Unser Lese-Tipp

Des Teufels Depressionen

Download-Tipps

Casparino

Archive
Folgt uns auch auf

John Ronald Reuel Tolkien Teil 1

Biografisches

Am 3. Januar 1892 wurde in Bloemfontein, in Südafrika, der größte Mythenschöpfer und Fantasy-Autor des 20. Jahrhunderts John Ronald Reuel Tolkien, der Sohn von Arthur Reuel Tolkien und Mabel Tolkien geb. Suffield, geboren.

Der Name Tolkien geht wahrscheinlich auf das deutsche (sächsische) Tollkühn zurück, denn Tolkiens Vorfahren waren Einwanderer aus dem 18. Jahrhundert.

1894 erblickt Hilary Tolkien, John Ronald Reuels Bruder, das Licht der Welt.

Ein Jahr später reist Mabel mit ihren beiden Söhnen nach Birmingham, Arthur bleibt in Südafrika und stirbt dort am 14.2.1896. Mabel lebt mit ihren Söhnen 4 Jahre in Sarehole bei Birmingham. Im Jahr 1900 ziehen sie jedoch nach Moseley, einem Stadtteil von Birmingham, Ronald besucht dort die König-Edwards-Schule. Ab 1902 geht er dann auf die St.Phillips Grammar School, deshalb zieht die kleine Familie wieder um in die Oliver Road 26 in Edgbaston. Schon ein Jahr danach erhält Ronald ein Stipendium und kann an die König-Edwards-Schule zurückkehren. Und ab da, also ab der 6. Klasse, beginnt er Sprachen zu lernen. Zunächst Griechisch, Finnisch und Walisisch.

1904 stirbt Tolkiens Mutter Mabel im Alter von 34 Jahren. Pater Francis Xavier Morgan übernimmt die Vormundschaft für die Brüder. Im Jahr darauf ziehen sie zu ihrer Tante Beatrice Suffield in die Stirling Road in Edgbaston.

Ronald wird in der Schule Klassenbester, an zweiter Stelle steht Christopher Wiseman.

1908 vermittelt Pater Francis den Umzug in die Pension von Mrs. Faulkner in die Duchess Road 37. Dort wohnt zu diesem Zeitpunkt auch Edith Mary Bratt.

Ronald und Edith lernen sich kennen und lieben, doch Pater Francis verbietet die Liebe und sucht Ronald und seinem Bruder Hilary eine andere Bleibe. Bis zu Ronalds Volljährigkeit, also bis zum 21. Geburtstag, untersagt der Pater den Kontakt zu Edith.

Edith zieht nach Cheltenham und ist so für Ronald erst einmal unerreichbar. Zu dieser Zeit schreibt er sein erstes Gedicht »Waldsonnenschein«, in welchem er Elfen und Feen tanzen lässt.

Im Dezember 1910 erhält Ronald beim 2. Versuch ein Stipendium für das Exeter-College in Oxford, wo er im folgenden Jahr mit dem Studium beginnt.

Er spielt Rugby, wird Sekretär im Debattierklub, hält Vorträge in Griechisch, Latein, Gotisch und Angelsächsisch, er wird Schulpräfekt an der König-Edwards-Schule und er bekommt, wie auch Christopher Wiseman, das Ehrenamt des Bibliothekars an der Schule.

Wiseman und Tolkien gründen den Tee-Klub, kurz T.C., später den Barrovian Society, kurz B.S., woraus schließlich dann der T.C.B.S. wird.

Im September 1911 beginnt Tolkien mit dem Studium der klassischen Philologie, Spezialfach Vergleichende Philologie, in Oxford. Zeitgleich fängt er an, Pfeife zu rauchen, was ihn sein Leben lang begleiten wird.

An seinem 21. Geburtstag schreibt Tolkien an Edith Bratt. Sie antwortet ihm zunächst, dass sie mit George Field verlobt sei. Doch nach einem Treffen am 8.1.1913 ist für Ronald und Edith klar, dass sie heiraten wollen.

Tolkien wechselt in diesem Jahr zur Honour School of English Language and Literature und beginnt mit seinem Anglistik-Studium, Spezialrichtung Sprachwissenschaft, Spezialfach Altnordisch.

