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Wie viel Unsinn ist in einer Story erlaubt?

Wie viel Unsinn ist in einer Story erlaubt?

Heute gehe ich einer Frage nach, die sicherlich schon einige Leser und auch Autoren beschäftigt hat. Wie viel Unsinn ist in einer Story erlaubt, wenn eine Geschichte oder ein Roman der Fantasie des Autors entspringt?

Darf er jede Realität über Bord werfen, nur weil es eine fiktive Geschichte ist?

Oder ist es wichtig, die Realität, soweit es geht, zu achten und nur in den entscheidenden Punkten ins Fantastische abzugleiten?

Ich beginne mit Die Mordfalter, eine Folge der Larry Brent-Serie.

Wie ich schon häufiger schrieb, war diese Serie lange prägend für mich, Dan Shocker ein Vorbild. Ohne ihn und seine Romane hätte ich vielleicht nie begonnen, selbst Horror-Romane zu schreiben.

Vieles, was damals geschrieben wurde, wirkt heute natürlich veraltet oder ist gar obsolet. Würde Dan Shocker die Romane heute schreiben, da bin ich mir sicher, würde manches anders klingen.

In besagtem Roman jedenfalls geht es darum, dass Falter den Menschen durch hauchdünne Stachel das Rückenmark aussaugen, ohne dass diese es merken.

Damals sorgte dies für Grusel, heute könnte man das keinem Leser anbieten; allein schon, weil man solche Dinge heute in TV-Serien aller Art sieht.

Nun hat Shocker seine Romane geschrieben, als die Menschen die Wahl zwischen ARD, ZDF und dem Dritten hatten. Nehmen wir darum ein modernes Beispiel – The Dead Zone, eine kostenfrei erhältliche »inszenierte Lesung«. Und dessen erste Folge strotzt nur so von … Absonderlichkeiten.

Ich zitiere einen Teil der Beschreibung:

Irgendwo in Afrika wird in einem geheimen Labor ein aggressiver Virus herangezüchtet, der die Hungersnot in der Dritten Welt bekämpfen soll.

Die Idee dahinter, dass der Virus das Hungergefühl unterdrückt und die Menschen somit vor einem langsamen qualvollen Tod bewahrt, stößt zunächst weltweit auf positive Resonanz.

Man erhofft sich dadurch genügend Zeit zu gewinnen, um Vorkehrungen zu treffen, den in den Krisengebieten lebenden Menschen beim Aufbau lebenswichtiger Ressourcen zu helfen.

Als der Virus jedoch in die Testphase geht, geschieht etwas Unvorhergesehenes. Er mutiert, verändert die DNA der Betroffenen und verwandelt die Menschen in fleischfressende Bestien.

Innerhalb einer kurzen Zeitspanne breitet sich die gefährliche Infektion auf der gesamten Welt aus.

Doch damit nicht genug.

Der Virus mutiert immer weiter. Er ist darüber hinaus imstande, totes Gewebe zu reanimieren, und macht sogar vor der Tierwelt nicht Halt.

Da haben wir den Salat.

Die gute Idee, das Hungergefühl der Menschen zu unterdrücken, damit diese nicht mehr verhungern, schlägt fehl und das eingesetzte Virus verändert am Ende gar die DNS des Menschen, sodass dieser zu einem Zombie wird. Ja, ja, der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert!

Schauen wir uns das einmal an.

Menschen soll also per Virus das Hungerfühl genommen werden, damit sie nicht verhungern.

Das ist – gelinde gesagt – Unsinn!

Die Menschen in Afrika sterben nicht am Hungergefühl, sondern an massiven Mangelerscheinungen. Angefangen von Vitaminen und Spurenelementen bis hin zu den unabdingbaren Nahrungsbestandteilen Fett, Eiweiß und Kohlehydrate fehlt diesen Menschen alles. Das führt zu Erkrankungen, das Immunsystem bricht zusammen und der Körper beginnt, sich selbst zu verzehren. Eiweiß wird aus den Muskeln abgebaut – am Ende sogar aus dem Herzmuskel. Selbst wenn man den Menschen also das Hungergefühl nehmen würde – was man heute schon einigermaßen durch Serotoningabe kann –, würden sie dennoch sterben.

