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Oskar Ludwig Bernhard Wolff

Der lustige Kirmesbruder – Teil 1

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Der lustige Kirmesbruder
welcher durch listige Ränke auf den Kirmessen die Bauern und andere Personen unterhalten und vergnügt gemacht hat

Vorläufige Nachricht von dem Herkommen und der Lebensart des lustigen Kirmesbruders

Mein eigentlicher Name war Hans Schneemann; der Beiname der lustige Kirmesbruder wurde mir deswegen gegeben, weil ich mich vornehmlich bei den Kirchmessen durch lustige Streiche bekanntgemacht hatte.

Meine Eltern habe ich nicht gekannt und auch niemals etwas von ihnen erfahren können. Ich bin nur damit zufrieden gewesen, dass sie mich zur Welt gebracht haben. Vermutlich ist mein Vater in dem heißen Frühling um sein Leben gekommen und meine Mutter mag sich nach seinem Absterben zu Tode gehärmt haben.

Was meine Kindheit anbelangt, so habe ich dieselbe zugebracht, ohne etwas zu lernen; denn ich sah nicht ein, warum ich mir den Kopf zerbrechen und das Leben sauer machen sollte.

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Der Märkische Eulenspiegel 12

Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe

Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin

Wie Clauert ein Schwein schlachten lassen wollte und noch keins hatte

In der Mark Brandenburg ist es gebräuchlich, dass jeder­mann zu Fastnacht gern ein Schwein schlachtet und gute Kuchen backt. Diese Gewohnheit wollte Clauert auch festhalten, damit er nicht für den Geringsten angesehen würde. Er schickte deshalb zu seinem Nachbarn, Peter Walter, er solle am folgenden Tag zu ihm kommen und ihm ein Schwein schlachten. Dieser glaubte, dass es sich wirklich so verhalte. Er nahm daher des anderen Mor­gens sein Werkzeug und ging hin zu Clauert.

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Der Märkische Eulenspiegel 11

Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe

Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin

Wie Clauerts Hühner Eier legen ohne Schalen

Zu Trebbin wohnte ein Gastgeber, mit Namen Valentin Schneider, dessen Stallung an Clauerts Hof stieß. In diesem Stall hing an einem Wandloch ein Hühnernest, in welches Clauert aus seinem Hof durch die Wand greifen konnte, und aus welchem er auch gewöhnlich die Eier nahm. Als Valentin Schneider dies merkte, nahm er die guten Eier aus dem Nest heraus und legte dasselbe bis oben an voll weiche Eier. Nun hatte Clauert einen Stiefsohn, Gregor Michel genannt, der wusste jenen Ort auch, wo man die Eier fand, und ging deshalb Weiterlesen

Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 4

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig

Wie der Kaiser von Rom den Virgilius in seiner Burg belagert

Als nun das Heer vor des Virgilius Burg gezogen war, schloss er sie vermittelst seiner Kunst dergestalt durch Lust ein, dass keiner sich bewegen und weder vor noch rück­wärts konnte, sondern jeder bleiben musste, wo er war. Darüber verwunderten sie sich nicht gering, und Virgilius sagte nun zu ihnen: »Ihr kommt, mich um das meine zu bringen, aber das werdet Ihr nicht. Wisst, dass Ihr keinen Nutzen haben und nichts ernten werdet, solange ich lebe. Sagt dem Kaiser, ich wolle vier bis fünf Jahre warten, bis er zur Einsicht gekommen ist. Vor den Gerichten will ich nicht klagen, wohl aber werde ich, was mein ist, nehmen, wo ich es finde. Sagt dem Kaiser ferner, ob er mich bekriege oder nicht, das sei mir ganz einerlei, denn anhaben könne er mir doch nichts.«

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Der Märkische Eulenspiegel 10

Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe

Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin

Wie Clauert ein altes Weib versuchte, ob sie auch fluchen könnte

Als Clauert einmal zu Sebekow entlaufen war, kam er noch an demselben Tag vor ein anderes Dorf in dem Land Mecklen­burg. Da saß ein altes Weib in einem Garten und raufte das Unkraut aus. Clauert grüßte das Weib ganz freundlich und sie erwiderte den Gruß noch viel freundlicher.

Weil nun Clauert sehr wohl wusste, dass sowohl Manns- als auch Weibspersonen in jenem Land heftig schelten und fluchen, so fragte Weiterlesen