf Sekunden bis zum Tod

Gunman, Marshal, Säufer – Eine historische Erzählung über Dallas Stoudenmire, den Mann, der einst El Paso zähmte.

Dumpfer Hufschlag hallte wie das Grollen eines herannahenden Unwetters durch El Paso und wurde von den Häuserfassaden der Stadt zurückgeworfen.
Schrilles Lachen drang durch die nächtlichen Straßen, Pferde wieherten, Männer schrien.
»Gleich geht es wieder los!«, keuchte Bob Walker. In seinem Gesicht zuckte es nervös, während er von seinem Stuhl zu Boden glitt. »Nun mach schon, Bruderherz«, sagte er schrill, während er auf allen vieren unter den Tisch krabbelte. »Komm mit, hier unten ist es immer noch am sichersten.«
Joe Walker stand mit der Kaffeetasse in der Hand in der Tür zur Küche und schüttelte ungläubig den Kopf.
»Was zum Teufel hat das zu bedeuten?«
Bevor ihm Bob darauf eine Antwort geben konnte, krachten auch schon die ersten Schüsse. Großkalibrige Revolver brüllten in der Dunkelheit auf und überall in der Stadt zersprangen klirrend Fensterscheiben. Kugeln schlugen in die Wände der Häuser oder prallten an dem Metall der über den Stepwalks hängenden Geschäftsschilder ab, um als Querschläger durch die Nacht zu jaulen.
Eine dieser Kugeln bohrte sich dicht neben Joe Walkers Kopf in den Türrahmen. Holzsplitter spritzten umher, von denen ihm einer die Wange ritzte. Erschrocken ließ der groß gewachsene Texaner die Tasse fallen und war mit einem Satz neben seinem Bruder, der inzwischen unter dem Tisch das Gesicht auf den Boden gepresst hatte und sich die Hände auf die Ohren hielt, um das Stakkato der stampfenden Hufe und krachenden Schüsse nicht mehr mit anhören zu müssen.
»Verdammt noch mal, willst du mir nicht endlich sagen, was das Ganze soll?«
Bob Walker schwieg.
Statt die Frage seines Bruders zu beantworten, gab er nur ein unterdrücktes Stöhnen von sich und zuckte jedes Mal zusammen, wenn eine der auf der Straße abgefeuerten Kugeln ihren Weg in das Innere seines Hauses gefunden hatte. Eine davon ließ die Scheibe des Küchenfensters zerspringen, eine andere traf die Kaffeekanne auf dem Tisch. Es knallte, splitterte und spritzte. Joe bemerkte aus den Augenwinkeln heraus, wie zu beiden Seiten des Tisches der Inhalt der Kanne langsam in dicken, schwarzen Tropfen auf den Boden regnete.
Kurz darauf war der ganze Spuk wieder vorbei.
Joe hob den Kopf und sah sich prüfend um.
Draußen kam erneut Hufschlag auf, der sich aber rasch entfernte. Während der große Texaner wieder unter dem Tisch hervorkam, blieb sein Bruder liegen.
»Alles in Ordnung, Bob?«
Das war es nicht, Bob blieb sonderbar still.
Von dunklen Ahnungen getrieben warf sich Joe an der Seite seines Bruders auf die Knie und versuchte, ihn auf den Rücken zu drehen. Seine Hand zuckte zurück, als hätte er sich verbrannt.
Sie war genauso blutig wie Bob Walkers Schulter, nachdem sie eine der verirrten Kugeln durchschlagen hatte.
Danach dauerte es fast eine halbe Stunde, bis Joe Walker seinen Bruder ins Bett gelegt und endlich den Arzt ausfindig gemacht hatte. Nach einer weiteren halben Stunde kam der Arzt aus dem Schlafzimmer. Er hatte die Ärmel hochgekrempelt und griff dankbar nach der Kaffeetasse, die ihm Joe entgegenstreckte.
»Er wird es überleben, es war ein glatter Durchschuss. Ich schätze, in spätestens zwei Wochen ist er wieder auf den Beinen.«
»Können Sie mir vielleicht sagen, was das alles zu bedeuten hat? Von meinem Bruder jedenfalls habe ich kein Wort erfahren.«
Nachdem der Arzt einen Schluck von dem Kaffee getrunken hatte, stellte er die Tasse wieder auf den Küchentisch zurück und musterte den Texaner erstaunt.
»Sie sind wohl nicht von hier?«
»Nein Sir, ich komme eigentlich aus der Gegend von Tascosa. Ich und ein paar andere Jungs haben für einen Rancher namens Littlefield einen Zuchtbullen über die Grenze gebracht. Während die anderen wieder nach Hause geritten sind, habe ich gedacht, dass, wenn ich schon einmal in der Nähe von El Paso bin, ich auch gleich meinen Bruder besuchen könnte. Schließlich hatte ich ihn seit fast fünfzehn Monaten nicht mehr gesehen. Aber warum fragen Sie?«
»Weil jeder, der hier lebt, nicht solche Fragen stellt.«
»Himmel«, schnaufte Walker und stemmte die Hände in die Hüften. »Dann erklären Sie mir doch endlich, was hier gespielt wird, und lassen sich verdammt noch mal nicht jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen.«
Der Arzt nickte, schob einen Stuhl vom Tisch zurück und setzte sich Joe gegenüber. Er blickte starr auf den Tisch, als er zu erzählen begann.
»Die Stadt hat sich in den letzten Jahren ziemlich gemausert. Außer den Grenzgeschäften mit Mexiko hat sich auch die Rinderzucht hier inzwischen ziemlich etabliert. Aber genau das ist das Problem. Die Nähe zur Grenze und die Aussicht auf schnelles Geld lässt immer mehr Gesetzlose in die Stadt strömen und auch von den Ranchern und Geschäftsleuten halten sich immer weniger an Recht und Ordnung. Die Einflussreichsten und leider auch die schlimmsten von allen sind dabei die ManningBrüder. Jim, Felix, Frank und John besitzen nördlich von hier eine ziemlich große Ranch. Sie kommen mindestens einmal die Woche mit ihren Cowboys in die Stadt und veranstalten in Keatings Saloon, der ihnen übrigens auch gehört, wüste Saufgelage, die stets mit Schlägereien und Schießereien enden. Es ist ein Wunder, dass es bisher nicht mehr Tote gegeben hat.«
»Was sagt das Gesetz dazu?«
»Das Gesetz, ha!«, entgegnete der Arzt mit einer abfälligen Handbewegung. »Bis heute sind in El Paso innerhalb eines Jahres siebenundfünfzig Menschen bei Schießereien, Schlägereien und Messerstechereien ums Leben gekommen. Der Stadtrat hat in den vergangenen acht Monaten fünf CityMarshals eingestellt und wieder entlassen. Einer von ihnen, George Campell, sitzt heute noch jeden Tag in Keatings Saloon und säuft sich auf Kosten der Mannings die Hucke voll. So viel zu diesem Thema.«
»Aber dagegen muss man doch etwas unternehmen.«1
»Was denn, mein Junge?«, fragte der Arzt niedergeschlagen. »In dieser Stadt dreht sich doch alles nur noch um das schnelle Geld. Das Recht hat in El Paso längst seine Basis verloren.«
Joe Walker sprang derart ungestüm auf, dass sein Stuhl hinter ihm polternd zu Boden fiel.
»Dann wird es Zeit, dass sich hier etwas ändert.«
»Darauf kannst du lange warten. Vergiss es, Junge.«
»Nein«, sagte Walker und es klang wie ein Schwur. »Ich werde erst wieder von hier weggehen, wenn man diese Mannings ins Jail gesteckt hat.«

