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Fort Aldamo – Band 60

Frank Callahan
Fort Aldamo
Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker
Band 60
Kämpfe für uns,Finnewacker!

Western, Military, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,80 €, Neuauflage vom 20.02.2018, Titelbild von Günter König

Kurzinhalt:
In Nugget Town hat sich in den letzten Monaten Gold im Werte von fünfzigtausend Dollar angesammelt. Doch die Furcht der Digger vor den Goldbanditen ist groß. Sie wagen es nicht, ihre Ausbeute nach Yuma zu schaffen – bis einer von ihnen einen Ausweg findet: Master Sergeant Finnewacker aus Fort Aldamo muss ihnen helfen! Finnewacker ist davon nicht erbaut, aber er will die Digger aus Nugget Town nicht im Stich lassen. Hätte er gewusst, dass nicht nur die Goldwölfe, sondern auch die Bande des mexikanischen Halsabschneiders Zarco hinter dem Gold her sind, wer weiß, ob Master Sergeant Finnewacker den Diggern nicht etwas gehustet hätte …

Leseprobe:

»Der Mensch denkt – Finnewacker lenkt«, tönte Sergeant Fitzgerald. »Da kommt das alte Raubein schon, Jungs. Reißt euch am Riemen und zieht freund­liche Gesichter. Ihr wisst doch ganz genau, wie ernst er das Gipfel-Erstür­mungskommando nimmt!«

Die Sergeanten Wollcram, Gammer, Larsen, Gedder und Waliowa seufzten, ächzten und stöhnten.

»Stillgestanden!«, bellte die Stimme des kleinwüchsigen und kraushaarigen Sergeanten, während er selbst Haltung annahm.

»Zur Meldung an unseren Master Sergeant – Augen rechts!«

Alles klappte famos.

Master Sergeant Finnewacker, der kommissarische Commander von Fort Aldamo und Spieß der Strafkompanie, war einige Schritte vor den sechs Ser­geanten stehen geblieben.

Er musterte die Chargierten for­schend, ehe er sich dem kleinen Kraus­kopf zuwandte, der auf ihn zugetreten war und krachend die Hacken zusam­menschlug, dass es nur so staubte.

»Master Sergeant – ich melde dir sechs Sergeanten zum Gipfel-Erstürmungskommando angetreten!«

»Danke, Kleiner. Kannst bei den an­deren Hechten eintreten.«

Sergeant Fitzgerald sauste los. Finne­wacker baute sich vor seinen Leuten auf.

»Rührt euch!«, donnerte seine Stimme. »Guten Morgen, Männer.«

»Guten Morgen, Master Sergeant!«, echoten die sechs Chargierten.

»Ihr kennt unser Programm, Leute. Wir werden erneut einen Gipfel erklim­men und für die sportliche Ertüchtigung unseres Körpers sorgen.«

Fitzgerald seufzte tief. Finnewacker warf ihm einen wütenden Blick zu.

»Abmarsch in exakt fünf Minuten. Vorher soll noch der Wachhabende an­tanzen. Das übernimmst du, Wollcram.«

Der wohl schneidigste Soldat der Strafkompanie sauste einen Schritt nach vorn und baute sein Männchen.

»Zu Befehl, Master Sergeant!«

Danach machte Wollcram nochmals »Diesen«, wie Finnewacker sein ewiges Salutieren nannte.

»Abtreten!«, befahl der Commander von Fort Aldamo mit seiner berüchtig­ten Stentorstimme, die laut von den hohen Mauern der alten, ehemals spa­nischen Festung zurückhallte.

Wollcram rannte in Richtung des Küchenhauses, während die fünf an­deren Sergeanten in Richtung Pferde­stall liefen, vor dem ihr Gepäck und die Ausrüstungsgegenstände lagen, die sie für das Gipfel-Erstürmungskommando brauchten.

Finnewacker warf einen prüfenden Blick zum Himmel, der sich blau über Fort Aldamo wölbte. Die Sonne war erst vor wenigen Minuten aufgegangen. Ein leichter Wind ließ die Fahne oben auf dem steinernen Turm flattern.

Finnewacker drehte sich um, als er Schritte hinter sich vernahm.

ßr starrte auf den wohlgenährten Sergeanten, der wie eine Ente heranwat­schelte und dabei vergebens versuchte, seinen kugelrunden Bauch einzuziehen, der wie ein Ballon über das Koppel hing.

