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Im Gespräch mit dem Lektor Dieter Schmidt, Autor Dennis Mathiak und Expokrat Uwe Anton über Band 9 von Terminus, Gestohlene Erinnerung

Der Untertitel des Romans lautet »Geheime Aktion im Herzen des Gegners – ein ungewöhnlicher Agent tritt auf«. Dennis Mathiak, mit dem ich zu Band 2 ein Interview im Geisterspiegel machte, sagte mir:

»In Terminus Band 9 ist ein zentraler Punkt die titelgebende ›Gestohlene Erinnerung‹. Wo wurde sie gestohlen? Im Herzen des Gegners, wo laut Untertitel ein ungewöhnlicher Agent auftritt? Die Fragen nach Identität und Menschsein werden eine Rolle spielen, das Finden zu sich selbst. Und wir erfahren durch den Protagonisten etwas mehr über Terminus, finden uns an einem bisher unbekannten Ort wieder, an dem Schein und Sein zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind.«

Uwe Anton ergänzte: »Wir bekommen einen ersten Einblick in Terminus aus einer ungewöhnlichen Perspektive.«

Diesmal sprach ich mit dem Lektor der Miniserie, Dieter Schmidt, den ich auf den Perry Rhodan-Tagen in Osnabrück kennenlernte.

Alexandra Trinley: Du bist der Lektor der Perry Rhodan-Miniserie Terminus. Was arbeitest du den Rest der Zeit, und wie bekamst du den Job?

Dieter Schmidt: Ich arbeite seit einer geraumen Anzahl von Jahren hauptberuflich als selbstständiger Lektor, Korrektor, Übersetzer und Online-Redakteur etc. Und bin, seit ich lesen gelernt habe, Science-Fiction-Fan.

Ich lektoriere zudem schon länger (kostenfrei) auch Beiträge für die »phantastisch!«, deren Chefredakteur bekanntlich Klaus Bollhöfener ist, im Hauptberuf Marketingleiter für Perry Rhodan im Pabel-Moewig Verlag. Da man als Freiberufler nie genug Kunden haben kann, habe ich angelegentlich erwähnt, dass, wenn die Perry Rhodan-Redaktion mal Bedarf für einen Korrektor hätte, ich gerne Aufträge übernehmen würde.

Offenbar kam meine Anfrage zu einem günstigen Zeitpunkt, denn kurz darauf kontaktierte mich Klaus N. Frick und wir tauschten uns aus. Im Ergebnis sollte ich ein kleines Probelektorat abliefern: einige Kapitel aus einem damals noch nicht veröffentlichten Perry Rhodan NEO.

Diese Probearbeit stieß auf Wohlwollen, und Klaus erläuterte, dass Alexander Huiskes, Außenlektor der Perry Rhodan-Hauptserie, gerne auch mal Urlaub von der wöchentlichen Arbeit wollte. Und da gäbe es ein Projekt, das für eine erste Lektoratsvergabe infrage käme.

Dies stellte sich als der Viererblock Perry Rhodan 2812–2815 heraus, der Unterzyklus »Die falsche Welt«, dessen erste zwei Bände ausgerechnet von Bestsellerautor Andreas Eschbach stammen.

Das Ganze klappte zur allseitigen Zufriedenheit, und Klaus vertiefte die Zusammenarbeit sogar. Denn der bisherige Außenlektor von Perry Rhodan NEO wollte mit Band 100 aufhören. Klaus fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, diese Aufgabe ab NEO 101 zu übernehmen.

Ich musste nicht lange überlegen, meine Antwort war: »Ja!«

Seither bin ich (mit heutigem Stand seit 56 NEOs) für das Schlusslektorat von Perry Rhodan NEO verantwortlich.

Hinzu kam 2016 das Lektorat für die Miniserie Perry RhodanJupiter sowie 2017 dann der Anlass für dieses Interview: Perry RhodanTerminus.

Alexandra Trinley: Nun entsteht so eine Miniserie aus einer Idee, die zum Exposé wird, weiterwächst … Zu welchem Zeitpunkt beginnt die Arbeit des Lektors?

Dieter Schmidt: In meinem Fall als Außenlektor ganz am Schluss. Ich erhalte die Romanmanuskripte (sowie ergänzend die Exposés und Datenblätter), nachdem sie vom Exposé-Verantwortlichen (bei Terminus also Uwe Anton) entwickelt und vom Autor verfasst sowie von Klaus Frick als Chefredakteur abgesegnet wurden. Nach meinem Lektorat wird das Ganze übrigens noch mal im Verlag (bei Terminus von Bettina Lang) ein allerletztes Mal gegengeprüft.

Alexandra Trinley: Und wie sieht diese Arbeit aus?

Dieter Schmidt: Ein Perry Rhodan-Lektorat hat verschiedene Ebenen. Zum einen prüfe ich sorgfältig die »Profanitäten«: Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung, Textformatierung etc. Das geschieht parallel zur eigentlichen Hauptarbeit am Text, der sprachlichen und inhaltlichen Optimierung, die eine Vielzahl von Aspekten umfasst: Angleichung an die Perry Rhodan-Hausregeln, Texteingriffe zur Behebung von Wortwiederholungen, das Aufteilen von überlangen Sätzen, die Optimierung der Absatzstruktur sowie Dialogführung und vieles mehr.

