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Ein ungezähmtes Mädchen

Simona Ahrnstedt
Ein ungezähmtes Mädchen

Historischer Roman, Hardcover, Wunderlich Verlag, Reinbek, Juli 2012, 528 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 9783805250283

Stockholm im Jahre 1880. Im Opernhaus werden die junge Beatrice Löwenström, die viel zu früh Waise geworden ist und bei ihrem Onkel lebt, ohne großen Anschluss an ihre Umwelt zu haben, und Seth Hammerstaal einander vorgestellt. So unterschiedlich, wie die beiden vom Charakter her zu sein scheinen, hier die junge und unerfahrene Beatrice, dort der erfahrene und von den Frauen nahezu gejagte Seth, so anziehend finden sie sich. Kein Wunder also, dass Beatrice gesellschaftliche Auftritte zunehmen und sie es immer öfter einrichten kann, Seth zu begegnen. Dabei entdeckt sie, dass er mehr ist als nur eine einfache Schwärmerei. Wäre da nicht das Versprechen ihres Onkels, der eine Verbindung mit dem Grafen Rosenschöld anstrebt und ihm die Hand seiner Nichte versprochen hat. Rosenschöld ist kein Mann, der bereit ist, auf etwas zu verzichten, was er sich einmal in den Kopf gesetzt hat. Dazu kommt, dass er es als eine Art persönliche Herausforderung zu betrachten scheint, Beatrice ihren Eigensinn zu nehmen, um sie zu »zähmen«.

Der Titel sagt eigentlich schon sehr viel über die eigentliche Geschichte aus. Es ist die Geschichte einer Frau, die mit aller Macht ihren Weg gehen will, koste es, was es wolle, welche aber auf dem Weg an ihre Grenzen stößt. Letztlich entscheidet ihre Fähigkeit, mit diesen Grenzen zu leben oder aber ihr Wille, sich gegen diese aufzulehnen, über die Qualität ihres Lebens.

Ahrnstedt lebt bei Stockholm und scheint in der Geschichte ihrer Heimat gut bewandert zu sein, zumindest so gut, dass sie dem Leser diesen historischen Roman durchaus mit Flair und Charme präsentieren kann. Es fällt leicht, in die Gesellschaften und Empfänge einzutauchen und Teil dieser Zeit zu werden. Doch unter dem Strich muss man leider sagen, dass Ahrnstedt hier in erster Linie keinen Roman vorlegt, der zum dauerhaften Eintauchen einlädt. Viel mehr legt die studierte Psychologin hier einen weiblichen Charakter vor, der (auf die Geschichte im Buch betrachtet) wenig anderes neben sich duldet. Die Stärke der Ausarbeitung der Figur Beatrice lässt einem auch leicht zu dem Schluss kommen, dass es Ahrnstedt weniger darum geht, eine interessante Geschichte zu erzählen, als mehr ein Frauenschicksal im Gewand eines historischen Romans vorzulegen. Es mag sein, dass es eine Leserschaft für diese Art Roman gibt. Für mich fehlt hier aber der Charme eines »echten« historischen Romans.

Fazit:
Ahrnstedt kann schreiben. Und auch die Charakterbildung liegt ihr. Leider merkt man das eigentlich nur bei der Ausgestaltung der Hauptfigur. Die starke Fixierung auf Beatrice Löwenström macht das Buch zu einer »reinen« Frauengeschichte. Wer diese Art Roman mag, wird hier mit Sicherheit auf seine Kosten kommen, denn handwerklich kann man der Autorin keine Vorwürfe machen.

(jp)