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Der Krieg mit den Markomannen

Historische Denkwürdigkeiten

Der Krieg mit den Markomannen

Marc Aurelius lässt zwei große Löwen über die Donau schwimmen, welche bei ihrer Ankunft am jenseitigen Ufer von den Deutschen mit Keulen erschlagen wurden.

Wie die Deutschen in dem großen Befreiungskampf vom Jahre 1813 den gewaltigen Kriegsmeister der neuesten Zeit durch gegenseitige Vereinigung zuletzt überwältigten, so geschah dieses, wenn auch anfangs nicht mit gleichem Erfolg, schon um sechzehn Jahrhunderte früher durch ein Bündnis von mehreren germanischen Völkerschaften wider ihren gemeinschaftlichen Feind, nämlich die Römer.

Es war dieses der sogenannte markomannische Krieg, welcher im Jahr 166 n. Chr. geführt wurde, der zwar anfangs für die germanischen Stämme ungünstig ausfiel, jedoch ihnen bald die Überzeugung verschaffte, dass sie, wenn sie sich fest vereinigen, selbst den für unüberwindlich gehaltenen Römern zuletzt überlegen werden können.

Das Vorbild eines Völkerbündnisses wider auswärtige Feinde und des daraus entspringenden Nutzens hatte schon früher der tapfere Hermann durch seine, dem römischen Feldherrn Varus im Teutoburger Wald beigebrachte Niederlage gegeben, welchem Beispiel während der Regierung des Vespasian auch die Bataver folgten.

Dieses altgermanische Volk, welches einen Teil des heutigen Hollands bewohnte, war schon zu den Zeiten des Kaisers Tiberius durch den berühmten Drusus den Römern bekannt, und von diesen infolge ihrer schlauen Politik unter die Zahl ihrer Bundesgenossen aufgenommen worden.

Für diese Ehre genossen sie die Vorrechte, ihr Blut zum Besten der Römer so oft und so viel sie wollten, zu opfern, nachdem die bereits verweichlichten Römer ebenso ungern über die Grenzen Italiens in das wilde und kalte Germanien gingen, wie im Mittelalter die Deutschen mit ihren Kaisern zu Italiens Fluren, welche sie das Grab der Deutschen nannten.

Die römischen Kaiser waren also genötigt, den größten Teil der streitbaren Mannschaft aus den verbündeten Völkern zu erheben, in welcher Beziehung die Bataver besonders hart in Anspruch genommen wurden.

Man begnügte sich bei diesem Volk nicht bloß damit, dass man die Jugend zum Kriegsdienst aushob, sondern man erpresste auch noch große Geldsummen dadurch, dass absichtlich alte und schwächliche Familienväter zum Kriegsdienst bestimmt wurden, die sodann nur mit großen Geldzahlungen wieder losgekauft werden konnten. Ein solches Verfahren konnte natürlich keine guten Folgen bringen und musste zuletzt den Unwillen der ganzen Nation herbeiführen, die in ihrer Gemütsstimmung nur einen kühnen und einsichtsvollen Mann brauchte, der das Zeichen zum Aufstand gibt. Dieses tat nun Iulius Civilis, ein Mann von ungewöhnlichen Gaben. Er schilderte seinen Landsleuten in einer Rede die Bedrückungen und ungebührliche Behandlung, welche sie von den Römern ihren sogenannten Bundesgenossen zu erleiden haben, und bewog sie, die Waffen wider diese Feinde zu ergreifen.

In kurzer Zeit stand das ganze Land der Bataver auf und verjagte die Römer aus dieser Insel. Damit aber noch nicht zufrieden, verließ Iulius Civilis Batavien und griff die Römer am Rhein in der Gegend von Xanten an, wo er sie völlig in die Flucht schlug, sodass sich nur ein kleiner Teil des Heeres in das bei Xanten befindliche Lager retten konnte, welches er aber gleichfalls belagerte und in der Folge erstürmte.

