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Magazine auf dem iPad – Eine Betrachtung

[…] »Jeder Verleger der Welt sollte sich einmal am Tag hinsetzen, um zu beten und Steve Jobs dafür zu danken, dass er die Verlagsbranche rettet. Das iPad bringt das, auf das wir alle gewartet haben.« […]1
Nein, das ist nicht meine Meinung, sondern das sagte Matthias Döpfner, Chef des Axel-Springer-Verlags, schon 2010.
Jüngst legte der Springer-Verlag nach und veröffentlichte eine Studie, die Döpfners Studie bestätigt:

»Mehr als die Hälfte aller Tablet-Nutzer lesen wieder mehr Tageszeitungen und Magazine, seitdem sie ein iPad besitzen. […] iPad-Besitzer nutzen Zeitungen und Zeitschriften intensiver. Sie lesen Titel, die sie vorher nicht gelesen haben. […]Mehr als die Hälfte der Befragten liest insgesamt, das heißt gedruckt oder als App, mehr Zeitungen und Zeitschriften, seitdem sie ein iPad besitzt. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) nutzen einige Zeitungen und Zeitschriften als App, die sie bislang noch nicht als gedruckte Ausgabe gelesen haben. Mit digitalen Angeboten auf Tablet-PCs können somit neue Leser erschlossen und darüber hinaus die Nutzung von Print-Inhalten intensiviert werden.« […]2
Auch ich gehöre – zusammen mit meiner Familie – zu den iPad-Besitzern. Und ja, die obige Aussage der Studie kann ich für mich selbst durchaus bestätigen.
Wandelt sich mit dem Besitz des iPads plötzlich das persönliche Interesse? Ist man durch einen solchen Kauf automatisch politisch interessiert? Geht gar eine messianische Botschaft von dem iPad aus, welches ein tägliches Gebet an Steve Jobs rechtfertigen würde?
Eher nicht.
Grund dürfte neben dem kleinen, handlichen Gerät eher der App Store sein, über den man Magazine bezieht.
Nicht wenige iPad-Besitzer dürften sich einen Spaß daraus machen, in regelmäßigen Abständen den App Store nach interessanten Neuerungen zu durchstöbern. Stößt man dann auf ein Magazin und ist eine Ausgabe gar gratis, greift man schnell zu – sollte einem die App oder das Magazin selbst nicht zusagen, kann man sie einfach löschen. Denn eines sei hier für jene erwähnt, die sich noch nicht mit mobilen Geräten beschäftigt haben: Die Magazine kommen in der Regel nicht alleine auf das iPad. Erst lädt man eine zumeist kostenfreie App, also ein Programm, welches dann wiederum das Laden der einzelnen Ausgaben übernimmt.
Über diese App wird auch der Kauf einer Ausgabe oder gar eines Abos geregelt. Abgerechnet wird via iTunes, löscht man aus Platzgründen eine Ausgabe, kann man sie später jederzeit wieder kostenfrei laden. Dies ist bei allen Magazinen identisch, denn hier hat Apple strikte Vorgaben – stets mit Blick auf die Kundenfreundlichkeit.
Geweckt wird mit dem iPad also eher nicht das Interesse an einem speziellen Magazin, sondern der Wunsch, Neues zu entdecken.
Die Bequemlichkeit, mit der man dies tun kann, tut ihr Übriges. Man muss nicht vor einem übervollen Zeitschriftenregal im Supermarkt stehen, sich bücken und jeden Titel einzeln in die Hand nehmen. Auch muss man sich nicht auf den Webseiten der Verlage herumtreiben, um dann irgendwelche Formulare auszufüllen, damit einem ein Probeheft zugeschickt wird; verbunden mit der Gefahr, den Kündigungstermin zu verpassen und so an ein Jahresabo gekettet zu sein.
Man liegt bequem im Bett oder auf dem Sofa, installiert eine App und liest das Probeheft oder zumindest die meist recht ausführliche Leseprobe.
Gefällt einem, was man sieht, bleibt man dabei, kauft weitere Ausgaben oder schließt ein Abo an; neben den Jahres-Abos sind dank iTunes oft auch kürzere Laufzeiten möglich!
Gefällt es einem nicht, löscht man die App; fertig. Keine Mühen, keine unnötigen Risiken.
Auf diese Weise probiert man gerne aus, was man im Laden oder im Web nicht ausprobieren würde. So gesehen ist es also nicht die Hardware, welche eine darbende Branche aus der Krise führt, sondern das simple Modell dahinter.
Betrachten wir nun aber die Umsetzung, denn das ist es schließlich, was den Endkunden – also Sie und mich – interessiert.
Haben die Verlage bei den Geschäftsmodellen einen eher geringen Spielraum, sieht das bei der Gestaltung der Apps und der Magazine anders aus.

