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Die drei Musketiere 44

Alexander Dumas d. Ä.
Die drei Musketiere
7. bis 10. Bändchen
Historischer Roman, aus dem Französischen von August Zoller, Stuttgart 1844, überarbeitet nach der neuen deutschen Rechtschreibung

XI.

Vom Nutzen der Ofenröhren

Offenbar hatten unsere drei Freunde, ohne es zu vermuten und einzig und allein durch ihren ritterlichen, abenteuerlichen Charakter bewogen, jemanden, den der Kardinal mit seinem besonderen Schutz beehrte, einen Dienst erwiesen.

Wer war nun dieser Jemand? Das war eine Frage, welche die drei Musketiere auch an sich richteten. Da sie aber sahen, dass keine von den Antworten, welche ihr Verstand zu geben vermochte, genügend war, so rief Porthos den Wirt und forderte Würfel.

Porthos und Aramis setzten sich an einen Tisch und fingen an zu spielen. Athos ging nachdenklich auf und ab.

Bei dieser Gelegenheit kam er wiederholt an einer Ofenröhre vorüber, deren eine Hälfte abgebrochen war, während das andere Ende in ein oberes Zimmer ging. So oft er vorüberkam, hörte er ein Gemurmel von Worten, das am Ende seine Aufmerksamkeit fesselte. Athos näherte sich und unterschied einige Worte, die ihm ohne Zweifel eine so große Teilnahme zu verdienen schienen, dass er seinen zwei Gefährten ein Zeichen gab, sie möchten schweigen, während er sein Ohr an die Mündung der Röhre legte.

»Hört, Mylady«, sprach der Kardinal, »die Sache ist äußerst wichtig, setzt Euch, wir wollen uns besprechen.«

»Mylady?«, murmelte Athos.

»Ich höre Eure Eminenz mit der größten Aufmerksamkeit«, antwortete eine Frauenstimme, welche den Musketier beben machte.

»Ein kleines Schiff mit englischer Bemannung, dessen Kapitän mir ergeben ist, erwartet Euch an der Mündung der Charente, bei dem Fort de la Pointe. Es wird morgen unter Segel gehen.«

»Ich muss mich also noch in dieser Nacht dahin begeben?«

»In diesem Augenblick, das heißt, sobald Ihr meine Instruktionen erhalten habt. Zwei Männer, die Ihr bei Eurem Abgang vor der Tür findet, werden Euch als Geleit dienen. Ihr lasst mich aber zuerst gehen und entfernt Euch eine halbe Stunde nach mir.«

»Gut, Monseigneur. Nun aber wollen wir auf die Sendung zurückkommen, mit der Ihr mich beauftragen werdet. Da mir alles daran gelegen ist, fortwährend das Vertrauen Eurer Eminenz zu verdienen, so setzt mir gnädigst in klaren und scharfen Worten die Sache auseinander, damit ich keinen Irrtum begehe.«

Es herrschte einen Augenblick tiefes Stillschweigen unter den Sprechenden. Offenbar wog der Kardinal vorher die Ausdrücke ab, deren er sich bedienen wollte. Mylady fasste alle ihre geistigen Fähigkeiten zusammen, um die Dinge, die er ihr sagen würde, vollständig zu begreifen und, wenn sie gesagt wären, ihrem Gedächtnis einzuprägen.

Athos benutzte diesen Augenblick, um seine Freunde aufzufordern, die Tür von innen zu schließen und dann zu ihm heranzutreten, um mit ihm zu hören.

Die zwei Musketiere, welche die Bequemlichkeit liebten, brachten einen Stuhl für jeden von ihnen und einen weiteren für Athos herbei. Alle drei setzten sich, hielten die Köpfe nebeneinander und horchten mit gespannten Ohren.

»Ihr begebt Euch nach London«, fuhr der Kardinal nun fort. »Dort sucht Ihr sogleich Buckingham auf.«

»Ich erlaube mir, Eurer Eminenz zu bemerken«, sagte Mylady, »dass seit der Geschichte mit den diamantenen Nestelstiften, wegen deren mich der Herzog stets im Verdacht gehabt hat, Seine herrlichkeit mir misstraut.«

»Es handelt sich auch diesmal«, entgegnete der Kardinal, »nicht darum, sein Vertrauen zu gewinnen, sondern sich ihm auf eine offene und loyale Weise als Unterhändlerin zu nähern.«

»Auf eine offene und loyale Weise?«, wiederholte Mylady mit einer unbeschreiblich doppelsinnigen Betonung.

