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Bau und Einrichtung von Burgen im Mittelalter – Teil I

 

I. Die Herrenburg
1. Die Vorburg

Dynasten

Die Herrenburgen waren die Sitze der Landesfürsten oder Dynasten.

Zu den Dynasten gehörten anfänglich die Grafen, welche bei dem Verfall der alten Gauverfassung in den Besitz eigener, ihnen untertäniger Landgebiete mit verschiedenen Hoheitsrechten gelangten, und später die Herren oder Barone, welche so wie nun auch die Grafen mit großen Lehensgütern begabt wurden. Die Grafen und Barone bildeten als Herrenstand den hohen Adel und die Mittelstufe zwischen den Fürsten und den bloßen Rittern. Der Titel Baron wurde erst gegen Ende des 12. und im 13. Jahrhunderts üblich. Als er jedoch im 16. Jahrhundert überhand nahm und auch solchen verliehen wurde, die keine Güter hatten, erhob man die alten Barone des Herrenstandes nach und nach fast sämtlich in den Grafenstand.

Jene Grafen und Barone, welche ihre Standesherrschaften vom Kaiser und vom deutschen Reich zu Lehen trugen, hießen Reichsgrafen oder Reichsbarone und waren Stände des Reiches. In Österreich gab es mehrere, die in der Reichsmatrikel aufgezeichnet waren, bei den Reichstagen ihren Sitz einnahmen und im Krieg, wie die übrigen Großen des Reiches, ihr Kontingent stellten. Die mächtigsten Dynasten mit großen Hoheitsrechten waren in Oberösterreich die Reichsgrafen von Schaunberg. Einer dieses stolzen Stammes prahlte im 14. Jahrhundert damit, er sei in seinem Gebiet Papst, König, Bischof und Dechant.

Die Dynasten waren gewöhnlich auch Bannerherren, solange sie nämlich eine Anzahl ritterbürtiger Vasallen oder in Dienst genommener Ritter samt den dazu erforderlichen Reisigen stellen und auf eigene Kosten ins Feld führen konnten. In Deutschland mussten es wenigstens 10 Ritterbürtige sein. Das Banner bestand aus einem viereckigen Fähnchen, welches an der Spitze der Lanze des Bannerherren angebracht war, ihm nicht nur im Feld, sondern auch bei öffentlichen Aufzügen und selbst beim feierlichen Gottesdienst vorgetragen wurde. Dieses Banner war damals so viel wie ein Kommandostab, während das doppelt gespitzte, längliche Fähnlein an der Lanze eines Ritters nur als ein Vereinigungszeichen für die von ihm mitgebrachten Reisigen diente.

Weil ein Dynast auf der zu seinem ständigen Wohnsitz erwählten Burg einen hofmäßigen Staat führte, so hieß die Herrenburg auch Hofburg.

Burgweg

Wenn die Burg auf einer Höhe stand, so wurde der an sich möglichst schmale, entweder in Schlangenlinien die Höhe umkreisende oder im Zickzack angelegte Burgweg, welcher oft nur für einen Reiter Raum gewährte, so geleitet, dass die Ankommenden früh genug bemerkt, und, falls sie in feindlicher Absicht sich näherten, durch die Geschosse von der Burg am Ersteigen gehindert werden konnten. Manchmal wurde dieser Weg durch stellenweise aufgerichtete Befestigungswerke und oben immer von den Mauern und Türmen der Burg, an denen er vorüberführte, beherrscht. Wo es die Terrainbildung gestattete, wurde er oben noch so angelegt, dass der Ankommende bei der letzten Biegung namentlich an den Zugängen zu den Toren die Burg zur Rechten hatte und somit der Burgmauer seine rechte, vom Schild nicht beschirmte Seite zuwenden musste.

Platz vor der Burg

Zunächst kam man an die äußerste Ringmauer und an das erste Tor, welches bei Höhenburgen am tiefsten und in ziemlicher Entfernung von der Hauptburg lag. Die nächste Umgebung außerhalb des Tores war gewöhnlich baumlos und kahl, um das Verstecken des Feindes und seine Angriffe zu erschweren und ihm jeden Schutz und Anhalt zu entziehen. Man muss sich überhaupt die Berge, auf deren Spitze oder Rücken sich die Burgen erhoben, kahl denken. Der Laubschmuck, welcher jetzt die Ruinen umgibt, ist erst später gewachsen, nachdem die Burgen ihre Bedeutung als Waffen- und Wohnplätze verloren hatten.

