Ausschreibung

Einsendeschluss 31.05.2021

Dark Empire

Story-Tipps

Danach kommt nichts

Archive
Folgt uns auch auf

Die Büffeljäger am Lagerfeuer – Kapitel 18

Thomas Mayne Reid
Die Büffeljäger am Lagerfeuer
Reisebilder und Naturschilderungen aus dem Westen
Verlag Schmidt & Spring. Stuttgart.1858

Achtzehntes Kapitel

Die Jagd des Eichhörnchens

Wir reisten nun zwischen den Ausläufern der Ozark-Gebirge. Der Weg wurde immer schwieriger. Die Schluchten zeigten sich immer tiefer. Da wir die Mehrzahl derselben durchkreuzen mussten, so kletterten wir fortwährend an steilen Bergabhängen auf oder ab. Es gab keinen anderen Weg als einen undeutlichen Indianerpfad, welchen die Kansas bei ihren gelegentlichen Ausflügen zu den Grenzsiedlungen benutzen. Zuweilen mussten wir das Gebüsch entfernen oder auch einen umgehauenen Stamm, der quer über den Weg gefallen war und das Weiterkommen unseres Wagens hemmte, tüchtig mit der Axt zusetzen. Dies machte unser Vorwärtskommen sehr langsam.

Bei einem solchen Halt zerstreute sich der größte Teil der Gesellschaft gewöhnlich im Wald, um Wild aufzusuchen. Wir fanden aber weiter nichts als Eichhörnchen, wovon wir indessen allerdings genug schossen hatten, um eine ansehnliche Topfpastete zu bereiten, wozu keine Art von Fleisch besser geeignet ist als gerade das Fleisch dieser kleinen Tiere. Das Eichhörnchen, welches sich in diesen Wäldern findet, ist das große aschfarbige oder Katzeneichhörnchen, eines der wohlschmeckendsten seines Geschlechts. In dieser Jahreszeit nun vollends, bei dem großen Überfluss an Samenkörner, Nüssen und Beeren, waren sie natürlicherweise so fett wie Rebhühner. Übrigens ist es meistens gut genährt. Auf den Märkten von New York werden sie dreimal so hoch bezahlt wie das gewöhnliche graue Eichhörnchen.

Während wir weiterritten, teilte uns der Naturforscher einige Tatsachen in Bezug auf das Eichhörnchengeschlecht mit, welche den meisten von uns neu waren. Er sagte, dass es in Nordamerika nicht weniger als 20 Arten echter Eichhörnchen gebe, die sämtlich Baumbewohner seien. Wenn man die Erd- und fliegenden Eichhörnchen einschließe, so könne man die Anzahl von Gattungen auf mehr als 40 bringen. Die am meisten bekannte Art des Eichhörnchen ist das gemeine graue, dass sich in den meisten Gegenden der Vereinigten Staaten zahlreich vorfindet. Das echte rote oder Fuchseichhörnchen unterscheidet sich wesentlich von dem Katzeneichhörnchen, welches in vielen Staaten denselben Namen führt. Ersteres ist größer und überhaupt ein lebendigeres Tier, das mit einem einigen Anlauf bis zum Gipfel einer Fichte hinaufspringt. Das Katzeneichhörnchen dagegen ist in den Zweigen langsam und schüchtern und steigt selten höher als bis zu den ersten Ausläufern, wenn es nicht durch die größere Annäherung seines Feindes höher hinaufgetrieben wird. Meistens zieht es vor, sich hinter dem Stamm zu verstecken und rund um den Baum zu gleiten, wenn der Jäger herbeikommt. Es hat jedoch in seiner Art, zu fliehen, eine Eigentümlichkeit, welche es oft rettet und die Hoffnung seines Verfolgers täuscht. Es bäumte sich nicht eher auf, wenn es nicht gerade sehr hitzig von einem Hund oder einem anderen schnellen Feind verfolgt wird, als bis es den Baum mit seinem Nest erreicht hat, wo es dann rasch in seine Höhle gleitet und jedem Feind Trotz bieten kann, wenn dieser Feind nicht zufällig der Fichtenmarder ist, der ist selbst bis auf den Grund seiner dunklen Höhle verfolgt. Die meisten anderen Eichhörnchen dagegen suchen eine Zuflucht auf dem nächsten besten hohen Baum, der sich ihnen darbietet. Freilich hat dieser oftmals keine Höhlung, wo sie sich verbergen könnten, sodass sie also dem Schrot oder der Kugel von unten ausgesetzt sind; aber es folgt daraus noch nicht, dass sie jedes Mal von ihrem Zweig heruntergebracht würden. Es sind schon 20 Schüsse und noch dazu von guten Schützen auf ein einziges Eichhörnchen in solcher Lage abgefeuert worden, ohne dass es heruntergebracht oder ernstlich verwundet worden wäre, und manche der Gesellschaft schon nach Hause zurückgekehrt, ohne nur ein einziges Stück Wild zu erlangen, obwohl das Eichhörnchen fortwährend seine Stellung verändert hat und an verschiedenen Punkten zu erblicken gewesen war. Die Schlauheit des Eichhörnchens bei derlei Gelegenheiten ist merkwürdig. Es streckt seinen Körper auf irgendeinem Zweig aus und verlängert ihn der Art, dass der Zweig, obwohl nicht stärker als der Körper, eine fast vollkommene Schutzwehr gegen die Schüsse gewährt. Der Kopf wird gleichfalls dicht angelegt und der Schweif nicht aufgerichtet, sondern an den Zweig Villach angedrückt, sodass er die Stellung des Tieres nicht verraten kann. Die Eichhörnchenjagd ist keineswegs ein untergeordnetes Vergnügen, sondern nimmt ein Amerika dieselbe Stellung ein, wie die Schnepfen- oder Rebhuhnjagd in Europa.

