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Einsendeschluss 31.05.2021

Dark Empire

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Theomanie mit Ekstase

Das 17. Jahrhundert

8. Theomanie mit Ekstase. Eine Betschwester und ihr Beichtvater klagen sich gegenseitig an, dem Teufel zu dienen.1

In dem Werk von Lenormand findet sich auch die Geschichte einer Betschwester, die als Hexe verfolgt werden sollte, und die, um sich selbst der Gefahr zu entziehen, ihren Beichtvater anklagte, dass er sie zur Religion des Teufels habe verführen wollen.

Maberthe war auch zu anhaltende Andachtsübungen, indem sie jeden Tag beichten, jeden Tag das Abendmahl nehmen wollte, endlich in einen Zustand ekstatischer Verzückung geraten. Sie glaubte sich von einer besonderen Gnade erleuchtet, bildete sich ein, über den Schmutz der Sünde erhaben, von Gott mit der Fähigkeit des Hellsehens begabt zu sein, durch die sie in den Gedanken anderer zu lesen vermöge. Sie glaubte, dass der Herr sie besuche, ihr seinen Rat und seine Gunstbezeugungen unmittelbar zuteilwerden ließe. Eine geheimnisvolle Stimme in ihrem Inneren sprach: »Ich will dir Vergebung für alle deine Sünden schenken, beichte ohne Unterlass, meine Tochter.« Zugleich fühlte sie, dass aus dem Verborgenen eine Hand auf ihren Kopf gelegt werde. Dann glaubte sie, obwohl sie nicht mehr jung war, dass sie jede Nacht ein fantastisches Wesen besuche, durch das sie die Wonne und die Entzückungen einer unaussprechlichen Liebe genieße. Nicht zufrieden damit, selbst dieses Übermaßes von Glück teilhaftig zu sein, setzte sie sich in den Kopf, auch andere das Mittel zu lehren, ähnliche Wonne zu erlangen; doch erregte sie dadurch nur Zweifel an der Reinheit ihrer Seele und der Aufrichtigkeit ihrer Andachtsübungen. Ihr Beichtvater, zuerst erstaunt darüber, dass sie ohne den geringsten Skrupel sich den Umarmungen ihres Gottes hingab, fing bald an zu glauben, dass sie sich bloß verstelle und eigentlich ihr Lager mit einem Incubus teile. Bald erzählte sie auch von ähnlichen Geheimnissen wie die des Sabbats, beschimpfte die Jungfrau Maria und die Anbetung von Christus. Die Dreieinigkeit der Christen oder vielmehr derjenigen, die sich unrechtmäßiger Weise so nennen, ist nach ihren Worten nichts anderes als der Stolz, die Zwietracht und die Eitelkeit; ihr Gott ist das Laster; ihre Taufe das Emblem des bösen Geistes. Es gibt einen süßen Jesus, den das Volk nicht kennt, sondern nur die kleine Herde der Auserwählten; diese aber sehen mit leiblichen Augen die Versammlungen der Engel, sind von den Strahlen eines göttlichen Lichtes erleuchtet und erhalten von Gott alles, was eine menschliche Kreatur sich ersehnen kann. Maberthe hatte auf die Gegenstände, welche die übrigen Christen verehren, Verzicht geleistet; der Chor der Engel ist ihr erschienen; sie hat das Zeichen ihres Gottes empfangen. In ihrer übergroßen Abneigung gegen Christus verlangt sie, dass man sich übe, die Hostie zu schänden. Sie verlangt, dass man arbeite, um sich der Gemeinschaft der Auserwählten würdig zu machen, die sich in der Nacht an einem abgelegenen Ort um den Thron ihres Gottes versammeln.