Zuweilen jedoch stand vor dem ersten Tor nur eine Linde, der Lieblingsbaum der ritterlichen Romantik, unter welchem der Burgherr seine Gerichtstage hielt, wenn er mit dem vollen Gericht samt Kriminalfällen belehnt war. Dieses Landgericht fand immer im Freien unter einem Baum, aber nicht jedes Mal vor einer Burg statt. Das Burggericht jedoch, welches sich auf die niedere Gerichtsbarkeit beschränkte und jedem Eigentümer einer Burg über seine Dienstleute und Gutsuntertanen zustand, wurde nicht im Freien, sondern innerhalb der Burg abgehalten.

Äußere Umfassung

Die äußerste Umfassung, welche man Zingel (lat. cingulum = Gürtel) nannte, war niedriger als die eigentliche Burgmauer. Sie bestand entweder aus scharf zugespitztem Pfahlwerk, das tief eingegraben, mit Dornen und Weidengeflecht oder Querlatten zu einer festen Wand verbunden und oft mit eisernen Spitzen versehen wurde, oder sie war in Stein erbaut, besonders im späteren Mittelalter und immer bei vornehmeren Burgen. In letzterem Fall kam es vor, dass sie nicht nur Zinnen, sondern auch einen Wehrgang hatte. Öfters jedoch war sie horizontal abgeschlossen, enthielt einfache Brustwehren und wurde nicht selten mit niedrigen Türmen verstärkt.

Äußerstes Tor

Am ersten oder äußersten Tor waren manchmal ein oder zwei kleinere Türme zur Verteidigung des Einganges angebracht. Die Tür war außen stark mit Eisen beschlagen und immer mit starken Schlössern und Querbalken versehen, hatte ein Gesichtsloch und ein Schlupftürchen. Über dem ersten Tor oder neben demselben im Inneren der Burg war die Wachtstube des Torwärters, und bei großen Burgen auch der Wachtmannschaft. In der Einfahrt befanden sich steinerne Sitzbänke für die Torwache. Auch wurde da ein Vorrat von Spießen, Kolben und anderen Waffen in Bereitschaft gehalten, um bei einem plötzlichen Überfall die herbeigeeilte Burgwache schnell wehrhaft zu machen.

Das Schlupftürchen an einflügeligen Tortüren befand sich gewöhnlich in deren Mitte am unteren Teil eingesetzt. Ein solches ist noch an der blech- und eisenbeschlagenen Tür des Burgstalles Pragstein bei Mauthausen zu sehen. Dieses Ende des 15. Jahrhunderts erbaute feste Burghaus stand ursprünglich auf einer Felseninsel, war mit dem Land durch eine Zugbrücke verbunden und hatte eine Friesbogenkrönung mit Ecktürmchen, welche leider später weggebrochen wurden. Das Ausfallpförtchen zu der Donauseite hat ebenfalls noch seine eisenbeschlagene Tür.

Eine weitere Beschreibung des Tores und der Zugbrüche wird später bei Schilderung des Hauptburgtores nachfolgen.

Vorsichtsmaßregeln gegen Überrumpelung

Während der Kreuzzüge und nach einem Krieg, wo sich immer viel Gesindel auf dem Land herumtrieb, dann in Zeiten der Fehden und Anarchie, war man sehr misstrauisch und auf die Sicherheit äußerst bedacht. In den Hofräumen der Burg liefen wachsame Hunde herum und für die Nacht waren eigene Wächter bestellt, die vom Kastellan oder einem der Knappen beaufsichtigt wurden. Jeden Morgen sah man vom Torhaus und von der Mauer aus nach, ob jemand sich in der Nähe aufhalte. Wurde niemand bemerkt, so kam der Wächter des äußeren Tores zum Schlupftürchen heraus, um noch einmal außen genau nachzusehen. Hatte die Burg einen Graben mit einer Zugbrücke oder an der Einfassungsmauer flankierende Türme, so wurde jeden Morgen, ehe man die Zugbrücke niederließ, von der Mauer und ihren Türmen nachgesehen, ob sich niemand bei der Brücke oder hinter den Türmen versteckt habe. War ein Wald in der Nähe, so musste er alle Morgen zu Ross und zu Fuß mit Hunden durchsucht werden. Die Meldungen darüber gingen an den Wächter des inneren Tores und von da weiter bis zum Burgherrn.