Von hier aus schickte er nun Gesandte an viele benachbarte germanische Fürsten und ließ sie einladen, dass sie sich mit ihm wider ihren gemeinschaftlichen Feind, die Römer, verbinden möchten. Dieser Antrag fand auch bei den meisten Gehör, und selbst die Soldtruppen, die früher unter dem römischen Feldherrn Flaccus gegen ihre eigenen Landsleute gefochten hatten, empörten sich nun wider ihn und schlossen sich den Scharen des Iulius Civilis an.

Die Folge dieser Bereinigung war, dass sie die Römer über den Rhein jagten und alle Festungen und Kastelle zerstörten, die von den Römern längs des Rheinstromes mit viel Mühe und großem Kostenaufwand hergestellt wurden.

Nur Mogontiacum (Mainz) und Vindonissa, auf welchen Letzterer ein Habsburger sein Stammschloss baute, blieben von dieser Zerstörungswut verschont, und so war der Rheinstrom wieder so frei, wie zuvor, als noch kein Römer in diese Gegenden gekommen war. Freilich gelang es in der Folge dem römischen Feldherrn Cerialis, der ein erprobter alter Kriegsmann war und mit einer großen Streitmacht am Rhein erschien, Civilis bei demselben Xanten durch den Verrat eines Überläufers in den Rücken zu kommen und ihn zu schlagen; allein Civilis blieb guten Mutes und stellte bald wieder ein größtenteils aus Germanen bestehendes Heer auf, was dann zur Folge hatte, dass sich der römische Feldherr Cerialis in Unterhandlungen einließ, durch welche der batavische Krieg im Jahr 69 n. Chr. unter dem Kaiser Vespasian sein Ende erreichte, den Germanen aber die Lehre gab, dass sie in Einigkeit den gefürchteten Römern allerdings gewachsen sind und obwohl ihnen an Zahl noch gering, dennoch Ehrfurcht und Achtung abgewonnen haben.

Dieser Gedanke schlug auch immer tiefere Wurzeln bei den Germanen, und die Furcht, welche ihnen der römische Feldherr Germanicus nach der Niederlage des Varus neuerdings eingeflößt hatte, verschwand bald gänzlich. Auch findet man seit jener Zeit nur wenige Spuren, dass die Nationen diesseits des Rheins, welche sonst mit den Römern gern Bündnisse unterhalten hatten, dieselben neuerdings fortgesetzt hätten. Nicht ohne Grund gibt man also diese Epoche des batavischen Krieges als diejenige an, wo in Germanien jene große Völkervereinigung begann, welche den Umsturz des römischen Reiches herbeiführte.

Bereits hatten die Römer im Verlaufe der Zeit alles Land am diesseitigen Ufer der Donau von ihrem Ursprung bis zu ihrer Mündung in das Schwarze Meer unter ihre Herrschaft gebracht, und dasselbe wie am Rhein durch Anlegen vieler Kastelle und Standlager gesichert. Ihre Länderhabsucht überschritt aber auch diese natürliche Landesgrenze, da sie versuchten, in verschiedenen Gegenden jenseits der Donau Eroberungen zu machen. Besonders merkwürdig ist ihr Übergang beim heutigen Wien unter dem Kaiser Marc Aurelius im Jahr 166, welcher die Markomannen, einem mächtigen altgermanischen Völkerstamm, die in dem heutigen Mähren wohnten, und auch die Ebenen des Marchfeldes im Besitz hatten, überwinden wollte.

Da die Markomannen weder an Zahl noch an Kriegsfertigkeit den Römern gewachsen waren, so verbanden sie sich nach dem Beispiel ihrer Vorfahren mit mehreren benachbarten Völkern, worunter die Quaden und Hermunduren die Bekanntesten sind, und erwarteten den Kaiser in den Ebenen des Marchfeldes, das in der Folge mehrmals Zeuge großer und das Schicksal vieler Völker entscheidenden Schlachten werden sollte.