Auch die Sache mit der DNS ist eher … unwahrscheinlich. Die Gene eines Menschen zu ändern ist hoch komplex. Natürlich kann ein Virus die Zelle angreifen und deren DNS so verändern, dass es Viren produziert. Aber das dürfte hier nicht gemeint sein.

Zumal dieser Vorgang LEBENDE Zellen voraussetzt – das Virus muss in den Körper gelangen. Das ist bei Toten jedoch nicht mehr möglich. Leichen produzieren keine DNS, die ein Erreger verändern könnte.

Aber gut …

Die Story selbst besteht überwiegend aus Radio-Durchsagen und den Reaktionen des Protagonisten dieser Folge auf diese Durchsagen.

Auch hier hätte der Autor ein wenig besser recherchieren sollen. Da die Handlung in den USA angesiedelt ist, sagt der Sprecher, dass der Präsident evakuiert worden sei – und beschwert sich, dass sich das Staatsoberhaupt aus dem Staub machen würde.

Das ist Quatsch!

Natürlich wird die Regierung in Sicherheit gebracht; im Falle einer Krise besteigen der Präsident und die erreichbaren Regierungsvertreter die Air Force One und werden an einen sicheren Ort gebracht, denn auch in Krisenzeiten muss jemand die Kontrolle behalten. Es würde niemandem nützen, hätten sie einen Zombie-Präsidenten. (Nein, das war nun keine Anspielung auf Obama! Obwohl … Wenn ich darüber nachdenke … 😉 )

Ein Beispiel für ein solches Vorgehen ist der 11. September 2001 – als klar wurde, dass weitere Anschläge möglich sind, stieg Bush in die Air Force One und diese hob ab, eskortiert von Kampfjets.

Abgesehen davon, dass solch ein Vorgehen richtig und normal ist, kommt gerade in den USA noch etwas hinzu – in Krisenzeiten schalten sie den Patriotismus-Turbo ein. Die Menschen, und wenn sie sich eine Minute zuvor noch wie räudige Straßenköter gebalgt haben, halten zusammen und arbeiten daran, die Krise zu überstehen. Kein Sprecher würde in diesem Moment auch nur ein schlechtes Wort über den Präsidenten sagen.

Was alles sagt uns das?

Kann man sagen: „Nun ja, es gibt ja auch keine Zombies, also kann auch alles andere Unsinn sein? Scheiß auf Körperfunktionen und Logik, denn mit den Zombies ist der Autor schon so weit außerhalb jeder Logik, dass es darauf nicht mehr ankommt?

Ich denke: NEIN!

Natürlich kann niemand voraussetzen, dass ein Autor in jedem Gebiet, über das er schreibt, bewandert ist.

Das bin ich auch nicht!

Meiner Meinung nach gilt aber hier die Regel: Man muss nicht alles wissen, aber man muss wissen, wo alles steht!

In Zeiten von Internet und Social Media ist es einfach, Fakten zu recherchieren. Man braucht ein paar Minuten, nicht mehr.

Eine Story wirkt in meinen Augen sehr viel mehr, wenn man sich eng an die Realität hält und nur dort davon abweicht, wo es unerlässlich ist (gewisse Genres wie High Fantasy einmal ausgeschlossen, diese müssen nur innerhalb ihrer Welt logisch sein).

Setzt man mir hingegen eine Geschichte vor, die bereits in den Ansätzen jeder Logik entbehrt, ist dies im besten Falle amüsant, im schlechtesten Fall ärgerlich. Denn dann denke ich, dass der Autor keine Lust hatte, seine Arbeit ordentlich zu erledigen.

Aber dies ist meine Meinung. Die Debatte ist eröffnet – wie sehen es unsere Besucher?

