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Felsenherz der Trapper – Teil 28.5

Felsenherz der Trapper
Selbst Erlebtes aus den Indianergebieten erzählt von Kapitän William Käbler
Erstveröffentlichung im Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1922
Band 28
Das Geheimnis des Farmers
Fünftes Kapitel

Felsenherz fand die ganze Ansiedlung in eifrigster Tätigkeit vor. Frauen und Kinder schleppten Steine an die schroffen Abhänge der Südseite des Bergs, um diese Wurfgeschosse im Notfall gegen die über die Terrassen vordringenden Rothäute schleudern zu können. Die Männer setzten ihre Waffen instand, gossen Kugeln und häuften Brennholz auf.

Auf Toms Rat vermied man jedoch, Laternen anzuzünden, damit der Feind nicht merkte, dass die Ansiedler sich für die Abwehr eines Angriffs rüsteten.

Felsenherz rief jetzt die ältesten Männer zusammen und unterbreitete ihnen seinen Plan, der denn auch allseits gebilligt wurde.

Es kam nun darauf an, dass die Hälfte der Verteidiger die Bergfeste unbemerkt verlassen konnte. Der blonde Trapper rechnete bestimmt mit einer ständigen Beobachtung der Ansiedlung durch die verbündeten Osage und Apachen, deren Hauptmacht freilich in der Prärie bei der Baumgruppe in der Nähe des Höhleneingangs weilte. Diese feindlichen Späher, die ohne Zweifel in den Uferbüschen des Benuto steckten, musste man auf irgendeine Art unschädlich machen, damit sie keinen Boten mehr zur Hauptabteilung senden konnten.

Diese gefährliche Aufgabe übernahmen Felsenherz und Tom Einaug. Kriechend schoben sie sich im Schatten der Terrassenwände abwärts und dann weiter am Fuß des Bergs entlang bis zu einem Buschstreifen, der es ihnen ermöglichte, bis ans Ufer des Benuto zu gelangen. Hier begann nun das schwierigste, das Aufsuchen der Späher. Eine Stunde verging, bevor die beiden Trapper zwei Osage und zwei Apachen entdeckt und diese einzeln und völlig geräuschlos überwältigt hatten. Einem der Osage entlockte Felsenherz dann mit List das Geständnis, dass keine weiteren Beobachter sich in der Nähe des Draakensberges befanden.

Nun hatte man schon halb gewonnenes Spiel.

Tom wurde zum Führer der dreizehn Männer bestimmt, die jetzt in aller Stille in die Prärie aufbrachen, wo Chokariga sie an einer mit Felsenherz vereinbarten Stelle erwarten wollte.

Als dieser Trupp unterwegs war, ließ Felsenherz in den Keller der Blockhütte des ermordeten Hoffner eine genügende Anzahl Laternen bringen; die jedoch vorläufig nicht angezündet wurden. Auch die Falltür über dem Schacht wurde wieder herab geklappt.

Nochmals schärfte der blonde Trapper dem alten Draaken dann genau ein, wie man sich hier verhalten solle, sobald die Rothäute durch den Schacht einzudringen, versuchten.

Dann bestieg er seinen Fuchs und ritt ebenfalls durch die Felder und den Waldstreifen in die Prärie hinaus, wo er an dem kleinen Bach in einem Erlenwäldchen auch Tom und die dreizehn Ansiedler vorfand. Der Comanche, meldete Tom, sei soeben hier gewesen und habe berichtet, dass die Osage und Apachen, insgesamt etwa zweihundert Krieger, nach Untergang des Mondes den Überfall bewerkstelligen wollten und dass sie jetzt noch am Rand der Baumgruppe lagerten.

Felsenherz schlich jetzt zu Fuß am Bachrand weiter, umging die Baumgruppe und gelangte an deren Nordecke in die Nähe jenes Gestrüpps, das den Höhleneingang hier verbarg. Jetzt sah er auch die geknickte Tanne, die der sterbende Farmer erwähnt hatte, sah auch, dass der Bach hier in nächster Nähe vorüber floss.

Unweit des ausgedehnten Gestrüpps stand eine uralte Buche. Felsenherz kletterte hinauf, denn von hier oben musste er genau beobachten können, wann die Apachen und Osage die Höhle betraten.

Vorsichtig schwang er sich von Ast zu Ast, bis eine leise Stimme ihn anrief. Zu seinem Erstaunen gewahrte er nun Chokariga, der sich ebenfalls diese Buche als sichersten Beobachtungsposten erwählt hatte.

Langsam verschwand die Mondscheibe nun hinter den fernen Bergen. Es wurde dunkel – so dunkel, dass die beiden Westmänner kaum die Umrisse der Gestalten ihrer Feinde zu erkennen vermochten, die jetzt einer hinter dem anderen in das Gestrüpp hineinschlüpften. Als Letzter kam ein Indianer, der zwei Bluthunde an der Leine mit sich führte. Felsenherz schaute schärfer hin. Nein – es war keine Rothaut, es war der Verräter Harry Bleec, der sich recht geschickt als Osage herausgeputzt und sogar Gesicht, Hals und Nacken rotbraun gefärbt hatte.