»Ja, offen und loyal«, versetzte der Kardinal in demselben Ton, »diese ganze Angelegenheit muss offen behandelt werden.«

»Ich werde die Instruktionen Seiner Eminenz buchstäblich befolgen und sehe denselben entgegen.«

»Ihr sucht Buckingham in meinem Namen auf und sagt ihm, ich wisse von allen Vorbereitungen, die er treffe, aber ich kümmere mich nicht im Geringsten darum, indem ich bei der ersten Bewegung, die er wagen würde, die Königin ins Verderben stürze.«

»Wird er glauben, dass Eure Eminenz imstande ist, diese Drohung zu erfüllen?«

»Ja, denn ich habe Beweise.«

»Ich muss diese Beweise seiner Prüfung vorlegen können.«

»Allerdings, und Ihr sagt ihm erstens, dass ich den Bericht von Bois-Robert und vom Marquis von Beautru über die Zusammenkunft bekannt mache, die der Herzog mit der Königin bei der Frau Connetable an demselben Abend gehabt hat, wo die Letztere ein Maskenfest gab. Ihr sagt ihm, damit ihm kein Zweifel übrig bleibt, dass er daselbst im Kostüm des Großmoguls erschienen ist, das der Chevalier von Guise tragen sollte, dem er es um dreitausend Pistolen abgekauft hat.«

»Gut, Monseigneur.«

»Alle Einzelnheiten über seinen Ein- und Austritt im Louvre in der Nacht, wo er sich unter dem Kostüm eines italienischen Wahrsagers eingeschlichen hat, sind mir bekannt. Ihr sagt ihm, damit er nicht an der Echtheit meiner Nachrichten zweifelt, er habe unter seinem Mantel ein weites, mit schwarzen Tränen, Totenköpfen und Knochen in Form von Andreaskreuzen besätes Gewand getragen; denn im Fall der Überraschung sollte er für das Gespenst der weißen Dame gehalten werden, welche, wie jedermann weiß, im Louvre erscheint, so oft ein großes Ereignis um den Weg ist.«

»Ist das Alles, Monseigneur?«

»Sagt ihm auch, ich wisse alle Einzelheiten von seinem Abenteuer in Amiens. Ich werde daraus ein geistreiches Romänchen mit dem Plan des Gartens und den Porträts der Hauptpersonen dieser nächtlichen Szene machen lassen.«

»Ich werde ihm all das sagen.«

»Sagt ihm ferner, ich halte Montaigu fest, Montaigu sei in der Bastille. Man habe allerdings keinen Brief bei ihm gefunden, aber die Folter könne ihn dazu bringen. Alles zu gestehen, was er weiß und selbst … das, was er nicht weiß.«

»Vortrefflich!«

»Fügt endlich bei: Seine Herrlichkeit habe bei der Eile, mit der er die Insel Ré verließ, einen gewissen Brief von Frau von Chevreuse liegen lassen, der die Königin sehr bedeutend kompromittiere, indem daraus hervorgehe, dass Ihre Majestät nicht nur die Feinde des Königs liebe, sondern auch mit denen Frankreichs konspiriere. Ihr habt alles, was ich Euch gesagt habe, wohl behalten, nicht wahr?«

»Eure Eminenz mag selbst urteilen: der Ball der Frau Connetable, die Nacht im Louvre, die Abendunterhaltung von Amiens, die Verhaftung von Montaigu, der Brief der Frau von Chevreuse.«

»So ist es«, sprach der Kardinal, »so ist es. Ihr habt ein sehr glückliches Gedächtnis, Mylady.«

»Aber«, versetzte diejenige, an welche der Kardinal dieses Kompliment gerichtet hatte, »wenn sich der Herzog trotz all dieser Gründe nicht ergibt und Frankreich zu bedrohen fortfährt?«

»Der Herzog ist verliebt wie ein Narr oder vielmehr wie ein Dummkopf«, erwiderte Richelieu mit tiefer Bitterkeit. »Wie die alten Paladine hat er diesen Krieg nur unternommen, um einen Blick von seiner Schönen zu erlangen. Weiß er, dass dieser Krieg die Dame seiner Gedanken, wie er sagt, die Ehre und vielleicht die Freiheit kosten kann, so wird er sich doppelt in Acht nehmen, dafür stehe ich Euch ein.«

»Aber«, sagte Mylady mit einer Beharrlichkeit, welche bewies, dass sie den Auftrag, den man ihr gab, bis an sein Ende durchschauen wollte, »aber wenn er dennoch hart bleibt?«

»Wenn er hart bleibt«, sagte der Kardinal, »… das ist nicht wahrscheinlich.«

»Es ist möglich«, entgegnete Mylady.