Weil die zwölf Hefte von Perry RhodanTerminus keine alleinstehenden Einzeltitel sind, sondern in das Gesamtumfeld der Miniserie und des riesigen Perryversums eingebunden sind, prüfe und ändere ich gegebenenfalls auch Übergreifendes. Heißen die Personen und Schauplätze im Manuskript so wie in den Vortiteln bzw. im Rest des Perryversums? Stimmen z. B. Haar- und Augenfarbe überein, militärischer Rang etc.? Stimmen die Raumschiffgrößen, Entfernungsangaben, technischen Details? Gibt es Handlungswidersprüche im Manuskript zum bisherigen (oder künftigen) Geschehen in der Miniserie? Stimmen die inhaltlichen und zeitlichen Anschlüsse vom Ende des Vorromans an den Anfang des neuen Hefts? Die Liste ließe sich noch länger fortsetzen, aber das erspare ich den Lesern dieses Interviews besser …

Viele dieser Texteingriffe nehme ich eigenständig vor, bei manchen Punkten halte ich Rücksprache mit Uwe Anton (Wie ist diese Szene gemeint? Soll das tatsächlich so geschehen? Aber an der Stelle in Heft xx hieß es doch …?). Dann klären wir das und ich schreibe gegebenenfalls um. Manchmal ist sogar genug Zeit, um beim Autor nachzufragen.

Alexandra Trinley: Was geschieht bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Lektor und Autoren?

Dieter Schmidt: Den Fall hatte ich bislang nicht. Wenn ich einen inhaltlich massiveren Änderungsbedarf erkenne und deswegen beim Autor oder dem Exposé-Verantwortlichen nachgefragt habe, hieß es meist: »Gut, dass du das entdeckt hast. Das müssen wir ändern.« Oder wir haben strittige Punkte einvernehmlich geklärt.

Im theoretischen Fall von Konflikten haben der Exposé-Autor Uwe Anton und Chefredakteur Klaus Frick das letzte Wort. Zu dieser Stufe kam es, wie gesagt, nie. Denn alle Beteiligten, auch Autor und Lektor sind ja gemeinsam bemüht, den Lesern das bestmögliche Ergebnis zu liefern und arbeiten somit kooperativ.

Alexandra Trinley: Unterschied sich die Vorgehensweise bei Terminus von der bei NEO?

Dieter Schmidt: Nein, im Grundsatz nicht. Sowohl der technische Ablauf (ich arbeite für mein Primärlektorat klassisch mit Rotstift und Markern auf einem Papierausdruck der Manuskripte und übertrage – sowie erweitere – das Ganze im zweiten Schritt in die Textdatei) als auch das Fachliche und Inhaltliche (siehe oben) sind stark vergleichbar.

Der wesentliche Unterschied ist das Manuskriptvolumen. Ein Taschenheft Perry Rhodan NEO ist schlicht erheblich länger als ein Romanheft Perry RhodanTerminus. Und bei Terminus muss ich jeweils einen Personenkasten verfassen, den gibt es bei NEO nicht. Inhaltlich sind es zwei verschiedene (wenn auch sehr ähnliche) Science-Fiction-Welten, hier muss ich den Quellenabgleich entsprechend handhaben und darf die Hintergrund-/Vorgeschichten der Terminus– bzw. NEO-Figuren, -Orte und -Handlungen nicht verwechseln. Ein Detail ist z. B., dass es bei NEO »Space-Disk« heißt, bei Terminus (wie in der Hauptserie) »Space-Jet«.

Alexandra Trinley: Band 9 läutet das letzte Drittel der Miniserie ein. Dennis Mathiak gab mir eine Textprobe aus dem dritten Kapitel:

»Hallo!«

Ich blieb stehen. Der Ruf riss mich aus Gedanken, denen ich nachgehangen hatte, ohne auf den Weg zu achten. Ich sah mich um, wunderte mich, wo ich mich befand und wer mich angesprochen hatte.

»Wie bitte?«

»Ich sagte: Hallo!«

Ich nickte. »Das habe ich gehört. Weshalb?« Misstrauisch musterte ich den Mann. »Wer sind Sie?«

»Das tut nichts zur Sache.« Der Mann kam auf mich zu.

Überrascht wich ich einige Schritte zurück. »Was soll das?«

»Was soll was?«, konterte er. »Ich möchte mit Ihnen reden.«

»Kommen Sie mir nicht zu nah, Kamerad!« Ich stutzte. Das Verhalten des Unbekannten war ungewöhnlich. »Sie sind doch ein Kamerad?«

»Selbstverständlich.« Der Fremde nickte. »Wie sollte ich sonst hierhergelangen? Zweifeln Sie etwa an der Kompetenz der Aufsicht?«

Ich schüttelte den Kopf. »Natürlich nicht!«

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