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Romantruhe-Western Band 4

Alfred Wallon
Romantruhe-Western Band 4
Revolver-Rache

Western, Paperback, Romantruhe, Kerpen-Türnich, Juli 2016, 72 Seiten, 4,95 Euro, Titelbild: Firuz Askin
www.romantruhe.de

Kurzinhalt:
Seit zwei Jahren verfolgt Steve Ellis die Fährte von Max Colburn und Dave Blair. Sie haben die Bank in Pagosa Springs ausgeraubt. Steves jüngerer Bruder war mit dabei, aber seine Kumpane haben es ihm nicht gedankt. Stattdessen erschossen sie ihn und machten sich anschließend aus dem Staub. Seitdem hat ihnen Steve Rache geschworen.

In Hays City findet Steve endlich wieder einen Hinweis, der nach Billings in Montana führt. Dort betreiben zwei der einstigen Bankräuber unter falschem Namen ein Frachtunternehmen und wollen einen lästigen Konkurrenten mit üblen Methoden aus dem Weg räumen. Sie haben jedoch nicht damit gerechnet, dass sich Steve Ellis in dieses Spiel einmischt, denn er will Patricia Thompson und ihrer Frachtlinie helfen. Noch wissen die damaligen Bankräuber nicht, dass der Mann, der sich Steve Hunter nennt, ganz persönliche Gründe hat. Und als sie es erfahren, hat der Kampf bereits begonnen …

Leseprobe

Als Max Colburn meinen Bruder Johnny erschoss, war ich gerade mal 28 Jahre alt. Es waren schreckliche Stunden, die ich damals durchmachen muss­te, und sie haben mich einen verhängnisvollen Weg einschlagen lassen, an dessen Ende ich fast beinahe selbst umgekommen wäre.

Mein Bruder und ich hatten zusammen auf der Farm unserer Eltern gelebt. Er war der einzige Mensch, den ich noch hatte, denn unsere Eltern waren bei einem Indianerüberfall vor einigen Jahren grausam ums Leben gekommen.

Johnny war mehr als nur ein Bruder für mich – er war groß, stark, selbstständig und ziemlich mutig. Er besaß all das, was einen guten Mann ausmachte. Und ich bewunderte ihn sehr dafür.

Er hatte nur einen einzigen Fehler, und genau der brach ihm schließlich das Genick. Er hatte nämlich die falschen Freunde. Solche Typen wie Max Col­burn und Dave Blair brachten ihm schließlich den Tod.

Unsere Farm hatte in den letzten beiden Jahren nicht viel Ertrag abgewor­fen, und Johnny hatte sich Nächte lang den Kopf zerbrochen, wie wir aus dieser Schuldenfalle herauskommen konnten. Die Bank verlangte die Zinsen für die Kredite zurück, aber wir konnten nicht zahlen. Schließlich hatte es nur noch eine Lösung für Johnny gegeben – er schloss sich Max Colburn und Dave Blair an, als diese mit ihren Kumpanen die Bank von Pagosa Springs überfallen wollten.

Ich hatte nichts davon gewusst. Ich erfuhr es erst am nächsten Tag, als She­riff Jameson hinaus zur Farm geritten kam und mir mit steinerner Miene ver­kündete, dass es einen Banküberfall gegeben habe und Johnny dabei ums Leben gekommen sei. Mehr sagte der Sternträger nicht. Erst nach und nach fand ich heraus, was wirklich geschehen war, und das löste einen unbändigen Hass in mir aus. Auf die Kerle, wegen denen Johnny hatte sterben müssen.

Colburn, Blair und die anderen Hundesöhne hatten Johnny einfach kaltblü­tig niedergeschossen. Er war ihnen wohl lästig geworden. Sie hatten ihn nur gebraucht, damit er ihnen bei der Flucht aus der Stadt den Rücken deckte – und dann wollten sie ihn rasch loswerden.

Ich zerbrach fast, als ich vor meinem toten Bruder stand und ihn dann mit zurück zur Farm nahm. Und ich spürte die Blicke der Menschen von Pagosa Springs, die natürlich alle wussten, dass Johnny zu den Bankräubern gehört hatte. Dieser Hass richtete sich jetzt auch gegen mich.