»Wenn er hart bleibt …« Seine Eminenz machte eine Pause und sprach sodann: »Wenn er hart bleibt, gut! So hoffe ich auf eines jener Ereignisse, welche die Gestalt der Staaten verändern.«

»Wenn Seine Eminenz die Güte haben wollte, mir aus der Geschichte einige solche Ereignisse anzuführen, »sagte Mylady, »so würde ich vielleicht dieses Vertrauen auf die Zukunft teilen.«

»Nun wohl, zum Beispiel«, antwortete Richelieu, »als im Jahre 1610 wegen einer Ursache, welche derjenigen ungefähr ähnlich ist, die den Herzog in Bewegung setzt, König Heinrich IV., glorreichen Andenkens, zu gleicher Zeit einen Einfall in Flandern und Italien machte, um Österreich von zwei Seiten anzugreifen, nun, geschah es da nicht, dass ein Ereignis Österreich rettete? Warum sollte der König von Frankreich nicht dasselbe Glück haben wie der Kaiser?«

»Eure Eminenz beliebt vom Messerstich in der Rue de la Feronnerie zu sprechen.«

»Allerdings«, sagte der Kardinal.

»Fürchtet Eure Eminenz nicht, die Hinrichtung Ravaillacs werde diejenigen zurückschrecken, welche einen Augenblick den Gedanken haben dürften, sein Beispiel nachzuahmen?«

»Es gibt zu allen Zeiten und in allen Ländern, besonders wenn die Länder durch die Religion geteilt sind, Fanatiker, deren höchster Wunsch es ist, Märtyrer zu werden. Halt! In diesem Augenblick fällt mir ein, dass die Puritaner gegen den Herzog von Buckingham wütend sind, und dass ihre Prediger ihn als den Antichrist bezeichnen.«

»Nun?«, fragte Mylady.

»Nun!« fuhr der Kardinal mit gleichgültiger Miene fort, »es würde sich für den Augenblick zum Beispiel nur darum handeln, eine hübsche, junge, geschickte Frau zu finden, die sich selbst an dem Herzog zu rächen hätte. Eine solche Frau lässt sich finden. Der Herzog ist ein Mann, der bei den Frauen Glück hat, und säete er auch viel Liebe durch seine Versprechungen ewiger Treue aus, so musste er dagegen ebenfalls viel Hass durch seine ewige Untreue ausstreuen.«

»Gewiss«, sagte Mylady, »eine solche Frau lässt sich finden.«

»Gut, eine Frau, welche das Messer Jacques Clements oder Ravalliacs einem Fanatiker in die Hände zu drücken wüsste, würde Frankreich retten.«

»Ja, aber sie wäre die Mitschuldige einer Mordtat.«

»Hat man je die Mitschuldigen Ravaillacs oder Jacques Clements kennen gelernt?«

»Nein, denn sie waren vielleicht zu hochgestellt, als dass man es hätte wagen sollen, sie da zu suchen, wo sie sich befanden. Man würde den Justizpalast nicht um alles in der Welt verbrennen, Monseigneur.«

»Ihr glaubt also, dass der Brand des Justizpalastes einer anderen Ursache als dem Zufall zuzuschreiben ist?«, fragte Richelieu in einem Ton, worin er eine ganz bedeutungslose Frage gestellt haben würde.

»Ich, Monseigneur«, antwortete Mylady, »ich glaube nichts. Ich führe eine Tatsache an, weiter nichts. Ich sage nur, wenn ich Mademoiselle von Montpensier oder Königin Marie von Medicis hieße, würde ich weniger Vorsichtsmaßregeln nehmen, als jetzt, da ich ganz einfach Lady Winter heiße.«

»Das ist richtig«, sprach Richelieu. »Was würdet Ihr also verlangen?«

»Ich würde einen Befehl verlangen, der all das im Voraus bestätigte, was ich zur Wohlfahrt Frankreichs tun zu müssen glauben würde.«

»Aber vor allem müsste man die Frau finden, wie ich sie bezeichnet habe, und die sich an dem Herzog zu rächen hätte.«

»Sie ist gefunden«, sprach Mylady.

