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Die Bestie von Weimar

Wir schreiben das Jahr 1825. Auf einem Gutshof in der Nähe von Jena in Thüringen begeht ein Mann, der sich selbst Wolf nennt, seinen ersten Mord an einem Stallburschen.

Kurz darauf wird in Weimar die 17-jährige Frederike Börner Zeugin des Mordes an ihren Eltern, Besitzer eines Kolonialwarenladens.

Bei einem Empfang im Stadthaus Johann Wolfgang von Goethes erscheint unerwartet der belgische Ermittler Luuk de Winter, der den Weimarer Doppelmord wie auch den Mordfall bei Jena aufklären will. De Winter ist auf der Suche nach dem hiesigen Kriminalrat Schwabe, doch die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden stellt sich schnell als problematisch heraus. Als der Unbekannte namens Wolf ein Stubenmädchen auf offener Straße tötet, missfallen de Winters Untersuchungsmethoden der Bevölkerung wie auch der Obrigkeit, und Schwabe untersagt de Winter die Fortsetzung seiner Ermittlungsarbeit. Doch de Winter ist nicht bereit, ein einmal gegebenes Versprechen, nämlich das der Ergreifung des Mörders, zu brechen und setzt seine Polizeiarbeit im Geheimen fort. Dafür versichert er sich der Assistenz des Polizisten Hans Kreuzer, den er quasi als Strohmann vorschiebt, aber gleichzeitig auch dessen Potenzial fördert.

Hans erhält sogar die Vollmacht über ein kleines Sonderkommando, doch einen weiteren Mord, begangen an einer Dienstmagd, kann er trotzdem nicht verhindern.

De Winter und Kreuzer stehen jedoch nicht allein. In der Person von Goethe erhalten sie einen prominenten und einflussreichen Verbündeten.

Aber Weimar kommt nicht zur Ruhe. Ein Verdächtiger wird gefasst, doch ist dieser tatsächlich der gesuchte Mörder? Gibt es womöglich sogar mehr als einen Täter?

Im Gartenhaus des Geheimrats von Goethe kommt es schließlich zum fesselnden Finale, welches nicht ohne Überraschungen bleibt.

Mit Die Bestie von Weimar hat Michael Buttler sein erzählerisches Können einmal mehr unter Beweis gestellt, weiß er doch mit dem Kriminalfall um einen Serienmörder, der im historischen Weimar zu Anfang des 19. Jahrhunderts sein Unwesen treibt, spannend zu unterhalten und schickt den Leser auf eine fesselnde Hatz nach dem Täter durch manch enge Gasse der thüringischen Stadt.

Buttler bedient sich dabei einer klaren, präzisen Sprache und einer zeitgemäßen Wortwahl, dem Charakter der damaligen Epoche angepasst.

Die Handlung ist in 34 Kapitel unterteilt, die wiederum eingebunden sind in Prolog und Epilog. Neben den bereits genannten Faktoren trägt auch die augenfreundliche Schriftgröße dazu bei, dass die Lektüre flott vonstattengeht.

Die Bestie von Weimar ist der Abschlussband einer Trilogie, die als Bindeglied die Figur des belgischen Ermittlers Luuk de Winter aufweist, dem dadurch aber nicht automatisch die Rolle der Hauptperson zukommt. Diesen Part nehmen meist andere Charaktere ein. Aber man sollte die Funktion de Winters auch nicht unterschätzen, bergen seine, für die damalige Zeit recht unorthodoxen Ermittlungsmethoden, die man heute sicherlich forensischer Kriminaltechnik subsumieren würde und bei denen auch die Psychologie eine wichtige Rolle spielt, doch ein gewisses Konfliktpotenzial.

De Winter bringt die Handlung voran und seine Mitstreiter, langfristig gesehen, auf die Zielgerade. Hinter der rauen Schale des recht verschlossenen wirkenden Kriminalers verbirgt sich sogar ein ungeahnt weicher Kern. De Winters Welt ist differenzierter als die seiner Kollegen, bei ihm gibt es kein simples Gut-böse-Schema.