Im Jahr 1914 verloben sich Ronald und Edith, nachdem Edith in die katholische Kirche aufgenommen wurde. Im gleichen Jahr beginnt der 1. Weltkrieg. Tolkien beschließt, erst sein Studium zu beenden und zeitgleich eine Offiziersausbildung zu durchlaufen. Im Juni 1915 beendet er sein Studium mit erster Rangnote mit Auszeichnung. Im Juli wird er einberufen zum 13. Bataillon der Lancashire Fusiliers, im Jahr darauf wird er Nachrichtenoffizier. Während dieser Zeit schreibt Tolkien viele Gedichte, zum Beispiel »Goblin Feet«, »The Man in the Moon Came Down too Soon« und »Kor«.

Am 22. März 1916 heiraten Ronald und Edith, ab Juni des gleichen Jahres lernt Tolkien das »tierische Grauen« des Grabenkrieges während seines Dienstes im 11. Bataillon kennen.

Anfang 1917, während eines Genesungsurlaubes, fängt Tolkien die erste Geschichte des »Book of Lost Tales«, später das »Silmarillion«, an: »The Fall of Gondolin«.

Da Tolkien während des Jahres immer wieder krank ist, schreibt er in diesem Jahr ebenfalls die Geschichte »The Children of Hurin«. Diese Geschichte erscheint heute, am 17. April 2007 weltweit »erstmals als eigenständiger und geschlossener Lesetext, genau so, wie Tolkien es vor Augen stand.« (Klett-Cotta-Verlag)

Am 21.11.1917 wird Tolkiens erster Sohn John Francis Reuel geboren.

Ende des Jahres wird Tolkien zum Leutnant befördert und in Hull stationiert. Edith zieht mit dem Sohn nach Roos, ganz in die Nähe.

1918 verbringt Tolkien Monate im Krankenhaus, er lernt weiter Sprachen, unter anderem ein wenig Russisch. Nach dem Krieg zieht die kleine Familie erstmals in eine gemeinsame Wohnung.

Ab 1919 gibt Tolkien Privatunterricht. Im Sommer 1920 wird er Dozent für englische Sprachwissenschaft an der Universität von Leeds. Dafür muss er wieder getrennt von seiner Familie in einem möblierten Zimmer wohnen.

Am 22.Oktober 1920 wird der zweite Sohn Michael Hilary Reuel geboren.

An Weihnachten schreibt Tolkien seinen Kindern den ersten »Brief vom Weihnachtsmann«. Damit beginnt er eine Tradition, die er bis 1939 fortführt.

1921 zieht die Familie Tolkien wieder zusammen in eine Wohnung in Leeds. Tolkien bekommt eine Professur in Kapstadt angeboten, lehnt diese aber ab.

Ein Jahr später wird der Kanadier Eric Valentine Gorden Dozent in Leeds. Mit ihm zusammen übersetzt Tolkien das um 1370 von einem unbekannten Autor verfasste Werk »Sir Gawain and the Green Knight« in modernes Englisch.

1924 wird für Tolkien eine Professur für englische Sprache an der Universität in Leeds geschaffen, Tolkien wird mit 32 Jahren Professor.

Im November kommt sein dritter Sohn Christopher Reuel auf die Welt.

Im Jahr darauf wird Tolkien nach Oxford zur Rawlinson- und Bosworth-Professur (Professur für Angelsächsisch) berufen. Dieses Amt führt er bis 1945 aus.

In den Ferien erzählt Tolkien seinen Söhnen John und Michael die Geschichte vom Hund Rover. Er schreibt sie auch auf, im Urlaub 1927 in Lyme Regis entstehen drei der fünf Illustrationen dazu und sie wird später als »Roverandom« bekannt.

Am 11. Mai 1926 lernt Tolkien Clive Staples Lewis kennen. Sie gründen den literarischen Leseklub »Coalbiters« und werden gute Freunde. In diesem Jahr beendet Tolkien auch seine Übersetzung an dem Epos eines unbekannten Autors aus dem 14. Jahrhundert »PEARL«. Das Werk ist eine Elegie über den Tod eines Kindes. Da Tolkien jedoch keine Einleitung dazu schreibt, wird das Werk erst nach seinem Tod von seinem Sohn Christopher veröffentlicht.