In diesem merkwürdigen Kampf, gleichsam einem Vorspiel der Völkerschlacht bei Leipzig, erlag durch die Einigkeit der germanischen Stämme zuerst der Präfekt Furius Victorinus mit dem größten Teil seines Kriegsheeres. Nach ihm hatte der römische Feldherr Vinder ein gleiches Schicksal, der zuletzt auf seiner Flucht von den Germanen eingeholt und erschlagen wurde. Da zitterten die Römer vor den Donauvölkern, wie einst vor den Kimbern und Cheruskern. Als auch die Pest aus Asien herübergekommen war und weit und breit würgte, als eine Hungersnot wütete, Erdbeben geschahen und feurige Zeichen am Himmel gesehen wurden, da dachten die Abergläubischen an nichts anderes mehr, als dass die Herrlichkeit des römischen Reiches sich zu Ende neige. Nur der Kaiser verlor nicht den Mut. Er verkaufte seinen kostbaren Hausrat und den Schmuck der Kaiserin, um Kriegsvolk zu werben, verwandelte Sklaven, ja sogar Missetäter in Soldaten und führte ein großes Heer gegen die Germanen in das Donauland.

Auf den Rat der Wahrsager ließ er nun zwei Löwen, die er mitgebracht hatte, in die Donau jagen, weil man prophezeite, dass diese Tiere den Feinden Verderben bringen würden; wenigstens so glaubten es die Soldaten.

Die am jenseitigen Ufer stehenden Germanen sahen mit Verwunderung diese beiden, ihnen völlig unbekannten Tiere und riefen lachend: »Seht doch, was für große Hunde.« Als aber die Löwen brüllend an Land kamen, eilten die germanischen Krieger herbei und erschlugen sie mit ihren Keulen.

Bald darauf setzte Marc Aurelius mit seinem Heer über die Donau und vereinigte sich mit einem anderen Hilfsheer, welches beim heutigen Wien diesen Strom überschritten hatte. Als dieses die Markomannen, welche mit den Quaden, Hermunduren und noch anderen germanischen Stämmen verbunden waren, bemerkten, zogen sie sich in eine dürre und unfruchtbare Gegend des Marchfeldes, an die Grenze von Pannonia zurück, wo sie den Kaiser plötzlich von allen Seiten umringten und durch Hunger und Durst aufreiben wollten. Marc Aurelius’ Lage wurde nun mit jedem Tag bedenklicher und seine Versuche, sich mit seinem Heer durchzuschlagen, immer durch die vereinigte Tapferkeit der Germanen vereitelt. Auch war damals ein so heißer Sommer eingetreten, dass im römischen Lager durchaus Mangel an Wasser war und das Heer in Gefahr geriet, zu verdursten.

Nur ein Wunder schien ihn und seine Kriegsvölker aus der drückenden Lage befreien zu können, und dieses blieb zu seinem Glück auch nicht aus. Unter seinen Kriegern befand sich eine Legion, welche größtenteils aus Christen bestand, während die übrigen Soldaten noch dem Götzendienst ergeben waren. Diese christliche Legion vereinigte sich nun zum Gebet, um von ihrem Gott Regen zu erflehen. In der Tat zog kurze Zeit danach ein furchtbares Ungewitter heran, wo die schon halb verdursteten Soldaten mit ihren Helmen das reichlich herabströmende Regenwasser auffingen und ihren brennenden Durst stillten. Da zugleich auch im Lager der Feinde ein heftiges Ungewitter tobte, wodurch die meisten in großen Schrecken versetzt wurden, so griff das ganze römische Heer zu den Waffen und drang unter dem furchtbaren Gekrach des Donners und Blitzes auf die Feinde los, welche über diesen unerwarteten Angriff sich plötzlich in eine wilde Flucht auflösten.

Bald nach diesem Sieg machte Marc Aurelius mit den Markomannen Frieden und siedelte den größten Teil des Volkes in das Innere von Italien um, so, dass von nun an ihr Stamm aus der Geschichte verschwand. Allein die mit den Markomannen verbündet gewesenen Völkerstämme konnte er nicht überwältigen, ja selbst alle Früchte seines Sieges gingen nach seinem Tod bei den Römern wieder verloren, die von nun an nie mehr ihren Fuß siegreich in diese Gegenden setzten.

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Eine Antwort auf Der Krieg mit den Markomannen

  • Paule sagt:

    Die Römer gingen aus den Etruskern und diese aus den Hattiten hervor.
    Immer wurden Feinde assimiliert, um das derzeitige Reich zu erhalten.

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