Zustimmung?

Widerworte?

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(ga)

22 Antworten auf Wie viel Unsinn ist in einer Story erlaubt?

  • Max sagt:

    Ich meine, dass Romane (genauso wie Filme) eine bestimmte Realität schaffen, in der nun einmal Dinge möglich sind, die in unserer Realität nicht stimmen – ganz unabhängig vom Genre. Das ist eigentlich kein Problem, so lange wie die Ereignisse innerhalb der vorgegebenen Realität schlüssig sind. Würden sich Autoren nur auf wissenschaftliche Fakten beziehen und diese gelegentlich nicht für ihren Zweck verändern, dann wäre Literatur (als auch Film) ziemlich langweilig. Und wenn ich mich mit den Fakten auseinandersetzen möchte, kann ich noch immer ein Sachbuch lesen.

  • Paule sagt:

    Gunter, du tendierst zum Dogmatismus; haha – Ha! Guter Aprilscherz.

  • Gunter Arentzen sagt:

    Ich glaube nicht, dass ich dogmatisch werde.
    Ich habe nichts dagegen, wenn Autoren von der Realität abweichen. Mehr, als notwendig, meine ich. Nur muss man dem Leser dann schon früh klarmachen – und dafür gibt es ja verschiedene Werkzeuge – dass dies eben eine alternative Realität ist.
    Laurell K. Hamilton zum Beispiel schafft dies wunderbar – sie versetzt den Leser in ein alternatives Amerika, in der Vampire, Werwölfe etc. eben zum Leben gehören. Und das ist nur ein Beispiel – es gibt unzählige andere.
    NUr weiß der Leser eben sehr schnell, dass es eine alternative Realität ist. Und in einer solchen kann sich der Autor austoben.
    Verzichtet der Autor jedoch auf eine alternative Realität, siedelt er also seine Story in unserer bekannten Welt an, dann ist es imho wichtig, dass er auch diese Realität widerspiegelt und nur nur da von ihr abweicht, wo es die Story verlangt. Der Leser fühlt sich in unserer Realität zu Hause. Sie ist nicht fremd für ihn, sie muss nicht erkundet und erfahren werden wie eine alternative Realität. In meinen Augen stört es, wenn sich diese bekannte Realität nicht mit jener deckt, die dort draußen vor dem Fenster zu finden ist.
    Wenn ein Autor eine Story in “unserem” Amerika ansetzt, dann erwarte ich, dass es auch “unser” Amerika ist – und sich die Menschen dort verhalten, wie man es kennt. Wenn sich jemand die Recherche ersparen will, soll er eben eine alternative Realität erschaffen.
    Was in keiner Welt, ob alternativ oder real geht, sind Dinge, die dem gesunden Menschenverstand widersprechen. Man muss kein Fachbuch lesen um zu wissen, dass Falter einem Menschen nicht unbemerkt das Rückenmark aussaugen können. Auch jener, der sich nur berieseln lassen will und sein Gehirn am Anfang des Buchs abschaltet – was für einen Roman imho nie eine gute Idee ist – wird hier eine Braue heben.
    Ebenso wird sich jeder sagen, dass sich ein Virus, das in Afrika entspringt, erst in den Städten mit großen Flughäfen ankommt, ehe es die ländliche Bevölkerung erreicht. Das haben wir erlebt, als Ebola ein Thema war. Das hat nichts mit wissenschaftlichen Fakten zu tun, das ist pure, einfache Logik. Ohne sie funktioniert eine Story nicht, denn wer nur ein wenig denkt, wird sich fragen, wie das sein kann!
    Daher kann ich auch den Einwand von Max nicht gelten lassen. Selbst wenn man sich nur berieseln lassen will, müssen doch grundlegende logische Überlegungen funktionieren. Und wenn man davon abweicht, muss man es zumindest erklären, warum das so ist! Natürlich kann man wissenschaftliche Fakten für einem Roman abändern. Aber auch dann muss das Umfeld logisch bleiben – in unserer Welt müssen dennoch die Rahmenbedingungen stimmen, damit die Fiktion wirken kann. Oder man schafft seine eigene Realität, in der am Ende dennoch die reine Logik stimmen muss. Selbst wenn ich eine mittelalterliche Fantasy-Welt erschaffe, wird eine Seuche dort erst die Städte mit Häfen befallen, ehe sie die Menschen im Hinterland erreicht. Möchte man auch davon abweichen, muss man es erklären. Sonst wird jeder, der das Buch mit wachem Geist liest, den Kopf schütteln.