Es war Sergeant Kleiber, dem Küche und alles, was mit der Verpflegung des Forts zu tun hatte, unterstand. Der dicke Küchenbulle, wie er meist von seinen Kameraden respektlos genannt wurde, deutete einen Gruß an. Dann versuchte Kleiber strammzustehen. Das ging aber wie immer mächtig in die Hose.

Master Sergeant Finnewackers bu­schiger Schnurrbart begann sich Un­heil verkündend zu sträuben. Und das war stets ein schlechtes Zeichen, was den Gemütszustand des alten Haude­gens betraf.

»Was willst du denn hier, alte Kü­chenschabe?«

Kleiber schluckte und wich erst einmal vorsichtshalber einen Schritt zurück, denn die Laune seines Vor­gesetzten schien nicht besonders gut zu sein.

»Sergeant Kleiber meldet sich als Wachhabender wie befohlen zur Stelle. Keine besonderen Vorkommnisse, Mas­ter Sergeant!«

Finnewacker nahm sich zusammen.

»Danke für die Meldung, Dicker. Wusste gar nicht, dass du Wachhaben­der bist. Na gut, Sergeant Wellington wird dich nach dem Appell ablösen. Ich marschiere mit den Jungs dort drüben jetzt los. Ein neues Gipfel-Er­stürmungskommando liegt an. Hast du nicht Lust mitzukommen?«

Der dicke Wonneproppen schluckte erneut. Wenn Kleiber etwas nicht mochte, dann waren es körperliche Anstrengungen – egal welcher Art.

»Ich würde ja gerne mitkommen, Finnewacker«, sagte er dann vorsichtig, »wie du aber weißt, habe ich die nächs­ten vierundzwanzig Stunden dienstfrei. Immerhin bin ich die ganze Nacht auf den Beinen gewesen. Beim nächsten Gipfel-Erstürmungskommando melde ich mich freiwillig!«

Finnewacker grinste.

»Ich werde dich an deine Worte er­innern, Kleiber. Du übernimmst den Morgenappell. Dass mir ja alles klappt, sonst holt dich der Teufel. Und das werde ich sein.«

»Aye, Finnewacker«, antwortete Kleiber kleinlaut.

»Wecken in einer Viertelstunde. Corporal Jefferson soll zum Wecken auf der Trompete blasen. Wenn er aber wieder den Zapfenstreich bläst, dann geb ich ihm sein Clairon zu fressen.«

»Aye, Master Sergeant«, seufzte der dicke Kleiber.

»Wer kocht eigentlich heute für die Chargierten und die Strafsoldaten, wenn du dienstfrei hast?«, fragte der Commander misstrauisch und legte den Kopf schief. Beinahe geriet sein Feldhut ins Rutschen.

»Ich habe gestern vorgekocht, Master Sergeant. Brauchst dir keine Gedanken zu machen. Außerdem bin ich ja im Fort und überwache alles.«

»Gut, Dicker, das lob ich mir. Dass mir nur keine Klagen kommen. Kannst abtreten!«

»Aye, Master Sergeant. Und viel Spaß auf dem Gipfel-Erstürmungs­kommando. Hals- und Beinbruch!«

Der alte Kämpe verzog das Gesicht zu einer Grimasse.

»Du hast aber fromme Wünsche, Pfannenschwenker.«

Sergeant Kleiber salutierte und schlurfte dann davon.

Finnewacker wandte sich schnell ab und marschierte zu den fünf Ser­geanten hinüber, die abmarschbereit auf ihn warteten.

Der Master Sergeant wuchtete seinen Tornister auf den Rücken und schul­terte seinen Karabiner.

»Im Sauhaufen folgen, Leute!«

Die beiden Sträflinge, die Wach­dienst am großen Tor hatten, salutierten zackig. Das entlockte Finnewacker ein erfreutes Grinsen.

»Tor auf!«, befahl er.

Das Tor wich knarrend und quiet­schend zurück. Die sieben Blauröcke marschierten hindurch.

Vor ihnen lag die Wüste. Einige Sandfontänen tanzten weit draußen. Sonst rührte sich weit und breit nichts.

Fort Aldamo lag inmitten dieser gnadenlosen Wüste, in der nur Klap­perschlangen, Skorpione, Taranteln und Wölfe zu Hause waren. Im weiten Umkreis gab es kein Wasser – abgese­hen von dem in dem Goldgräbercamp Nugget Town, zwanzig Meilen entfernt.

