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Constantine 1: Der Funke und die Flamme

Ray Fawkes, Jeff Lemire
Constantine 1: Der Funke und die Flamme
Originaltitel: Constantine 1-5 (The Spark and the Flame 1 – 3 (The Price We Pay, The Blind Man, The Big Smoke), All My Friends, Stealing Thunder), DC, USA, Mai – September 2013

Comic, Softcover, Paninicomics, Stuttgart, März 2014, 116 Seiten, 14,99 Euro, ISBN: 9783862018697, aus dem Amerikanischen von Josef Rother, Zeichnungen von Renato Guedes, Fabiano Neves, Covermotiv von Ivan Reis, Joe Prado, Rod Reis

Der Funke und die Flamme 1-3
Durch einen Freund gerät John Constantine auf die Spur von »Croydons Kompass«, ein Gerät, mit dem es möglich sein soll, magische Ressourcen aufzuspüren. Der Kompass ist in drei Teile zerbrochen, die an verschiedenen Orten versteckt sind. Die Suche führt den Magier von Norwegen über Myanmar bis zurück in seine Heimatstadt London. Doch auch andere Zauberer, die »Kult der kalten Flamme« sind hinter den Artefakt her.

Alle meine Freunde
John Constantine möchte nur einen Tag frei machen, mal etwas kürzertreten und den Kopf freibekommen, als ihn drei Typen in Lloyds Bar zusammenschlagen und vor Papa Midnite schleifen.

Donnerwetter
Constantine führt Shazam Billy Batson in Lloyds Bar, um ihm dort vorerst aus der Schusslinie der Ereignisse (Trinity War) zu bringen. Doch die kalte Flamme spürt die beiden auf und schicken einen Dämon. Gut, das Constantine Billy Batsons Zauberwort an sich genommen hat.

Unter DCs »New 52«-Rundumschlag ist nun auch die langlebigste Vertigo-Serie Hellbalzer (nach 300 Ausgaben von Januar 1988 – April 2013) unter neuem Namen ins reguläre DC-Universum gewechselt. Der Detektiv und Magier John Constantine, den sein Erfinder Alan Moore optisch an Sting bzw. dessen Figur Ace im Film Quadrophenia angelehnt hatte, startete seine Comic-Karriere als Nebenfigur in Alan Moores Swamp Thing #37 und erhielt Im Januar 1998, zunächst unter der Ägide von Autor Jamie Delano und Zeichner John Ridgway seine eigene Serie Hellblazer. Diese wurde über die Zeit von einigen namhaften »Hard boiled«-Autoren (Garth Ennis, Warren Ellis, Peter Milligan, Mike Carey, Brian Azzarello) geschrieben, die John Constantine schließlich zu dem egomanischen aber auch allseits gewandten Bastard gemacht haben, der er heute ist. Besonders der Garth Ennis-Run nimmt bei den Fans einen hohen Stellenwert ein.

Die neuen Abenteuer des „»Arbeiterklasse«-Magiers starten in New York und führen ihn auf der Suche nach einem magischen Artefakt in Indiana Jones-Manier erst einmal um den halben Erdball. Hier werden auch gleich die Antagonisten, der »Kult der kalten Flamme« eingeführt, die Constantine offenbar noch eine ganze Zeit lang begleiten werden. Man tut anhand dieser ersten Nummern schwer, mit der Figur warm zu werden, da 1) John Constantine ein egoistischer Scheißkerl ist, der auch gleich den Tod eines Freundes billigend in Kauf nimmt, und da 2) die Figur kaum richtig eingeführt wird. Nahezu ungeeignet also für Leser, die das erste Mal mit dem Magier in Berührung kommen.

Die Geschichten 2 und 3 stehen für sich alleine, und haben keinen erkennbaren Einfluss auf die weiteren Geschicke des Antihelden, zumal Donnerwetter ein Tie-In zum Trinity War-Event darstellt und für sich alleine gelesen etwas zusammenhanglos wirkt.

Natürlich macht es Spaß John Constantine beim Tricksen und Manipulieren zu beobachten und Zeuge zu sein, wie er sich mit magischen Kniffen aus jeder scheinbar ausweglosen Lage manövriert. Doch noch ist die Figur zu selbstgefällig und uncharmant um den Leser auf seiner Seite zu ziehen.

Als unglücklich erweist sich besonders in Der Funke und die Flamme auch die sprunghafte Erzählweise, sodass man zu den zahlreichen magischen Twists noch versuchen muss, den Überblick über die Story zu behalten.

Die Zeichnungen von Renato Guedes (Green Arrow & Black Canary, Green Lantern) gefallen durch ihren Detailreichtum und interessanten Perspektiven. Das Gastspiel von Fabiano Neves (Marvel Zombies vs. Army of Darkness, Red Sonja) in Constantine  4 wirkt dagegen wenig überzeugend.

Fazit:
Im Großen und Ganzen hinterlassen die ersten fünf Hefte der neuen Constantine-Serie, die hier gesammelt sind, einen zwiespältigen Eindruck. Man versucht Constantine mit seiner Vergangenheit als Vertigo-Ikone zu mögen, doch zu sehr wirken die Geschichten wie espritlose Pflichtübungen. Es entsteht der Eindruck, dass Hauptautor Jeff Lemire (Animal Man, Green Arrow, Sweet Tooth), für den derzeit das Begriff »viel beschäftigt« untertrieben ist, sein Pulver langsam aber sicher verschossen hat und auf ein »ausreichend« zusteuert. Wirklich enttäuschend ist Constantine 1 nicht ausgefallen aber eben auch nicht wirklich überzeugend.

(eh)