Für den geschichtlich interessierten Leser ist der Roman zudem von besonderem Interesse. Wenn auch die Handlung fiktiv und ein Luuk de Winter ebenfalls frei erfunden ist, hat Buttler geschickt reale Personen in sein Geflecht aus Mord und Tätersuche eingewoben, allen voran natürlich der nicht nur für seine Dichtkunst bekannte Johann Wolfgang von Goethe, der zum Zeitpunkt der Geschehnisse 75 Jahre alt ist, über einen wachen und interessierten Verstand verfügt, der auch im Ausland ein hohes Ansehen genießt und dessen Stadthaus einen kulturellen Mittelpunkt des damaligen Weimar verkörpert.

Das Titelbild des Buches ziert übrigens eine Fotografie des Gartenhauses des Herrn von Goethe, einem ebenfalls wichtigen Schauplatz im Roman, vom Autor bei seiner Vor-Ort-Recherche selbst aufgenommen.

Aber auch das Fräulein Ulrike von Pogwisch und deren Schwester Ottilie, und ebenso den  Kriminalrat Schwabe gab es in realiter, wie der Autor nach einer Lesung verriet. Ein Anreiz, sich selbst einmal während oder nach der Lektüre des Romans auf Spurensuche in der deutschen Vergangenheit zu begeben.

An vielen Details des Romans wie z. B. den geschilderten Umgangsformen, den nachvollziehbaren Örtlichkeiten, der Struktur der Exekutive, den Berufsbezeichnungen etc. merkt man, dass sich Buttler intensiv mit Zeit und Ort auseinandergesetzt und somit ein glaubwürdiges Ambiente geschaffen hat.

Neben den schon erwähnten Stilmitteln bedient sich der Autor mindestens zweimal im Text einer sehr interessanten und spannungsfördernden Erzähltechnik, die man beim Film wohl als »Split Screen« bezeichnen würde. Gleichzeitig ablaufende Handlungen, von unterschiedlichen Personen ausgeführt, werden quasi nebeneinander montiert. Hier springt Buttler innerhalb der entsprechenden Kapitel erzählerisch zwischen seinen Protagonisten hin und her, sodass der Leser in der Summe mehr weiß als die Agierenden, um dann die einzelnen Fäden zu einem gemeinsamen zu verknüpfen.

Wie man meinen bisherigen Ausführungen entnehmen kann, ist Die Bestie von Weimar durchaus mehr als ein einfacher Kriminalroman. Großen Wert legt Buttler ebenfalls auf die glaubhafte Schilderung seiner Charaktere, wobei deren handlungsrelevante Anzahl überschaubar bleibt. Schaut man sich gerade die Person des Polizisten Hans Kreuzer wie auch die der Waise Frederike Börner einmal näher an, wird man feststellen, dass diese Protagonisten eine deutliche Entwicklung, einen Reifeprozess durchlaufen, der sie verändert, aber auch erstarken lässt und aus ihnen am Ende des Romans deutlich andere Menschen geworden sind als sie es zu Beginn waren.

Fazit:
Die Bestie von Weimar ist ein intelligenter, vielschichtiger Kriminalroman, mit Wurzeln in der realen deutschen Geschichte, der spannend und unterhaltsam ist, sprachlich wie auch in Handlungsdetails überzeugt und Wert auf glaubwürdige Charaktere legt. Vorkenntnisse der Bände 1 und 2 sind zum Verständnis der Lektüre nicht erforderlich und schmälern auch nicht den Lesegenuss.

Copyright © 2013 by Stefan Bellack

 

Michael Buttler
Die Bestie von Weimar
Verlag Saphir im Stahl
Bickenbach
Dezember 2012
Historischer Kriminalroman
Hardcover
285 Seiten, 15,95 Euro
ISBN: 9783943948011

www.saphir-im-stahl.de

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