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Der Konstanzer Hans Teil 11

W. Fr. Wüst
Der Konstanzer Hans
Merkwürdige Geschichte eines schwäbischen Gauners
Reutlingen, 1852

Elftes Kapitel

Hans reist eine Zeitlang als Scharfrichter und Porzellanhändler, nimmt aber bald wieder seinen vorigen Namen an.

Nach den letzten Vorfällen glaubte sich Hans nicht mehr ganz sicher als Johannes Schüle, sondern ließ sich in Takendorf, wo dergleichen falsche Pässe leicht zu bekommen waren, einen Pass als Scharfrichter und Porzellanhändler ausstellen und nannte sich nun Franz Xaver Herrenberger. Er kaufte sich einen Karren und ein Pferd und zog mehrere Wochen ohne Ware umher. Wohin er kam, gab er vor, er habe seinen Warenvorrat im letzten Ort ganz abgesetzt. Dies ging nun nicht in die Länge, und seine jetzige Lebensweise war auch zu kostspielig. Überdies stimmte sein sauberer Anzug nicht mit seinem gar schlechten Fuhrwerk überein, was da und dort ihm argwöhnische Blicke zuzog und Verdacht gegen ihn erregte. Daher überließ er das Pferd samt Sattel und Zeug einem Wirt in der Nähe von Schaffhausen, der ihm dafür genug zu trinken geben musste.

Während er da zechte, kam der Schinder-Peter, ein gar kühner und trotziger Geselle, der längst schon nach Hans’ Kameradschaft gestrebt hatte. Hans wies aber seinen Antrag zu einem Diebstahl mit stolzem Ton zurück. Hierdurch fühlte sich jener schwer beleidigt und übte seine Rache dadurch aus, dass er, nachdem sich Hans entfernt hatte, auf dessen Rechnung es sich trefflich schmecken ließ und überdies noch des Letzteren Kugelbüchse mitnahm; ebenso bestahl er auch den Wirt.

Hans war höchst erbost, als der Wirt ihn bei seiner Rückkehr davon in Kenntnis setzte und schwor dem Gauner blutige Rache, bezahlte übrigens dem Wirt die Rechnung. Sogleich erhob er sich in Begleitung der Schleiferbärbel und einer anderen Gaunerin zur Verfolgung des Schinder-Peters und erfuhr, dass derselbe in Hohen-Emmingen im Fürstenbergischen sei. Da traf er ihn nebst seiner Gesellschaft in einem Wirtshaus und geriet in große Wut, als jener ihn mit der gestohlenen Büchse noch neckte. Hans eröffnete den Kampf mit ihm vor dem Wirtshaus, warf ihn zu Boden, hielt ihn an der Kehle fest und suchte mit der anderen Hand nach Peters Pistole. Ein Kamerad des Letzteren eilte dem Bedrängten zu Hilfe. aber flugs war die Schleiferbärbel bei der Hand und schnitt dem Helfenden die Sehnen an der rechten Seite des Halses durch, sodass derselbe wie tot niedersank. Ebenso schnell fiel sie dann über Peter her, ihm die Augen auszustechen. Die Dunkelheit der Nacht rettete ihn und sie verwundete ihn nur an der Wange. Durch den Lärm kam das Dorf in Bewegung und Hans und die Schleiferbärbel suchten ihr Heil in der Flucht. Sie eilten einem benachbarten Hof zu, wo ihr Gepäck und Hans’ Eltern und Schwester waren. Alle, auch der alte Schuster, mussten Packen aufladen, die ihnen den Angstschweiß austrieben, da anrückende Streifer sie eifrig verfolgten. Der Alte war voll Unmuts und drohte, seinen Sohn bei der Obrigkeit als kaiserlichen Ausreißer zu verraten. Dieser gab nun seinem Vater gute Worte und bat ihn, nur dieses Mal seiner noch zu schonen, er wolle sich nun gewiss bessern. So besänftigte er seinen Vater, glücklich kamen sie durch das Städtchen Möhringen, nahmen sich in einer Mühle nahe beim Dorf Seitingen das Nachtquartier und glaubten sich sicher.