In fast allen Teilen der Vereinigten Staaten kann man eine Eichhörnchenjagd haben, ohne eine weite Reise machen zu müssen. Es gibt noch manche Waldstrecken, wo der Jäger die Eichhörnchen von seiner eigenen Haustür aus erlegen kann.

Manche Leute jagen das Eichhörnchen mit Schrotflinten; der alte erfahrene Jäger zieht aber die Büchse vor, da diese in der Hand eines geübten Schützen eine bessere Waffe ist. Die Büchsenkugel mag noch so klein sein, so tötet sie auf der Stelle, während ein mit Schrot angeschossene Eichhörnchen nicht selten zu seiner Höhle flieht, um dort an seinen Wunden zu sterben.

Es gibt kein Tier, das ein zäheres Leben hätte als das Eichhörnchen, selbst nicht eine Katze. Wenn es schwer verwundet ist, klammert es sich bis zum letzten Hauch an die Zweige. Seine Krallen halten zuweilen selbst nach dem Tod noch fest, sodass der tote Körper von den Ästen herabhängt. Die Höhe, von welcher ein Eichhörnchen zur Erde springen kann, ohne sich Schaden zu tun, ist fast ein Wunder. Wenn ein Tierchen dieser Art in die Enge getrieben wird und keinen Ausweg sieht, als den ungeheuren, vielleicht 100 oder mehr Fuß hohen Sprung, so läuft es bis zu der äußersten Spitze eines Zweiges und springt entschlossen in schräger Richtung hinab. Der Jäger erwartet vielleicht, das Tier durch den Fall zerschmettert oder gelähmt zu sehen, aber damit hat es gar keine Gefahr. Selbst der wachsame Hund, der dicht bei der Stelle steht, hat nicht einmal Zeit, auf das Eichhörnchen loszuspringen, den kaum unten angelangt, ist es wieder auf und davon wie ein beschwingter Vogel und klettert mit einer Schnelligkeit, der das Auge kaum zu folgen vermag, zu einem anderen Baum hinauf.

Dieser hohe Sprung erklärt sich aus der Fähigkeit des Eichhörnchen, seinen Körper zu einem bedeutenden Umfang auszubreiten, was es allemal beim Niederfallen tut, sodass die Gewalt des Sturzes durch den Widerstand der Luft gebrochen wird. Fast alle Eichhörnchen besitzen diese Fähigkeit, am meisten tiefliegenden, wo sie so stark ausgebildet ist, dass das Tierchen eine Strecke weit fast wie ein Vogel zu fliegen imstande ist.

