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Die Nacht, in welcher Pat Garrett Billy the Kid erschoss – Teil 2

Auf der Spur von Billy the Kid

Garrett, welcher sicherlich selbst eine Legende geworden wäre, ging davon aus, dass sich Billy in Richtung Süden nach Mexiko absetzen würde, um dem Arm des Gesetzes entrinnen zu können. Ohne zu wissen, wo sich genau Billy the Kid aufhielt, wartete Garrett mit der Verfolgung, um Zeit zu schinden. Er fing an, Zeitungsberichte zu studieren und griff einige Gerüchte auf, die besagten, dass Billy the Kid angeblich in Mexiko, in Tombstone, Arizona, in Denver, Colorado und in Austin, Texas. Doch Pat Garrett wartete bis Mai … bis Juni … bis Juli.

Garrett, ein ehemaliger Büffeljäger, trieb es 1878 nach New Mexiko. Dem schlaksigen jungen Mann mit einer Körpergröße von etwas sechs Fuß eilte der Ruf voraus, ein harter Kerl mit ruhiger und leiser Stimme zu sein, mit dem aber auch nicht zu spaßen war. Kaltblütigkeit, Mut und Entschlossenheit sollen ihm im Gesicht gestanden haben. Juan Largo oder Big John, wie ihn die Hispanics riefen, tanzte wie Billy Fandango zur Musik der Mariachis. Er war mit einer Hispano-Frau verheiratet und hatte zahlreiche Freunde in der Region. Von seinem Büro aus sorgte Pat im gesetzlosen und aufrührerischen Lincoln County für Recht und Ordnung.

Mitte Juli erhielt Garrett endlich verlässliche Informationen über Billys Aufenthaltsort. Seine Beute war nicht nach Mexiko geflüchtet, sondern sollte sich irgendwo um Fort Sumner verschanzt haben. Pat Garrett machte sich zum Sprung bereit, warb John W. Poe und Tom Kip McKinney als Deputys an und begab sich mit ihnen nach Fort Sumner.

Showdown

Sowohl Billy the Kid als auch Pat Garrett wussten, dass Fort Sumner bereits mehrmals als Schauplatz für unvergessliche Kapitel in der Geschichte der südwestlichen Grenze bekannt war. Während des Bürgerkriegs diente es als Konzentrationslager für Navajos und Mescaleros, welche viele ihrer Leute in den von Insekten befallenen Feldern und stinkenden Gewässern des Pecos River Valley verloren hatten. Des Weiteren war es der nördlichste Punkt auf der Pecos-River-Strecke des Goodnight-Loving Trail, den texanische Cowboys verwendeten, um Zehntausende Longhorn-Rinder zu den Märkten nördlich von Wyoming zu transportieren. Nachdem die Armee 1868 das Fort verlassen hatte, fiel es in die Hände des Viehbarons Lucien B. Maxwell, zu jener Zeit der größte private Landbesitzer in den Vereinigten Staaten, und bildete das Herzstück der Gemeinde. Die ehemaligen Offiziersunterkünfte wurden zu einem großen Haus für die Familie und Diener ähnlich wie bei einer mexikanischen Hazienda umgebaut. Als Lucien im Jahre 1875 starb, erbte sein Sohn Pete Maxwell das Anwesen.

Billy the Kid und Pat Garrett kannten die Maxwells gut, doch konnten beide nicht ahnen, dass sie in der lauen Mondnacht des 14. Juli 1881 auf deren Anwesen zufällig aufeinandertreffen würden.

Bis 21:00 Uhr saß Billy mit Freunden in einer nahegelegenen Pfirsichplantage und unterhielten sich auf Spanisch. Er trug seinen üblichen Sombrero, Stiefel, eine dunkle Weste und eine Hose. Nach einer Weile stand Billy the Kid auf, verabschiedete sich von seinen Freunden, sprang über einen Zaun und verschwand in einem der Maxwell-Häuser. Es ist nicht klar, ob er in das Zimmer eines Freundes oder zu Celsa Gutierrez, Pat Garretts Schwägerin ging.