Am 22.12.1929 wird als viertes Kind Tolkiens Tochter Priscilla Anne Reuel geboren.

1931 lösen sich die Coalbiters auf, es entsteht ein neuer literarischer Kreis, die »Inklings«. Tolkien und C.S.Lewis gehören dazu. In diesem Jahr beginnt Tolkien auch, »Der Hobbit« zu schreiben, jedoch bleibt die Geschichte noch unvollendet. Die Idee für »Der Hobbit« hatte er schon 1928, als er beim Korrigieren von Klausuren auf ein leeres Blatt schrieb: In a hole in the ground there lived a hobbit.

Ein Jahr später kauft sich Tolkien sein erstes Auto, einen Morris Crowley. Sein Ungeschick beim Fahren schlägt sich in der farbig illustrierten Geschichte »Mr. Bliss« (»Herr Glück«) nieder. Wegen der hohen Kosten beim Druck der farbigen Illustrationen verzögert sich die Veröffentlichung dieser Geschichte bis 1982. Die Figur Gaffer Gamgee in »Herr Glück« ist übrigens entstanden, als Tolkien Ferien in Lamorna Cove in Cornwall machte und Tolkien dort einen skurrilen alten Mann so nannte.

1936 liest Susann Dagnall vom Verlag Allen&Unwin das unvollendete Typoskript von »Der Hobbit«, ist begeistert und überredet Tolkien, das Buch zu vollenden. Der Verlag möchte weitere Manuskripte von Tolkien, doch letztendlich wird erst einmal nur »Der Hobbit« am 21. September 1937 veröffentlicht und sofort ein Bestseller. Die 1. Auflage verkauft sich bis Weihnachten.

Der Verleger möchte eine Fortsetzung von »Der Hobbit«, aber er bekommt von Tolkien das Manuskript »Quenta Silmarillion«. Unwin lehnt dieses ab, und so beginnt Tolkien an einer Fortsetzung des Hobbit zu schreiben, wofür er fast 20 Jahre braucht und die dann als »The Lord of the Rings« in die Literaturgeschichte eingehen wird.

Nach zwei Jahren, also 1938, bietet Tolkien dem Verleger Unwin die überarbeitete Version von »Bauer Giles von Ham« an. Die Geschichte wurde vor 2 Jahren noch abgelehnt. Doch diesmal nimmt Unwin die Geschichte begeistert an. Wegen des Krieges wird »Bauer Giles von Ham« aber erst 1949 veröffentlicht.

Im Jahr 1939 tritt Charles Williams den Inklings bei. Die Freundschaft zu Lewis bekommt erste Risse.

Während des 2. Weltkrieges stocken Tolkiens begonnene Arbeiten, wie auch die Arbeit an »Der Herr der Ringe«. 1943 schreibt er »Leaf by Niggle« (»Blatt von Tüftler«).

1944, Tolkiens Sohn Christopher macht eine Pilotenausbildung in Südafrika, schreibt Tolkien viele Briefe an seinen Sohn über den Werdegang von »Der Herr der Ringe«.

1945 wird Tolkien zum Merton-Professor für englische Sprache und Literatur in Oxford gewählt. Christopher tritt ebenfalls den Inklings bei. Und die Freundschaft zu Lewis kühlt immer weiter ab wegen literarischer und religiöser Differenzen.

Ein Jahr darauf macht Unwin Druck, er möchte »Der Herr der Ringe« von Tolkien. Dieser sichert ihm zu, dass er bald fertig sei, doch schreiben wird Tolkien nur im Herbst ein wenig daran. 1947 dann erhält Unwin die fertigen Teile von »Der Herr der Ringe« und ist begeistert. Aber er verärgert Tolkien auch mit seiner Interpretation als Allegorie und Vergleich mit Wagners »Ring der Nibelungen«.

1948 hat Tolkien »Der Herr der Ringe« fertig geschrieben, und nun folgt eine monatelange Überarbeitung.