Der Eichhörnchenjäger lässt sich gern von einem Hund begleiten, obwohl derselbe niemals eines dieser Tiere fängt. Das Eichhörnchen hat auch vor ihm keine Furcht, da es recht gut weiß, dass der Hund keinen Baum erklettern kann. Aber er muss das Eichhörnchen auf den Baum treiben und durch Verweilen vor denselben seinem Herrn die richtige Stelle anzeigen. Die Nützlichkeit des Hundes liegt somit auf der Hand, und er ist dem Jäger in der Tat fast ebenso notwendig wie der Spürhund. Erstens durchsucht er eine größere Strecke des Waldes, da er weit umherstreift, und zweitens setzt ihm seine Schnelligkeit in den Stand, ein Eichhörnchen auf einen anderen als seinen eigenen Baum zu treiben. Dieser zweite Vorteil ist von großer Wichtigkeit, denn wenn dem Wild Zeit genug gelassen wird, so entschlüpft es entweder zu seinem Loch oder sucht sich einen der größten in der Nähe stehenden Bäume aus. Im ersteren Fall ist es unmöglich, und im zweiten schwierig, zu einem Schuss auf das Tier zu kommen. Ein guter Eichhörnchenhund ist demnach ein sehr nützliches Tier. Seine Rasse ist von keiner Wichtigkeit; die besten sind gewöhnlich halt gütige Vorstehhunde. Sie müssen sowohl gute Augen als auch gut eine gute Nase haben, weit umherspüren und schnell laufen können. Wenn sie gut abgerichtet sind, gehen sie nie auf Kaninchen oder anderes Wild und bellen nur dann, wenn das Eichhörnchen aufgebäumt ist, wobei sie am Fuße des Baumes Wache halten. Das Vorbellen ist notwendig, da sonst der Jäger, durch das Gebüsch vom Hund getrennt, oftmals nicht wissen könnte, wo das Wild zum Aufbäumen gebracht ist. Das Eichhörnchen scheint den Hund wenig zu fürchten und klettert seinetwegen selten zu großer Höhe hinauf. Man erblickt es oft nur einige Fuß über demselben, wie es mit dem Schweif wedelt und dem Anschein nach seinen unten stehenden ergrimmten Feind verspottet.

Die Ankunft des Jägers gibt aber der Sache eine andere Wendung. Nun wird das Eichhörnchen unruhig, schießt nach oben und versteckt sich zwischen den höheren Zweigen.

Unser Kentuckyer gab uns einen Bericht über eine von ihm und etlichen Nachbarn veranstaltete große Eichhörnchenjagd, welche in den westlichen Staaten nichts Seltenes sind. Die Jäger teilten sich in zwei Gruppierungen von gleicher Stärke, von denen jede eine andere Richtung im Wald einschlug. Man wettete um den Erfolg, und das Resultat war, dass von sechs Schützen auf jeder Seite binnen einer Woche gegen 10.000 Stück Eichhörnchen erlegt wurden, in einer Gegend natürlich, wo ihnen sonst nur wenig nachgestellt wurde und wo sie daher in reichlicher Anzahl vorhanden waren. Solche jagten in großartigem Maßstab sind, wie bereits erwähnt, in einigen Teilen der Vereinigten Staaten nichts Ungewöhnliches, da diese kleinen Tiere dem Mais und anderen Getreide so verderblich sind, dass zu manchen Zeiten in einigen Staaten ein Preis auf ihre Tötung gesetzt worden ist.

Das Wandern der Eichhörnchen ist eine noch unerklärte Tatsache. Es findet unter den grauen Eichhörnchen statt und dieser Art hat schon davon auch den Namen Wandereichhorn erhalten.

Die Wanderungen sind nicht regelmäßig, und der Grund derselben ist nicht bekannt. Man bemerkt in gewissen Gegenden ungeheure Herden von Eichhörnchen, die sämtlich in einer Richtung durch den Wald oder über offene Strecken ziehen. Nichts kann ihren Lauf hemmen: Über schmale Flüsse und breite Ströme setzen sie schwimmend, und viele ersaufen bei dem Versuch. Unter gewöhnlichen Umständen fürchten sich diese kleinen Tiere vor dem Wasser aber so sehr wie die Katzen. Auf der Wanderung aber stürzen sie sich kühn in den Fluss, ohne daran zu denken, ob sie jemals das andere Ufer erreichen werden. Wenn man sie dann drüben findet, sind sie oft von der Anstrengung so ermüdet, dass man sie mit einem Stock niederschlagen kann. Es werden Tausende auf diese Art erlegt, wenn eine Wanderung bemerkt worden ist.

Dass sie Stücke trockenen Holzes oder Rinde in das Wasser werfen, sich darauf setzen und über den Strom treiben lassen, wobei sie den Schweif als Segel benutzen, ist eine Behauptung, welche zuweilen gemacht wird, aber entschieden in das Reich der Fabel gehört.

Welcher Beweggrund sie antreibt, diese langen und gefährlichen Wanderungen zu unternehmen, von welchen sie, wie man glaubt, niemals zu ihrem ursprünglichen Wohnplatz zurückkehren, weiß man nicht. Mangel an Nahrung oder die Absicht, ein kälteres Klima mit einem wärmeren zu tauschen, kann es nicht sein. Es scheint fast, als ob die Tierchen von einem wunderbaren Instinkt getrieben würde, über dessen Grund und Zweck niemand etwas Zuverlässiges zu sagen weiß.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.