Und schon aus diesem Grund lag Fort Aldamo ideal. Kaum einem Sträfling war bisher die Flucht gelungen. Das menschenfeindliche Land umgab die alte Festung wie ein grenzenloses Meer.

»Vorwärts, Männer!«, tönte Master Sergeant Finnewacker. »Keine Müdig­keit Vortäuschen.«

 

*

 

»Verdammt noch mal, ihr Lahmär­sche! Wollt ihr wohl mitsingen? Das ist ja die Höhe. Also nochmals von vorn. Das Gipfelstürmer-Lied.«

Finnewacker holte tief Atem.

»Drei, vier!«

Finnewacker legte aus vollem Hals los. Er war nun einmal ein großer San­gesbruder vor dem Herrn. Die sechs Sergeanten stimmten mit ein. Und schon bald erklang rauer Gesang in der Wüste.

»Zu den Gipfeln empor, so steigen wir und jubeln erfreut im Chor: Hurra, hurra, hurra, die Gipfelstürmer aus Fort Aldamo sind da!«

»Die zweite Strophe, Männer. Vor­wärts!«

»Hurtig wie die Gämsen, so klettern wir und sind nicht mehr zu bremsen.

Hurra, hurra, hurra, die Gipfelstür­mer aus Fort Aldamo sind da!«

Master Sergeant Finnewacker strahlte.

»Ausgezeichnet, Jungs!«

»Es nähern sich uns zwei Männer von seitwärts«, rief Sergeant Larsen. »Sie reiten genau auf uns zu!«

»Anhalten!«, befahl der alte Kämpe, schob den Feldhut in den Nacken und wischte mit dem Handrücken über seine schweißbedeckte Stirn.

»Alarmbereitschaft?«, fragte Sergeant Wollcram diensteifrig.

Finnewacker sah ihn aus zusammen­gekniffenen Augen an.

»Wir werden uns doch nicht vor zwei Reitern in die Hosen machen«, brummelte er. »Natürlich halten wir unsere Knarren bereit. Ich glaube aber nicht, dass uns Gefahr droht.«

»Die beiden Männer kommen aus der Richtung, in der Nugget Town liegt«, sagte Sergeant Fitzgerald. »Würde mich nicht wundern, wenn es diese beiden alten Rauschebärte wären, die dort das Sagen haben.«

Finnewacker begann zu grinsen.

»Du denkst an Jerry und Rocky Cooper – nicht wahr? Sie sind der Bürger­meister und der Townmarshal dieses Diggernestes. Wenn es wirklich die beiden Oldtimer sind, dann hat’s in dem Goldgräbercamp wieder Stunk gegeben, den wir ausbaden sollen. Wir sind immer die letzte Rettung für diese beiden alten Nebelkrähen.«

Die Soldaten nickten. Mehr als ein­mal waren sie wegen der Goldgräber in Teufels Küche gekommen.

Die beiden Reiter ritten zügig näher.

Und schon bald gab es keinen Zweifel mehr, dass es wirklich die beiden Olds- men aus Nugget Town waren.

»Ich hab’s ja geahnt«, seufzte Finne­wacker. »Das gibt Ärger. Außerdem fällt das Gipfel-Erstürmungskommando schon wieder aus. Ihr braucht gar nicht so blöde zu grinsen, ihr Bettnässer!«, schimpfte er, als er die strahlenden Gesichter seiner Kameraden sah.

Das freudige Grinsen erlosch.

»Unsere Gebete wurden erhört, mein Alter«, sagte Fitzgerald ruhig. »Keiner von uns kapiert so richtig, was das im­mer wieder mit deinem Gipfelstürmer-Tick sein soll. Inzwischen klettern wir doch wie Gämsen oder Bergziegen.«

Finnewacker brummte einige Worte, die keiner seiner Kameraden verstehen konnte. Dann wandten sich alle den beiden Reitern zu, die inzwischen bis auf wenige Pferdelängen herangekom­men waren.

An den verwitterten Piratengesich­tern der beiden Oldtimer sahen die Soldaten, dass da in Nugget Town schon wieder einiges am Dampfen war.

Quelle:

  • Frank Callahan: Fort Aldamo. Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker. Band 60. Bastei Verlag. Köln. 20.02.2018