»Dann müsste man den elenden Fanatiker finden, der als Werkzeug für die Gerechtigkeit Gottes dienen würde.«

»Man wird ihn finden.«

»Gut«, sagte der Herzog, »dann wird es Zeit sein, den Befehl zu fordern, den ihr soeben von mir verlangt habt.«

»Ew. Eminenz hat recht«, erwiderte Mylady, »und ich habe unrecht gehabt, in der Sendung, womit sie mich beehrt, etwas anderes zu sehen, als was sie wirklich ist, das heißt Seiner Herrlichkeit vonseiten Seiner Eminenz zu melden, dass Ihr die verschiedenen Verkleidungen kennt, mit deren Hilfe es Seiner Herrlichkeit gelungen ist, sich der Königin auf dem Ball der Frau Connetable zu nähern; dass Ihr Beweise von der Zusammenkunft besitzt, welche die Königin einem gewissen Astrologen, der niemand anders war als der Herzog von Buckingham, im Louvre gegeben hatte; dass Ihr einen äußerst geistreichen Roman über das Abenteuer in Amiens samt dem Plan des Gartens, wo diese Geschichte vorfiel, und den Porträts der handelnden Personen, bestellt habt; dass Montaigu sich in der Bastille befindet, und dass ihn die Folter bewegen kann, Dinge zu sagen, deren er sich erinnert, und sogar Dinge, die er vergessen hat; endlich, dass Ihr einen gewissen Brief von Frau von Chevreuse besitzt, der sich in der Wohnung seiner Herrrlichkeit gefunden hat und nicht nur die Schreiberin, sondern auch diejenige, in deren Namen er geschrieben worden ist, bedeutend kompromittiert. Bleibt er dessen ungeachtet hart, so habe ich, da sich, wie gesagt, mein Auftrag hierauf beschränkt, nur Gott zu bitten, er möge ein Wunder zur Rettung Frankreichs tun. So ist es, nicht wahr, Monseigneur, und ich habe nichts anderes zu vollbringen?«

»So ist es«, erwiderte der Kardinal trocken.

»Und nun«, sprach Mylady, ohne dass sie die Veränderung im Ton des Kardinals zu bemerken schien, »nun, da ich die Instruktionen Eurer Eminenz in Bezug auf Eure Feinde erhalten habe, so wird mir Monseigneur erlauben, ihm ein paar Worte über die meinen zu sagen.«

»Ihr habt also Feinde?«, fragte Richelieu.

»Ja, Monseigneur, gegen die Ihr mir Eure Unterstützung schuldig seid, denn ich habe sie mir im Dienst Eurer Eminenz zugezogen.«

»Und wer sind sie?«, fragte der Kardinal.

»Vor allem eine kleine Intrigantin, Namens Bonacieux.«

»Sie ist im Gefängnis von Nantes.«

»Das heißt, sie war dort«, entgegnete Mylady, »aber die Königin hat sich vom König einen Befehl zu verschaffen gewusst, mit dessen Hilfe sie dieselbe in ein Kloster bringen ließ.«

»In ein Kloster?«, sagte der Herzog.

»Ja, in ein Kloster.«

»Und in welches?«

»Ich weiß es nicht; das Geheimnis ist gut verwahrt.«

»Ich werde es erfahren.«

»Und Eure Eminenz wird mir sagen, in welchem Kloster sich diese Frau befindet?«

»Ich sehe keinen Grund, es Euch zu verweigern«, sprach der Kardinal.