***

Sein Name war Dallas Stoudenmire.
Er war etwa sechs Fuß und vier Zoll groß , beinahe zwei Zentner schwer und wo er hinschlug, wuchs kein Gras mehr.
Trotz seiner Größe wirkte er aber eher schlaksig.
Seine Augen waren grau wie Pulver und er zog seine Revolver schneller, als es ein menschliches Auge fassen konnte. Ihn umgab ständig die Eiseskälte des Todes.
Dallas wurde am 11. Dezember 1845 als eines von neun Kindern von Lewis und Elizabeth Stoudenmire in Abersoil, im Macon County in Alabama geboren. Mit nicht ganz siebzehn Jahren schloss er sich der Konföderierten Armee an und diente in der 45. Alabama Infantry. Während des Krieges wurde er mehrmals verwundet und trug für den Rest seines Lebens ständig zwei Kugeln in seinem Leib mit sich herum.
Drei Jahre später musste der Süden kapitulieren.
Wie für viele andere junge Männer, die von den Idealen der Südstaaten geprägt waren, war auch für Stoudenmire diese Niederlage ein schwerer, persönlicher Schlag. Er ging nach Mexiko und diente als Söldner in der Leibwache des selbst ernannten Kaisers Maximilian. Aber auch hier stand er auf der Seite der Verlierer. Er konnte jedoch nach dessen Sturz durch die Revolutionsarmee des Benito Juarez flüchten, kehrte 1867 wieder nach Texas zurück und ließ sich in der Nähe von Columbus nieder. Inzwischen war aus ihm ein Abenteurer und kaltblütiger Zweihandschütze geworden.
Stoudenmire versuchte sich zwischenzeitlich als TexasRanger, Schafzüchter, Zimmermann und Stellmacher, allerdings ohne großen Erfolg. Er konnte den verlorenen Krieg und die Niederlage durch Juarez nicht verwinden und griff immer öfter zur Flasche. Auf der Suche nach Geborgenheit, die er aufgrund seines unsteten Lebens nie gekannt hatte, tötete er, aufgestachelt durch den Alkohol und seinen angeborenen Jähzorn, drei Männer im Duell und zog danach ruhelos durch Texas, bis er schließlich die Stelle des TownMarshals in Socorro, New Mexiko, antrat. Hier schien er sein Glück schließlich gefunden zu haben, er hatte inzwischen sogar eine Frau kennengelernt und beschlossen, sie zu heiraten.
Aber dann schickte ihm sein bester Freund, Stanley »Doc« Cummings im Frühjahr 1881 ein Telegramm, das sein Leben entscheidend verändern sollte.


Die vollständige Story steht als PDF-Download zur Verfügung.

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  1. Diese Zahlen sind keinesfalls frei erfunden. Sie sind in den Polizeiberichten der Stadt und in verschiedenen Zeitungsartikeln aus den Jahren 1880/81 nachzulesen.

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