Kopmann to Bergen – Kapitel 5
Heinrich Smith
Kopmann to Bergen
Eine Erzählung aus dem Seemannsleben
Verlag Otto Spamer, Leipzig, 1902
Kapitel 5
Der Angriff der Seeräuber
Es gab ein leises Geflüster und ein geschäftiges Zusammenstecken der Köpfe – sowohl in der Stadt Bergen selbst als auch am Vågen auf und ab. Manche hätten nur zu gern mit einem Verrat etwas Geld verdient, doch sie wussten nichts. Andere ergriffen aus natürlichem Mitleid Partei für den Unglücklichen und erkundigten sich nach den genauen Umständen. So erfuhr man nicht nur die bloße Tatsache, sondern auch den Namen des Betroffenen: Es handelte sich um denselben jungen Seefahrer, der sich auf dem Garper der armen norwegischen Frau angenommen und ihr die Fische für die Mittagssuppe gekauft hatte.
Kopmann to Bergen – 4. Kapitel
Heinrich Smith
Kopmann to Bergen
Eine Erzählung aus dem Seemannsleben
Verlag Otto Spamer, Leipzig, 1902
4. Kapitel
Im Bann des Kontors – Flucht und Gefangennahme
Während Anton Bünger auf diese Weise ein dienendes Mitglied der Faktorei wurde, traf eine seltsame Kunde ein. In den nordischen Gewässern liegt eine Unzahl von Inseln – teilweise nur vorübergehend besucht, teilweise vollständig bewohnt –, auch wenn sie den Anschein erweckten, als hause kein Mensch auf ihnen. Die Häuser waren derart zwischen den Talwänden eingeklemmt, dass man sie vom Meer aus nicht bemerkte. Auch ihre Schiffe hielten die Bewohner zwischen den Klippen und Schären so gut verborgen, dass niemand eine Ahnung von deren Anwesenheit hatte. Und doch waren es so viele, dass sie – wenn sie auf einmal auf See erschienen – für eine stattliche Flotte gelten konnten.
Kopmann to Bergen – 3. Kapitel
Heinrich Smith
Kopmann to Bergen
Eine Erzählung aus dem Seemannsleben
Verlag Otto Spamer, Leipzig, 1902
3. Kapitel
Ein Hänseltag des Kontors Kopmann to Bergen
»Was soll nur mit mir werden?«, sagte Anton Bünger zu sich selbst, als man ihn in das Gefängnis zurückführte. Er fragte keinen anderen danach, würde auch keine Antwort erhalten haben. Aber gegen Abend wurde es ihm von selber klar, denn der Wärter kam und sagte, er komme nun zur ersten Buße in das Kämmerlein.
Dies war die erste, wenn auch leichte Pein, welche die Neuen zu bestehen hatten. Man führte sie in eine einsame Kammer, in welche nicht der geringste Lichtstrahl drang, ließ sie auf einen Schemel niedersitzen und gab ihnen ein Stück Brot und einen Krug Weiterlesen
Kopmann to Bergen – 2. Kapitel
Heinrich Smith
Kopmann to Bergen
Eine Erzählung aus dem Seemannsleben
Verlag Otto Spamer, Leipzig, 1902
2. Kapitel
Wie Anton Bünger nach Bergen kam
Der Hausmann zum Lübecker Wappen saß in dem Gemach, das er in seinem Haus innehatte, sehr nachdenklich in dem weiten hölzernen Sessel. Er stützte den Kopf in die Hand und hatte die Papiere der Lübecker Galeot vor sich auf dem Tisch liegen. Das soeben stattgehabte Ereignis ging ihm durch den Kopf. Zwar musste er große Strenge zeigen, doch im Inneren war er dem jungen Seemann günstig gestimmt, da dieser sich so mutig gezeigt hatte. Es lief ihm bereits der Gedanke durch den Kopf, wie er sich hilfreich zeigen könne, ohne seiner Pflicht zuwiderzuhandeln.
Kopmann to Bergen – Kapitel 1
Heinrich Smith
Kopmann to Bergen
Eine Erzählung aus dem Seemannsleben
Verlag Otto Spamer, Leipzig, 1902
Kapitel 1
Die Faktorei der Hanse zu Bergen
Ja, er war ein Kaufmann in Bergen – und ein gewaltiger noch dazu. Kein Einzelner, ausgerüstet mit geistiger Kraft und bedeutenden Mitteln, sondern eine festgeschlossene Gilde, deren Kontor den stolzen Namen Kopmann to Bergen führte. Heute ist von dem, was zur Blütezeit des Hansebundes sein Stolz war, äußerlich kaum noch ein Schatten übrig. Es ist ein erstaunliches, stolzes und kühnes, zugleich aber auch ein entsetzliches Bild dieser in Waffen hinter Wällen und Mauern handelnden Kaufmannsgilde, welche die Macht der Herren und Gebieter des Landes zu einer Schattenherrschaft herabdrückte.

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