»Gut. Nun habe ich noch einen anderen Feind, der mir viel furchtbarer ist, als die kleine Madame Bonacieux.«

»Und wen?«

»Ihren Liebhaber.«

»Wie heißt er?«

»Oh! Eure Eminenz kennt ihn gut«, rief Mylady voll Zorn. »Er ist der böse Genius von uns beiden. Es ist derselbe Kerl, der bei einem Zusammentreffen mit den Leibwachen Ew. Eminenz den Sieg zu Gunsten der Musketiere des Königs entschieden hat; derselbe, der dem Grafen von Wardes, Eurem Emissär, vier Degenstiche versetzte und dadurch die Angelegenheit mit den Nestelstiften scheitern machte; derselbe, der mir, weil er weiß, dass ich ihm Madame Bonacieux entführte, den Tod geschworen hat.«

»Ah! Ah!«, sagte der Kardinal, »ich weiß, von wem Ihr sprechen wollt.«

»Ich will von dem elenden d’Artagnan sprechen.«

»Das ist ein kecker Geselle«, rief der Kardinal.

»Und gerade, weil er ein kecker Geselle ist, hat man ihn um so mehr zu fürchten.«

»Man müsste einen Beweis von seinem Einverständnis mit Buckingham haben«, sprach der Herzog.

»Einen Beweis!«, rief Mylady, »es werden mir zehn zu Gebote stehen.«

»Gut, dann ist es die einfachste Sache der Welt. Liefert mir diesen Beweis und ich schicke ihn in die Bastille.«

»Gut, Monseigneur, aber danach?«

»Wenn man in der Bastille ist, gibt es kein danach«, entgegnete der Kardinal mit dumpfer Stimme. »Ah! Bei Gott!« fuhr er fort, »wenn es mir so leicht wäre, mich meines Feindes zu entledigen, wie es mir leicht ist. Euch den Eurigen vom Halse zu schaffen, und wenn Ihr gegen solche Leute Straflosigkeit von mir verlangtet …«

»Monseigneur«, versetzte Mylady, »Zug um Zug, Leben um Leben, Menschen um Menschen: Gebt mir diesen und ich gebe Euch den anderen.«

»Ich weiß nicht, was Ihr damit sagen wollt«, erwiderte der Kardinal, »und will es sogar nicht einmal wissen. Aber ich hege den Wunsch, Euch angenehm zu sein, und ich sehe nichts Ungeeignetes darin. Euch Euren Wunsch in Betreff eines so untergeordneten Geschöpfes zu gewähren, umso mehr als dieser kleine d’Artagnan, wie Ihr mir sagt, ein lockerer Geselle, ein Raufbruder, ein Verräter ist.«

»Ein Schandbube! Monseigneur! Ein Schandbube!«

»Gebt mir Tinte, Feder und Papier«, sagte der Kardinal.

Es trat ein kurzes Stillschweigen ein, woraus hervorging, dass der Kardinal damit beschäftigt war, die Ausdrücke zu suchen, in denen das Billett beschrieben werden sollte oder es wirklich zu schreiben. Athos, der kein Wort von der Unterredung verloren hatte, nahm seine zwei Gefährten bei der Hand und führte sie ans andere Ende der Stube.

»Nun«, sagte Porthos, »was willst du und warum lässt du uns nicht den Schluss des Gespräches hören?«

»Ruhe!«, entgegnete Athos, leise redend, »wir haben alles vernommen, was wir vernehmen mussten; übrigens halte ich Euch nicht ab, den Rest zu hören, aber ich muss gehen.«

»Du musst gehen?«, fragte Porthos. »Aber wenn der Kardinal nach dir verlangt, was sollen wir antworten?«

»Ihr wartet nicht, bis er nach mir verlangt, Ihr sagt ihm, ich sei als Kundschafter vorausgeritten, weil mich gewisse Worte unseres Wirtes auf den Gedanken gebracht hätten, dass der Weg nicht sicher sei. Überdies werde ich dem Stallmeister des Kardinals ein paar Worte zuflüstern. Das Weitere geht mich an, kümmre dich nicht darum.«

»Sei klug, Athos«, sagte Aramis.

»Seid ruhig«, antwortete Athos, »Ihr wisst, dass ich kaltes Blut habe.«

Porthos und Aramis nahmen ihren Platz bei der Ofenröhre wieder ein.

Athos ging hinaus, ohne ein Geheimnis daraus zu machen, nahm sein Pferd, das mit denen seiner zwei Freunde an die Läden angebunden war, überzeugte mit vier Worten den Stallmeister von der Notwendigkeit einer Vorhut bei der Rückkehr, untersuchte, scheinbar mit großer Pünktlichkeit, das Zündkraut auf seiner Pistole, nahm den Degen zwischen die Zähne und ritt wie ein verlorener Posten auf dem Weg voraus, der zum Lager führte.