    • Max sagt:

      Die Frage ist aber, was “Unser Amerika” ist. Das, was du aus den Medien oder Filmen kennst, oder die sozialhistorische Wirklichkeit. Ganz egal, ob Doku oder Film oder Bericht in Textform, alles sind soziale Konstruktionen, die von dieser Wirklichkeit abweichen (können).

  • Paule sagt:

    Meine weitverteilten amerikanischen Freunde zeichnen ein sehr anderes „unser Amerika“ als die Medien „dieser Welt“. Wenn Krawalle in der Hauptstadt sind werde ich gefragt: Wie geht es dir, lebst du noch? Wir hören und sehen ja schlimmes. Ehrlich – ich weiß meistens gar nix – und worum geht’s? Slatermans letzter Roman war klasse gut und schön fiktiv. Einige Paraforce Romane schweifen so ab: ein Fingerschnppen und alles ist im Lot. Da gebe ich Gunter recht! Ich hol mir jetzt eine neue Schatzjägerin und lese.

  • Gunter Arentzen sagt:

    “Unser Amerika” – also das Amerika in unserer Welt – besteht aus Dingen, die man recherchieren kann. Dinge, die man nachlesen kann. Etwa, wer im Falle, dass der Präsident und auch der Vize nicht mehr amtsfähig oder verschwunden sind, das Land regiert (Timetraveller – Nano-Tod).
    Natürlich erwarte ich nicht, dass jeder ein intimer Kenner fremder Kulturen ist, aber das grobe Bild und in ihm die Logik müssen stimmen.
    Nehmen wir – wie Paule – die Schatzjägerin. Ich schreibe darin über fremde Länder und recherchiere deren Geschichte, die aktuelle Regierungsform, Unruhen in der Zeit, in der die Handlung spielt. Geht es um Mythologie oder geschichtliche Hintergründe, dann stimmen sie bis zu dem Punkt, an denen ich abweichen muss.
    In Band 2 kann Jaqueline aus einem Foltergefängnis in Libyen fliehen, da ein Aufstand ausbricht und das Gefängnis gestürmt wird. Sowohl das Gefängnis als auch die Folter und der Aufstand zur Zeit der Handlung stimmen und wurden von verschiedenen Quellen übernommen.
    Ich bin kein Kenner Libyens, aber das Internet macht es einem leicht, Grundlegendes über ein Land zu recherchieren.
    Ich denke, die Zeiten, in denen ein Karl May fröhlich vor sich hin erzählt, weil ohnehin kaum einer weiß, von was er da schreibt, sind vorbei. Das funktioniert heute nicht mehr. Autoren haben – sofern sie eine Story in “unserer Welt” ansiedeln, die Pflicht, Grundlegendes zu recherchieren.

    • w. Brandt sagt:

      So sehe ich das auch, Gunter. Wie verklärt wurde und wird uns zum Beispiel im Westerngenre vorgegaukelt, wie es im Wilden Westen angeblich war. Taucht man tiefer in die Materie ein, sieht man sich von dem enttäuscht, was man Tage zuvor noch gelesen hatte. Vorbei ist die schöne Heldenwelt, wie er 1945 mit den GIs nach Europa kam. Vielleicht tragen solche Dinge, wie zum Beispiel Die Prärien des amerikanischen Westens oder andere Artikel hier auf dem Geisterspiegel, etwas dazu bei, unseren Usern den Wilden Westen so zu zeigen, wie er war.
      Montana und Slaterman mit ihren Westernstorys zeigen uns, das es geht und man durchaus angestaubte Klischees durcheinanderwirbeln und auffrischen kann, ohne dabei auf uralte Storys und Schwaz-Weiß-Filme zurückgreifen zu müssen.