Etwa um die gleiche Zeit näherte sich Pat Garrett mit Pos und McKinney der Obstplantage und planten, dass Pat heimlich mit Pete Maxwell sprechen sollte, um etwas Genaueres über Billys Aufenthalt zu erfahren. Sie sahen, wie sich ein Mann mit Sombrero von der in der Pfirsichplantage sitzenden Gruppe entfernte, konnten jedoch von ihrer Position nicht erkennen, um wenn es sich dabei handelte. Gegen Mitternacht gingen die drei Männer zum Haus von Pete Maxwell. Auf der Veranda verabschiedete sich Pat von Poe und McKinney und tritt leise durch die offene Schlafzimmertür, um Pete zu wecken und ihn zu befragen.

Zur gleichen Zeit verspürte Billy Hunger, schürte im Küchenherd ein Feuer an und ging in Socken mit einem Messer und seiner Pistole auf die Veranda, um sich ein Stück vom Fleisch eines jungen Bullen, welches vor Maxwells Schlafzimmer hing, abzuschneiden.

Im Schlafzimmer begann Pat Garrett Pete Maxwell mit Nachdruck über Billys Verbleib auszufragen.

Billy the Kid entdeckte auf einmal die schattenhaften Gestalten von John W. Poe und Tom Kip McKinney.

»Quien es?«, fragte Billy und richtete seinen Revolver auf Poe. »Wer seid ihr?«

Er bewegte sich in Richtung der Tür zu Maxwells Schlafzimmer.

Garrett und Maxwell hörten die Stimme auf der Veranda. Sie verstummten.

Billy betrat den Raum, seine Pistole schussbereit. »Wer sind diese Kerle draußen, Pete?«, fragte er Maxwell.

»Das ist er!«, wandte sich Maxwell an Garrett.

Billy erschrak und sah im fahlen Licht die dunklen Umrisse von Garrett. »Quien es?«

»… Ich riss mein Gewehr hoch und feuerte einfach«, sagte Garrett später.

Aus Angst, einen Löwen in der Dunkelheit verwundet zu haben, krochen Garrett und Maxwell aus dem Zimmer.

»… ich glaube, ich habe ihn.« Sie hörten nichts.

Um nachsehen zu können, dass Billy the Kid auch wirklich tot war, zündete Garrett eine Kerze an und stellte sie in das Fenster des Schlafzimmers. Poe und McKinney Peer blickten durch das Fenster und erblickten im flackernden Licht eine reglose Gestalt auf dem Boden.

Pat Garretts Kugel war in die Brust knapp oberhalb des Herzens eingedrungen und tötete Billy the Kid auf der Stelle.

Hispanischen Frauen, welche durch den Schuss aufgewacht waren, trugen den leblosen Körper zu einem nahegelegenen Raum und legten ihn auf eine Bank. Sie stellten brennende Kerzen um ihn herum und hielten Totenwache. Am Nachmittag des nächsten Tages wurde Billy the Kid auf dem Fort Sumner Friedhof neben zwei alte Freunden und Gangmitgliedern bestattet.

War es wirklich Billy the Kid, den sie an jenem heißen Nachmittag im Juli 1881 die letzte Ehre erwiesen? Diese Frage wird wohl unbeantwortet bleiben, auch wenn sich im Jahre 1949 ein in die Jahre gekommener Mann mit dem Namen Ollie L. Brushy Bill Roberts als Billy the Kid ausgab. Angeblich sollte Pat Garrett, um seine Auftraggeber zufriedenzustellen, einen Mann namens Billy Barlow getötet haben und der echte Billy the Kid entkommen sein.

Ich jedoch bleibe bei dem allseits bekannten Mythos, welcher wohl der Realität am Nächsten kommt.

Quellen:

  • Robert M. Utley: Billy the Kid: A Short and Violent Life. Bison Books, Winnipeg, Kanada, Reprint edition, August 1991
  • www.legendsofamerica.com

Copyright © 2013 by Wolfgang Brandt