C.S. Lewis gratuliert Tolkien zu seinem Buch und liest ihm im Gegenzug seine ersten »Narnia«-Geschichten vor. Das führt nun fast zum endgültigen Zerfall der Freundschaft. Tolkien mochte die Geschichten von Lewis nicht, weil sie zu christlich waren. Aber nicht im Sinne des Katholizismus, sondern mehr nach außen drängend. Tolkien hätte Lewis gern zum Katholizismus bekehrt.

In Tolkien setzt sich die Idee fest, dass »Der Herr der Ringe« und »Das Silmarillion« zeitgleich erscheinen müssen. Unwin lehnt das ab und deshalb versucht Tolkien Milton Waldman vom Verlag Collins mit einem Brief in der Länge von ca. 10.000 Zeichen von seiner Mythologie zu überzeugen. Diesen Brief schrieb Tolkien sehr wahrscheinlich im Jahr 1951 und er stellt einen Überblick über seine gesamte Mythologie und deren Zusammenhänge in seinen Werken dar. Nachlesen kann man diesen Brief in dem Buch:

»J.R.R. Tolkien – Der Mythenschöpfer«, herausgegeben von Helmut Pesch, CORIAN Verlag 1984.

Collins lehnt jedoch ab. Von Allen & Unwin liegt die Zusage vor, »Der Herr der Ringe« zu veröffentlichen, und am 19. September 1952 geht das Buch in Arbeit, am 11. November erhält Tolkien die Veröffentlichungszusage und im Sommer 1954 erscheint das erste Buch »Die Gefährten« mit einer Auflage von 3500 Exemplaren. Nach nur 6 Wochen geht das Buch in die 2. Auflage.

Nach Erscheinen von »Der Herr der Ringe« erhält Tolkien 1954 die Ehrendoktorwürde der Universitäten von Dublin und Lüttich (Belgien).

1957 lösen sich die Inklings auf, und die Freundschaft zu Lewis ist nun endgültig zerrüttet. Der letzte Grund dafür ist die Heirat von Lewis mit Joy Davidman. (Über das Warum gibt es nur Vermutungen, es könnte evtl. sein, dass Lewis für seine Frau zu viel Aufmerksamkeit wollte, die er als Junggeselle in den dreißiger Jahren Tolkiens Frau nicht gegeben hat.)

Im Sommer 1959 wird Tolkien pensioniert und hat so viel Zeit für seine kranke Frau Edith. Er selbst ist gesundheitlich auch nicht mehr auf der Höhe, ihn plagt zum Beispiel ein Hexenschuss, und deshalb stellt er 1960 eine Teilzeit-Sekretärin ein.

1963 wird Tolkien zum Ehrenmitglied des Exeter-College gewählt und das Merton-College ernennt ihn zum Fellow Emeritus.

1965 schreibt Tolkien seine letzte Geschichte »Smith of Wootton Major« (»Der Schmied von Großholzingen«).

1966 feiern Tolkien und seine Frau Edith Goldene Hochzeit. Dabei wird der Liederzyklus »The Road Goes Ever On« mit William Elvin als Sänger und Komponist Donald Swann am Klavier aufgeführt.

Am 29.11.1971 stirbt Tolkiens Frau Edith im Alter von 82 Jahren.

Tolkien erhält 1972 die Ehrendoktorwürde der Universität Oxford für Literaturwissenschaften, er wird ausgezeichnet durch die Königin mit dem Kommandeurs-Orden des Britischen Empire und er bekommt ein Jahr später auch die Ehrendoktorwürde des Universität Edinburgh.

Nach einem blutenden Magengeschwür und einer Entzündung in der Brust stirbt John Ronald Reuel Tolkien am 2. September 1973 im Alter von 81 Jahren. Er wird neben seiner Frau Edith beigesetzt. Auf dem Grabstein steht:

Edith Mary Tolkien
Luthien
1889 – 1971
John Ronald Reuel Tolkien
Beren
1892 – 1973


Textquellen und weiterführende Literatur:

  • Humphrey Carpenter, J.R.R. Tolkien – Eine Biographie, Klett-Cotta-Verlag
  • Friedhelm Schneidewind, Das große Tolkien-Lexikon, Lexikon Imprint Verlag

Bildquellen:

 Copyright © 2007 Anke Brandt


Der vollständige Artikel steht als PDF-Download zur Verfügung.

Bisherige Downloads: