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John Sinclair Classics Band 13

Jason Dark (Helmut Rellergerd)
John Sinclair Classics
Band 13
Die Armee der Unsichtbaren

Grusel, Heftroman, Bastei, Köln, 27.02.2018, 66 Seiten, 1,80 Euro, Titelbild: Ballestar
Dieser Roman erschien erstmals am 14.01.1975 als Gespenster-Krimi Band 70.

Kurzinhalt:
Einem unheimlichen Wissenschaftler gelingt, woran die klügsten Köpfe bislang gescheitert sind: Er entdeckt Strahlen, mit denen Menschen unsichtbar werden.

Mit diesen neuen Strahlen behandelt der Wissen­schaftler Zuchthäusler und baut sich damit eine Armee der Unsichtbaren auf. Unaufhaltbar marschiert die Gruppe geradewegs auf London zu.

Wird es John Sinclair gelingen, den Feldzug des Grauens zu stoppen?

Leseprobe

In prunkvollen Leuchtern steckende Kerzen brannten auf den festlich ge­deckten Tischen. Kellner in dunkel­blauen, maßgeschneiderten Smokings liefen geschäftig hin und her. Erlesene Speisen wurden auf silbernen Platten serviert. Hier und da hörte man das sanfte Klappern eines Bestecks.

Das Luxusrestaurant war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Hier speisten nur Leute, die zu den oberen Fünfhundert der Weltstadt London gehörten. Alles war gediegen, elegant und vornehm.

Eben reichte der Ober einem neu angekommenen Paar die Speisekarte. Der Mann wollte gerade einen guten Wein empfehlen, da geschah es.

Urplötzlich schwebte das scharfe Rasiermesser in der Luft, kam dicht vor der Kehle des Obers zur Ruhe und durchtrennte einen Herzschlag später die Halsschlagader des Mannes.

Für Sekunden war das am Tisch sitzende Paar wie gelähmt, unfähig, diesen ungeheuren Vorfall zu begrei­fen.

Erst als ein Blutstrom aus der Kehle des Obers auf den Tisch schoss, entlud sich das Entsetzen der Frau in einem gellenden Schrei.

Mit panisch verzerrtem Gesicht sprang sie auf, während der Ober vornüber auf den Tisch fiel. Seine zuckenden Hände verkrallten sich in die Tischdecke und rissen sie mitsamt dem Kerzenleuchter herunter.

Zum Glück verlöschten die drei Flammen.

Auch die anderen Gäste hielt es nicht länger auf ihren Stühlen. Fas­sungslos und mit bleichen Gesich­tern starrten sie auf das grauenvolle Schauspiel.

Mit einem letzten Stöhnen sackte der Ober zusammen. Schwer fiel er auf den mit dicken Teppichen ausgelegten Boden und blieb reglos liegen.

Noch immer schrie die Frau wie wahnsinnig. Sie hatte die Hände gegen die Ohren gepresst und den grellge­schminkten Mund weit aufgerissen.

Ihr Mann saß unbeweglich auf seinem Platz. Er hatte die Hände auf seine Knie gelegt, und sein Gesicht war bleich wie eine Totenmaske.

All dies hatte nur eine kurze Zeit­spanne gedauert.

Erst jetzt, als die anderen Gäste begriffen, was eigentlich geschehen war, brach die allgemeine Panik los.

»Ein Mord!«, kreischte eine hysteri­sche Frauenstimme. »Hilfe, ein Mord!«

Ihr Geschrei steckte die anderen an. Fluchtartig rannten die Menschen in Richtung Ausgang, versuchten alle auf einmal, das Freie zu erreichen.

Mit rudernden Armen kämpfte sich der Geschäftsführer durch die Menge.

Neben dem toten Ober ging er in die Knie.

»Einen Arzt!«, brüllte er. »Herr im Himmel, gibt es denn hier keinen Arzt?«

Bestimmt war jemand unter den Gästen Mediziner, aber die zogen es vor, zu verschwinden. Mit einem Mord wollte niemand etwas zu tun haben.

»Feiges Pack«, knurrte der Ge­schäftsführer nicht gerade vornehm.

Behutsam drehte er den Ober auf den Rücken.

Gebrochene Augen blickten den Geschäftsführer an. Selbst ein Laie konnte sehen, dass der Mann tot war.

