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Schattenwolf Band 4

Der Mörder mit dem Schlangenseil

Prolog

Albuquerque, New Mexico, 20. Juli 2010

Dr. Pete Dickson betastete vorsichtig das Gesicht seines Patienten und hielt ihm schließlich einen Spiegel hin. »Was sagen Sie, Mr. Smith?«

Der Mann hieß zwar nicht Smith, aber Pete nannte alle seine inoffiziellen Patienten so. Schließlich kamen sie zu ihm, um ihre wahre Identität ein für alle Mal loszuwerden. Das war Petes Spezialität. Er verschaffte ihnen ein neues Aussehen und über einen Bekannten neue Papiere, mit denen sie einen Neuanfang machen konnten. In seinem Hauptberuf arbeitete er als Schönheitschirurg in einer renommierten Klinik. Nebenher verdiente er sich das notwendige Geld für das Unterhalten seiner Villa – die offiziell seiner Frau gehörte – und den gehobenen Lebensstil mit Sonderaufträgen.

In der »Smith«-Legion war nahezu alles vertreten, von der geschundenen Frau, die in einem neuen Gesicht den einzigen Ausweg sah, ihrem gewalttätigen Ehemann zu entkommen (und die Pete mangels Geld in »Naturalien« bezahlte), über Männer, die sich durch diese Form von Untertauchen die Scheidung oder Unterhaltszahlungen ersparten, bis zu Straftätern – die größte Gruppe –, die der Verfolgung durch die Behörden entkommen wollten. Der Smith, der sein neues Gesicht im Spiegel betrachtete, gehörte eindeutig zu Letzteren.

Pete musste zugeben, dass ihm der Blick seiner Augen Angst machte. Er wirkte nicht nur kalt. In ihm lauerte ein Hass, der Pete Gott auf Knien danken ließ, dass er nicht das Objekt dieses Hasses war. Er hoffte, dass der Mann mit seinem neuen Gesicht zufrieden war, denn er traute dem Kerl jede Gewalttätigkeit zu.

»Die jetzt noch sichtbaren Narben werden in ein paar Wochen vollständig verschwunden sein«, erklärte Pete, als Smith mit gerunzelter Stirn eine Narbe unter dem Haaransatz betrachtete. »Nicht mal Ihre Mutter würde Sie wiedererkennen.« Der Blick, den Smith ihm zuwarf, ließ ihn frösteln. Pete griff neben sich und zog den dort stehenden Koffer nach vorn. »Hierin finden Sie alles, was Sie mich gebeten haben zu besorgen.« Er zog einen Briefumschlag aus der Kitteltasche. »Hier sind Ihre Papiere: Geburtsurkunde, Führerschein, Sozialversicherungsnummer, Kreditkarten – das ganze Paket.«

Smith legte den Spiegel zur Seite, nahm den Umschlag und sah hinein. Betrachtete das Foto auf dem Führerschein, das Petes Fachmann für solche Dinge am Computer angefertigt hatte, nachdem Smith sich sein neues Gesicht ausgesucht hatte. Es wirkte täuschend echt. Der Fälscher verstand sein Handwerk mehr als gut.

»Wenn Sie noch etwas brauchen sollten …«

»Nein.«

Das erste Wort, das der Mann sprach, seit er nach der OP aus der Narkose erwacht war. Pete hatte schon befürchtet, dass irgendetwas ihm permanent die Sprache geraubt haben könnte. Immerhin lief das Umformen eines Gesichts mit seinen empfindlichen Nerven beim Heilungsprozess nicht ohne Schmerzen ab. Und manch ein Patient verkraftete das Bewusstsein nicht, dass er ein fremdes Gesicht sehen würde, sobald er nach der OP zum ersten Mal in den Spiegel blickte.

»Ja, dann können Sie gehen.« Pete griff in die andere Tasche seines Kittels und holte ein Tablettenröhrchen heraus. »Hier ist noch ein heilungsförderndes Schmerzmittel für Notfälle. Mit der Menge sollten Sie zurechtkommen, bis die letzten Nachwirkungen weg sind.«

Smith steckte es kommentarlos ein, hob den Koffer auf das Bett und prüfte dessen Inhalt, der offenbar seine Billigung fand. Pete atmete auf. Zum Glück hatte Smith ihn bereits im Voraus bezahlt. Pete hätte ihn ungern daran erinnert, wenn er noch Geld zu bekommen hätte. Smith schloss den Koffer, zog seine Jacke an und steckte die Papiere in deren Innentasche. Er nickte Pete zu.

»Danke, Doktor.«

»Keine Ursache.«

Pete begleitete Smith zum Ausgang des Containers, der im Industriegebiet stand und daher niemandem auffiel. Erst recht fiel es nicht auf, dass er nur nachts besucht wurde. Das war hier nichts Ungewöhnliches. Pete öffnete die Außentür und vergewisserte sich, dass niemand in unmittelbarer Nähe war, ehe er Smith hinausgehen ließ.

»Alles Gute, Mr. Smith.«

Smith drehte sich zu ihm um. Bevor Pete vollständig begriff, dass er eine Pistole aus der Tasche gezogen hatte, drückte Smith bereits ab. Pete stürzte tot zu Boden.


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB und MOBI zur Verfügung.

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