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Montana

Mahpiya-win – Die Entscheidung – Teil 10

Die Männer, die ins Lager ritten, waren weder Soldaten noch Händler. Sie sahen auch nicht wie Kundschafter des Militärs aus. Ohne sie genau zu betrachten, spürte Mahpiya-win das Böse, das von ihnen ausging. Alle fünf trugen lange staubbedeckte Ledermäntel und waren ausreichend bewaffnet. Frauen und Kinder brachten sich in Sicherheit.

»Wer ist der Häuptling von dieser Drecksbande?«, fragte der eine.

Auf Mahpiya-wins Kehle legte sich eine eisige Hand. Trotz der Sonne fröstelte sie. Niemals hätte sie gedacht, dass sie diese Stimme noch einmal hören würde. Sie betrachtete den Sprecher genauer. Kein Zweifel, er war es.

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Mahpiya-win – Die Entscheidung – Teil 9


Der Winter hielt sehr früh Einzug. Das Leben im Dorf verlief in gemächlicheren Bahnen. Die Frauen befreiten die Tipis von den Schneemassen und reinigten die Felle im Schnee, damit sich kein Ungeziefer darin einnistete. An schönen Tagen herrschte reges Treiben zwischen den Zelten, während der Stürme verbrachten sie die Zeit in ihren Tipis. Man besuchte sich gegenseitig und beschäftigte sich mit Gesellschaftsspielen, Frauen und Männer getrennt voneinander. Bald wusste Mahpiya-win, dass sie ein Kind erwartete und brauchte das Ischnatipi nicht mehr aufsuchen. Je länger der Winter anhielt, desto kleiner wurde der Nahrungsmittelvorrat. Die Krieger blieben während der Jagden lange aus und kehrten oft mit wenig Beute zurück, die aufgeteilt wurde. Wakteka versorgte Mahpiya-win mit frischem Wild Weiterlesen

Mahpiya-win – Die Entscheidung – Teil 8

Es kam die Zeit heran, da Wacinyanpi-win ihr nicht mehr befahl, was zu tun war. Sie erwartete, dass Mahpiya-win tat, was getan werden musste. Mahpiya-win lernte, sich dem Tagesrhythmus im Lager anzupassen. Sie erledigte die täglichen Arbeiten wie alle anderen. Es war ein hartes Leben, doch die Indianer nahmen alles so hin, wie es kam. Bei schönem Wetter gingen die Krieger zur Jagd, die Frauen erledigten ihre Aufgaben. Während die Jungen sich im Jagen von Kaninchen und im Schwimmen übten, wurden die Mädchen sanft mit den Frauenpflichten vertraut gemacht. Bei Regen blieben sie in den Tipis und besuchten sich gegenseitig. Einmal im Monat hielt sie sich im Ischnatipi auf. Es waren stets einige Frauen anwesend und inzwischen konnte sie sich sehr gut verständigen. Dieses Ritual gefiel ihr, so konnte sie sich von den Arbeiten erholen. Im Dorf war keiner für sich, der es nicht wollte. Weiterlesen

Mahpiya-win – Die Entscheidung – Teil 7

Ein neuer Tag brach an. Nur mühsam durchdrangen die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne den Frühdunst, der sich in dichten Schwaden über die Sierra Carrizo gelegt hatte. Die Rauchsäule des Lagerfeuers war in der Morgendämmerung kaum wahrzunehmen. Zielsicher ritten Whitelock und seine Begleiter auf das verborgene Camp zu. Es lag in einer Bodensenke, eingebettet von dichtem Gebüsch aus Yuccapflanzen. Wäre der Rauch und der Geruch von verbranntem Holz nicht gewesen, hätten sie den Lagerplatz nicht entdeckt. Whitelock wusste, dass die Bande, deren Spur sie folgten, sich inzwischen getrennt hatte. Einer dieser Männer befand sich unter den Strauchdieben, auf deren Lager sie zuritten. Auch die anderen würde er zur Rechenschaft ziehen. Er hatte noch immer bekommen, was er wollte und dazu war ihm jedes Mittel recht. Er zügelte sein Pferd, glitt aus dem Sattel und dirigierte seine Männer. Geduckt liefen sie auf das Lager zu, wo sich allmählich Leben regte. Weiterlesen

Mahpiya-win – Die Entscheidung – Teil 6

Wakteka beobachtete Wihakayda-win, die als Zeichen ihrer Wertschätzung der Gefangenen ein Fell entgegenhielt, die ihn nun fragend anblickte. Er nickte unmerklich. Zögernd nahm sie das Geschenk entgegen. Als Wihakayda-wins Tochter von einem Bären angefallen wurde, hatte sich die Gefangene mutig verhalten. Das hätte er ihr nicht zugetraut, denn in vielen Dingen war sie dumm und linkisch. Weder wusste sie, welches Holz als Feuerholz geeignet war, noch kannte sie Kräuter und essbare Beeren. Was lernten die weißen Frauen? Sie kamen in ein Land, das ihnen nicht gehörte, stellten Forderungen und konnten nicht mal die einfachsten Überlebensgrundsätze. Wakteka war nicht einverstanden gewesen, dass die jungen Krieger unüberlegt den Händler getötet hatten und die weiße Frau mitbrachten. Es gab schon zu viel Krieg mit den Weißen und eine weiße Gefangene stand dem Frieden im Wege. Doch es war geschehen und sie war unter ihnen. Sie war schön und gefiel ihm, doch sie war Weiterlesen