Bleec war noch nicht völlig durch das enge Loch hinab gelangt, als er die Hunde dumpf knurren und dann auch bellen hörte. Hierdurch gewarnt machte er kehrt und schlüpfte wieder ins Freie, um sich zu überzeugen, was die Hunde dort oben gewittert hätten.

Chokariga war jetzt nämlich rasch von der Buche herabgeklettert, um Tom und die Ansiedler herbeizuholen. Der Geruch der Pestwurz hatte sich inzwischen jedoch bereits so sehr verflüchtigt, dass die beiden gelben Bestien ihn witterten und sofort anschlugen. Er kümmerte sich nicht weiter darum, sondern überließ es Felsenherz, die Hunde zu beseitigen.

Als Bleec jetzt aus dem Gestrüpp auftauchte, schienen die Bluthunde, zumal er den Jagdanzug eines Osage angelegt hatte, der stark nach Indianer duftete, ihren Herrn nicht zu erkennen. Seine drohende Armbewegung, durch die er sie zur Ruhe wies, hielten sie wohl für eine ihnen geltende Feindseligkeit. Mit kurzem wütenden Aufheulen setzten sie gleichzeitig zum Sprung an. Die Riemen rissen, und trotz des lauten Zurufs Bleecs fielen die Bestien jetzt über ihn her, warfen ihn zu Boden.

Felsenherz der vom untersten Ast der Buche aus Zeuge dieses Angriffs wurde, wollte den schwer Bedrohten retten, stürmte um das Gestrüpp herum, kam jedoch zu spät.

Zwar streckte er mit zwei gut gezielten Tomahawkhieben die beiden Bluthunde nieder, dass sie wie vorm Blitz getroffen mit eingeschlagenen Schädeln zusammenbrachen, aber Bleec war bereits durch die Bestien, die ihm die Kehle halb durchbissen und ihm auch das Gesicht förmlich zerfetzt hatten, derart zugerichtet worden, dass er nur noch wenige Sekunden lebte. Er schien zu fühlen, dass er sterben musste, und freiwillig gestand er nun mit kaum noch verständlicher Stimme all seine Schandtaten ein, bestätigte auch Felsenherz Vermutung, dass in der Höhle sich Gold befinde, und zwar im Bett des unterirdischen Baches.

Kaum hatte er seinen letzten Seufzer ausgehaucht, als auch schon Chokariga, Tom und die Ansiedler erschienen. Man schnitt nun rasch in das Gestrüpp eine breite Lücke und legte den Höhleneingang frei, wälzte Steine über das Loch und verbarrikadierte es so, dass die Apachen und Osage unmöglich wieder hier ins Freie gelangen konnten, zumal man sie leicht durch die Schüsse wieder zurückscheuchen konnte.

Dann warf Felsenherz sich auf seinen Fuchs und galoppierte zur Ansiedlung zurück. Er traf hier gerade ein, als zwei Apachen in dem Schacht an den Leitern hochstiegen. Einer von ihnen war der blutgierige Mattari, der Oberhäuptling der Apachen. Als Erster drückte er nun die Falltür hoch, hielt dann mit der Linken die Harzfackel empor, wurde aber auch im selben Moment von Felsenherz von hinten gepackt und vollends hochgerissen.

Im Nu war er gebunden. Dem zweiten Apachen warf Felsenherz schnell eine Lassoschlinge über den Kopf und zog den halb Erwürgten ebenfalls nach oben.

Die übrigen in der Höhle eingeschlossenen Apachen und Osage ergaben sich schon am nächsten Mittag, da sie eingesehen hatten, dass sie hier im Erdinnern elend verhungern müssten, falls sie auf die Bedingungen nicht eingingen, die Felsenherz ihnen stellte.

Der blonde Trapper handelte ganz im Sinne der Ansiedler, als er zunächst die Osage waffenlos durch den Schacht emporklettern ließ. Der Osagehäuptling war dann auch bereit, da er und seine Leute nur durch Bleec verführt worden waren, den Friedensvertrag zu erneuern. Dafür sollte er sämtliche Waffen und Pferde der Apachen als Geschenk erhalten.

Mattari musste dann diejenigen seiner Krieger bezeichnen, die die beiden Goldsucher im Wagen ermordet und skalpiert Alten. Diese wurden standrechtlich erschossen.

Ohne Pferde und ohne Waffen musste Mattari mit den Seinen zu Fuß abziehen, drei Tage lang noch ständig beobachtet von einer Abteilung Osage, die verhüten sollte, dass die Apachen etwa umkehrten und einen neuen Anschlag auf die Ansiedlung versuchten.

Fortan lebten die Ansiedler mit den Osage in Frieden. Die Goldausbeute des unterirdischen Baches war so reich, dass die Bewohner von Draakensberg nunmehr die Viehzucht im Großen betreiben und ihre Verwandten aus Holland und Deutschland nachkommen lassen konnten. Oft genug noch weilten Felsenherz, Chokariga und Tom Einaug als stets gern gesehene Gäste auf dem Draakensberg, wenn ihre Streifzüge sie in die Nähe des Benuto führten.

 

Ende

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