      • Paule sagt:

        Wolfgang, du hast da noch die „vergessenen Werke“ aus der der Vor-Karl-MAY-Aera.

  • Gerhard Schäffer sagt:

    Gerade eine Heftromanbesprechung gelesen in einem SciFi Forum.
    Ich weiß schon, warum ich lieber alten Unsinn lese oder mir auf CD anhöre, als den neuen.
    .
    Gegen Unsinn, wenn er gut gemacht ist und der Autor, seinen Unsinn, nicht so ernst meint, wäre überhaupt nichts zu sagen, ganz im Gegenteil, Heftromanserien leiden ja gerade darunter, daß man sich nicht traut Unsinn zu schreiben, weil der Autor um seinen “guten Ruf” fürchtet. Stattdessen möchte man lieber “Realitätsnah” und “Problembewußt” schreiben, was dann allerdings oftmals auch in die Hose geht

  • Man müsste Unsinn definieren. Im SCIENCE FICTION BEREICH können wir uns in anderen Dimensioen bewegen. Dort kann die Physik anders verlaufen. Schließlich muss gerade dieser Bereich immer wieder in seinen Erkenntnissen neu gerichtet werden. Ehrlich- mit Zombies und Dämonen ( John Sinclair ) kann ich nichts anfangen.
    Fantasy ist wieder ein ganz anderer Bereich – da kann man fabulieren.
    Im Mystik-Krimi finde ich, sollte man etwas bodenständiger bleiben. Die Wissenschaft mit einbeziehen. Ich persönlich finde es spannend, wenn “normale” Menschen in irgend etwas Unerklärliches hineinrutschen. Nach dem Motto: WAS WÄRE WENN?
    In erster Linie sollen Romane unterhalten und da sind dann die Grenzen fließend.
    Völlige Unlogik sollte vermieden werden.
    Mit schlechtem Niveau machen wir uns die Stories selber kaputt. Ansonsten…Geschmacksache
    Francis / Mitglied der NRW Autoren SCHWARZE LETTERN)

  • Gunter Arentzen sagt:

    Hallo,
    @ Gerhard Schäffer: Ich habe nun ja eine sehr lange Zeit John Sinclair gelesen. Und auch Jason Dark war durchaus bestrebt, die Rahmenhandlung realistisch zu gestalten. Das ländliche England, London, oder – wenn er einen Roman in Deutschland ansiedelte – die Städte dort. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie man es machen sollte.
    Das hat auch wenig mit dem “guten Ruf!” zu tun. Es hat einfach damit zu tun, dass man seine Arbeit richtig macht.
    Und – wenn ein Autor seine Hausaufgaben macht, hat das absolut nichts damit zu tun, dass der Roman nicht unterhalten würde oder dass er dann zu “sachlich” daher käme.
    Nehmen wir mal mein Beispiel aus dem Artikel. Der Radiosprecher beschwert sich darüber, dass der Präsident in Sicherheit gebracht wurde. Das ist, wie ich schrieb, völliger Unsinn. Wäre es weniger unterhaltsam oder spannend gewesen, hätte der Sprecher gesagt: “Die Situation ist bereits so ernst, dass sowohl der Präsident als auch der Vize-Präsident und das Kabinett die Air Foce One bestiegen und Washington verlassen haben!”?
    Meiner Meinung nach nicht – im Gegenteil. Es hätte zum Drama addiert. So haben wir einen Sprecher, der die Zombie-Apokalypse verkündet – und sich darüber beschwert, dass der Präsident in Sicherheit gebracht wurde.
    Korrekt zu recherchieren ist die Aufgabe des Autors, nicht des Lesers. Und es ist die Aufgabe des Autors, die gefundenen Fakten unterhaltsam umzusetzen – Fakten sind doch nicht weniger unterhaltsam als Unsinn!
    Nehmen wir nun das Beispiel mit der Viren-Ausbreitung. Ist es wirklich spannender, wenn der Erreger erst in den ländlichen Gegenden die Runde macht? Wäre es nicht schrecklicher, ein Bild von einem von Zombies überrannten Los Angeles oder Chicago zu zeichnen als von einer Gegend mit drei, vier Bauernhöfen? Es doch spannender, wenn man schreibt, wie die Städte im Chaos versinken und sich die Landbevölkerung vor allen Auswärtigen schützen will, dass es zu Straßensperren, Gewalt etc. kommt?