Als Maberthe sich ihrem Beichtvater entdeckte, so musste sie hören, dass der Gott, den sie zu verehren meinte, nur der Gott der Hölle sei; sie schwankt und ist im Begriff zu gestehen, dass sie wirklich der Sekte der Zauberer angehöre, aber bald ermannt sie sich, gibt dem Priester seine Anklagen zurück und beschuldigt ihn, dass er das Heilige profanieren wolle, dass er sie verleite, von der wahren Religion abzulassen. Zwei Jahre später wiederholte sie noch ihre Anklage, und ihr Beichtvater wurde in der Tat genötigt, zu beweisen, dass er nur den wahren Gott verehre. Maberthe hatte vielfache Sinnestäuschungen; eine Vision ihres Gottes hatte sie nicht, aber sie fühlte ihn; ihre Nächte waren ohne Schlaf, weil sie fünf, sechs, ja sieben Stunden sich der Umarmung ihres Gottes in unaussprechlichem und unvergleichlichem Genuss erfreute. Auch die Stimme des Teufels hörte sie, und einmal sollte sie der Teufel an der Hand in der Stube umhergeführt haben.

Aus der Mark teilt v. Raumer in Märkische Forschungen Bd. 1. 1841 einen Fall mit, in dem sich die Hexen- und Zaubermittel damaliger Zeit einmal zusammengestellt finden. 1614 wurden zwei Adelige in der Uckermark der Hexerei beschuldigt. Als gerade der Hofrichter aus Prenzlau bei ihnen anwesend ist, versteckten sie eine Lade in einem Fliederbusch im Garten.

Man findet in der Lade:

1) Kunstbücher mit allerhand conjurationes, wie der Teufel in einen Kreis zu bringen usw.

2) einen Totenkopf, eiserne Ketten, dem Ansehen nach von einem Hochgericht genommen, Nägel usw. in einem Beutel

3) drei stählerne und einen gläsernen Spiegel, mit Charakteres beschrieben, um Visiones zu halten und worin ihnen Geister erschienen. Als einem Spiegel, in dem die vier Erzengel zu erscheinen pflegen, das Stahl entfiel, fand man darunter ein Pergament mit absonderlichen Schriften und Zirkeln und, wie es schien, fünf Oblaten, so Kommunikanten gereicht und aus dem Maul wieder gezogen worden, weil das darauf geprägte Kruzifix ganz vergangen war (die Katoptromantie war damals eine sehr verbreitete Art der Zauberei)

4) Kristalle, in Holz und Blei gefasst

5) zwei Knöchlein in einer Lade, anscheinend von kleinen Kinderärmchen, noch fast frisch und mit der Haut usw., und endlich

6) ein ordentliches Tagebuch, wonach sie täglich öfters Visiones gehalten hatten, wo ihnen Engel, Teufel und unterirdische Geister erschienen, so sie pigmaeos nennen, bei denen sie sich in Krankheiten Rat erholt usw.

Zu Zeiten luden sie die bösen Geister zu Gast; Joachim von L. hatte zwei Geister, die er sich untertänig gemacht, einer Pigmäus, so unter dem Gesindetisch gewohnt und ihn den lapis philosophorum zu machen gelehrt; der andere Celus, so unter der Hölle (Ofen) gewohnt, und ihm zu Zeiten stattlich musiziert usw.; sonst hatten sie auch noch mehr Geister und Teufel.

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Show 1 footnote

  1. 1621 führte Elisabeth von Raufaing zu Nancy ein ähnliches Schauspiel auf, wie früher Nicole Obry zu Vervins. Die krankhaften Erscheinungen, die sie zeigte, stehen denen von Magdalene von Mandol ziemlich nahe. Sie klagte den Arzt Poirot an, dass er ihr einen Zauber gegeben habe. Sie sollte selbst vor einem Tribunal erscheinen, aber ihre Beschützer begünstigten ihre Flucht aus dem Gefängnis. Der unglückliche Poirot jedoch musste das Geschick von Gaufridi erleiden (7.April 1622).
    Ebenso wurde Anna Bonley verbrannt, die angeklagt worden war, Poirot unterstützt zu haben.

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