Momentan kristallisieren sich drei Modelle heraus; drei Wege, die Verlage einschlagen können.

Die einfache PDF-Umsetzung.
Hierbei ist die App ein besserer PDF-Reader, die Seiten des Magazins werden eins zu eins eingescannt und auf dem iPad dargestellt. Dies erkennt man meist daran, dass sich eine Magazinseite in Stücken aufbaut. Vier Quadrate, die nacheinander erscheinen. Die Schrift ist nicht selten unscharf, die Bilder lassen sich nicht vergrößern. Selbst Links zu weiterführenden Inhalten und Informationen fehlen nicht selten.
Faktisch ist das die einfachste Variante und auch die schlechteste, denn sie bietet dem Kunden keinen Mehrwert gegenüber der gedruckten Ausgabe. Die User lehnen diese Form mehr und mehr ab; vor allem dann, wenn die einzelnen Ausgaben zum Preis der Print-Hefte verkauft werden. Die Kommentare und Kritiken im App Store sprechen eine klare Sprache.

Umsetzung mit Einbinden vorhandener Multimedia-Inhalte.
Hier wird das Magazin nicht einfach gescannt, sondern Text und Bilder liegen speziell für die App, haben eine gute Schärfe und können auch vergrößert oder verkleinert werden. Zudem sind Links vorhanden, sodass man aus dem Artikel heraus weiterführende Informationen aufrufen kann. Auch gibt es Multimedia-Inhalte wie zum Beispiel Videos. Diese stammen entweder von der Webseite des Verlags oder liegen – wie bei der Game Star – bei gedruckten Ausgaben auf DVD bei.
Diese Version ist eine gute Lösung, denn sie bietet dem Kunden einen echten Mehrwert. Um etwa ein Video mit weiteren Informationen oder bildhaften Darstellungen zu betrachten, braucht er nicht das Magazin beiseitezulegen oder auf eine Webseite navigieren, sondern kann es direkt um Artikel schauen.

Umsetzung mit speziellen Multimedia-Inhalten.
Dies ist ohne Zweifel der Königsweg, denn hier werden speziell für die iPad-Version neue Multimedia-Inhalte erstellt. Videos, Dia-Shows oder Musik und Sprache werden mit dem geschriebenen Text kombiniert und bieten dem Leser ein Erlebnis, das er mit einer gedruckten Ausgabe auch dann nicht haben kann, wenn der Verlag CDs oder DVDs beilegt. Als Primus dürfte hier die App der Computerbild Spiele gelten, denn die Macher haben es wie kein anderer verstanden, was der moderne Besitzer eines iPads von einer App erwartet.

Nicht von diesem Artikel betroffen sind übrigens solche Magazine, die in der App-Welt geboren sind, also keine Entsprechung im Print-Sektor haben. Diese fallen ohnehin zumeist in die dritte Kategorie, da hier jeder Inhalt speziell für das iPad erstellt wird.
Mit welcher Art der Umsetzung man es zu tun hat, erkennt man meist an den Bewertungen und Kommentaren zur jeweiligen App. Ebenso findet man auf diese Weise sehr schnell heraus, ob das gebotene Preis-Leistungs-Verhältnis in Ordnung ist oder nicht.
Letztlich muss dies aber jeder für sich entscheiden – zum Glück ist ein Test in der Regel kostenfrei möglich.

Copyright © 2011 by Gunter Arentzen