    • Max sagt:

      Wenn Viren bzw. Zombies eine ländliche Bevölkerung bedrohen, kann dies auch durch eine sehr dicht gestaltete Handlung geschehen, die dann wahrscheinlich sogar spannender ist als das übliche Großstadtszenario. Siehe als (Film-)Bsp. “Nacht der lebenden Toten”.

      • Gunter Arentzen sagt:

        Ja, aber darum geht es nicht. Bitte lies, WAS ich daran beanstande! Es geht nicht um das generelle Setting, sondern um den Weg, den das Virus von Afrika aus nimmt. Wir haben es ja nun bei Ebola mehrfach gehört – Städte mit Flughäfen sind zuerst gefährdet.
        Ich lasse meinen Zombie-Roman “Die Türen der Unterwelt” auch in einer Kleinstadt in Maine spielen. Aber dort beginnt die Zombie-Plage nicht in Afrika, sondern in einem abgelegenen Labor in der Nähe.
        Natürlich könnte man auch einen Konstrukt bilden, in dem ein Millionär irgendwo in Texas einen Privatzoo hat und das Virus von einem frisch importierten Affen aus die Landbevölkerung dezimiert. Nur muss man das dem Leser oder Hörer auch erklären.

  • Gerhard Schäffer sagt:

    @ Gunter
    Bei PR ging es desöfteren in die Hose in den letzten Jahren.
    Da wurden ganze Romane mit sowas bestritten, nur weil man Zyklen füllen wollte.
    Ich erinnere mich da an ganz schreckliche Romane, wo erst einmal die Befindlichkeiten von Teenis 20 Seitenlang geschildert wurden, bevor man zum Thema kam. Oder sog. Familienzusammenhaltsromane oder oder…
    Ich höre gerade die alten Silbereditionen, und auch damals war nicht alles Gold was glänzt, nur hat sich damals alles in Grenzen gehalten, während gerade heutzutage Autoren wohl der Ansicht sind, man müsse jeden Pups möglichst realistisch darstellen, aber vielleicht reden wir auch einander vorbei?

    • Paule sagt:

      Bin gerade bei Jerry Cotton 5 aus meinem Geburtsjahr. Alles realistisch erklärt.

    • Gunter Arentzen sagt:

      Offenbar siehst du meinen Punkt nicht, und ja – wir reden aneinander vorbei.
      Gerade bei PR, das ja nun reine SF ist, darf man durchaus völlig von allem abweichen, was heute gültig ist. Wer weiß, welche Staaten, Konstrukte, Gesellschaften etc. es im Jahr 3xxx oder auch nur 25xx gibt?
      Aber ein menschlicher Pups wird auch dann noch stinken und nicht nach Rosen duften. Wenn ein Autor schreibt: “Das Bohnengericht am Abend zuvor führte dazu, dass sie kräftig einen fahren ließ – und feinster Rosenduft erfüllte den Raum” – dann erklärt der Autor besser, wieso es nach Rosen duftet, und nicht nach Pups. Etwa: “Das Bohnengericht am Abend zuvor führte dazu, dass sie kräftig einen fahren ließ – und feinster Rosenduft erfüllte dank des in der Hose eingebauten Duft-Umwandlers den Raum”
      20 Seiten? Zu langweilig, weil stimmig?
      Niemand sagt, man solle zwanzig Seiten mit realistischen Dingen füllen. Schau dir noch einmal mein Beispiel mit dem Präsidenten an, dann sollte es klar werden. Füllt dieses Beispiel, dieser einfache Satz, zwanzig Seiten? Aber es ist stimmig, während das, was der Autor geschrieben, eben nicht stimmt. Angenommen, ein Roman spielt in dieser Welt, keine alternative Historie etc. Und es heißt: “Die Zombies hatten bereits Köln eingenommen, die Hauptstadt Deutschlands”. Das wäre Unsinn oder? Aber: “Die Zombies hatten Köln eingenommen, die ‘Hauptstadt’ des rheinischen Karnevals” wäre stimmig. Kostet auch keine 20 Seiten, oder? Und wenn es um die Hauptstadt geht, verlegt man die Handlung nach Berlin.
      Ich hoffe, diese Beispiele haben es nun klar gemacht. Mehr kann ich dazu auch nicht mehr sagen.

