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Im Original C. L. Wucke

Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 50

Zur Schlacht von Fehrbellin

Die Schlacht von Fehrbellin gehört der Geschichte an, und wie sie geschlagen sei, das erzählt man im Ländchen Fehrbellin ebenso wie überall, wo der märkischen Jugend die Geschichte ihrer Väter überliefert wird. Nur wird natür­lich die Erinnerung durch die ganze Umgebung wie durch das Denkmal, welches auf dem Schlachtfeld errichtet wor­den war, und durch manche Einzelheit noch mehr angefrischt. Noch weiß man, wenn er auch nun abgetragen, wo der Grusberg (Kiesberg) oder Kurfürstenberg lag, um den hauptsächlich der Kampf tobte, noch werden im Luch ge­legentlich Kugeln und andere Weiterlesen

Sagen der mittleren Werra 90

Von der alten Kapelle bei Gumpelstadt, das Körfig1 genannt

Das Kirchlein von Alt-Gumpelstadt lag auf einem klei­nen Hügel in moorigen Wiesen links von der Straße nach Waldfisch. Zu dieser Straße sind leider die letzten Mauerreste der Kapelle verwendet worden. Bei Ausgrabung der­selben fand man dort noch viele halb vermoderte Skelette strah­lenförmig um die Kapelle herum und zwar so, dass jedes Mal das Haupt wie in einer Nische im Fundament ruhte.

Die Sage erzählt Folgendes über die Kapelle:

Es zog einst ein Edler aus Franken
zum Moorgrund in blutige Schlacht,
dort hat er die Heiden geschlagen
und weit aus dem Lande gejagt.

Und wo er den Kampf wohl bestanden,
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Sagen der mittleren Werra 89

Von der Glocke zu Schweina

In der Nähe von Steinbach hinter dem alten Liebenstein liegt die Wüstung Atterode.

Das Dorf wurde angeblich im Bauernkrieg1 gänzlich zerstört, weil dessen Einwohner, fleißige und verständige Berg­leute, nicht mit den wildgewordenen Bauern in ihr tolles Horn blasen wollten.

Man zeigt dort noch Reste von der Grundmauer der Kapelle auf dem Körficht, ebenso deuten noch kleine Hügel die Brandstätten an. Die Glocke der Kapelle aber ruft nun in Schweina die Gemeinde zur Andacht, und dies soll so gekommen sein: Als die an jenem Unglückstag geflüchteten Bergleute von Atterode sich an dem Schutt ihrer Wohnungen wieder gesammelt hatten, beschlossen sie, diese nicht wieder aufzubauen, sich dagegen in Schweina und Steinbach anzusiedeln. Und da sie über das Einzige und Beste, was ihnen der wilde Haufen gelassen hatte, die Glocke der Kapelle, nicht einig werden konnten, welchem der beiden Orte sie dieselbe zuführen sollten, so kamen sie nach langem Beraten endlich auf den Gedanken, die Sache dem Himmel anheim zu stellen; indem sie die Glocke auf einen Karren luden, einen blinden Schimmel davor spann­ten und diesen bis in die Nähe jener Stelle führten, wo sich der Weiterlesen

Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 49

Der arme Schulze von Berlin und der reiche Saldern von der Plattenburg am Fehrbelliner Damm

Das Städtchen Fehrbellin, welches durch die nach ihm benannte Schlacht so berühmt geworden ist, führt diesen Namen erst seit dem 17. Jahrhundert, früher hieß es schlecht­weg Bellin. Weil aber dort die Fähre über den Rhin ging, nannte man es Fährbellin. Die Straße von Berlin nach Hamburg ging früher hier vorüber, und so hing auch noch in der alten Kirche zu Fehrbellin eine Denktafel von einem Post­meister Schneider daselbst aus der Zeit des Großen Kurfürsten.
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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 48

Die Herkunft der von Bredow

Der Teufel hatte einmal Musterung auf der Erde gehalten und all die Edelleute, die nicht mehr guttun wollten, in einen großen Sack gesteckt, den auf den Rücken getan, und war lustig damit zur Hölle geflogen. Wie er nun über die Stadt Friesack kam, so streifte der Sack etwas hart an der Spitze des Kirchturms, sodass ein Loch hineinriss und eine ganze Gesellschaft von Edelleuten, wohl ein Vier­teil der Bewohner des Sacks, ohne dass der Teufel es gemerkt hätte, herausfiel. Das waren aber die Herren von Bredow gewesen, die nun nicht wenig froh waren, den Krallen des Teufels für diesmal entkommen zu sein. Zum Andenken nannten sie nun die Stadt, wo der Sack das Loch bekommen und sie befreit hatte, Friesack, und von hier haben sie Weiterlesen