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Paraforce Band 38

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Die sechs schlafenden Jungfrauen 15

Die sechs schlafenden Jungfrauen oder: Der schreckliche Zweikampf
Eine furchtbare Ritter- und Geistergeschichte von Wilhelm Bauberger erzählt
Kapitel 15
Des Ritters Tugendlohn

Während Ritter Alfred von Steinkopf die Erlösung des Geistes vollführte, hatte der wackere Bligger unterdessen bei Urach zugesprochen. Da Alfred ihn bereits früher in das Geheimnis seiner Liebe zu Adelgunde eingeweiht hatte, derselben die Freudenbotschaft von der Ankunft ihres ersehnten Lieblings gebracht. Urachs Hass war längst gebrochen. Er hatte sich überzeugt, dass Alfred ein Ritter von echter Sitte, und ein viel wünschenswerterer Gemahl für seine Adelgunde sei, als jener lockere Graf von Sondershausen, der sein Hab und Gut auf die leichtfertige Weise verprasste.

Daher war es denn nicht nur ein Leichtes, Urachs Einwilligung in Adelgundes Verbindung mit Alfred zu erwirken, sondern der greise Ritter von Heckeburg fand selbst einen geheimen Wunsch seines Herzens dadurch erfüllt, dass er seine Tochter mit vollem Recht dem geben konnte, den er früher als Todfeind gehasst, und somit auch in Betreff der Aussöhnung den Anforderungen der christlichen Religion gemäß, deren Lehren der vormals ungestüme Ritter in späteren Tagen mehr befolgen lernte, vollkommen Genüge leisten konnte.

Adelgunde fühlte sich von himmlischem Entzücken durchströmt, als auf Bliggers Wunsch Ritter Urach mit seiner Tochter ihm auf die Schwefelburg zu folgen beschloss, um Alfred dortselbst zu überraschen. Als sie dort angelangt kamen, war Ritter Alfred, der den Zug bereits vom Burgfenster aus schon in der Ferne erblickte, dem Burgtor zugeeilt und stand schon begrüßend am geöffneten Tor, das die Ankömmlinge bereits erreicht hatten. Urach sprang eiligst vom Ross und reichte ihm von Weitem die Hand.

»Friede sei unter uns«, rief er aus, »zu lange habe ich Euch verkannt. Ich weiß, wie ich das von mir Euch zugefügte Unrecht wieder gut machen kann.«

Und er führte ihn Adelgunde entgegen, die vor seliger Rührung sprachlos in seine Arme sank.

»Noch heute lasst uns durch den Segen der Kirche zusammen auf ewig verbunden werden«, rief Alfred in seliger Entzückung, und schickte im Einverständnis Urachs einen Boten in das nächste Kloster.

Am Nachmittag desselben Tages wurde das glücklichste Paar, das je getraut worden, vor Gottes Altar zum ewigen Bund eingesegnet. Nichts störte den Jubel des schönen freudigen Festes, welches auf die kirchliche Feier folgte, und an dem alle Schlossbewohner und Angehörigen des Ritters Alfred von Steinkopf innigsten Anteil nahmen. Die Neuvermählten hatten einander so vieles zu erzählen, so viel mitzuteilen, was sie gesehen und gelitten, dass sie Auge und Ohr für die Umgebung verloren zu haben schienen.

Einige Tage später begleitete Alfred mit seiner lieblichen jungen Gattin den greisen Vater auf die Heckeburg zurück. Als sie zurückkehrend an dem traulichen Wäldchen vorüberkamen, wo ihre Herzen einst sich gegenseitig erschlossen hatten, da stiegen sie von den Pferden und ließen sich nieder an der blumigen Stelle, wo sie vordem in seliger Liebe oftmals gesessen.

Und Alfred drückte seine junge Gattin voller Inbrunst an sein Herz und dankte mit Freudentränen dem Vater über den Wolken thronend, der beider Geschick liebend gelenkt und sie jetzt glücklich vereinigt hatte.

Noch in späteren Lebenslagen suchten sie das geweihte Plätzchen ihres ersten Liebesschwures auf und fanden in der Erinnerung an jene entschwundene Seligkeit Trost in manchem Ungemach und neuen Mut, die unausbleiblichen Mühsale des menschlichen Lebens treu vereint mit Ruhe und gegenseitiger Aufopferung zu ertragen. Der alte Urach freute sich noch lange des Glückes seiner Kinder und Enkel. Der letzte Spross der Herren von Schwefelburg, welche längst vorher den Stürmen der Jahrhunderte zum Opfer gefallen war, fiel im Dreißigjährigen Krieg als Offizier in kaiserlichen Diensten.

Was aber ist aus der stillen Ida geworden? Nachdem sie lange genug in Trauer um die verstorbene Freundin dahingelebt hatte, gab sie der Werbung des tapferen Bligger Gehör, der sie als sein geliebtes Eheweib auf die Hausburg heimführte, und auch nie Veranlassung hatte, diesen Schritt jemals zu bereuen. Elfriede aber, der Gräfin von Sondershausen, welche vergebens an Alfred ihre Rache zu üben versucht hatte, war es nicht mehr vergönnt, die teure Heimat wiederzusehen. Alles, was man von ihrem Ende durch Gerüchte vernahm, bezog sich darauf, dass sie in dem verzweifelten Entschluss, den von ihr tödlich gehassten Ritter Alfred von Steinkopf selbst bis über das Meer zu verfolgen und sich in Neapel einschiffte, aber bei einem heftigen Sturm umgekommen sei.

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