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Fort Aldamo – Band 66

Frank Callahan
Fort Aldamo
Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker
Band 66
Der Schatz der Konquistadoren Teil 1

Western, Military, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,80 €, Neuauflage vom 15. 05. 2018, Titelbild von Günter König

Kurzinhalt:
Strafsoldat Ben Corner entdeckt durch Zufall einen Geheimgang, der in ein Gewölbe unter dem Pferdestall führt. Und dort findet Finnewacker eine Schatzkiste der ehemaligen Herren der alten spanischen Festung. Die Aufregung ist groß. Was dem Master Sergeant überhaupt nicht ins Konzept passt: Infanterist Corner soll mit vier Kameraden in drei Tagen entlassen werden.
Finnewacker lässt die Schatztruhe wieder ins Gewölbe bringen und einmauern. Er ahnt nicht, dass Corner einen weiteren Geheimgang entdeckt hat, der vom Gewölbe aus ins Freie führt und hundert Yards außerhalb von Fort Aldamo endet …

Leseprobe

»Manche Leute tragen ihre Nase nur so hoch, um von ihren Plattfüßen abzulenken!«, tönte Master Sergeant Finnewacker, seines Zeichens kommis­sarischer Commander von Fort Aldamo und Spieß der Strafkompanie.

Der alte Haudegen grinste breit, als er die verblüfften Gesichter der fünf Sergeanten sah, die wenige Schritte von seinem Schreibtisch entfernt in strammer Haltung standen.

Sergeant Kleiber atmete tief aus. Da­durch wogte sein kugelrunder Bauch, den er in den letzten zwei Minuten heldenhaft eingezogen hatte, über das Koppel. Und es war vergebliche Liebes­mühe, als er auf seine Füße schauen wollte.

»Dich habe ich natürlich nicht ge­meint, alter Zuckerbäcker«, brummelte Finnewacker. »Keinen von euch. Das ist doch klar. Ist nur so ein Spruch, den ich vor einigen Tagen aufgeschnappt habe, als ich den Siedlern im Squaw Valley einen Besuch abgestattet habe.«

Fitzgerald, der kleingeratene und krausköpfige Sergeant, reckte sich mächtig und schien doch tatsächlich um einige Inches zu wachsen.

Master Sergeant Finnewacker blickte seinen Stellvertreter interes­siert an.

»Na, na, na, mein Guter. Höher geht’s wirklich nicht mehr. Auch dich habe ich nicht gemeint, alter Waldschrat.«

Der kleine Krauskopf lächelte.

»Kann ich mir denken, mein Alter. Doch wie sieht’s denn mit dir aus? Bist du dir sicher, dass dich nicht einer der Siedler mit diesem Spruch treffen wollte?«

Der Commander von Fort Aldamo griente.

»Willst du damit sagen, dass ich Plattfüße habe?«

Die Sergeanten grinsten.

»Das nicht gerade …!«

»Mein lieber Schwan!«, polterte Fin­newacker. »Kleiner Scherz? Gut, Jungs, Spaß beiseite.«

Die Sergeanten Wollcram, Kleiber, Fitzgerald, Wallowa und Gammer nahmen erneut Haltung an, als ihr Vorgesetzter seine dienstliche Miene aufsetzte.

»Möchte euch nur mein Lob aus­sprechen, Männer. Das gilt auch für die anderen Chargierten, die im Moment den einzelnen Kommandos zugeteilt sind und hier nicht antanzen konnten. Hier ist während meiner Abwesenheit alles recht ordentlich gelaufen. Lob, wem Lob gebührt.«

Finnewacker erhob sich hinter sei­nem Schreibtisch.

»So, Männer. Und nun solltet ihr mir mal sagen, was ihr auf dem Her­zen habt? Wenn’s möglich ist, will ich euch helfen!«

Die Chargierten sahen sich schon wieder erstaunt an.

»Danke für das Lob, Finnewacker«, ergriff Sergeant Fitzgerald das Wort. »Hier ist alles in bester Ordnung – wie du selbst festgestellt hast. Es gibt kei­nen Grund, die Ohren voll zu weinen.«

»Auch gut, Jungs. Wie wäre es heute Abend mit einer zünftigen Bade-Fete? Würde mir mal wieder ganz gut in den Kram passen.«

»Aye, Master Sergeant!«, tönte Ser­geant Wollcram und schlug krachend die Hacken zusammen. »Ich werde alles in die Hände nehmen. Kannst dich wie immer auf mich verlassen.«

»Einverstanden, Leute. Dann ab mit euch!«

Die fünf Sergeanten salutierten und verließen die Kommandantur. Der Commander setzte sich zufrieden hinter seinen Schreibtisch und zündete sich eine seiner heiß geliebten Zigarren an.

Und er schaffte es, innerhalb von kürzester Zeit den Raum einzuräu­chern. Gerade als Finnewacker seine Stiefel hochlegen wollte, klopfte es gegen die Tür.

Finnewackers Stirn kräuselte sich.

»Herein, wenn’s kein Feind ist!«, ließ er seinen altbewährten Spruch los, der schon manchen Besucher den Schneid abgekauft hatte.

Die Tür öffnete sich vorsichtig einen Spalt. Es war der dicke Kleiber, dem al­les in Fort Aldamo unterstand, was mit Küche und Verpflegung zu tun hatte.

»Was willst du denn, alter Kalorien­bomber?«, fragte Finnewacker erstaunt. »Wenn mich nicht alles täuscht, bist du doch erst vor drei Minuten hier bei mir gewesen. Na gut, was willst du …?«

Sergeant Kleiber deutete einen Gruß an, bei dem jeder Rekrutenausbilder mit Schreikrämpfen im Karree ge­sprungen wäre.