  • Gerhard Schäffer sagt:

    Wo soll ich jetzt anfangen, vielleicht erst einmal beim Präsidenten, und dann sehen wir weiter.

    Das Präsi Beispiel war schon mal schlecht gewählt.
    Tatsache ist, daß Grasmück dies damals nicht von ungefähr schrieb, den dazu muß man wissen, daß diese Praxis schon immer im Kreuzfeuer der Kritik stand und Grasmück hier den Standpunkt der Kritiker mit seinem Satz vertritt,von daher also gar nicht so unsinnig

    • Gunter Arentzen sagt:

      Ehrlich gesagt macht es keinen Sinn, mit jemandem zu diskutieren, der meine Artikel entweder nicht aufmerksam liest oder nicht verstehen will.
      Wieso Grasmück? Ich schreibe doch, dass dieses Beispiel aus einem modernen Werk stammt, nicht von ihm.
      Und nein – in den USA, wo die Handlung spielt, ist dieses Thema NICHT umstritten. Auch das habe ich klar geschrieben!
      Ich schlage vor, du liest das, was ich geschrieben habe, mit klarem Sinn und versuchst diesmal, es nicht misszuverstehen. So macht das keinen Sinn. Ich habe den Eindruck, das ist eine Debatte der Debatte willen, weil du meinen Standpunkt unbedingt in Zweifel ziehen willst. Das kannst du, aber die Debatte hier wird lächerlich, da du Dinge als Argument nutzt, die im Artikel nicht stehen. Wenn du meinst, ich habe Unrecht, dann ist das deine Meinung und die steht dir zu. Das ist ein Leitartikel, der enthält nur die Meinung des Verfassers, sonst nichts. Das unterscheidet ihn von anderen Artikeln. Also lassen wir es an dieser Stelle!

  • Gerhard Schäffer sagt:

    Hä? Larry Brent ist jetzt nicht Grasmück?

  • Gunter Arentzen sagt:

    An dieser Stelle beenden wir die Debatte, denn du hast offenbar keine Lust, auch nur zwei Sekunden über meine Worte nachzudenken.
    Larry Brent ist Grasmück, aber das einzige Beispiel mit Larry Brent war jenes mit den Mord-Faltern.
    Ich schrieb in dem Artikel, dass ich zu einem modernen Beispiel wechsele – The Dead Zone. Und daraus ist die Sache mit dem Präsidenten. Wenn du nachgedacht hättest, wäre dir das sogar nach meinem letzten Posting aufgefallen.

  • Gunter Arentzen sagt:

    Ich habe die Kommentare für diesen Artikel geschlossen.
    Es wurde wohl alles gesagt, und die aktuelle Debatte führt zu nichts. Mails mit abweichenden Meinungen erreichen mich unter g.arentzen@geisterspiegel.de, sollte jemand ein Gast-Op-Ed verfassen wollen, ist er hierzu herzlich eingeladen.
    Euch noch einen schönen Oster-Montag 🙂