An diesem Morgen änderte sich mein Leben von einer Minute zur anderen. Ich wusste, dass ich nicht länger hierbleiben konnte, denn für die Menschen in diesem County würde ich für den Rest meines Lebens der Bruder eines Outlaws sein. Nein, damit konnte und wollte ich mich nicht abfinden. Ich wollte stattdessen die Mörder meines Bruders finden und sie alle zur Strecke bringen.

Egal, wie lange das dauern mochte.

Ich begrub Johnny und schwor an seinem Grab, dass sein Tod nicht unge­sühnt bleiben würde. Anschließend regelte ich noch einige Dinge mit der Bank und war froh darüber, dass man mir einen guten Preis für die Farm bot. Denn ich wusste, dass ich nicht mehr hier bleiben konnte. Das war nicht mehr meine Heimat.

Zwei Tage später verließ ich nach Sonnenaufgang die Farm. Ich wusste nicht, wohin ich reiten sollte – aber ich war fest entschlossen, nach Colburn und Blair zu suchen. Ihre Gesichter gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Genauso wenig wie die ihrer Kumpane. Und wenn es zwanzig Jahre dauern sollte – ich würde nicht aufgeben, bis ich sie alle zur Strecke gebracht hatte!

 

***

 

Zwei Jahre später sorgte der Zufall für eine schicksalhafte Begegnung in Hays City. Aber davon ahnte ich noch nichts, als mich an diesem Abend die Spielleidenschaft packte und ich mich auf den Weg zum Trailsmen Saloon machte.

Draußen regnete es in Strömen. Ein Gewitter war im Anzug, und die Re­gentropfen klatschten heftig gegen die Fensterscheiben. Ein Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagte.

Die Schwingtüren des Saloons flogen auf, und zwei Männer torkelten ins Freie. Sie beschimpften sich und schlugen aufeinander ein. Ich trat rasch ei­nen Schritt zur Seite, weil ich keine Lust hatte, in diesen Streit mit hineinge­zogen zu werden.

Die Männer standen jetzt bis zu den Knöcheln im aufgeweichten Schlamm der Straße. Der Größere von beiden drosch jetzt mit seiner kräftigen Faust so schnell hintereinander auf den Gegner ein, dass dieser sich nur noch schlecht wehren konnte. Er brach in die Knie, und das reichte für den anderen aus, um noch einmal nachzusetzen.

Mittlerweile waren auch einige Neugierige ins Freie gekommen, die diese Schlägerei beobachteten und die beiden Kampfhähne laut anfeuerten. Ich schüttelte nur den Kopf über soviel Dummheit und betrat rasch den Saloon. Hinter mir johlten die Zuschauer, als der Kampf seinen Höhepunkt erreichte. Aber das interessierte mich nicht. Von mir aus konnten sie sich gegenseitig die Schädel einschlagen – Hauptsache, ich war endlich an einem trockenen Flecken und konnte wenigstens für ein paar Stunden die Strapazen der letz­ten Tage vergessen.

Ich war knapp bei Kasse und brauchte dringend wieder etwas Bargeld. Denn in den letzten Wochen und Monaten hatte ich mich zu sehr treiben las­sen, war nirgendwo länger als ein paar Tage geblieben. Und die Jobs, die ich notgedrungen hatte annehmen müssen, um mich über Wasser zu halten, wa­ren auch nicht gerade gut bezahlt gewesen. Zuletzt hatte ich als Frachtwagen­fahrer für ein Fuhrunternehmen gearbeitet. Ein Knochenjob, der auch nicht gut bezahlt worden war. Aber ich durfte nicht wählerisch sein, denn die Zei­len waren hart.

Noch immer war ich auf der Suche nach den Gespenstern aus meiner Ver­gangenheit – auch wenn Johnny schon zwei Jahre tot war. Aber ich hatte einen Schwur an seinem Grab geleistet und ihm etwas versprochen. Und die­ses Versprechen wollte ich halten. Auch wenn es Jahre dauerte, bis ich es einlöste.

»Wo kann man hier ein gutes Spiel machen?«, fragte ich den Barkeeper, nachdem ich mir einen Weg zur Theke gebahnt hatte.

»Dort hinten«, erwiderte der Mann grinsend und wies mit dem Daumen auf die betreffende Tür. Augenblicke später trat ich ein und nickte den Gentle­men am Tisch freundlich zu. Weitere Worte waren unnötig, denn jeder, der hier hereinkam, hatte nur einen Wunsch – nämlich eine Pokerpartie zu spie­len.

Veröffentlichung der Leseprobe mit freundlicher Genehmigung der Romantruhe