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Boris Vallejo – Einer der Größten seiner Gilde

Eigentlich wollte er gar kein Künstler werden und schon gar nicht berühmt.
Aber dennoch ist seine Geschichte eine Erfolgsgeschichte, auch wenn sie nicht unbedingt mit dem amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär übereinstimmt.
Vorweg folgende Tatsache:
Die allermeisten Autoren und Künstler, die im englischsprachigen Raum mit dem Sci-Fi- und Fantasygenre Erfolg haben, wurden mit dieser Literaturgattung bereits als Leser groß. Denn das Wissen und das Verständnis für diesen Bereich sind fast unmöglich vorzutäuschen. Es gibt kein griffbereites Archiv, aus dem man etwas über die Biologie oder Geologie solcher Welten erfährt. Solche Dinge entstehen nur im Kopf des jeweiligen Künstlers. Damit andere sie sehen und empfinden können, muss der Künstler sie glaubhaft präsentieren. Das erfordert mehr als nur technisches Können, sei es als Zeichner oder Autor, das erfordert ein ungewöhnliches Talent. Nicht nur die Leserschaft dieses Genres merkt schnell, ob jemand weiß, worüber er da schreibt oder malt, und dementsprechend ist dann das Kaufinteresse, welches letztendlich über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
Er hingegen, also Boris, hatte nur wenig Zugang zu dieser Art von Literatur. Da Englisch nicht seine Muttersprache ist, waren solcherlei Bücher für ihn meist unerreichbar. Eigentlich denkbar ungünstige Bedingungen, um als Zeichner in diesem Metier Karriere zu machen. Trotzdem machte er seinen Weg, der ihn schließlich bis nach ganz oben führte. Aber beginnen wir das Ganze doch von Anfang an.

Boris Vallejo erblickte am 8. Januar 1941 in der Hauptstadt von Peru das Licht der Welt. Sein Vater war ein angesehener und erfolgreicher Anwalt in Lima. Mit Tellerwaschen war also nichts, aber trotzdem verlief sein Leben nie in geregelten Bahnen und gerade deshalb ist es keine reine »Bettler wird Millionär-Story«, aber dennoch eine Erfolgsgeschichte.
Er hatte ursprünglich vor Konzertviolinist zu werden, sein Vater ermöglichte ihm sieben Jahre Geigenunterricht. Danach verlagerten sich seine Interessen zur Medizin hin und dieses Fach studierte er zwei lange Jahre.
Zwischenzeitlich jedoch entwickelte er sein künstlerisches Zeichentalent immer weiter und wurde rasch von anderen anerkannt. Schließlich studierte er Grafikdesign an der Escuela Nacional de Bellas Artes, einer nationalen Schule der schönen Künste, wo er auf Anhieb ein Fünfjahresstipendium erhielt. Er erhielt für seine Arbeiten eine Goldmedaille, obwohl er im Gegensatz zu den anderen Studenten nur die Mindestzahl der erforderlichen Arbeiten einreichte. Mit 16 dann wurde ihm ein Kunststipendium in Florenz angeboten. Normalerweise der Wunschtraum eines jeden Kunststudenten.
Boris stand der Weg zum Millionär offen, aber er wählte die andere Seite, den Weg von ganz unten.
Er ging 1964 in die USA, er konnte kein Englisch, hatte keine Freunde, die ihm helfen konnten und auch sonst keinerlei Beziehungen oder irgendwelche finanzträchtigen Verbindungen. Er hatte bei seiner Ankunft in New York exakt 80 Dollar in der Tasche, dazu ein paar Kleider und seine Malutensilien, sonst nichts.
In mancher Biografie über ihn wurde es Zufall oder göttliche Fügung genannt, ich als Realist tippe aber eher auf solch banale Dinge wie Hunger und Durst, die ihn in Nedicks Restaurant trieben. Dort lernte er einige andere Peruaner kennen, die ihm nach kurzem Gespräch ein Zimmer in der Bronx anboten. 10 Dollar pro Woche als Miete, dieselbe Summe kostete das Essen. Auf diese Art wäre Vallejos Geld nach einem Monat aufgebraucht gewesen.
Aber bevor das geschehen konnte, hatte einer seiner neuen Freunde einen Job für ihn gefunden. Boris wurde in der Werbeabteilung einer Ladenkette angestellt. Nach sechs Monaten Arbeit in einem auswärtigen Büro in Hartford, Connecticut kam er wieder ins New Yorker Hauptbüro zurück, wo er Doris Maier traf, die später seine Frau werden sollte. Zwei Jahre später war er soweit, dass er es sich leisten konnte, als freischaffender Künstler zu arbeiten.
Acht Jahre lang nahm er jeden Auftrag an, den er kriegen konnte, Modezeichnungen, Weihnachtskarten und andere Terminarbeiten. Er behauptete damals, gerade unter Druck am besten arbeiten zu können und genau das und die Vielzahl an Stilrichtungen seiner Aufträge waren es, die für ihn eine unbezahlbare Übungszeit darstellten.
In gewisser Weise war der nächste Schritt auf seiner Karriereleiter dann auch kein Zufall mehr, sondern das Produkt harter Arbeit und das Wissen, dass er mit seinen Werken ohne Bedenken an die breite Öffentlichkeit gehen konnte.
Aus Geldmangel suchte er in seiner knapp bemessenen Freizeit keine Unterhaltungsparks, Kinos oder Bars auf, sondern begnügte sich mit dem Lesen von Comics aus dem Action- und Fantasysuperhelden-Metier. Bis er eines Tages nach dem Betrachten eines weiteren Titelbildes meinte, und das zu Recht: Das kann ich besser.
Er fertigte 1975 ein Bild für die Comicserie Conan mit dem Titel Tree of Death an und wurde binnen kürzester Zeit von Marvel Comic als Zeichner angefordert.

Dann kamen Ballantines-Books und die Titelbildgestaltung der ersten sieben Bücher von John Normans Gor-Serie und alle vierundzwanzig Bände einer Neuauflage von Burroughs Tarzan Abenteuer. Als all diese Bücher hauptsächlich nur gekauft wurden, weil die Leser seine Titelbilder besitzen wollten, war aus der Story eines Habenichts endgültig eine Erfolgsstory geworden.

Heute ist Boris ein stiller, dennoch stets umgänglicher Mensch. Er spricht fließend Englisch und lebt mit seiner Frau Doris in Westchester und fährt nur noch nach New York, wenn es denn geschäftliche Angelegenheiten unbedingt erfordern.
Denn jetzt sind es die Verleger, die um ihn buhlen und wer sich seine Werke einmal genauer betrachtet, der weiß, was Boris´ Arbeiten wert sind.
Wie schon gesagt, letztendlich ist die Geschichte von Boris doch eine Erfolgsgeschichte.

Quellen:

  • Vallejo, Boris / del Rey, Lester: Fantasy von Boris Vallejo. Schöne Frauen, Helden, Bestien und Fabelwesen aus der Vergangenheit und ferner Zukunft. Ein Bildband mit einem Vorwort von Lester del Rey. Rastatt: Moewig Verlag, (1980).
  • Wikipedia
  • www.borisjulie.com

Bild 1: Cover Savage Sword of Conan
Bild 2: Tarzan, the Untamed
Bild 3: Tarnsman of Gor

Copyright © 2008 by Gerold Schulz