Finnewacker, der heute einen beson­ders guten Tag erwischt hatte, ließ es durchgehen, obwohl sich sein Schnurr­bart schon leicht zu sträuben begann. Und das war, wie wir alle wissen – ein äußerst bedenkliches Zeichen, was den Gemütszustand des alten Haudegens betraf.

»Hab vergessen, dich was zu fragen, Finnewacker.«

»Aha!«

Der wohlgenährte Küchenbulle schlurfte näher.

»Ist dir wieder einmal dein ver­dammtes Mehl ausgegangen?«

»Mehl…?«, fragte Kleiber erstaunt.

»Quatsch mit Soße – ich meine natür­lich deinen verdammten Zucker, der bei dir niemals vorn und hinten reicht!«

»Natürlich nicht, Finnewacker!«

»Was dann …?«

»Der Whisky ist fast alle. Wir müss­ten wieder mal für Nachschub aus Nug­get Town sorgen, Finnewacker.«

»Willst du damit sagen, dass die Bade-Fete gefährdet ist?«

»Für heute reicht’s noch.«

»Gut, Kleiber. Ich kümmere mich darum.«

»Das wär’s, Finnewacker.«

Kleiber watschelte davon und drehte sich an der Tür nochmals um.

»Willst du ’nen Kaffee haben?«

»Nein danke, Dicker. Habe heute schon genügend von deiner Brühe intus. Willst mich wohl vergiften, was …?«

Kleiber seufzte tief und verließ die Kommandantur. Er vergaß aber nicht, die Tür zu schließen. Und zwar so kräf­tig, dass Master Sergeant Finnewacker vor Schreck fast aus seinem Sessel fiel.

 

*

 

»Infanterist Corner, abkommandiert zur Säuberung des Pferdestalles, mel­det sich wie befohlen zu Stelle, Master Sergeant.«

Der Strafsoldat stand wie eine Eins vor seinem Vorgesetzten, der ihm gnä­dig zunickte.

»Wie lange noch?«

»Drei Tage, Master Sergeant!«

»Wie schön für dich, Infanterist Cor­ner. Dann bist du also bei der nächsten Entlassung mit dabei.«

»Yes, Master Sergeant!«

Finnewacker sah sich um. Der große Pferdestall, der sich neben den Unter­künften der Strafsoldaten befand, wirkte auf dem ersten Blick blitzsau­ber. Kein Pferdeapfel verunreinigte den Boden.

»Das lob ich mir«, brummelte Fin­newacker. »Rühren!«

Der Sträfling stand bequem.

Finnewacker inspizierte den Pfer­destall. Es gab nichts auszusetzen. Strafsoldat Corner hatte seinen Dienst ordentlich versehen. Und Finnewacker war nur selten ein sturer Kommiss­schädel, der seine Leute schikanierte.

In einer Ecke des Pferdestalles stutzte er aber. Die Stirn über der Na­senwurzel kräuselte sich. »Herkommen, Infanterist Corner!«

Der Strafsoldat sauste heran und baute sein Männchen vor dem allge­waltigen Boss von Fort Aldamo.

»Zu Befehl, Master Sergeant!«

»Diese Ecke gefällt mir nicht. Gut – hier ist alles sauber, doch da wuchert Moos oder was auch immer an den Steinen. Wegmachen!«

»Zu Befehl, Master Sergeant! Ich werde die Wand säubern.«

»Gut, du Hecht. Weißt du übrigens, dass ich dafür gesorgt habe, dass du ein halbes Jahr deiner Strafe erlassen bekommen hast?«

»Yes, Master Sergeant. Dafür danke ich Ihnen auch sehr.«

Der Commander von Fort Aldamo nickte.

»Du hast dich anständig geführt in den vergangenen zwei Jahren. Und ich drücke gern ein Auge zu, wenn ich sehe, dass es sich lohnt!«

Finnewacker nickte aufmunternd dem Straf Soldaten zu, der noch immer stramm vor ihm stand.

Und der Commander von Fort Al­damo dachte daran, dass es die Straf­kompanie der US-Kavallerie seit Ende des Bürgerkriegs gab. Nach Fort Aldamo wurde jeder Kavallerist abkom­mandiert, der von einem Militärgericht verurteilt worden war.

Dabei spielte es keine Rolle, welchen Dienstgrad er vorher innehatte. Er wurde zum einfachen Infanteristen degradiert und musste seine Strafzeit in der alten, ehemals spanischen Fes­tung der Konquistadoren abbrummen.

Die meisten Soldaten wurden nach Beendigung des Strafdienstes wieder mit ihrem alten Rang in die Armee aufgenommen. Das kam natürlich auch darauf an, wie sich die Sträflinge hier in Fort Aldamo führten.

Und es war wirklich kein Zuckerle­cken für die Strafsoldaten. Dafür sorgte schon Master Sergeant Finnewacker, der hier das Zepter schwang und sich geschworen hatte die gestrauchelten Soldaten wieder auf den »Pfad der Tu­gend« zu führen, wie er es bezeichnete!

»An die Arbeit, du Nasenbär. Ich sehe mir das später an, wie du dir bestimmt denken kannst!«

»Aye, Master Sergeant!«

Finnewacker stiefelte davon. Dumpf klangen seine Schritte durch den gro­ßen Pferdstall, in dem mehr als zwanzig Pferde untergebracht waren.

Infanterist Corner machte sich an die Arbeit.

Weder er noch Finnewacker konnten in diesen Sekunden ahnen, dass da ein Stein ins Rollen geriet, der einiges ins Wanken bringen sollte …

Quelle:

  • Frank Callahan: Fort Aldamo. Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker. Band 66. Bastei Verlag. Köln. 15. 05. 2018

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