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Slatermans Westernkurier 03/2020

Auf ein Wort, Stranger, kennst du noch die XIT-Ranch?

Sie lag im Nordwesten von Texas, entlang der Grenze zu Neu-Mexiko, erstreckte sich über beinahe ein Dutzend Countys und war mit Tausenden von Meilen Stacheldraht umgeben.

Ihr Brandzeichen = XIT = bedeutete X = 10, I = in, T = Texas, also 10 Countys in Texas.

Wobei die amerikanische Publizistin Carol Ellis die Meinung vertritt, dass dies so nicht ganz richtig ist. Einzig das Parmer County gehörte fast gänzlich, angeblich zu 99,8 Prozent, zum Gebiet der Ranch, bei den anderen Countys war das lediglich ein zwei bis drei Meilen breiter Landstreifen. Aber das ist Auslegungssache, Tatsache ist und bleibt, die XIT war die größte Ranch der Welt.

Sie machte ihrem Namen alle Ehre, denn ihre Geschichte glich einem Abenteuerroman, gegen den selbst die wildesten Fantasien der Filmemacher in Hollywood wie der Kindergeburtstag eines Zweijährigen wirken.

Die XIT hat ihre Entstehung dem Größenwahn eines texanischen Gouverneurs zu verdanken, der aufgrund seiner  »make Texas great«-Fantasien, ein Schelm, wer jetzt Parallelen zu irgendwelchen anderen amerikanischen Volksvertretern unserer heutigen Zeit sieht, die Vision hatte, für sein unnachahmliches Texas ein größeres, schöneres und teureres Capitol zu errichten, als es in Washington stand.

Der einzige Haken an der Sache war, der gute Mann hatte dafür kein Geld.

Das texanische Parlament, von Patriotismus erfüllt und gleichfalls jenseits von Gut und Böse, schlug daher vor, die Kosten durch Landverkauf zu decken, was dann auch geschah.

Kurz darauf schrieb der Staat Texas 3.050.000 Acres Land (= 12342,7 km² oder 1.234.267,9 ha) im Nordwesten von Texas zum Verkauf aus. Ein Gebiet, das im Osten und im Süden 920 km maß, im Westen entlang der Neu-Mexiko-Grenze 296 km und im Norden 48 km.

 

*

 

Die Landausschreibung war kaum veröffentlicht, als sich ein Konsortium von Geschäftsleuten, die in Chicago ansässig waren, daran machte, genügend Kapital aufzutreiben, um den alleinigen Zuschlag zum Landkauf zu erhalten.

Amos Babcock, Abner Taylor sowie John Farewell und dessen Bruder Charles reisten zu diesem Zweck bis nach Paris, Manchester und Belfast, wo sie schließlich in Gestalt des Earl of Aberdeen, Sir Henry Maxwell, dem Governor oft he Commercial Bank of Scotland und dem Marquis of Tweddale Gleichgesinnte fanden, die bereit waren, in dieses Geschäft einzusteigen.

Die amerikanischen und schottischen Finanziers gründeten daraufhin das Capitol Land Syndikat und sicherten der Texanischen Regierung vertraglich zu, die gesamten Kosten für das texanische Regierungs- oder besser gesagt Repräsentativgebäude zu übernehmen, worauf sie im Gegenzug ein Gebiet erhielten, dessen Ausmaße so manches europäische Fürstentum übertrafen.

Matthea Schnell, einem Architekten aus Rock Island, Illinois, wurde daraufhin die Ehre zuteil, das Capitol zu planen und errichten.

Der Bau des Giganten begann im Februar 1882 und endete April 1888.

Das texanische Capitol war bei seiner Fertigstellung 190 m lang, 96 m breit und 104 m hoch und damit höher als das Capitol in Washington.

Die schottischen Finanziers hatten dafür exakt 3.224.593,45 US-Dollar ausgegeben, eine Summe, die für damalige Verhältnisse auf den ersten Blick geradezu unglaublich erscheint. Die aber bei näherem Betrachten nur ein besseres Trinkgeld ist, wenn man weiß, dass sie dafür pro Hektar bestes Rinderland gerade mal lächerliche 2 Dollar und 60 Cent berappen mussten.

1886 betreuten etwa 150 Cowboys ganzjährig mehr als 110.000 Rinder auf der Ranch, Zahlen, die sich nach der Fertigstellung des Capitols sogar verdoppelten.

Angesichts der Tatsache, dass in diesen Zeiten im Winter fast jeder Weidereiter die Futterstrecke abritt (Grubline ist ein Thema, das demnächst auch hier zur Sprache kommen wird), hätten sich diese Männer eigentlich glücklich schätzen müssen. Doch diese Vollbeschäftigung hatte auch eine dunkle Seite.

Im Gegenzug dazu mussten die Cowboys das aufgeben, was ihnen bis dato am wichtigsten war: ihre Freiheit.

So war es ihnen verboten, Schuss- oder Stichwaffen zu tragen, eigenes Vieh auf der Ranch zu halten, Wild zu jagen und mehr als zwei Pferde zu besitzen und diese mit Futter zu versorgen, das der Ranch gehörte. Besuchern wurde nur erlaubt, sich einen Tag auf dem Gebiet der XIT aufzuhalten und dort nur eine Nacht ohne Bezahlung für Verpflegung und Unterkunft zu verbringen. Weiterhin waren das Kartenspiel und Glücksspiele jeglicher Art verboten.

Der geringste Verstoß gegen diese Anordnungen bedeutete fristlose Entlassung und das Gebot, die Ranch innerhalb von acht Stunden zu verlassen und sie niemals wieder zu betreten.

 

*

 

Auf dem Höhepunkt ihrer wirtschaftlichen Macht, ihres Einflusses und dem Stellenwert im gesellschaftlichen und politischen Leben Texas’ war die XIT Ranch, die zu diesem Zeitpunkt in 94 Einzelweidegebiete und 17 Unterranches unterteilt war, von etwas mehr als 10.000 km Stacheldraht umgeben.

335 Windmühlenbrunnen ergänzten die Wasservorräte für 800 Angestellte; 200 Cowboys, 250.000 Rinder und die Einwohner der rancheigenen Städte Dalhart, Channing, Vega, Bovina, Amherst, Olton, Muleshoe, Farwell und Littlefield.

Ihr Niedergang hatte 1887 seinen Anfang, als die Preise für Rinder drastisch einbrachen. Ab 1900 wurde nach und nach alles Vieh verkauft, um die Investoren zu befriedigen. 1912 wurde der Betrieb eingestellt und aus der Ranch gingen die Countys Dallam, Hartley, Oldham, Deaf Smith, Parmer, Castro, Bailey, Cochran, Lamb und Hockley hervor.

Die XIT Ranch, viermal größer als das heutige Saarland, hatte damit aufgehört zu existieren.

Quellenhinweis:

  • H. J. Stammel, Der Cowboy, Legende und Wirklichkeit von A bis Z, Bertelsmann-Verlag, Reinbek 1976
  • Texas History

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