Der vor der Pforte angekommene Fremde kündigte sich, wenn ein Graben vorhanden und die Zugbrücke aufgezogen war, mittelst Rufen oder durch sein Jagdhorn an.

Konnte er gleich an die Pforte gelangen, was in gesicherten Friedenszeiten auch bei Gräben, da man die Zugbrücke nicht immer aufzog, möglich war, so gebrauchte er den Türklopfer oder schlug an die Schalltafel. Glockenzüge sowohl an Pforten als auch in Zimmern waren dem Mittelalter unbekannt. Die Schalltafeln bestanden aus

Holz, seltener aus Metall, hingen in Ketten an dem Tor und dabei ein Hammer, um sie damit zu schlagen. Diese Schalltafeln wurden auch in den Klöstern gebraucht, um die Mönche zu den verschiedenen Verrichtungen zusammenzurufen. Davon mögen auch die hölzernen Klappen (Ratschen) herstammen, welche beim katholischen Gottesdienst in den letzten Tagen der Karwoche benutzt werden.

Hatte der Torwartel des außen stehenden Fremden Begehr vernommen, wonach er durch ein Lugloch oder von den Zingeln herab fragte, so ließ er ihn ein, aber nur in den ersten Burghof.

Das äußere Tor wurde hinter dem Ankömmling sogleich geschlossen und die Meldung über ihn zu der Hauptburg erstattet, und zwar zunächst durch den Wächter des inneren oder eigentlichen Burgtores. Wollte man jemanden durch das äußere Tor hinauslassen, so wurde das innere Tor hinter ihm zugeschlossen und solange nicht geöffnet, biss das äußere offen war.

Zwinger

Der erste Burghof war jener freie Raum, der zwischen der äußersten Burgmauer und der inneren Burg lag, und Zwinger, Zwingelhof, Zwinghof hieß. Die Zingeln und den Zwinger nannte man zusammen die Vorburg oder Vorhof.

Diese Vorburg wurde, wo die Örtlichkeit es zuließ, seit dem 12. Jahrhundert in Deutschland eingeführt und kam im 13. allgemein vor, war je nach dem Terrain kleiner oder größer, breiter oder schmäler, zog sich wie ein Gürtel oder wie ein zusammenhängendes Außenwerk um die Hauptburg herum, oder nur um einen Teil derselben, und war bei Höhenburgen immer tiefer gelegen als die Hauptburg, welche auf den obersten, isolierten und oft schwer zugänglichen Felsstaffeln lag und den Zwinger völlig übersehen konnte. Da also die Örtlichkeit zunächst über die Form und Ausdehnung der Vorburgen entschied, so waren sie auch unendlich mannigfacher gestaltet als die eigentliche Burg. Zu ihrer Raumgewinnung musste oft in Richtung des Felsenrandes eine Terrassenmauer errichtet, der dadurch gewonnene Raum aufgeschüttet und in der horizontalen Fläche eingeebnet werden, oder man sprengte durch Feuersetzen, worauf die Meißel nachhalfen, einen größeren Raum in den Fels, wozu freilich viel Zeit und Arbeitskraft nötig war.

Da dieser Zwinger ein äußerst schmiegsames Außenwerk war und den Feind hinderte, die Hauptburg unmittelbar anzugreifen, so wurde seine Anwendung nicht nur bei neuen Burgen, sondern auch als Verstärkung älterer Bauten so allgemein, dass man in Deutschland nur höchst selten eine Burg ohne die Spur eines Zwingers findet.

Kleinere Vorburg

Im Zwinger, der gegen die Burg zu keine Zingel hatte, sondern gegen diese Seite offen und von der Burg bloß durch einen Graben oder eine Terrasse getrennt war, befanden sich die Wirtschaftsgebäude, die Pferde-, Hunde- und Falkenställe, Brauhaus, Waschhaus, die Wohnungen des Burggesindes und auch der Fremden, welchen man nicht so viel Vertrauen schenkte, um sie in der Hochburg zu beherbergen. Diese Gebäude waren gewöhnlich an die innere Seite der Umfassung angelehnt. Zuweilen befand sich im Zwinger ein Garten oder Grasplatz, wenigstens eine Linde, und ein Teil des Raumes wurde auch noch zu Reit- und Waffenübungen benutzt. War der Raum beschränkt, so befand sich der Übungsplatz außerhalb der Burg, jedoch in ihrer Nähe.

