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Jim Buffalo – 3. Abenteuer – Kapitel 4

Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922

Der Galgen von Mantinela
Das 3. Abenteuer Jim Buffalos

4. Kapitel

Auf der Flucht

Ein furchtbarer Aufschrei durchzitterte den Raum, der Jim Buffalo und Bel Eberlein als Schlafstätte diente.

Letzterer hatte ihn ausgestoßen.

Aus leisem Schlummer erwacht, sah er eine dunkle Gestalt an das Bett hinüberhuschen.

Mit einem riesigen Satz sprang er auf sie zu.

»Zurück!«, schrie er. »Das Leben dieses Mannes steht unter meinem Schutz!«

Mit kräftiger Faust packte er das Handgelenk der dunklen Gestalt, drehte es herum und lachte hart auf, als ein spitzer Dolch zu Boden fiel.

Indessen hatte Bel Eberlein blitzschnell den Kienspan entzündet, sodass der Raum in strahlende Helligkeit getaucht war. Kaum hatte er jedoch einen Blick in das Antlitz des nächtlichen Besuchers geworfen, als er einen Laut der Verwunderung ausstieß.

»Meister Gondrat?«

»Ja – ich bin es!«, gellte es hasssprühend von dessen Lippen. »Ich, dessen Sohn du erschlagen hast!«

»Ihr lügt!«

»Halt!«, befahl Jim Buffalo und trat drohend vor den Mann hin. »Sagt augenblicklich, was Ihr zu nächtlicher Stunde hier sucht?«

Gondrat presste die Lippen zusammen.

»Diesen Mann hier beschuldigt Ihr als einen Mörder!«, fuhr Jim Buffalo finster fort. »Und was wärt Ihr, wenn Euch Euer Plan gelungen wäre?«

Buffalo hörte als Antwort nur Gondrats Zähneknirschen.

»Seht Ihr das Gefäß dort?«, fuhr Jim Buffalo fort und wies auf eine Blumenschale, die auf dem Tisch stand. »Seht Ihr es?«

Gondrat hob den Kopf. Finster blickte er hinüber.

Im selben Augenblick zog Jim Buffalo ein kleines, schwarzes Ding aus der Tasche, zielte und drückte gleich darauf ab.

Der Schuss krachte.

Das Gefäß zersprang in tausend Scherben! Bel Eberlein sank entsetzt in die Knie, während Gondrat an allen Gliedern schlotterte.

Hoch richtete sich Buffalo auf.

»Habt Ihr es gesehen? Dann merkt Euch, dass ich jeden so zerschmettern werde, der mir oder Bel Eberlein in feindlicher Absicht naht! So – und nun geht!«

Leichenblass stürzte der Mann davon.

 

*

 

In der Frühe des nächsten Morgens verließen Jim Buffalo und Bel Eberlein die Stadt. Eberlein wusste im Wald eine einsame Hütte, in der er Schutz für sich und seinen Retter zu finden hoffte.

Als sie die Hütte erreichten, glaubten sie, ein Geräusch zu vernehmen. Jäh hielt er den Atem an.

Das Knacken einiger Büsche erscholl, dann erschien ein lauerndes Gesicht in den Büschen.

»Gondrat!«, schrie Bel Eberlein auf.

Zu spät kam Jim Buffalos zischender Laut. Der Schurke hatte den Schrei aus Eberleins Munde gehört und sah sich erkannt. Blitzschnell verschwand er.

Düster sah ihm Jim Buffalo nach.

»Jetzt jagt er in die Stadt und hetzt von Neuem die Menschen gegen uns zusammen!«, murmelte er. Dann sah er sich forschend um, um plötzlich einen leisen Pfiff auszustoßen.

Ein Felsblock war es, den er in einer Entfernung von ungefähr zwanzig Metern erblickte. Eine Idee war in ihm aufgestiegen, die er sogleich auszuführen beschloss. Schnell schritt er hinüber und schüttete aus einem kleinen Säckchen Pulver unter den Block, um dann eine Zündschnur aus der Tasche zu ziehen.

Beides trug er noch von seinem Abenteuer im hohlen Berg von Lambartsen her in der Tasche.

Dann legte er die Schnur bis zur Hütte. Es lag ihm nicht daran, Blut zu vergießen, doch hatte er auch nicht Lust, sich von Menschen des 13. Jahrhunderts um die Ecke bringen zu lassen.

Wie es Jim Buffalo vermutet hatte, so geschah es auch.

Kaum eine Stunde war vergangen, da klang wildes Geschrei durch den Wald, und nicht viel später tauchten bereits am Rande der Lichtung, auf der sich die Hütte erhob, die Gestalten einer vielhundertköpfigen, erregt gestikulierenden Menge auf.

So sehr Jim Buffalo auch nach Gondrat Ausschau hielt, er konnte ihn nicht unter den Menschen entdecken. Wahrscheinlich hielt er sich im Hintergrund.

Nun trat ein Mann vor und kam bis in die Mitte der Lichtung. Sein Bart war pechschwarz und der Blick seiner Augen kalt und stechend.

»Gebt Bel Eberlein heraus!«, schrie er herüber.

Jim Buffalo kreuzte gelassen die Arme, während sein Schützling zu erbeben begann.

»Bel Eberlein ist kein Mörder!«, rief Jim Buffalo gelassen zurück.

»Kein Mörder? Er hat Gondrats Sohn erschlagen!«

»Er ist unschuldig!«

»Nein – ein Mörder ist er! Gebt ihn heraus! Sein Opfer liegt noch nicht bestattet – die Leiche Hagen Gondrats schreit nach Rache!«

Nun riss Jim Buffalo der Geduldsfaden. »Lasst sie schreien, bis sie von selbst wieder aufhört!«, schrie er zornig. »Bel Eberlein bleibt bei mir. Das ist mein letztes Wort!«

Der Mann mit dem schwarzen Bart kniff die Augen zusammen und sah mit heimtückischem Gefunkel zu Bel Eberlein hinüber. Dann trat er schnell zurück.

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