Der Anblick der Leiche war grauen­haft. Mit zitternden Fingern breitete der Geschäftsführer die Tischdecke über dem Kopf des Toten aus.

Die Frau, die an dem Tisch gesessen hatte, hatte sich wieder einigermaßen beruhigt. Sie hatte wenigstens aufge­hört zu schreien, aber noch immer stand die Panik in ihren Augen. Starr blickte sie den Geschäftsführer an.

Der erhob sich langsam und meinte: »Wir müssen Scotland Yard benach­richtigen. Hier ist ein Mord gesche­hen.«

»Mord?«, wiederholte der Mann, der bisher steif auf seinem Stuhl ge­sessen hatte. »Es gibt keinen Mörder. Wenigstens keinen sichtbaren.«

»Wie darf ich das verstehen, Sir?«

»Am besten gar nicht. Holen Sie ruhig die Polizei. Ich werde meine entsprechenden Aussagen machen.«

»Aber Arthur«, flüsterte seine Frau. »Was redest du denn da?«

»Ich sage das, was ich gesehen habe. Und ich habe noch verdammt gute Augen.«

In dem allgemeinen Durcheinander bemerkte niemand das Messer, das langsam in Hüfthöhe durch die Luft auf den Ausgang zu schwebte und kurz vorher zusammengeklappt wurde. Niemand sah die Bewegungen auf dem Teppichboden, die entstanden, weil jemand mit langen Schritten darüber ging.

Ein Unsichtbarer hatte sich in dem Restaurant aufgehalten!

Nach einer halben Minute kam der Geschäftsführer wieder zurück an den Tisch. Er hatte Scotland Yard alarmiert und sich einen doppelten Whisky genehmigt. Man roch es an seiner Fahne.

Die Minuten bis zum Eintreffen der Polizei vergingen quälend langsam. Das Personal hatte sich in eine Ecke gedrängt und tuschelte aufgeregt untereinander. Manch scheuer Blick wurde der Leiche zugeworfen.

Die Mordkommission platzte mit mehreren Leuten herein. Voran ein mittelgroßer Mann mit lichten blon­den Haaren, der einen dunkelbraunen Staubmantel trug.

»Inspektor Simmons«, stellte er sich vor und wandte sich sofort an den Geschäftsführer. »Sie haben den Mord beobachtet?«

»Nein, Inspektor, es war dieser Gen­tleman hier.«

»Dann erzählen Sie mal, Mister. – Ach, Haskell, nehmen Sie doch eben die Personalien auf.«

Sergeant Haskell war Simmons’ As­sistent. Er war ein noch junger Mann mit dunkelbraunem Haar und tief in den Höhlen liegenden Augen.

Er notierte sich die Namen der An­wesenden, während der Inspektor sich umsah.

»Wo sind eigentlich die anderen Gäste?«, wandte er sich an den Ge­schäftsführer.

»Die – die haben das Restaurant verlassen.«

»Das gibt’s doch nicht«, stöhnte der Polizeibeamte. »Mann, wie konnten Sie zulassen, dass wichtige Zeugen so mir nichts, dir nichts verschwinden? Ja, sind Sie denn wahnsinnig?«

»Die anderen haben sowieso nichts gesehen«, sagte Sir Arthur Wittingham.

»Woher wollen Sie das wissen?«

»Weil meine Frau und ich die einzi­gen Zeugen waren, Inspektor. So, und nun lassen Sie mich berichten. Der Fall ist verdammt mysteriös.«

Inspektor Simmons zog die Stirn kraus und hörte zu.

Was Sir Arthur Wittingham berich­tete, klang tatsächlich unglaublich. Demnach hatte plötzlich ein Rasier­messer mitten in der Luft geschwebt und dem Ober die Kehle durchschnit­ten.

»So und nicht anders ist es gewe­sen!«, behauptete Wittingham.

Simmons kratzte sich am Schädel. »Und das soll ich Ihnen glauben?«

»Das ist Ihre Sache. Ich für meinen Teil werde diese Aussage auch vor einem Richter wiederholen. Das steht fest.«

»Und Sie haben nichts gesehen?«, fragte Simmons den Geschäftsführer, weil er sich mit Wittingham auf keine Diskussion mehr einlassen wollte.