Größere Vorburg

Bei großen Herrenburgen war der Zwinger in besondere Teile getrennt und hatte infolge dessen mehrfache Ringmauern oder Zingel. Die Verbindung zwischen den einzelnen Abteilungen des Zwingers war durch Tore und Brücken durch in Fels gehauene Wege oder schmale freie Stiege, die man von den Ringmauern und den verschiedenen Befestigungswerken direkt verteidigen, in der Flanke und im Rücken nehmen konnte, und durch hölzerne Treppen oder Leitern hergestellt, welche im Falle der Feindesnot leicht zerstört oder entfernt wurden. Hatte die Burg mehrere Tore, so befanden sich dieselben selten in gerader Richtung hintereinander.

Die mehrfache Abteilung des Zwingers kam indessen nicht häufig vor. Gewöhnlich wurde er bei großen Burgen nur in zwei Teile getrennt.

Viehhof

Den an der äußersten Ringmauer gelegenen Platz richtete man als Vieh- und Wirtschaftshof ein. Es befanden sich daselbst

einige Melkkühe und Ziegen, und dann das kleinere Schlachtvieh, Schafe, Schweine, Gänse, Enten, Hühner, Tauben usw., welche besonders in unruhigen Zeiten zum Behuf der Versorgung der Truppen mit Lebensmitteln und für einen längeren Widerstand nötig waren. Auch werden die Esel genannt, welche als Saumtiere und für das Aufziehen des Wassers aus tiefen Burgbrunnen verwendet wurden.

Der andere der Burg zugewendete, oft eine Staffel höher gelegene Teil des Zwingers war vom Viehhof durch diese Erhöhung oder einen Graben sowie auch durch Ringmauern und Gebäude getrennt und abgeschlossen. Gegen die Hauptburg aber war er alle Zeit offen und von ihr nur durch einen Graben oder eine terrassenartige Erhöhung getrennt. In diesem Zwingerabschnitt wohnte ein Teil der Dienerschaft und Besatzung sowie auch die geringeren und ganz unbekannten Reisenden. Auch wurde hier manches aufbewahrt, was man in der obersten Burg nicht unterbringen konnte. Ferner befanden sich daselbst die Pferdeställe, selbstverständlich wenn die Verbindungswege in den Zwingern gangbar waren. Auch nahm man hier, insofern es der Raum gestattete, die Waffen-, Reit- und Turnierübungen vor. Davon erhielt diese Zwingerabteilung den Namen Reithof.

Pferde wurden in genügender Anzahl gehalten, weil sie für den Krieg, das Turnier, die Jagd und Reise sehr oft nötig waren und für diese Zwecke gut eingeschult sein mussten. Niemand vom Adel, auch vom niedrigsten, wollte zu Fuß fechten. Nur der Dienst zu Pferde wurde als standesmäßig gehalten. Ein Ritter musste wenigstens zwei Knappen um sich haben, und eine gewisse Anzahl Pferde für sie und für sich selbst unterhalten, damit er sogleich, wenn er zum Feldzug aufgeboten wurde, seiner Stellung angemessen erscheinen konnte. Seine Streitrosse waren groß und schwer, gewöhnlich Hengste, weil sie nicht nur den in Eisen gehüllten Herrn, sondern auch die eigene Panzerbedeckung und den schweren Sattel tragen mussten. Man reiste damals nur zu Pferde, Damen wie Herren, und bloß mit eigenen Pferden. Nur ganz vornehme Frauen erschienen auf Reisen schon in Wagen, welche jedoch plump konstruiert waren und nur langsam sich fortbewegen ließen.

Gräben

Die Gräben wurden womöglich vor jeder Umfassungsmauer angebracht, waren stellenweise aufgemauert und hatten oft eine beträchtliche Tiefe und Breite. Sie waren, wenn die Burg in der Ebene lag, mit Wasser gefüllt, Höhenburgen hatten trockene, oft in Felsen gehauene Gräben. Dieselben müssen eine ungeheuere Arbeit gekostet haben, weil man damals die Felsen bloß durch menschliche Gewalt und ohne Sprengpulver voneinander löste. Übrigens hat man hier die Steine gewonnen, welche man zum Burgbau brauchte. So wurde aus einem Steinbruch ein Burggraben. Bisweilen aber hatte eine Felsenburg gar keine Gräben, denn häufig vertrat der Fels, welcher sich schroff zum Abgrund oder in einen vorbeirauschenden Fluss hinabstürzte, die Stelle des Grabens.