»Nein, Inspektor.«

Zwei Männer der Mordkommission suchten inzwischen den Boden ab. »Kein Messer zu finden!«, meldete Sergeant Haskell.

»Dann hat es der Mörder mitgenom­men«, murmelte Simmons.

»Aber ein unsichtbarer Mörder«, sagte Sir Arthur.

»Entschuldigen Sie, daran kann ich nicht glauben. Der Täter muss sich un­ter den Gästen befunden haben.« Der Inspektor tippte dem Geschäftsführer gegen die Brust. »War das hier eine geschlossene Gesellschaft? Haben Sie eine Namensliste?«

»Nein.«

»Auch das noch. Himmel, das gibt Arbeit.«

»Aber Sie glauben doch nicht, Ins­pektor, dass sich unter unseren Gästen ein Mörder befand. Hier verkehren die besten Kreise Londons. Der gesamte Hochadel war schon bei uns zu Gast. Selbst …«

Simmons winkte ab. »Ich bin lange genug in diesem Job, um mir meine eigene Meinung zu bilden.«

Er bat das Ehepaar Wittingham, Platz zu machen, damit seine Leute ungestört arbeiten konnten. Elizabeth Wittingham hatte sich wieder einiger­maßen erholt. Sie bestätigte auch die Angaben ihres Mannes.

Wenig später kamen die Reporter. Wie eine Hammelherde drängten sie sich in das Restaurant.

»Inspektor Simmons!«, schrie einer. »Was war los? Stimmt das, was man sich erzählt?«

»Was erzählt man sich?« Simmons stemmte angriffslustig die Fäuste in die Hüften.

»Dass hier ein Geist gemordet ha­ben soll?«

Die anderen Zeitungsfritzen stimm­ten ein wieherndes Gelächter an.

»Unsinn!«, rief Simmons. »Tatsache ist, dass man hier einen Kellner auf bestialische Weise umgebracht hat. Mehr kann und will ich Ihnen nicht sagen.«

»Das reicht. Einen Mord in einem Luxusrestaurant hatten wir noch nie.«

Von draußen waren inzwischen mehrere Polizisten hereingekommen. Sie drängten die Reporter wieder ins Freie.

Nachdenklich sah Inspektor Simmons zu. Da tippte ihm jemand auf die Schulter. Es war Sir Arthur Wittingham.

»Ich sage es Ihnen noch einmal, Ins­pektor. Es ist ein unsichtbarer Mörder gewesen. Und ich habe das Gefühl, dass dieser Mord nicht der einzige gewesen ist.«

»Ach, woher?«, brummte Simmons. »Hinterher stellt sich Ihre Theorie be­stimmt als Hirngespinst heraus.«

Doch hier irrte der gute Inspektor.

Das Hirngespinst sollte bald einen gesamten Kontinent in Schrecken versetzen.

Personen:

  • Ober
  • Geschäftsführer
  • Inspektor Simmons, Mordkommission
  • Sergeant Haskell, Inspektor Simmons’ Assistent
  • Sir Arthur Wittingham
  • Elizabeth Wittingham, dessen Ehefrau
  • Dr. Moron, Physiker, Wissenschaftler
  • Sergeant Snyder
  • Harold Sanderson, stellvertretender Gefängnisdirektor
  • Wilkens, Robbins, Morton, Jackelton, McDide, Zuchthauswärter
  • Conan Rafferty, Empfangschef des Bankhauses Sheldon & Bannister
  • Sir John D. Sheldon, Bankdirektor
  • John Sinclair, Inspektor beim Scotland Yard
  • Bill Conolly, Reporter
  • Sir James Powell, Superintendent
  • Doug Vandermeere, Beamter vom Secret Service
  • Sir Bannister, einer der Inhaber des Bankhauses Sheldon & Bannister
  • John Dr. Foster, leitender Chef beim Scotland Yard
  • Jorge, Gehilfe von Dr. Moron
  • Petey, Burt, Killer
  • Sheila, Bills Frau
  • Schaffner
  • Hubschrauberpilot
  • Kontrolleur
  • Ken Silver

Orte:

  • London, York

Quellen:

  • Jason Dark: John Sinclair Classics. Geisterjäger John Sinclair. Band 13. Bastei Verlag. Köln. 27. 02. 2018
  • Thomas König: Geisterwaldkatalog.Band 1. BoD. Norderstedt. Mai 2000

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