Im Graben hegte man verschiedenes Wild: Rehe, Hirsche, Wölfe, Bären und andere Raubtiere, Letztere auch deshalb, um das aus allerlei Ursachen beabsichtigte nächtliche Einschleichen in die Burg zu erschweren.

Garten in der Burg

Zuweilen wurde der Graben auch als Grasplatz und vielleicht als Gemüsegarten benutzt. Kleinere Gärten kamen, wie bereits erwähnt worden ist, in den Vorburgen vor. Sie gewährten den Nutzen, dass die Damen darin in gefährlichen Zeiten ihre Spaziergänge in Sicherheit machen konnten. Jene Gärten, in welchen Küchen- und Heilkräuter gezogen wurden, hießen Wurzgärten zum Unterschied zu den Baum-, Gemüse- und Blumengärten.

Garten außerhalb der Burg

Die Lust an den Freuden des Frühlings, an der warmen Sommerzeit, am frischen, grünen Wald und den Blumen durchdringt das ganze Privatleben des Mittelalters. Darum hatte jede Burg, wenn ihr Raum zu beschränkt war, außerhalb der Ringmauer ihren Baumgarten. Derselbe lag zum Teil auf linden Anhöhen im Schatten hoher Bäume, war mit zahlreichen Blumen geziert und hatte auf freier Fläche sanfte Rasendecken, Lusthäuser, Lauben, durchrieselnde Bäche oder kühle Quellen und Wasserbecken mit Rosenwänden umgeben. Hierher flüchtete man sich aus den dicken, dumpfen Mauern und aus der Umspannung der Gräben zur Lust und Unterhaltung in freier Luft. Man spielte Schach in der Rosenlaube und an der Quelle, lagerte im Grünen, um der Musik oder dem Vortrag der Lieder und den Erzählungen zuzuhören. Man plauderte hier zu zweien gesellt oder in Gruppen vereinigt. Man tanzte im Schatten der Bäume auf grünem Rasen. Hier spielte man Blindekuh, schlug den Ball und warf den Ring. Die Spiele wurden oft mit Gesang und allerlei Scherz begleitet, und die Damen wetteiferten darin mit den Männern. Herren und Damen gingen spazieren, pflückten Blumen, lagerten sich wieder, wanden duftige Kränze und setzten sich dieselben gegenseitig auf das Haupt. Diese Schilderung ist nicht übertrieben. Das Mittelalter war in seiner Häuslichkeit nicht so indolent und des feineren Geschmackes bar, als man es sich so häufig denkt.

Während der Kreuzzüge waren Obstarten, Rebsorten, Blumen und die Kunst und Lust, schöne Gärten anzulegen, mit den rückkehrenden Kriegern und Pilgern ins Abendland gekommen. Die Überlieferungen des Mittelalters aller Art sind voll poetischer Beschreibungen der Gärten und wir haben Dichterstellen genug, welche uns das fröhliche Treiben im Garten schildern. Ebenso haben wir noch auf Miniaturen oder gewirkten und gestickten Teppichen bildliche Darstellungen, welche uns von den Gärten, ihren Lusthäusern, Blumenbeeten, Springbrunnen und Lauben eine Vorstellung geben.

Wie umfangreich diese außerhalb der Burg gelegenen Gärten waren, ergibt sich daraus, dass darin zuweilen große Feste gefeiert und reich geschmückte Pavillons errichtet und bunte Zelte aufgeschlagen wurden, wenn man alle Gäste in der Burg nicht unterbringen konnte.

Reit- und Turnierplatz

In der Nähe des Gartens befand sich der Platz für die Reit- und Turnierübungen, wenn dafür in der Vorburg kein genügender Raum war. Hier unterhielt man sich auch mit ritterlichen Vergnügungen. Man warf die Lanze, schleuderte den Stein, schoss mit Bogen und Armbrust, sprang nach dem Ziel, rang und focht und ließ Falken und andere Stoßvögel steigen. Manchmal hielt man auch ein kurzes Turnier. Bei all diesem waren die Damen die Zuschauer.

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